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tüt-tüt tsch-tsch-tsch tüt-tüt, an ab geht's mit dem zug nach rokofoland.....
juhuu, trallala, la lala lala, damm da damm da dada
pack die badehose ein, nimm dein kleines schwesterlein
und dann fahren wir zum rohsee...hallo meine lieben freunde der rohen fest- und fröhlichkeit,
wir kennen ja alle das spiel "ich gehe in den urlaub und packe in meinen koffer eine...sonnenbrille...dann der nächste: eine sonnenbrille und eine badehose...usw."
das machen wir jetzt auch mal, okay?un ab fährt hier der zug ins rokofoland. vorne in der lok stehen winkend frank und annette. ich steige hinzu in den ersten wagon
und nehme mit mir an der hand....carolin.
frank und annette dürfen natürlich auch noch jemanden an die hand nehmen. jeder, der an die hand genommen wurde, darf einen weiteren mitnehmen. man darf aber auch selbstverständlich einfach so in den zug einsteigen. aber nicht vergessen, es geht ins rohland.also, bis jetzt im zug:
frank __ alexis __ frei __ ....
annette carolin freicarolin, wenn nimmst du an die hand?
leute, falls euch das zu kindisch ist, seht's mir nach. rohkost verjüngt halt schon.
also, 50 leute passen ganz locker in den zug. ich möchte einen riesenlangen zug sehen. och bitte, macht mir die freude. da freue ich mich dann echt wie ein kind. das würde auch schön aussehen, so ein langer zug.
ich würde ja gerne gleich 20 leute aus dem rokofo hier einladen und in den zug stecken, aber dann wär's ja kein spiel mehr.grüße
alexis
Tagebuchauszüge
Fastenwandern in der Gebirgswüste des Sinai
vom 09. – 22. April 2001
Sonntag, 08. April 2001 15 °° UhrFrankfurt Flughafen. Gate 4.
Ich habe schon zwei Mitwanderer kennengelernt, die mich beim Einchecken an dem gelben Veranstalter-Zettel erkannt haben. Rufus und Elke, wohl zwischen 50 und 60 Jahre alt.
Hier laufen noch ein paar Menschen rum, von denen ich befürchte, dass sie zu unserer Fastengruppe gehören. Wanderschuhe und Isomatte sind wohl fast ein sicheres Indiz. Naja, interessante Leute erwarte ich auch nicht.
In meinem Gepäck befindet sich ein mistneuer, sauteurer Schlafsack. Der reicht bis minus 29 ° C. Im Prospekt stand etwas von Nachttemperaturen bis 5 Grad. Diese Aussage hat mich prompt zur Überziehung meines Kontos veranlasst. Ausserdem habe ich eine Wärmflasche im Gepäck.
Seit Freitag abend bin ich am Fasten. Ich habe eine belegte Zunge, ich bin sehr ruhig. Heute Nacht hatte ich Entgiftungsschmerzen in beiden Oberkieferknochen und im rechten Ellenbogen. Gewicht heute morgen: 62 kg.
15:30 Uhr
Ich habe noch zwei Frauen gesehen, die so einen gelben Veranstalter-Zettel in der Hand tragen. Eine von ihnen trägt einen Riesenohrring in nur einem Ohr. Sie ist mir auf Anhieb unsympathisch.
Der Flug hat Verspätung. Warten.
Ich gehe jetzt in die Abflughalle.
16:40 Uhr
Ich sitze jetzt im Flugzeug. Dauer des Fluges: 6 Stunden. Der Großteil der Passagiere möchte in Ägypten (Zwischenlandung) oder im Sinai Tauchen (Auf den Malediven sind die Korallen aufgrund hoher Wassertemperaturen im letzten Jahr abgestorben, was die meisten Touristen noch nicht wissen).
Die Frau mit dem Riesenohrring ist die Fastenleiterin. – Aaaaaaah! Na gut. Muss ich mich halt arrangieren. Sie hat sich soeben vorgestellt. Ute. Sie kennt weder Cassia, noch Orkos. Na egal, muss sie ja auch nicht. Sie hat für alle Fastenden Glaubersalz mit, allerdings erzählt sie im gleichen Atemzug, dass sie Glaubersalz mittlerweile nicht mehr gut findet, allerdings keine Alternative kennt. Unprofessionell, wie ich finde.
Nach einem kurzen Dialog entscheidet sie sich dafür, vor Ort zu gucken, ob es Cassia-Stangen zu kaufen gibt. Meine Ration reicht wohl nicht für 15 Personen über 2 Wochen.
Ein junger Pfälzer gehört noch zu der Gruppe, ist mir auf Anhieb sympathisch. Ebenso noch ein älteres Ehepaar um die 60.
Meine 2 l frisch gepresster O-Saft sind bald aufgebraucht. Ute´s Begrüßung der Teilnehmer erfolgt mehr zufällig, denn geplant. Gefällt mir nicht.
Man hat hier Raucher und Nichtraucher vermischt, was zu einigen Auseinandersetzungen der Passagiere führt. Mein Nachbar raucht auch. Es gefällt mir nicht, aber ich lasse ihn, kann ja er nichts für, dass bei der Belegung Fehler unterlaufen sind.
Wir sind auf 7600 m Höhe und fliegen mit einer Geschwindigkeit von 881 km/h. Ich lese Raidar Tavarez.
Die Crew verteilt das Bordessen. Es riecht nach Kantine. Ich verzichte und trinke heißes Wasser mit Gelée Royale.
Der Mensch neben mir erzählt, dass er heute morgen auch schon gefastet hat. Heute ist Palmsonntag. Er hat Trompete geblasen bei einer Prozession. Danach ging es ins Wirtshaus. Hm. Jedem sein persönliches Fastenerlebnis.
Ich habe Hunger auf Medjool-Datteln und Sapote Mamy.
21 Uhr
Wir sind jetzt zwischengelandet. Ich bin todmüde und freue mich auf Weintrauben nach dem Fasten. Hoffentlich legt Holgi mir welche in die Wohnung. Ich will Schlafen.
