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Handwerksbetrieb schließt !

Hier schließt leider auch aus Altersgründen ein guter Metzger oder Bäcker nach dem anderen, das ist schon sehr Schade, vor allem wenn man an den Geschäften vorbei fährt und sich denkt, ach jetzt würdest dir gern ein Stück warme Fleischwurst, ne Frikadelle oder nen LKW holen, Weiß man doch, wie gut es von da immer geschmeckt hat 🤷‍♂️
 
Das ist wohl überall das gleiche, aber die Bürokratie und die Vorschriften tun ihr übriges. Vor ein paar Jahren hatten wir auf einem Dorf noch einen Metzger ohne Laden, der hat nur abgebundene, Verpackte oder in Gläsern und Dosen eingemachte Wurst verkauft.
Dann kam die Kontrolle und seine erst 5 Jahre vorher neu erbaute Wurst- und Schlachtküche entsprach auf einmal nicht mehr den gültigen Regeln. Obwohl er in diesen Räumlichkeiten niemals Kundeverkehr hatte und das auch nie vorkommen würde, wurden Ihm Kundentoiletten vorgeschrieben. Der Verkauf lief über die dazu gehörige Gaststätte in einem Nebenraum mit Kühlgeräten (Toiletten vorhanden). Hier wollten man Ihm eine Kühltheke vorschreiben.
Das ganze hätte nochmal 100.000€ gekostet und das für nix. Da hat er beschlossen auf zu hören. Wie man sieht, hat es sehr wohl auch viel mit Bürokratie und Vorschriften zu tun und nicht damit ob es sich rentiert oder nicht.

Ein aktueller Fall von unserem Bauernmarkt hat ebenfalls das Problem der Nachfolge. Obwohl Kinder da sind die schon im Betrieb mitarbeiten, will keiner das Geschäft übernehmen. Der eigene Schweinstall wurde abgerissen, kommen jetzt Wohnhäuser hin. Und wieder einer weniger.

In den letzten Jahren haben bestimmt 5 Metzgereien bei uns aufgehört und nur eine ist neu dazugekommen. Dafür haben wir ein paar Einkaufszentren mit riesigen Wurst- und Fleischtheken.

Es wird nicht besser und wir können fast nichts dagegen tun. Wir kaufen schon seit Jahren nur beim Metzger ein, egal ob im Laden oder auf dem Markt und trotzdem verschwinden immer mehr. Geiz und billiges Fleisch sind eben doch Gail.

Gruß Ralph
 
Ich bin Metzgersohn, habe studiert weil ich nichts mit dem Betrieb am Hut haben wollte, aber die Leidenschaft fürs Kochen und Lebensmittel hat mich wieder zurückgeführt in den Familienbetrieb. Mein Bruder ist Metzgermeister und die nächste Generation der Metzgerei, ich werde unser Hotel weiterführen, unterstütze ihn in der Metzgerei und gemeinsam machen wir Catering vor allem an den Wochenenden. Unsere Eltern sind um die 60 und noch sehr schlagfertig und fit. Dennoch müssen wir uns überlegen wie wir das ganze ohne unsere Eltern und ohne Aussicht auf richtig gutes Personal stemmen können.

Alles was hier in dem Artikel beschrieben wird, ist für viele Metzgereien zutreffend, wir schlachten auch nicht mehr, weil wir ein neues Schlachthaus bauen hätten müssen und das damals (2006) eine halbe Million gekostet hätte.
Sonst lassen uns die Behörden zum Glück größtenteils in Ruhe, jedoch mussten wir auch immer wieder unseren Betrieb etwas anpassen und modernisieren.

Die Energiepreise sind ein riesen Problem, weil die großflächige Bereitschaft gutes Geld für gute Produkte auszugeben fehlt. Die Kunden sind bequem geworden und möchten am besten alles an einem Platz kaufen.
Es reden zwar immer alle davon, dass sie ja jetzt zwar weniger Fleisch essen, aber dafür nur gutes vom Metzger. Das kommt einfach nicht bei uns an.
Wir haben jetzt unseren letzten Laden geschlossen, setzen mehr aufs Catering, beliefern mehrere Supermärkte im Umkreis mit Wurstgläsern, Handwürsten, geräuchertem und selbst produzierten Fertiggerichten und vorgegarten BBQ Produkten. Wir stellen Biltong her und versuchen unseren Online Shop auszubauen.
Das normale Metzgerhandwerk mit Ladentheke funktioniert bei uns in der Gegend einfach nicht mehr ausreichend.

Wir haben aber auch tatsächlich die besondere Situation, das es im Dorf noch einen Metzger gibt und im Nachbardorf (2km weiter) nochmal zwei Metzger. Alles gute Metzger mit jungem Nachwuchs ( bei zweien sogar mit Metzgermeistern als Nachwuchs) die auf einem Radius von 4 km angesiedelt sind.

Das macht es natürlich schwerer, weil jeder ein Stück vom Kuchen abhaben möchte.
Deshalb spezialisieren wir uns weg vom klassischen Metzger um überleben zu können.
 
Natürlich ist es sehr schade, dass hier nach langer Tradition ein Familienbetrieb aufgeben muss.

Leider liegt das Problem, neben dem typisch deutschen Bürokratismus, auch in der Bereitschaft der Kunden, für erstklassige Ware auch einen vernünftigen Preis zu bezahlen.
Leider haben auch Discounter mittlerweile "Frischfleisch" in den Regalen.
Leider gibt es immer mehr selbsternannte Veganer, Vegetarier, Frutarier, etc. (ich gendere bewusst nicht, weil mir das der Schmarrn viel zu groß ist).

Würden sich die Konsumenten wieder etwas mehr auf regionale und saisonale Produkte besinnen, wäre die CO2-Bilanz deutlich besser und auch der Preisdruck nicht mehr so hoch.
Warum brauche ich ein argentinisches Steak? Haben wir kein guten Rindfleisch mehr in Deutschland?

Dann kommt noch erschwerend die Suche nach gutem und willigem Personal bzw. Nachwuchs dazu.

Wie bereits geschrieben, muss heutzutage die Work-Life-Balance stimmen.

Ja leck mich doch am A... was soll der Mist?
Ich bin seit 26 Jahren als Zulieferer der Fahrzeugindustrie selbst- und ständig, arbeite sehr oft auch am Wochenende, weil viele meiner Kunden im Mittleren Osten/Nordafrika sind.
Frägt mich jemand, wie meine Work-Life-Balance aussieht?

Warum ist Deutschland nach 1945 eine bedeutende Industrienation geworden?
Weil sich unsere Großeltern und Eltern den A... aufgerissen haben, um hier etwas aufzubauen.
Fleiß war eine Tugend - heutzutage wird man ja fast schon belächelt, wenn man viel arbeitet.

Diese Entwicklung geht mir dermaßen gegen den Strich.

Was will man aber auch von einer Regierung erwarten, die Arbeit nur von den Eltern her kennt und auch keine (handwerkliche) Ausbildung mehr genossen hat, bzw. auch nur ansatzweise davon Ahnung hat, was sie uns vorschreiben wollen...
 
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