Um die Sternetrinker ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Es wurde gar der Verdacht geäußert, dass es den Sternetrinkern nicht anders ergangen sei wie den legendären Urfaust - man habe sich einfach aufgelöst; sodass sich unser spiritus rector @Goldi59 kürzlich genötigt sah, wenigstens ein kleines Lebenszeichen von sich zu geben. Aber wie so häufig trügt auch hier der Schein. Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was posten muss!
In meinem Keller liegt schon lange eine Flasche Opus One 2000. Die hatte mal ein Freund für einen besinnlichen Abend mitgebracht. Aber wie das halt manchmal so ist. Wir sind nicht zu der Flasche gekommen und haben gesagt, die trinken wir nicht einfach mal so, da bauen wir eine schöne Probe drumherum. Und so sollte das Wochenende unter dem Motto stehen „Was soll der Geiz“.
Wie üblich macht machen wir einen Auftakt im kleinen Kreise am Sonnabend abend. Stefan hatte wieder reichlich von seinen ausgezeichneten Fleisch- und Wurstwaren mitgebracht. Eine schöne Aufschnittplatte mit Butter von Bordier.
Zum Fleisch - Westholme Wagyu Ribeye (Australien) und Miyazaki Wagyu Roastbeef A4 (Japan) - gab es gegrillte Salatherzen und gebratene La-Ratte-Kartoffeln. Keine Sauce zum Fleisch, nur etwas Chimichurri über den gegrillten Salat. Jede Form von Sauce hätte das ausgezeichnete Fleisch nicht verdient gehabt, auch wenn sich die Komposition auf dem Teller solchermaßen etwas spartanisch ausnimmt. Das Fleisch war zum Niederknien, kann man nicht anders sagen.
Kommen wir zu den Weinen, die dem Abend einen würdigen Rahmen geben sollten:
Keller Hipping R 2011: Sehr opulent mit Hang zum Fülligen, gelbe, exotische Früchte, ausgewogen, Säure zurückgenommen. Schöne Fruchtsüße, deutliche Länge. Wir hatten den Wein aufgemacht, um in den Abend hineinzukommen. Dafür war er fast schon ein wenig zu konzentriert, weil wir anschließend mit den Großen Gewächsen weitermachen wollten, aber der Wein bot ein wundervolles Trinkvergnügen. Straffte sich mit der Zeit, hätte man dekantieren können, erstaunliche Einwicklung in der Flasche.
Keller Kirchspiel 2010: Gelbfruchtig, sehr schöne grünliche Noten von Holunder, präsente, gut eingebundene Säure. Der Wein war insgesamt kräftig. Der Korken ging sehr leicht raus und war durchgeweicht. Nicht filigran, sondern sehr kräftig. Jedoch noch keine Sekundäraromen. Jahrgangstypische kräftige Säure. In der Nase auch Trockenfrüchte. Speziell durch seine pointierte Süße und die Kraft ein wunderbarer Riesling, der noch ein weiteres Trinkfenster von bestimmt 10 Jahren vor sich hat. Hätte ihn aber filigraner erwartet.
Keller Kirchspiel 2012: Wirkt insgesamt frischer und filigraner als 2010. Präsentere Säure, schöne Mineralität, nicht so in die vordergründige gelbfruchtige Richtung. Wirkte am Anfang verschlossen, öffnete sich zusehends im Glas. Im Gegensatz zu 2010 weniger diese kräuterwürzigen Anklänge, wenngleich auch ein bisschen, später dann, nachdem der Wein eine Zeit im Glas gewesen ist. Keinesfalls diese dunkle Note, die wir in Anklängen bei 2010 hatten. Wobei eben zu sagen ist, dass der Korken bei 2010 sehr locker und bröselig wirkte.
Keller Hubacker 2010: Schwer zu bewerten. Am Anfang viel Kräuterwürze bei mittlerer Säure. Auch hier noch keine Sekundärnoten. Nicht der Längste. Verblasste allerdings im Glas, am Ende relativ kurz. Sehr problematischer Korken; locker, rutschte gewissermaßen in die Flasche. Zudem zerbröselte er. Könnte sein, dass es 2010 Kork-Probleme gegeben hat.
Ansgar Clüsserath, Trittenheimer Apotheke, Riesling Auslese 2010: Sehr schönes Süße/Säure-Spiel, jahrgangstypisch starke Säure, helle Trockenfrüchte, Rosinen, gute Länge. Guter Abschluss für den Tag.