Ah, Mann, das dauert. 2/3 der Passagiere sind nun ausgestiegen. Für ein Glas frischen Mangosaft würde ich so ziemlich alles geben.
Montag, 09.04.2001
15°° Uhr
Die Uhrzeiten sind geschätzt. Ich habe keine Uhr.
Vom Flughafen sind wir mit Taxis in unser Beduinen-Hotel gefahren. Strohhütten. Unmittelbar am Roten Meer.
3 Personen möchten nicht mitfasten. Eine Frau fühlt sich nicht danach. Roswitha. Ute versucht, sie zu überreden. Ich mische mich ein und vertrete die Meinung, dass man sich beim Fasten auch danach fühlen sollte. Vielleicht könne sie ein paar Tage später anfangen. Ute zeigt mir durch einen Blick, dass sie mir dieses Einmischen übel nimmt.
Glaubersalz wird verteilt. 5 Personen nehmen es. Die anderen nehmen Cassia von mir.
Jetzt haben alle Cassis ihre Darmentleerung gehabt, bislang noch kein Glaubi.
Ute erzählt semiprofessionelles über das Säure-Basen-Milieu des Honigs; sie empfiehlt, Honig als Energieschub während des Fastens zu Löffeln. Ich ergänze, dass Ehret und Bragg dem Honig während des Fastens eine schleimlösende Wirkung zusprechen. Das war wohl zuviel. Seitdem werde ich seitens Ute ignoriert. Ok. Ich halte meine Klappe. Aber die Anderen hier sind doch nicht blöd.
Weiterhin empfiehlt sie, den Honig nicht in warmes Wasser zu rühren, wie ich es mache, sondern kalt vom Löffel zu lutschen, da die Spurenelemente sonst kaputt gehen. Ein Blick auf´s Honigglas: Warmgeschleudert. Oh, Malli, halte Deine Klappe, sonst werden es zwei sehr ungemütliche Wochen.
Als weitere Fastenverpflegung für die nächsten 14 Tage gibt es Tetra-Pack-Säfte, importiert aus Zypern, mit einem Zuckeranteil von 26 Prozent, konserviert und mit sämtlichen bekannten Zusatzstoffen. Ich bin unendlich enttäuscht. Kacke. Was soll ich denn dann trinken, in der Wüste?
Ich gehe zur Bar und kaufe mir einen frisch gepressten O-Saft. Kommentar von Ute: ´Das ist nicht so gut beim Fasten.´ Ok. Die Fronten sind geklärt. Das fängt ja gut an.
Ich liege am Meer. Ute kommt, fragt mich über Cassia aus. Aha? Danach gibt sie mir Kochtipps. Danke, ich bin Rohköstler. Paff. Das passt ihr nicht.
Im Laufe des Tages kommen noch 3 weitere Personen zu mir, die Cassia haben möchten. Klar, gerne. Ich freue mich darüber.
Abends gibt es Tetra-Pack-Tomatensaft. Ich trinke Wasser.
In der Wüste wird es Fastensuppe zum Tagesabschluss geben. Wir kochen Gemüse, seihen es ab und löffeln das Sudwasser. Es werden Salze, Brühe, Hefeextrakte, Maisstärke und diverse Gewürze zugegeben. Ich bitte darum, erst später zu Würzen, ich möchte nur den Sud. Eine Tirade über fehlende Nährstoffe seitens Ute lasse ich über mich ergehen und bleibe bei meiner Bitte nach dem Sud.
Jetzt kommen noch 2 Menschen, die Cassia haben wollen. Ich werde das wohl rationieren müssen.
Das Fastenbrechen ist geplant für den Zeitraum, wenn wir wieder zurück im Beduinenhotel sind. Mit Kochkost aus dem Hotel. Reis oder Fisch, oder was es dann hier tagesaktuell gibt. Ich mache mich für Früchte und Gemüse stark.
Inzwischen haben mich 5 Personen angesprochen und mir ihre derzeitige Darmentleerungssituation, sowie ihren körperlichen Zustand geschildert. Sie fragen nach Ernährungstipps. Hm. So unbedingt unlieb ist es mir nicht. Holgi und ich werden uns zum Fastenleiter ausbilden lassen und selbst Fastenkuren anbieten. Schön, zu spüren, dass ich eine gewisse Kompetenz habe. Trotzdem bin ich hier nur Mitreisender, keine Fastenleiterin. Ich werde mich zurückhalten.
Heute ist mein 3. Fastentag. Es geht mir prima. Ich bin fit. Mir ist warm.
Dienstag, 10.04.2001
10;50 Uhr
Wir sitzen im Bus und fahren in die Wüste.
Mit 32 Jahren bin ich die jüngste Teilnehmerin. Der jüngste männliche Teilnehmer ist der Pfälzer. 44. Cliff. Ehemaliger Marathonläufer.
Gestern abend saßen wir in einer Beduinen-Kneipe. Teppiche und Kissen liegen auf dem Boden und es wird wohlduftende Wasserpfeife geraucht. Das Gelage ist nach allen Seiten offen, wir hatten freien Blick auf das Meer, den Mond und die Sterne. Wir haben einen Tee getrunken.
Cliff und ich haben heute Nacht am Strand geschlafen. 1000-Sterne-Hotel. Toll. Um 4 Uhr hat uns der Gesang eines Muezzins geweckt. Sonnenaufgang ist um 5 Uhr. Dämmerung gibt es nicht. Schalter an: hell. Schalter aus: dunkel. Paff.
Wir haben uns einen Teppich gekauft, auf den wir in der Wüste unser Gepäck legen.
Roswitha hat sich entschieden, mitzufasten. Schön.
