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Pho - vietnamesische Nudelsuppe 🇻🇳🍜 Eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Glück

Kinglui

Bosna-Virtuose & Sherlock Holmes des Lachses
10+ Jahre im GSV
Foto des Monats
Servus beinand,
letztes Jahr Jahr habe ich mich vertieft mit dem Thema Tonkotsu-Ramen beschäftigt...
Diesen Herbst/Winter wird was neues ausprobiert. Die nächste Nudelsuppe auf meiner Asien-Reise ist Pho aus Vietnam. Hierbei habe ich mich wieder langsam an die Thematik heran getastet. Erstmal Rezepte aus dem Internet gesucht und ein paar nach gekocht. Dann Literatur besorgt und tiefer in die Welt der Pho abgetaucht.

Dieses Buch kann ich sehr empfehlen:
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Einleitend gibt es von mir ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Pho, welche ich zum Teil aus dem oben gezeigten Buch, aus andern Kochbüchern oder dem Internet habe. Wer hierauf keine Lust hat, kann gleich zum Rezept springen.

Was ist Pho? - Historisches
Anfangs möchte ich Andrea Nguyen der Autorin des Buches Pho - Vietnams magische Nudelsuppe zitieren, welche das Verhältnis der Vietnamesen zu ihrer Nudelsuppe ziemlich schön beschreibt:

"Reis ist die treue Ehefrau, auf die man sich verlassen kann, sagen wir. Pho ist die kokette Geliebte sie man heimlich besucht. "
Hieraus kann man schon ableiten, welchen hohen Stellenwert eine Pho für die Vietnamesen hat.

Pho ist ein relativ neues Gericht aus der Küche Vietnams, welches anfangs des 20. Jahrhunderts im Norden des Landes aufkam. Vietnam war von den 1880er Jahren bis 1954 von den Franzosen besetzt, welche Rinder hauptsächlich für Steaks schlachteten. Die übrig geblieben Knochen wurden von den Vietnamesen weiterverarbeitet. Rindfleisch war zu jener Zeit eher unbekannt und Metzger mussten mit Sonderangeboten dafür werben. Die Straßenverkäufer die bereits Nudelsuppe mit Wasserbüffelfleisch verkauften witterten eine Chance und ersetzen den das Büffelfleisch durch Rindfleisch, kochten die Rinderknochen sehr lange aus und ersetzten die Reisfadennudeln durch Bandnudeln. Die Kunden der Straßenverkäufer waren anfangs hauptsächlich chinesische Wanderarbeiter welche auf Handelsschiffen auf dem roten Fluss arbeiteten. Somit wurde der Geschmack und die Gewürze auf diese Zielgruppe angepasst.

Mit der Zeit entwickelten sich zwei verschiedene Pho-Varianten. Die ursprüngliche Pho hatte ihren Ursprung im Norden Vietnams. 1954 wurde Vietnam in Nordvietnam und Südvietnam geteilt. Im Zuge dessen wanderten viele Nordvietnamesen in den Süden aus und brachten ihre Pho-Rezepte mit.
Im Süden entstand eine weitere Variante, welche durch chinesischen Kandis gesüßt wurde und viele Beilagen enthielt. Diese waren meist Bohnensprossen, Thai Basilikum und weitere Kräuter. Auch wurde zur Pho aus dem Süden oft Chillisoße zum Eintunken des Fleisches gereicht.

An dieser Stelle möchte ich vorwegzunehmen, dass es (wie bei der Tonkotsu-Brühe aus Japan) eine Vielzahl von verschiedenen Rezepten und Varianten gibt. Ich habe mich bei meiner Version hauptsächlich auf das Rezept von Andrea Nguyen gestützt und es an ein paar Stellen leicht abgewandelt.

Zutaten für Pho
- Markknochen, 2,5 kg
- Rinderbrust, 2 kg
(- Schweinerippen, 1 kg)
- Zwiebeln, 6 Stück
- Knoblauch, 8 Zehen
- Ingwer, zwei daumengroße Stücke
- Bio-Limetten, 2 Stück
- Zitronengras, 2 Stück
Gewürze:
- Zimtstangen, 3 Stück
- Anissterne, 8 Stück
- Kardamomkapseln, 7 Stück
- Nelken, 12 Stück
- Koriandersamen, 2 Esslöffel
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Ein kleiner Hinweis:
Eine klassische Pho wird normalerweise ohne Schweinefleisch zubereitet. Ich hatte die Rippchen aber noch im Kühlschrank und wollte diese verarbeiten.
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Zwiebel schälen und halbieren, Ingwer in dünne Streifen schneiden und den Knoblauch schälen.
Markknochen, Fleisch und Gemüse pfeffern und salzen, dann im Backofen bei 200 Grad für ca eine dreiviertel Stunde anrösten. Es gibt Rezepte, da wird das Gemüse über offener Flamme angekohlt. Ich habe mich aus Zeitgründen (und aus Bequemlichkeit) für das anrösten im Backofen entschieden.
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Das Fleisch und das Gemüse in einen großen Topf geben und mit ca. 8 Litern Wasser auffüllen. Dann die Gewürze in ein Teeei geben, mit dem Zitronengras, den Zimtstangen und mit dem Abrieb der beiden Limetten in den Topf geben.
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Die Brühe darf dann 5 bis 6 Stunden köcheln.
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Brühe durch ein Sieb abgießen und verkochtes Gemüse wegschmeißen
Markknochen und Schweinerippen aufheben. Die Ripperl gab es dann als Zwischenmahlzeit während dem Kochen.
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Für mehr Geschmack habe ich die Mark ausgelöst und das Mark unter die Brühe püriert.
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Die gepfefferte und gesalzene Rinderbrust habe ich dann mit ein bisschen Entenfett angebraten.
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Die Brust durfte dann für weitere 5 Stunden in der heißen Brühe ziehen.
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Da ich noch ein bisschen Hackfleisch gekauft hatte, mache ich noch asiatische Fleischbällchen. Normalerweise werden diese mit Schweinehackfleisch gemacht, welches ich durch Rinderhack ersetzt habe.