Nach alledem können wir einen schönen Abend bilanzieren und freuen uns alle auf Sonntag!
Besagter Sonntag beginnt allerdings nach dem Motto „unverhofft kommt oft". Jens @Goldi59 ist über Nacht krank geworden und muss mit Petra nach Hause abreisen. Undenkbar, dass wir „Was soll der Geiz “ ohne Jens und Petra machen. Also wandern die Preziosen, die für heute vorgesehen waren, zurück in den Keller und das Motto wird kurzerhand umfunktioniert zu „Was Gutes im Glas".
Also rein ins Vergnügen. Juergen @Bäckergeselle hatte 4 Brote gebacken. Im Grunde genommen bräuchte man gar nichts aus Topf, Pfanne und Grill; Jürgens Brote sind die heimlichen Stars unserer Zusammenkünfte.
Dazu gab es gebeizten Lachs nach @PuMod; die Schlachteplatte von Stefan durfte natürlich auch nicht zu klein geraten.
Dom Perignon 1988, Magnum: Für das Alter sehr frisch, nur geringe Sekundärnoten. Perlage ohne Fehl und Tadel. Ein wundervoller Champagner, noch gute Säure, balanciert. Nicht elegant und fein, sondern opulent und füllig, trotzdem nicht plump, alt o. ä. Wirklich ausgezeichnet.
Unser erster Gang bestand aus einem Duett von Ölsardine und Mortadella. Klingt grausam, aber hatten wir vor einiger Zeit schon einmal und das schmeckte den Leuten so gut, dass eine Wiederholung gewünscht war. Ich hatte Mortadella vom italienischen Feinkost-Händler besorgt, die wir einmal gegen Stefans Mortadella verglichen haben. Die Unterschiede waren deutlich. Stefans Mortadella hatte einen deutlich schöneren, fleischigeren Biß und schmeckte komplexer, nicht so vordergründig nach Salz. Ich hatte mehrere Sorten Ölsardinen kombiniert, aus dem Öl wird eine Vinaigrette gemacht. Dazu kommen in Streifen geschnittene rote Paprika sowie Roskoff-Zwiebeln. Diese werden in Zitronensaft mariniert. Für den Biss sorgen Maiskörner, die nur direkt leicht angeröstet werden. Angerichtet mit Petersilie, dazu etwas Schnittlauchöl - das ist tatsächlich eine formidable Vorspeise!
Keller AbtsE 2010: Gelbfruchtig, goldene Farbe, Säure noch stark vorhanden, aber ausgezeichnet eingebunden. Schöne Mineralität. Man merkt ihm sein Alter an, hat aber keinerlei Sekundäraromen, keine Phenole o. ä., kräftig und opulent, aber keinesfalls plump. Auch hier sollte noch ein langes Trinkfenster bestehen.
Eines meiner liebsten Gerichte ist Räucherfischsuppe. Dieses mal weniger im Sinne einer Fischsuppe, sondern eher als Fischgang interpretiert. Also gibt es mit Knoblauch mariniertem, gebackenen Kürbis, dazu kommen gehäutete, angetrocknete Tomaten. Und schließlich kurz über Buche warm geräucherter Kabeljau. Dille, Kerbel und frisch geriebener Meerrettich runden den Teller ab.
Keller Pettenthal 2010: Hat nicht die Faszination der gleichen Flasche, die wir vor Jahresfrist getrunken haben. Starker Hang zum Fülligen. Säure zurückgesetzt. Wandelte sich mehrfach im Glas. Auch hier Noten von gelben Früchten, rosinig, exotisch. Öffnete sich im Glas zusehend. Hätte dekantiert gehört. Man hätte sich ein wenig mehr Finesse gewünscht, dafür ist er aber sehr lang.
Als nächstes gibt's Risotto Milanese. Aus irgend einem Grund hatte ich mir den Kopf gesetzt, statt geröstetem Knochenmark asiatisch inspirierte Hühnerbällchen oben aufzusetzen. Das hat nicht funktioniert, aber der Risotto war ausgezeichnet.
Heymann-Löwenstein Uhlen Roth Lay Reserve 2010: Reinhard Löwenstein hat mal gesagt, dieser Wein sei der intensivste und mineralischste, den er je auf die Flasche gefüllt hat. Wir kennen viele Weine dieses Weinguts in vielen Jahren – da hat er sicherlich Recht. Schade, dass es solche Weine vom Weingut schon seit langem nicht mehr gibt. Intensiv und opulent, kräftige Säure, viel gelbe Früchte, endlos lang. Zum Glück haben wir noch einiges davon im Keller inklusive 2 oder 3 Magnums.