Anne isst fast nie. Sie ernährt sich von Alkohol, Nikotin, Cola und Kaffe. Selten Käse. Ansonsten fällt sie nach dem Essen in einen komatösen Zustand. Sie ist schlank, sieht gesichtsmässig allerdings sehr ausgemergelt aus. Heute Nacht hat sie 5 l Flüssigkeit über den Darm verloren, wie sie sagt. Es geht ihr sehr schlecht.
In der Gruppe werden homöopathische Mittel, Kreislauftropfen, Augentropfen, Kaugummi, Dextroenergeen und diverse Medikamente gehandelt und eingenommen.
Ute hat Zitronen gekauft und verteilt sie zum Auslutschen. Dass es Limetten sind, sage ich ihr nicht, vielmehr freue ich mich über das Auslutschen.
Wir fahren nach St. Katharin, dem Ort, an dem die Kamele und die Beduinen auf uns warten. Wir fahren gen Norden. Es gibt eine große Linkskurve, dann wieder in den Süden. Mehr Straßen gibt es hier nicht. Eigentlich könnten wir, gäbe es eine Straße, statt 3 Stunden nur 30 Minuten gen Westen fahren.
Ausblick: Die Erde war wüst und leer.
Wir stoppen an einem Beduinenlager und bekommen starken schwarzen Tee. Extrawunsch für uns: Ohne Zucker. Beduinen trinken Tee mit mind. 25 % Zucker. Kurt (56 J.) trinkt die Reste von unseren Tees und ist jetzt völlig aufgekratzt.
Ute verteilt Kreislauftabletten auf Zuckerbasis.
Cliffs Chef ist Möchtegern-Rohköstler und hat seinen Mitarbeitern zu Weihnachten jeweils ein Rohkostbuch geschenkt. Wie sympathisch. Unsere Mitarbeiter müssen sich allweihnachtlich auch über Gesundheitsbücher freuen. Hihi.
Michaela kennt eine Rohköstlerin, mit der sie mal bei Bergk einkaufen war. Kurts Frau, hat kurz vor ihren Krebstod angefangen, nach Konz zu leben. Daher ist er mit dem Thema Rohkost vertraut. Es muss wohl noch mehr von uns geben. Cliff sagt mir gerade, dass er meinen Bericht lesen möchte. Hm. Ist ja mehr ein Ernährungs- denn ein Reisebericht. Aber ok. Ich werde den Anderen nichts von dieser Veröffentlichung sagen. Ute soll davon auf keinen Fall wissen.
Meine Güte, sieht das öde aus. 40 Jahre durch die Wüste? Ne, ne, ne, never.
Heute früh war ich etwas matt. Ich denke an Weintrauben, Ananas, Mangosaft.
Jetzt habe ich 10 Tage keinen Spiegel. Spannend.
Gestern abend haben Cliff und ich in einem Hotelneubau einen Wüstenfuchs gesehen.
Mittwoch, 11.04.2001
8:45 Uhr
Die Beduinen empfangen uns in St. Katharin. Ich gehe runter ins Dorf. Dabei verlässt mich sämtliche Kraft. Mein Zustand ist delirös. Hier kaufe ich ein paar Orangen zum Auslutschen. Die schmecken geil geil geil. Danach geht es mir topgenial. Ein paar Beduinenkinder kommen und wollen mein Messer haben. Sie sind mit 2 Plastiktüten zufrieden.
Unsere Reisepässe sind beim Scheich. Jeder muss seine Identität hier lassen, wenn er mit Beduinen in die Wüste geht.
Die Kamele sind vollgepackt. Sie tun mir leid, aber alle meinen, ´ ach, die können noch viel mehr tragen.´
Die Beduinen laufen mit den Kamelen durch ein Wadi, wir über einen Berg. Auf dem Kopf habe ich ein Beduinentuch, die Sonne knallt. Das Tuch ist Made in Egypt, ist aus Baumwolle und günstiger als die Polyirgendwas-Tücher der Anderen, made in China. Hihi.
Die
Wanderung ist kurzweilig und angenehm. Wir übernachten in
einem Garten. Eine Art kleine Oase, mit Steinen eingemauert, damit
keine wilden Esel reinkommen. Wenn ein Beduine einen Esel haben
möchte, fängt er sich einen. So einfach ist das. Bewässert
werden die Bäume hier per Plastikschläuche, die in der ganzen Wüste
rumliegen. Das Wasser wird in Zysternen gesammelt und per Schlauch
in die gesamte Wüste hinabgeführt.
Die Früchte der Obstbäume sind noch nicht reif.
Wären sie reif, könnte ich wahrscheinlich nicht widerstehen.
Wir trinken Kabak. Die Beduinen haben diese
Pfefferminzpflanze auf der Wanderung gesammelt und einen Tee daraus
bereitet.
Es gibt Suppe. Ute ließ sie zwei Stunden kochen,
damit, wie sich herausstellte, das Gemüse ´al dente´ ist. Ute fastet
nicht mit. Wir haben gefroren, bis zur Suppe. Ab morgen geht das
schneller, das ist beschlossen.
Die zwei Nichtfaster sind satt und möchten kein
Gemüse. Ute: Wenn Ihr nicht fastet, müsst Ihr Essen, es fehlt Euch
sonst Energie. Aaaah. Was für eine Logik. Weiterhin ist sie der
Meinung, dass während des Fastens mindestens alle 2 Tage Stuhlgang
erfolgen solle. Das befinde ich für Quatsch, denke an eigene
Erfahrung und diverse Literatur, aber ich halte meinen Mund.
Es geht mir gut, gut, gut.
Die meisten haben Schlafprobleme. Ich schlafe wie
ein Stein.
18°° Uhr
Ich war in einem Fluss und wollte eigentlich nackt
baden, es war so schön dort. Aber ein Beduine betete gerade gen
Malli. Die Beduinen sind zwar so erzogen, dass sie niemals eine Frau
anmachen würden, aber ich wollte auch nicht unbedingt sein Ehrgefühl
verletzen.