Bun Cha
- 400 g Rinderhack
- 1 Ei
- um die 50 g Semmelbrösel
- eine Knoblauchzehe
- Ingwer, kleines Stückchen
- ein bisschen frischer Koriander

Gewürzt wurde mit Salz, Pfeffer, gemahlenen Koriander und Kaffir Limetten Pulver.
Ingwer und Knoblauch in kleine Stückchen schneiden, Koriander hacken und dann mit den übrigen Zutaten zu einer geschmeidigen Masse verkneten.
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Kleine Bällchen formen und dann kurz in der Brühe gar ziehen lassen.
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Anschließend hab ich die Fleischbällchen noch in der Pfanne angeröstet.
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Am nächsten Tag ging es dann weiter... erstmal die Suppe langsam erwärmen
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Immer weiter einreduzieren bis ca. 4,5 Liter, also die ungefähr Hälfte der anfänglichen Menge, übrig bleiben.
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Dann wurde die Pho in 500 ml Einweckgläser abgefüllt. Die Rinderbrust wurde dafür in dünne Streifen geschnitten und mit den Fleischbällchen auf die Gläser verteilt.
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Nuoc Mam Cham
Diese Fischsoße wird in Vietnam gerne zum dippen oder würzen verwendet. Der Geschmack ist unglaublich ausgewogen: süß und salzig, scharf und sauer. Durch die Fischsoße erhält man eine wunderbare Umami-Note. Die Soße kann man entweder direkt in die Pho geben oder das Fleisch darin dippen.

Zutaten:
- 2 Knoblauchzehen
- 1 Chillischote
- kleines Stückchen Ingwer
- Saft einer Limette
- 5 EL Fischsoße
- 2 EL Zucker
Knoblauch und Ingwer klein schneiden, Fischsoße dazugeben und erhitzen. Den Zucker darin auflösen. Limettensaft hinzufügen.
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Dann würden die übrigen Zutaten hergerichtet.
- dünn aufgeschnittenes Rinderfilet
- Bun Cha, vietnamesische Fleischbällchen
- Rinderbrust
- rote Zwiebeln
- Minze
- Koriander
- Limetten
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Vorgekochte Reisnudeln, al dente
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Die Nudeln werden dann mit der heißen Brühe übergossen. Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Pho wird heiß, sehr heiß serviert und gegessen. Die Brühe gewinnt durch die hohe Temperatur enorm an Geschmack, der sich dann während des Essens bzw. Abkühlvorgangs verändert.
Aus diesem Grund:
- kochend heiße Brühe verwenden
- warme Nudeln
- schwere Schüsseln unbedingt vorwärmen

Alles anrichten...Zusätzlich gab es noch koreanischen Rettichsalat Musaeng Chae
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Ein paar Tage später gab es dann die nächste Runde:
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Zum Schluss ein kurzes Fazit:
Eine vietnamesische Pho ist kein Hexenwerk (und bei weitem nicht so aufwendig wie Tonkotsu-Brühe). Geschmacklich holt mich die Brühe voll ab. Vorallem die Gewürze in Verbindung mit der aromatischen Brühe und den Kräutern ist ausgesprochen fein und sehr komplex.
Herzhaft wärmend, sehr würzig und leicht süßlich. Die verwendeten Kräuter bilden einen spannenden Kontrast dazu. Mit Limettensaft und Nuoc Mam Cham kommen weitere säuerliche Umami-Geschmacksnoten hinzu. Das Rindfleisch ist weich und fettig, durch dippen in der Chillisoße steuert man gegen, ein Löffel heiße Brühe hinterher. Dann ein paar Reisnudeln und noch mehr Brühe...
Man entwickelt eine gewisse Gier und ist gleichzeitig befriedigt und traurig wenn die Schüssel leer ist.