Paul Jaboulet Ainé Hermitage La Chapelle 1996: Nun ist es Zeit, an die Rotweine zu gehen. Als Übergang zu den jungen, kräftigen Kaliforniern hatten wir einen älteren Vertreter von der Rhone gewählt. Aber nichts da, von wegen in Ehren gereift und schon leicht mürbe. Der Wein bestach durch einen außergewöhnlichen Kork. Lang und sehr glatt, überhaupt keine Poren o.ä. Der Wein war nur 0,5 mm in den Korken eingedrungen. Demzufolge war der Wein in einem ausgezeichneten Zustand. Kühler Wein, elegant, noch ausgeprägte Frucht, gleichzeitig eine sehr schöne Würze, überraschend intensive, aber keineswegs störende und sehr gut eingebundene Säure, geschliffenes Tannin. Man könnte sogar sagen, der beste Rotwein des Abends.
Den Höhepunkt des Abends sollte schließlich ein Pulled Pork bilden, vom dreijährigen Mangalitza, welches 6 Monate mit Eicheln gefüttert worden war. Die Fleischqualität tatsächlich unvergleichlich. Dazu ein leichtes Bohnencassoulet mit weißen und grünen Bohnen, auf der tomatigen Seite, was eine schöne Basis für das Pulled Pork gegeben hat.
Robert Mondavi Cabernet Sauvignon The Reserve 2015: Vielschichtig und komplex, aber auch noch sehr von Primärfrucht und vanilligem Holz geprägt. Intensive Frucht, Tabakknoten. Wirkte für mich zu jung, trotzdem jetzt schon sehr gutes Trinkvergnügen. Insgesamt ausgezeichnet. Diesen Wein würde ich gerne einmal in 10 Jahren probieren.
Peter Michael Les Pavots 2014: Eine Cuvee aus 60 % Cabernet Sauvignon, 22 % Cabernet Franc, 13 % Merlot und 5 % Petit Verdot. Ganz andere Stilistik; nicht einfach nach dem ausgezeichneten Robert Mondavi. Hatte nicht die Komplexität, wirkte aber ebenfalls noch (deutlich) zu jung; geprägt von dunklem Holz und deutlichen Primärfruchtaromen, jedoch keinerlei Vanille oder so in die Richtung. Weitere Entwicklung wird abzuwarten sein; möglicherweise gerade in einer ungünstigen Phase.
Chateau Musar 2004: Dieser Wein sollte einen Kontrapunkt zu den jungen Kaliforniern stellen und die Rotweinrunde abschließen. Das ist ohne Zweifel gelungen. Der Wein war alt, deutlich über seinem Zenit, Liebstöckel, Todessüße. Dazu trüb. Hatte schon zu Anfang leicht Sherry in der Nase, was sich mit Zeit im Glas immer weiter verstärke. Laut Martin, der es als bester Winzer Sachsens wissen muss, muss da der Schwefel völlig aufgebraucht gewesen sein. Dadurch oder durch Undichtigkeit ist der Wein offenbar oxidiert. Hatte ich von Musar in dieser Form noch nie; das sind sehr langlebige Weine. Vermutlich ist mit der Flasche irgendwas gewesen.
Statt Dessert haben wir traditionell Dessertweine. Das waren:
Schloss Lieser Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese 2010: Mittleres Strohgelb. In der Nase komplexe Zitrusfrüchte, etwas leicht Tropisches und ein Hauch von Trockenfrüchten. Schöne Süße, perfekt von einer rassigen Säure kontrastiert. Gute Länge.
Schloss Lieser Niederberg Helden Riesling Auslese Goldkapsel 2010: Hellgoldene Farbe. In der Nase anfangs verhalten Zitrusfrüchte, Honig und nach einiger Zeit im Glas auch kandierte Früchte sowie Trockenfrüchte. Cremig, relativ viskos, anfangs sehr süß, mit unzureichender Säure, um die hohe Süße zu balancieren, aber über vielleicht 30-45 Minuten nahm die wahrgenommene Säure stark zu, und bot der Süße zum Ende hin doch ordentlich Paroli. Wir denken, der Wein steht erst ganz am Anfang seines Trinkfensters und entweder wartet man ein paar Jahre zur Wiedervorlage oder dekantiert kurz.