Ich habe mir eine Orange und zwei Limetten in eine
große Wasserflasche gepresst. Isotonische Mischung. Die Wanderung
ist super. Ich habe das Gefühl, ich kann einen Marathon laufen. Ich
hüpfe von Stein zu Stein und bin der glücklichste Mensch der Welt.
Dieser Garten ist nicht so schön wie der erste.
Zwei Beduinen betreuen uns. Sechs weitere sind bei
den Kamelen. Hussien ist 15 Jahre alt, Schüler.. Er hat Ferien und
möchte später in Kairo studieren. Er ist sehr hübsch. Musa
(=Moses) sieht aus wie 78, ist jedoch 53 Jahre alt. Liegt das an der
Ernährung? Fladenbrot und Zuckertee. Beide Beduinen sind
äußerst nett und zuvorkommend.
Die Teilnehmer haben teilweise interessante Berufe.
Radio-Journalist, Headhunter, Künstlerin, ... . Postleitzahlenmässig
ist hier von 2 bis 9 alles vertreten. Bei 15 Teilnehmern ist das
sehr breit gefächert.
Ein Kamel hat einen Höcker wundgescheuert, vom
Festschnallen des Gepäcks. Ein Beduine reibt diesen Höcker ein und
das Kamel macht ein Geräusch wie ein Basssänger, der Autobahn
spielt.
Die Kamele haben die Unterschenkel an die
Oberschenkel gebunden, damit sie nicht weglaufen. Um ihren Kopf sind
Stoffbeutel gebunden. Darin befindet sich Futter. Wenn die Tüten
leer werden, schütteln sie ihre Köpfe in alle Richtungen, um noch
die letzten Körner zu bekommen.
Jetzt sehe ich gleich nichts mehr. Hier in den
Bergen ist es schnell dunkel.
Donnerstag, 12.04.2001 (Gründonnerstag)
Vielleicht 17°° Uhr
Heute ist mein 6. Fastentag. Es geht mir prima. Ich
habe keinen Hunger und fühle mich total fit. Das liegt eindeutig an
der Bewegung.
Die Tour heute war sehr anstrengend. An einer Oase
haben wir gerastet. Schön.
Ich habe wenig Lust, zu schreiben und mich noch
immer nicht eingecremt. Hm. Jetzt sind meine Arme doch verbrannt.
Ich habe 2 Hosen und 3 Pullis an.
Gleich gibt es Suppe.
Freitag, 13.April 2001 (Karfreitag)
Vielleicht 18 Uhr
Heute ist mein 7. Fastentag.
Hurra, ich lebe noch.
Vor ein paar Stunden war ich nicht mehr so ganz
davon überzeugt, diese Wüste wieder lebend zu verlassen. 40 Jahre
hier durch, womöglich noch Kinder und schweres Gepäck auf den Armen,
schlechtes Schuhwerk und jeden Tag Wüste. Das muss die Hölle sein.
Durch die Hölle ins gelobte Land. Also, es muss wohl erst schlimmer
werden (Entgiftung), bevor es besser wird.
Heute hatte ich lange weiße Kleidung an.. Die Tour
war megaanstrengend. In der heißesten Wüstensonne kletterten
wir Steinberge hinauf und herunter. Ich habe heute zum
erstenmal gedacht: ´Malli, fastend durch die Wüste. Du bist ja
lebensmüde.`
Unsere Toilette ist die Wüste. Papier muss verbrannt werden, weil es hier nicht verrottet.
Vor
ca. 10 Tagen hat es hier geregnet. Allerdings erzählt jeder Beduine
diese Regengeschichte anders. Die Berichte reichen von `vor 5 Tagen
hat es 2 h geregnet` bis `vor 10 Tagen regnete es 3 Tage
ununterbrochen`. Insgesamt gibt es hier ca. 4 Regentage pro Jahr.
Die meisten frieren nachts. Mein Schlafsack plus
Wärmflasche haben sich wärmetechnisch schon längst amortisiert.
Die Beduinen trinken während der Wanderungen kein
Wasser. Sie rauchen Zigaretten.
Heimlich bauen die Beduinen Hanf und Mohn an, was
die Ägypter nicht wissen dürfen.
Vor ein paar Wochen unternahm hier ein Tourist
Wanderungen ohne Beduinenführer. Er wurde tot aufgefunden.
Jetzt ist es dunkel und die Suppe fertig.
Cliff ist jeden Abend beim Gemüseschneiden. Das ist
überdurchschnittlicher Einsatz. Er übernimmt quasi meinen Part mit.
Dafür bin ich ihm dankbar, ist doch die Zeit zwischen Wanderung und
Dunkelheit stets knapp.
Samstag, 14. April 2001 (Karsamstag)
Ca. 18°° Uhr
Heute ist mein 8. Fastentag.
Meistens bin ich zu kaputt, um zwischen Wanderung
und Suppe noch Tagebuch zu schreiben.
Gestern Abend war in der Suppe Brühe mit Salz,
Maisstärke, usw. Das hat Ute erst später erzählt. Mir kam es
so vor, als ob die Augen so klein wurden, wie sonst bei
Kochkost. Meine Nase lief. Ich habe die Suppe nicht aufgegessen.
Ich habe Ute gefragt, welche Fastenleiterausbildung
sie hat. Antwort: Keine. – Ah, ja, das erklärt so Einiges. Sie ist
Heilpraktikerin. Ich habe mal am Unterricht in einer
Heilpraktikerschule teilgenommen. Das ist pure Medizin. Die
Praktiken erlernen sie nach ihrer Prüfung in Kursen oder
autodidaktisch. Ute macht irgendwas mit Farbtherapie.
Heute morgen hat Cliff mich um 7°° Uhr geweckt.
Gepäck packen und weiterwandern. Die Tour heute sollte lang sein.
Bis zum Zenitstand der Sonne wollten wir unseren Mittagspauseplatz
erreicht haben. Ich lag wie tot in meinem Schlafsack. Mir war
speiübel. Orangen gibt es keine mehr. Die Beduinen mit den Kamelen
können derzeit nicht einkaufen gehen, weil wir zu weit von dem Dorf
(es gibt nur eins) entfernt sind.