Ja... Ich muss gestehen, das Zitat vom Anfang dieses Berichts trifft es ganz gut:
"Reis ist die treue Ehefrau, auf die man sich verlassen kann, sagen wir. Pho ist die kokette Geliebte sie man heimlich besucht. "

In diesem Sinne viel Spaß beim nachkochen und beste Grüße aus der Oberpfalz wünscht euch Ludwig
 
In diesem Sinne viel Spaß beim nachkochen und beste Grüße aus der Oberpfalz wünscht euch Ludwig
Ein richtig toller Thread! Ich bin begeistert. Und auch ein bisschen neidisch, denn da wollte ich schon immer dran.

Aber wird noch gemacht! Sieht ja super aus, scheint aber kein Hexenwerk zu sein...

Zu Pho sag ich nie no!
 
Ein richtig toller Thread! Ich bin begeistert.
Vielen Dank dafür!

Und auch ein bisschen neidisch, denn da wollte ich schon immer dran.
So ging es mir auch... bis ich mich mal endlich aufgerafft habe.
Aber wird noch gemacht! Sieht ja super aus, scheint aber kein Hexenwerk zu sein...
Ich wünsche dir gutes Gelingen!
Und eine Pho zu machen ist echt nicht kompliziert, es dauert halt nur ziemlich lange.

Zu Pho sag ich nie no!
:thumb1: :thumb1: :thumb1: :thumb1: :thumb1: :thumb1:
 
Da hast du uns wieder einmal voll in in die großartige Asiatische Küche eingeladen. Das sieht alles fantastisch aus. Dazu die tollen Bilder und Erläuterungen. Ich bin begeistert.
Gruß Eckhard
 
Ein sehr toller Bericht.
Vielen Dank dafür.
 
Einfach klasse dein Bericht. :thumb2: Mir tropft jetzt echt der Zahn. :sabber:
 
Ganz toller Thread :thumb2:

Witzig ist, dass es in Würzburg ein Restaurant gibt: Madame Nguyen kocht
Wir waren einige Male dort...ist aber leider nicht mehr so toll.

Doch hier zeigst Du auf beeindruckende Weise die Vielfältigkeit einer Suppe !

Klasse, und Danke für den Buch-Tipp




Edit: Machst Du eine Pho in Betzenstein ?
 
Ein sehr toller Bericht.
Vielen Dank dafür.
Bitte schön

Eine sehr beeindruckende und tolle Dokumentation, dazu viele Hintergrundwissen - Klasse :respekt:
Einfach klasse dein Bericht. :thumb2: Mir tropft jetzt echt der Zahn. :sabber:
Ganz toller Thread :thumb2:
Vielen Dank!
Ich habe gedacht das Thema ist es einfach wert mal ein bisschen mehr darüber zu schreiben und mein Wissen zu teilen. Am Anfang habe ich auch sehr viel Respekt vor der ersten Pho Zubereitung gehabt, wenn man aber ein paar basics beachtet ist es gar nicht so schwer.

Klasse, und Danke für den Buch-Tipp
Das Buch ist wirklich toll, weil es einen so schönen Einstieg in die Thematik gibt. Man wird von Anfang an an die Hand genommen und erfährt erstmal die Hintergründe und das Basiswissen über Pho. Anschließend werden die verschiedenen Varianten und Beilagen sehr anschaulich und schön bebildert besprochen. Das Lesen hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht und war gleichzeitig sehr informativ.

Machst Du eine Pho in Betzenstein ?
Ich sag mal ja... Es wird aller Voraussicht nach Pho geben. Ob die jetzt vor Ort zubereitet wird oder ich daheim schon mal vorbereite muss ich noch schauen :pfeif:
 
wenn man aber ein paar basics beachtet ist es gar nicht so schwer.



Das ist sehr oft so.
Und da mein Stangenherd in der Küche sowieso im Winter immer an ist, ist die Basisbrühe kein Problem.....
 
Mal wieder astrein abgeliefert. Was ein Aufwand.
 
Sind die Gläser heiß eingefüllt ?
Die Gläser hab ich ausgekocht und dann die kochend heiße Suppe eingefüllt. Dann hab ich die Gläser auf ein mit Wasser gefülltes Backblech in den Backofen gestellt und bei ca. 110 Grad für eine halbe Stunde eingeweckt.
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Sind die Gläser heiß eingefüllt ? Wie lange halten die sich ?
Ich lagere die eingeweckten Gläser zusätzlich noch im Kühlschrank bei 4 Grad. Ich denke das man die Brühe nach einem Jahr immer noch problemlos essen kann. So lange hält die sich aber nie bei mir :pfeif:
 
Danke für deinen Aufwendungen, um das zu dokumentieren..:respekt:
Toller Thread..Pho ist aber auch einfach nur das geilste Süppchen.
Super Idee mit den Einweckgläsern.
Die Zutatenliste für Nuoc Mam Cham klingt doch sehr fischig.
Bun Cha müsste ich auch erstmal testen.
Bleibt spannend.
 
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