Das war ein schönes, kleines OT. So kann es weitergehen. Und das tut es auch - unser nächstes OT wird schon am kommenden Sonntag stattfinden. Da werden wir uns wieder einmal von Hanna Lehmann kochen lassen, das Motto ist „Wein spricht deutsch".
Danke fürs reinschauen!
In meinem Keller liegt schon lange eine Flasche Opus One 2000. Die hatte mal ein Freund für einen besinnlichen Abend mitgebracht. Aber wie das halt manchmal so ist. Wir sind nicht zu der Flasche gekommen und haben gesagt, die trinken wir nicht einfach mal so, da bauen wir eine schöne Probe drumherum. Und so sollte das Wochenende unter dem Motto stehen „Was soll der Geiz“.
Wie üblich macht machen wir einen Auftakt im kleinen Kreise am Sonnabend abend. Stefan hatte wieder reichlich von seinen ausgezeichneten Fleisch- und Wurstwaren mitgebracht. Eine schöne Aufschnittplatte mit Butter von Bordier.
Zum Fleisch - Westholme Wagyu Ribeye (Australien) und Miyazaki Wagyu Roastbeef A4 (Japan) - gab es gegrillte Salatherzen und gebratene La-Ratte-Kartoffeln. Keine Sauce zum Fleisch, nur etwas Chimichurri über den gegrillten Salat. Jede Form von Sauce hätte das ausgezeichnete Fleisch nicht verdient gehabt, auch wenn sich die Komposition auf dem Teller solchermaßen etwas spartanisch ausnimmt. Das Fleisch war zum Niederknien, kann man nicht anders sagen.
Kommen wir zu den Weinen, die dem Abend einen würdigen Rahmen geben sollten:
Keller Hipping R 2011: Sehr opulent mit Hang zum Fülligen, gelbe, exotische Früchte, ausgewogen, Säure zurückgenommen. Schöne Fruchtsüße, deutliche Länge. Wir hatten den Wein aufgemacht, um in den Abend hineinzukommen. Dafür war er fast schon ein wenig zu konzentriert, weil wir anschließend mit den Großen Gewächsen weitermachen wollten, aber der Wein bot ein wundervolles Trinkvergnügen. Straffte sich mit der Zeit, hätte man dekantieren können, erstaunliche Einwicklung in der Flasche.
Keller Kirchspiel 2010: Gelbfruchtig, sehr schöne grünliche Noten von Holunder, präsente, gut eingebundene Säure. Der Wein war insgesamt kräftig. Der Korken ging sehr leicht raus und war durchgeweicht. Nicht filigran, sondern sehr kräftig. Jedoch noch keine Sekundäraromen. Jahrgangstypische kräftige Säure. In der Nase auch Trockenfrüchte. Speziell durch seine pointierte Süße und die Kraft ein wunderbarer Riesling, der noch ein weiteres Trinkfenster von bestimmt 10 Jahren vor sich hat. Hätte ihn aber filigraner erwartet.
Keller Kirchspiel 2012: Wirkt insgesamt frischer und filigraner als 2010. Präsentere Säure, schöne Mineralität, nicht so in die vordergründige gelbfruchtige Richtung. Wirkte am Anfang verschlossen, öffnete sich zusehends im Glas. Im Gegensatz zu 2010 weniger diese kräuterwürzigen Anklänge, wenngleich auch ein bisschen, später dann, nachdem der Wein eine Zeit im Glas gewesen ist. Keinesfalls diese dunkle Note, die wir in Anklängen bei 2010 hatten. Wobei eben zu sagen ist, dass der Korken bei 2010 sehr locker und bröselig wirkte.
Keller Hubacker 2010: Schwer zu bewerten. Am Anfang viel Kräuterwürze bei mittlerer Säure. Auch hier noch keine Sekundärnoten. Nicht der Längste. Verblasste allerdings im Glas, am Ende relativ kurz. Sehr problematischer Korken; locker, rutschte gewissermaßen in die Flasche. Zudem zerbröselte er. Könnte sein, dass es 2010 Kork-Probleme gegeben hat.
Ansgar Clüsserath, Trittenheimer Apotheke, Riesling Auslese 2010: Sehr schönes Süße/Säure-Spiel, jahrgangstypisch starke Säure, helle Trockenfrüchte, Rosinen, gute Länge. Guter Abschluss für den Tag.
Nach alledem können wir einen schönen Abend bilanzieren und freuen uns alle auf Sonntag!