Ich habe dann Tetra-Pack-Ananassaft getrunken.
Danach ging es mir prima. Statt mit Limetten habe ich mein Wasser
heute mit diesem Saft gemischt.
Hussien hat sich heute an einer Wasserstelle
hingekniet und aus seinen Händen getrunken. Indiz dafür, dass wir
Oberflächenwassertrinker sind?
Durch die starken Regenfälle sind einige Wege zu
kleinen Flüssen geworden. Heute mussten wir einen Weg überqueren,
der es erforderte, die Schuhe auszuziehen und die Hosen sehr hoch zu
krempeln.

Der Weg heute war sehr klippig. Teilweise ging es nur ohne Gepäck, weil wir zwei Meter hohe Steine runterrutschen mussten, um weiterzukommen.
Mittags
waren wir an einer wunderschönen Oase mit eiskaltem Wasser. Oh, tat
das gut.
Durch die vermehrte Pflanzenwelt (Ute ist zum 10.
Mal hier und meint, eine solche Vielfalt hätte sie noch nicht
gesehen) gibt es hier auch vermehrt Esel. Schöne Tiere.
Heute haben wir Apfel-, Aprikosen-, Pfirsich- und
Mandelbäume, Brombeer- und Weißdornbüsche gesehen. Alles noch nicht
reif. Der Weg war geziert von einer Kräutervielfalt, die
wunderbar duftete. Die Beduinen sammelten fleißig. Heute abend gibt
es sie als Tee.
Jetzt ist es wieder eiskalt. Tags knallte die
Sonne. Teilweise 35 ° im Schatten.
Dieser Garten verfügt über eine Dusche. Ein
Schlauch mit Gebirgswasser ist an eine aufgehängte Plastikflasche
gesteckt. Eiskalt. Ich weiß noch nicht, ob ich mir die Haare wasche.
Mit Shampoo und Packung dauert es sehr lange, bis alles wieder
rausgewaschen ist. Ohne Packung kann ich es sein lassen. Ist eh
schon fast alles verfilzt.
Noch immer habe ich keinen Stuhlgang, was mich
nicht stört. Dienstag war das letzte Mal. Cassia will ich nicht.
Ute empfahl heute das ideale Fastengetränk für zu
Hause: Heißer Rotwein mit viel Honig.
Die meisten Frauen menstruieren. Fast alle außer
der Reihe. Teilweise sehr stark und lang. Ist für mich umso mehr ein
Zeichen, dass dieses eine Art der Reinigung ist.
Ich habe Magenschmerzen und Lust auf Plinzer
(Reibekuchen), Königsberger Klopse, Leber mit Kartoffelbrei,
Erbsensuppe, Möhreneintopf und überbackene Nudeln. Alles Leibspeisen
meiner Kindheit.
Es geht mir gut. Ich hatte heute sehr lange das
Gefühl, ich sei der glücklichste Mensch der Welt.

Meine Taschenlampe ist kaputt. Jetzt wird es dunkel. Cliff teilt seine Lampe mit mir, was bedeutet, dass wir die Wege Abends nur gemeinsam gehen können (vom Feuer zum Schlafplatz). Ohne Lampe ist man hier im Nirwana. Allerdings ist seine Lampe auch schon ganz schwach.
Beim
Wandern hat mir Kurt erzählt, dass er bei jeder
Schwangerschaft seiner Frau (4 Söhne) einige Kilo zugenommen
hat. Beim ersten Kind hatte er sogar Wehen und musste sich zum
Zeitpunkt der Geburt vor Schmerzen auf dem Nachbarkrankenbett
krümmen. Das erklärt so manches, wie unsere Psyche, das
Unterbewusstsein und unser Körper zusammenspielen. Ich glaube schon,
dass wir Vieles, was unserer Seele fehlt, oral befriedigen.
Sonntag, 15. April 2001 (Ostersonntag)
17:40 Uhr
Heute Nacht war es minus 6 Grad. Wir haben uns fast
totgefroren, dachten wir jedenfalls. Sogar die, die in Zelten
schliefen haben gefroren. Meine Wärmflasche war nach kurzer Zeit
kalt.
Ich fühle mich doof, habe Unterleibsschmerzen. Wo
kommen die denn her?
Ich habe 2 Tomaten ausgelutscht. Den Rest
runtergeschluckt. Die Anderen schlucken Mineralttabletten. Einige
sind heute nicht mitgewandert. In diesem Garten bleiben wir 3
Nächte. Eine Pause tut gut. Ich habe mit Cliff einen kleinen
Spaziergang am Wadi entlang gemacht. Es war sehr schön.
Wir hörten ein paar singende Beduinen auf uns
zukommen und freuten uns schon auf dieses kleine Kulturerlebnis. Wir
blieben stehen und was und entgegen kam, war ein Beduine mit einem
Kassettenrekorder auf den Schultern.
Cliff könnte noch mehr laufen, hat aber seit
Anbeginn der Tour Knieprobleme. Er ist ehemaliger Marathonläufer.
Ernährt sich semigesund, hat einen hohen Pastaanteil. Er sieht aber
sehr gesund und vital aus. Hat eine sehr gute Figur. Sport ist nicht
zu unterschätzen. Er sieht gesünder aus als viele gleichaltrige
Rohköstler, die ich kenne. Das motiviert zum Sporten. Allerdings
nicht sofort hier. Meine Energie geht teilweise schnell verloren.
Wer mich hier sieht, glaubt nicht, dass ich 10 km problemlos durch
den Wald rennen kann.
Ich habe geduscht. Von allen Bergen kann man in
diese Dusche ohne Dach gucken, aber egal. Als ich fertig war (16°°
Uhr), ging die Sonne weg. In den Gärten ist die Sonne immer schnell
weg, weil sie meist von Bergen umgeben sind. Naja, habe noch immer
einen kühlen nassen Kopf.
An den Körperstellen, die ich mir mit Sonnencreme
einrieb, habe ich jetzt einen Ausschlag. Der Körper wirft das Zeugs
direkt wieder raus. Ich habe mir Socken abgeschnitten und wie
Stulpen über die Hände gezogen.
Jetzt menstruiere ich auch. Auch außer der Reihe.
Somit erleben jetzt alle geschlechtsreifen Frauen dieser Gruppe
unter 50 Jahren diese Art der Reinigung. Da es nun ein
Massenphänomen ist, ist keine von uns beunruhigt. Es sorgt vielmehr
für Heiterkeit. Es ist bei allen mehr Schleim als Blut.
Beim Schnäuzen hatte ich heute morgen Blut in der
Nase, ebenso uralte feste Brocken. Auch mit dieser Erfahrung stehe
ich hier nicht alleine.
Das Fladenbrot der Beduinen ist staatlich
subventioniert. Es besteht aus Weizenmehl, Wasser und Salz. Sie
backen es jeden 3. Tag auf einem auseinandergerollten alten Ölfass.
Cliff will zu Hause eine Regentonne auseinanderrollen und im Garten
Ähnliches versuchen. Lustig.
Ich wäre jetzt schon gerne wieder am Roten Meer.
Dort scheint die Sonne abends länger und es wird nachts nicht so
kalt wie hier in den Bergen.
Niemand von uns hat erwartet, dass wir hier solch
steile Klippen hochklettern müssen.
Ich glaube, die Entgiftung fängt jetzt erst richtig
an.
Es ist kalt. Eiskalt.
Montag, 16. April (Ostermontag)
Vielleicht 9°° Uhr
Heute Nacht war es minus 3 Grad. In der
zweiten Nachthälfte habe ich gefroren und war teilweise wach.
Heute soll die Tour noch anstrengender sein als
gestern (die Mitwanderer haben alle geschimpft, von denen geht heute
keiner mit).
Ich fühle mich topfit. Aber ich habe meine Tage.
Aus der Vergangenheit weiß ich, dass ich teilweise beim Joggen
umkehren musste, obwohl ich mich vorher gut fühlte. Ich denke, ich
bleibe hier, mache einen Spaziergang in die andere Richtung des
Wadis. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht verlaufen kann.
Einige sprechen davon, mit den Kamelen zurück zum
Beduinenhotel zu gehen, sie haben keine Lust mehr. Ich hätte auch
nichts dagegen, aber ich will unbedingt noch den Mosesberg
ersteigen.
Irgendwie muss ich Cliff davon überzeugen, dass er
die Tour weiter mitmacht, trotz Knieproblemen, wir sind ein
gutes Team geworden.
Gestern Abend gab es eine Diskussion zum Thema B12.
Ute: Das ist in jedem Gemüse drin. Oh, ne, da hab ich dann doch
Einiges zu sagen müssen. Dass das nicht stimmt, wussten die meisten
Teilnehmer schon. Also habe ich von Selbstproduktion bei gesunder
Darmflora, Vorkommen in sämtlichen tierischen Produkten (es gibt
hier Vegetarier, aber keine Veganer), Algensorten, Gelée Royale,
usw. erzählt.
Natürlich hat es Ute nicht gefallen. Aber hej, die
Anderen sind ja nicht blöd.
Jetzt gibt es wieder Orangen. Ich werde sie in
Wasser pressen, zusammen mit Limetten.
Musas Kamel ist gestorben. Es war ein trächtiges
Weibchen. In der zweiten Schwangerschaftshälfte wollen Kamele allein
sein. Es stand in einem Tal und Musa wollte es gestern besuchen. Es
war nicht da und er fand es dann tot an einem Abhang. Sie vermuten,
dass es von einer Schlange gebissen wurde. Schlangen wehren sich
eigentlich nur, vielleicht hat das Kamel die Schlange zufällig
getreten? Schlangen meiden angeblich Menschen.
Das Kamel war im 6. Monat. Sie tragen 12 Monate. Es
war 5 einhalb Jahre alt. Kamele werden ca. 28 Jahre alt. Ein
Durchschnittskamel kostet ca. 1500 DM, ein Rennkamel (bis 40 km/h)
ca. 7.500 DM. Musa hatte dieses Kamel erst vor einem halben Jahr
gekauft. Es war sein Einziges.
Er hat 7 kleine Kinder, die ihm vor dieser Tour
sagten, er solle das Kamel von ihnen küssen. Jetzt sitzt Musa am
Feuer, sieht traurig aus und weiß nicht, wie er es seinen Kindern
sagen soll.
Nachts werden wir manchmal durch Eselgeschrei
geweckt. Das hört sich an, als würden sie abgeschlachtet. Von wegen,
IA.
Ich träume extrem viel und auch sehr intensiv.
Heute Nacht habe ich, glaube ich, mein Verlangen nach Plinzern
begraben. Seit Wochen habe ich Lust auf Plinzer gehabt, auf Plinzer,
wie Omi sie machte. Heute Nacht war ich auf der Beerdigung meiner
Oma (seit 10 Jahren tot). Meine Lust auf Plinzer ist mitgestorben.
Hunger habe ich bis jetzt noch nicht gehabt,
während des Fastens. Ich glaube, heute ist mein 10. Fastentag.
Manchmal stelle ich mir Weintrauben, Ananas, Sapote Mamy, Mangosaft,
frische Feigen, Kirschen und Erdbeeren vor. Ich freue mich so
unendlich auf die Früchte.
Der Nasenschleim ist nach wie vor blutig, der
Hautausschlag noch nicht weg. Meine Haut schuppt sich extrem.
Es geht mir saugut.