Besagter Sonntag beginnt allerdings nach dem Motto „unverhofft kommt oft". Jens @Goldi59 ist über Nacht krank geworden und muss mit Petra nach Hause abreisen. Undenkbar, dass wir „Was soll der Geiz “ ohne Jens und Petra machen. Also wandern die Preziosen, die für heute vorgesehen waren, zurück in den Keller und das Motto wird kurzerhand umfunktioniert zu „Was Gutes im Glas".
Also rein ins Vergnügen. Juergen @Bäckergeselle hatte 4 Brote gebacken. Im Grunde genommen bräuchte man gar nichts aus Topf, Pfanne und Grill; Jürgens Brote sind die heimlichen Stars unserer Zusammenkünfte.
Dazu gab es gebeizten Lachs nach @PuMod; die Schlachteplatte von Stefan durfte natürlich auch nicht zu klein geraten.
Dom Perignon 1988, Magnum: Für das Alter sehr frisch, nur geringe Sekundärnoten. Perlage ohne Fehl und Tadel. Ein wundervoller Champagner, noch gute Säure, balanciert. Nicht elegant und fein, sondern opulent und füllig, trotzdem nicht plump, alt o. ä. Wirklich ausgezeichnet.
Unser erster Gang bestand aus einem Duett von Ölsardine und Mortadella. Klingt grausam, aber hatten wir vor einiger Zeit schon einmal und das schmeckte den Leuten so gut, dass eine Wiederholung gewünscht war. Ich hatte Mortadella vom italienischen Feinkost-Händler besorgt, die wir einmal gegen Stefans Mortadella verglichen haben. Die Unterschiede waren deutlich. Stefans Mortadella hatte einen deutlich schöneren, fleischigeren Biß und schmeckte komplexer, nicht so vordergründig nach Salz. Ich hatte mehrere Sorten Ölsardinen kombiniert, aus dem Öl wird eine Vinaigrette gemacht. Dazu kommen in Streifen geschnittene rote Paprika sowie Roskoff-Zwiebeln. Diese werden in Zitronensaft mariniert. Für den Biss sorgen Maiskörner, die nur direkt leicht angeröstet werden. Angerichtet mit Petersilie, dazu etwas Schnittlauchöl - das ist tatsächlich eine formidable Vorspeise!
Keller AbtsE 2010: Gelbfruchtig, goldene Farbe, Säure noch stark vorhanden, aber ausgezeichnet eingebunden. Schöne Mineralität. Man merkt ihm sein Alter an, hat aber keinerlei Sekundäraromen, keine Phenole o. ä., kräftig und opulent, aber keinesfalls plump. Auch hier sollte noch ein langes Trinkfenster bestehen.
Eines meiner liebsten Gerichte ist Räucherfischsuppe. Dieses mal weniger im Sinne einer Fischsuppe, sondern eher als Fischgang interpretiert. Also gibt es mit Knoblauch mariniertem, gebackenen Kürbis, dazu kommen gehäutete, angetrocknete Tomaten. Und schließlich kurz über Buche warm geräucherter Kabeljau. Dille, Kerbel und frisch geriebener Meerrettich runden den Teller ab.
Keller Pettenthal 2010: Hat nicht die Faszination der gleichen Flasche, die wir vor Jahresfrist getrunken haben. Starker Hang zum Fülligen. Säure zurückgesetzt. Wandelte sich mehrfach im Glas. Auch hier Noten von gelben Früchten, rosinig, exotisch. Öffnete sich im Glas zusehend. Hätte dekantiert gehört. Man hätte sich ein wenig mehr Finesse gewünscht, dafür ist er aber sehr lang.
Als nächstes gibt's Risotto Milanese. Aus irgend einem Grund hatte ich mir den Kopf gesetzt, statt geröstetem Knochenmark asiatisch inspirierte Hühnerbällchen oben aufzusetzen. Das hat nicht funktioniert, aber der Risotto war ausgezeichnet.
Heymann-Löwenstein Uhlen Roth Lay Reserve 2010: Reinhard Löwenstein hat mal gesagt, dieser Wein sei der intensivste und mineralischste, den er je auf die Flasche gefüllt hat. Wir kennen viele Weine dieses Weinguts in vielen Jahren – da hat er sicherlich Recht. Schade, dass es solche Weine vom Weingut schon seit langem nicht mehr gibt. Intensiv und opulent, kräftige Säure, viel gelbe Früchte, endlos lang. Zum Glück haben wir noch einiges davon im Keller inklusive 2 oder 3 Magnums.
Paul Jaboulet Ainé Hermitage La Chapelle 1996: Nun ist es Zeit, an die Rotweine zu gehen. Als Übergang zu den jungen, kräftigen Kaliforniern hatten wir einen älteren Vertreter von der Rhone gewählt. Aber nichts da, von wegen in Ehren gereift und schon leicht mürbe. Der Wein bestach durch einen außergewöhnlichen Kork. Lang und sehr glatt, überhaupt keine Poren o.ä. Der Wein war nur 0,5 mm in den Korken eingedrungen. Demzufolge war der Wein in einem ausgezeichneten Zustand. Kühler Wein, elegant, noch ausgeprägte Frucht, gleichzeitig eine sehr schöne Würze, überraschend intensive, aber keineswegs störende und sehr gut eingebundene Säure, geschliffenes Tannin. Man könnte sogar sagen, der beste Rotwein des Abends.
Den Höhepunkt des Abends sollte schließlich ein Pulled Pork bilden, vom dreijährigen Mangalitza, welches 6 Monate mit Eicheln gefüttert worden war. Die Fleischqualität tatsächlich unvergleichlich. Dazu ein leichtes Bohnencassoulet mit weißen und grünen Bohnen, auf der tomatigen Seite, was eine schöne Basis für das Pulled Pork gegeben hat.
Robert Mondavi Cabernet Sauvignon The Reserve 2015: Vielschichtig und komplex, aber auch noch sehr von Primärfrucht und vanilligem Holz geprägt. Intensive Frucht, Tabakknoten. Wirkte für mich zu jung, trotzdem jetzt schon sehr gutes Trinkvergnügen. Insgesamt ausgezeichnet. Diesen Wein würde ich gerne einmal in 10 Jahren probieren.
Peter Michael Les Pavots 2014: Eine Cuvee aus 60 % Cabernet Sauvignon, 22 % Cabernet Franc, 13 % Merlot und 5 % Petit Verdot. Ganz andere Stilistik; nicht einfach nach dem ausgezeichneten Robert Mondavi. Hatte nicht die Komplexität, wirkte aber ebenfalls noch (deutlich) zu jung; geprägt von dunklem Holz und deutlichen Primärfruchtaromen, jedoch keinerlei Vanille oder so in die Richtung. Weitere Entwicklung wird abzuwarten sein; möglicherweise gerade in einer ungünstigen Phase.
Chateau Musar 2004: Dieser Wein sollte einen Kontrapunkt zu den jungen Kaliforniern stellen und die Rotweinrunde abschließen. Das ist ohne Zweifel gelungen. Der Wein war alt, deutlich über seinem Zenit, Liebstöckel, Todessüße. Dazu trüb. Hatte schon zu Anfang leicht Sherry in der Nase, was sich mit Zeit im Glas immer weiter verstärke. Laut Martin, der es als bester Winzer Sachsens wissen muss, muss da der Schwefel völlig aufgebraucht gewesen sein. Dadurch oder durch Undichtigkeit ist der Wein offenbar oxidiert. Hatte ich von Musar in dieser Form noch nie; das sind sehr langlebige Weine. Vermutlich ist mit der Flasche irgendwas gewesen.
Statt Dessert haben wir traditionell Dessertweine. Das waren:
Schloss Lieser Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese 2010: Mittleres Strohgelb. In der Nase komplexe Zitrusfrüchte, etwas leicht Tropisches und ein Hauch von Trockenfrüchten. Schöne Süße, perfekt von einer rassigen Säure kontrastiert. Gute Länge.
Schloss Lieser Niederberg Helden Riesling Auslese Goldkapsel 2010: Hellgoldene Farbe. In der Nase anfangs verhalten Zitrusfrüchte, Honig und nach einiger Zeit im Glas auch kandierte Früchte sowie Trockenfrüchte. Cremig, relativ viskos, anfangs sehr süß, mit unzureichender Säure, um die hohe Süße zu balancieren, aber über vielleicht 30-45 Minuten nahm die wahrgenommene Säure stark zu, und bot der Süße zum Ende hin doch ordentlich Paroli. Wir denken, der Wein steht erst ganz am Anfang seines Trinkfensters und entweder wartet man ein paar Jahre zur Wiedervorlage oder dekantiert kurz.
Das war ein schönes, kleines OT. So kann es weitergehen. Und das tut es auch - unser nächstes OT wird schon am kommenden Sonntag stattfinden. Da werden wir uns wieder einmal von Hanna Lehmann kochen lassen, das Motto ist „Wein spricht deutsch".
Danke fürs reinschauen!
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