Gestern abend am Feuer hat ein Beduine Cliffs Knie
mit warmem Wasser und Salz einmassiert. Wir verstehen uns prima mit
den Beduinen. Eine sehr harmonische Art des Umgangs. Wir
verständigen uns auf Englisch. Ein paar Worte Deutsch `schön` und
ein paar Worte arabisch `Yala`= Gehen, sind zum allgemeinen
Wortschatz hinzugekommen. Natürlich gibt es auch Missverständnisse.
Es macht Spaß, so zu leben.
Ca. 17°° Uhr
Über die Hälfte der Gruppe ist heute hier
geblieben. Ich bin mit Cliff am Wadi langmarschiert. Wunderschön.
Wir haben für Musa gesammelt. Jetzt kann er sich
ein neues Kamel kaufen.
Heute habe ich einen Kamel-Instinkto-Test gemacht.
Ein Kamel aß eine Sorte Pflanze, welches ihm ein Beduine gepflückt
hatte. Ich pflückte eine andere Sorte und hielt es ihm hin. Das
Kamel roch ausgiebig, ließ die erste Sorte fallen und aß meine
Pflanze weiter. Ich pflückte noch mehr davon. Jedesmal roch das
Kamel, aß es dann. Nach ca. 5 Stängeln roch es, nahm es nicht und aß
die erste Pflanze weiter. Ich habe dann noch eine dritte Pflanze
gesammelt. Das Kamel roch, entschied sich aber wieder für die erste
Pflanze. Burger würde es `Wegriechen´ nennen.
Beim Pflücken der Kräuter habe ich mich an einem
Grashalm geschnitten. Es fing sofort an zu bluten. Ich ging
zum Gepäck, holte ein Pflaster und: es blutete schon nicht
mehr. Jetzt ist der Schnitt schon fast verheilt.
Ich habe Lust auf einen fetten Salat mit Ei und
Mais und Gemüse und Joghurt-Sauce. Ich liege im Schlafsack. Es ist
eiskalt.
Dienstag, 17. April
16°° Uhr
Heute hat Klaus Prüfung.
Heute nacht hatten wir 3 Grad plus. Wow.
Der Weg heute war eben. Die Tour hat nur 3 Stunden
gedauert. Die Sonne stand im Zenit und war extrem. Mein Zustand war
delirös. Ich wollte nicht mehr Weiterlaufen, ich wollte nicht
aufhören, zu Laufen, ich wollte nicht Essen, ich wollte nicht
Trinken. Ich wollte nur meine Daseinsform ändern. Körperlos wollte
ich sein. Jede Steigung bewirkte sofortige Mundtrockenheit. Cliff
trottete heute auch nur kraftlos neben mir her.
Morgen geht es auf den höchsten Berg hier,
Katharinenberg. 2.400 m. Allerdings befinden wir uns schon auf ca.
1700 m. Und bergauf ist nicht nur bergauf. 2 Schritte hoch,
drei runter, 4 hoch, 2 runter, oder so. Ich glaube, ich streike
morgen, wie die meisten anderen auch.
Ich gehe mit den Kamelen ins Dorf, dann zum Camp.
Ich muss hier keine Heldentaten vollbringen.
Wir sind in einem neuen Garten. Hier ist der erste
nervige Beduine, dem wir bislang begegnet sind.
Unterwegs haben wir eine hellblaue Echse gesehen.
Hussien hat heute Knospen von einem wunderschönen
alten Maulbeerbaum gegessen. Konz, Wandmaker, Burger, ... alle haben
Recht. Wir haben auch einen wunderschönen alten Olivenbaum
gesehen.
Carolin weint, andere sind missmutig. Kurt strahlt
seit zwei Tagen und Rufus singt `Just walking in the rain´.
Viele glaubern jetzt, oder machen Einläufe. Cliff
und ich essen Cassia. Der nervige Beduine kam an, meinte, er hätte
Manna gerochen, er habe Kopf- und Magenschmerzen, ob er etwas haben
könnte. Ich habe ihm ein kleines Tütchen davon abgepackt.
Die meisten von uns sind heute angenervt. Viele
stört es, dass es nur diese Tetra-Pack-Säfte gibt. Meine Güte, Ute
macht das hier zum 10. Mal. Mir fallen eine Menge gesündere
Alternativen ein.
Die meisten Teilnehmer haben schönere Gesichter
bekommen, größere, leuchtendere Augen und einen entspannteren
Gesichtsausdruck.
Seit zwei Tagen reden fast alle von Currywurst,
tauschen Kochrezepte und Adressen guter Restaurants.
Jesus und Mohammed haben auch hier gefastet. Aber
sicher nicht zu dieser Jahreszeit, bei 6 Grad minus. Sicher sind sie
auch nicht täglich irgendwelche Klippen hochgerannt. Fasten könnte
ich hier auch länger. Wenn ich auch alles habe, Hunger jedenfalls
keinen.
Am Oberschenkel habe ich ein Ekzem. Gestern hatte
ich Entgiftungsschmerzen in den Fingern. Ich bin noch dünner
geworden.
Mittwoch, 18. April
14:15 Uhr
Gestern Abend gab es eine Ernährungsberatung
seitens Ute. Einleitung: Es gibt heißblütige Menschen, wie
Malli, für die ist die Rohkost genau das Richtige. Dann gibt es
Menschen, die brauchen Gewürze, das sind die, die gerne Currywurst
essen. Am besten ist es, man macht es nach moderner chinesischer
Methode: In jeder Mahlzeit von allem etwas: etwas Süßes, etwas
Saures, etwas Würziges.
Gewürzt wurde diese Tirade mit einigen Unwahrheiten
über Säuren und Basen. Ich ließ ihr diesen Auftritt. Die meisten
hatten schnell genug von diesem Vortrag und meinten, sie solle
weiteressen, das Gemüse würde kalt. Hihi.
Heute Nacht war es warm. Der Gang nach St. Katharin
war leicht. Vielleicht 2 Stunden. Dort habe ich mir mit Cliff eine
Cantaloupe-Melone geteilt. Das war genau richtig. Einige tranken
Kaffe, aßen Bonbons usw. Fast jeder hatte sein persönliches kleines
Fastenbrechen.
Auf dem Rückweg saß ich auf einem Kamel. Es hat
Spaß gemacht. Als wir ankamen, aß das Kamel als erstes alte
Kamel-Fäkalien. Ich habe mal ein altes Buch über die Dreckapotheke
gelesen. Hm.
Ich lese Bernd Bieder.
Morgen
wird das Fasten gebrochen. Jetzt doch mit Früchten. Zum
Sonnenuntergang auf dem Mosesberg.
Noch immer habe ich den Ausschlag an den Armen und
Beinen, nach wie vor dicke alte Klumpen in der Nase.
Freitag, 20. April
12:16 Uhr
Hitlers Geburtstag, fällt mir gerade ein.
Mittwoch Abend waren wir bei dem Besitzer des
Gartens zum Tee eingeladen. Wir waren teilweise schon im
Schlafanzug, mussten einen ganzen Berg runterwandern, das sah
bestimmt lustig aus.
Der Gartenbesitzer war einer der Reicheren.
Es liefen dort einige Frauen und Kinder jeglicher Generation
rum. Alle wohlgenährt. Nur ein Junge sah anders, dünn und krank aus.
Kurt meinte, es seinen hier bei den Beduinen ca. 500 Waisenkinder
aus Bosnien und Kroatien untergebracht worden. Vielleicht war dieser
Junge so ein Kriegskind?
Wir setzten uns auf Teppiche und bekamen Tee. Für
uns extra ohne Zucker. Es war schwarzer Tee, ich habe ihn
nicht ausgetrunken.
Anschließend packten die vermummten Frauen (sie
vermummen sich ab der ersten Menstruation) Unmengen an Plastiktüten
aus ihren schwarzen Gewändern hervor. Darin befanden sich Schmuck,
Steine und Stickereien. Die Kinder breiteten es vor sich aus und eh
wir uns versahen, befanden wir uns auf einem orientalischen
Basar.
Der Vater spielte Harfe. Diese bestand aus einer
alten Teedose, Telefonkabel, 3 Hölzern und 5 kleinen Ästen. Es
hörte sich genial an. Klar war der Hintergrund der Einladung
ein kommerzieller, es war trotzdem urgemütlich.
Donnerstag waren wir im Katharinenkloster.
Menschenmassen. Das meiste habe ich mir nicht angeschaut. Es war ein
Kulturschock. Autos und echte Klos (ich hatte die Wüste
diesbezüglich schon sehr gern gewonnen). Den ´brennenden
Dornbusch´ habe ich gesehen. Er sah so unheilig aus, ich denke, er
war es nicht.
Seit ein paar Tagen fletchere ich sogar das Wasser.
Ich speichele es ein, bevor ich es runterschlucke.
Es ist eiskalt. Heute habe ich mir eine Shishah,
eine Wasserpfeife gekauft. Es geht mir gut. Habe heute, auf Bitte
von Ute, das offizielle Fastenbrechenobst für Alle gekauft.
Abends gab es auf unseren Wunsch (nicht von allen) Original Beduin Tea (means: Hasch). Musa bereitete ihn in einer alten Fantadose auf dem Feuer. War bitter. Haben dann noch Unmengen Zucker beigemischt. Dann war es lecker. Hussien meinte, es sei strong, also teilte ich mit Cliff ein kleines Glas. Fastenbrechen. Hihi. Das passte da einfach hin. Es war meine erste Begegnung mit so einem Zeugs. Aber war mir egal. Wirkung: Blieb aus. Auch bei Cliff. Schade eigentlich. Andere hatten einen Farbflash, mehr nicht. Ich habe Lust, das noch mal auszuprobieren, wenn die Situation passt.
Samstag,
21. April
Ca. 14 Uhr Wir sind wieder im Beduinenhotel.
Das Spiegelbild ist sehr freundlich.
Schmales Gesicht, große, klare Augen. Dünn. Bei der nächsten
abnehmenden Mondphase werde ich wieder fasten, es ist noch nicht
aller Schrott weg.
Strandtag. Wunderbar.
Nachtrag
Meine Zähne waren noch nie so weiß wie
unmittelbar nach dem Fasten.
Ich habe Kochkost gegessen, so halb mit Rohkost.
Mir war nach Reis, usw.
Stuhlgang hatte ich nur unter Schmerzen. Mit Obst
ging gar nichts. Mit Reis ging es dann. Wie gesagt, unter Schmerzen.
Das kenne ich gar nicht mehr, seit 5 Jahren Rohkost.
Ich habe mich viel bewegt, viel Sport gemacht,
seitdem. Ich laufe 90 Minuten durch den Wald oder fahre viel
Fahrrad.
Michaela ist fast 50 und hat eine gute junge
sportliche Figur. Sport ist wichtig. Die Lebensfreude, die nach dem
Fasten die meisten haben, ist besser als die der Hunnis, die ich
kenne.
5 kg habe ich abgenommen, nachdem ich wieder einige
Tage esse, also vielleicht insgesamt 7. Wahrscheinlich sind es
jetzt nur noch 2 oder so. Ich esse sehr viel und vertrage alles. Mir
fehlt die Sonne und Cliff fehlt mir auch.
Ich habe Sehnsucht nach dem Fasten. Ich werde es
wieder tun. Es fühlt sich so gut an. Meine Rohkost hatte zuviel
Früchteanteil, ich werde das ändern. Es fühlt sich jetzt anders an,
als vor dem Fasten.
Die Ausbildung zur Fastenleiterin ist beschlossene
Sache. Holgi macht mit. Supi. Wir sind ein super Team.
Es ist viel mit mir passiert. Einiges trägt langsam
Früchte. Ich beginne, Dinge zu ändern. Die Nachwirkungen sind groß.
In den nächsten abnehmenden Mondphasen werde ich Fasten. Es ist ein
tolles Gefühl. Man darf nur nicht in der Ecke liegen. Bewegung
ist ein Muss.
