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Vacuum-Marinieren I - Wie funktioniert das?

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  • Umfrageteilnehmer
    10

rhausu

Militanter Veganer
5+ Jahre im GSV
Ein freundliches Hallo in die Runde,

Beim Stöbern hier im Forum bin ich auf einige Freds gestoßen, bei denen das Thema "Marinieren im Vacuum" zum Teil kontrovers diskutiert wird. Da ich mich seit geraumer Zeit mit dem Thema befasse, möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Zunächst betrachten wir die Physik (das ist gar nicht sooo langweilig :sleepy:)
Normalerweise lastet auf allen und jedem der athmosphärische Luftdruck. Dieser beträgt wie bekannt je nach Witterung ca. 1000 mbar oder hektoPascal - also etwa 1 bar.
Das entspricht 1 kg pro cm², die auf alle Oberflächen, also auch auf unseren Körper drücken. Zustande kommt diese Kraft durch die Lüfthülle der Erde, die durch genau wie jeder Körper der Erdanziehung unterworfen ist.

Nimmt man nun einen dicht verschließbaren Behälter und pumpt diesen luftleer, so wird genau dieser Umgebungsdruck entfernt. Die Auswirkung sieht man, wenn man in das Gefäß einen Gegenstand einbringt, in dem Luft unter Normaldruckbedingungen eingeschlossen ist - z.B. einen Schokokuss. Die Füllung besteht aus gezuckertem Eischnee, also vielen kleinen Luftbläschen, die von Eiweiß-Zuckermasse eingehüllt sind. Unter Normaldruckbedingungen drückt der Umgebungsluftdruck auf die Schaumbläschen. Reduziere ich den Umgebungsluftdruck durch die Erzeugung eines Vacuums, fällt der äußere Druck weg und die Luftbläschen des Zuckerschaums können sich ausdehnen. Das sieht man, weil der Schaumkuss seinen Schokoüberzug sprengt und in die Höhe wächst. Wird das Vacuum wieder aufgehoben, drückt der Umgebungsdruck wieder auf die Luftbläschen, die sich wiederum verkleinern.
Dazu habe ich einen kleinen Versuch gemacht:
Ein Marker wurde mit etwas Luft in einen Folienbeutel eingeschweißt. Der Folienbeutel ist lediglich mit einer kleinen Luftmenge gefüllt, das soll der eigeschlossene Stift verdeutlichen. Wird der Stift nun mit dem Beutel in einer Kammer evakuiert, dehnt sich die im Beutel verblieben Luft aus und bläht dem Beutel auf. Wird wieder Luft in die Kammer gelassen und das Vakuum bricht zusammen, fällt auch der Beutel wieder zusammen. -->Hier ein kurzes Video. :o

Soweit die Theorie.
Was hat das nun mit unserem Fleisch zu tun? Das Fleisch hat auch kleine Lüfteinschlüsse, auf den Fasern lastet der umgebende Luftdruck. Sobald das Fleisch in einer Vakuumkammer vom umgebenden Luftdruck entlastet wird, vergrößert sich das Volumen, das Fleisch "geht ein wenig auf". Liegt das Fleisch in einer Marinade, sieht man das am Aufsteigen von Luftbläschen, zumindest beim erstmaligen evakuieren.
Bricht das Vakuum zusammen drückt die umgebende Luft zurück in die Vakuumkammer und das Fleisch schrumft wieder. Liegt das Fleisch nun in einer Marinade, wird diese Marinade mit Nachdruck in das Gewebe gepresst. Das kann z.B. eine Pökellake sein, oder auch ein aromatisiertes Öl, selbst ein Rub wird duch den austretenden Fleischsaft verflüssigt und saugt sich in das schrumpfende Gewebe.
Bei Vacumiergeräten, die mit einer Marinierfunktion ausgestattet sind, z.B. der Caso VRH 690, Solis Vac prestige, LaVa V.300 u.ä. wird das Vacuum über eine gewisse Zeit zyklisch aufgebaut und wieder belüftet und so die Marinade regelrecht in das Fleisch "gepumpt"
Dies funktioniert ausschließlich in einer formstabilen Vakuumkammer und nicht mit Folienbeuteln, weil bei Folienbeuteln der äußere Luftdruck die Folie auf die Fleischoberfläche presst und Marinade und Flussigkeiten von der Vakuumpumpe angesaugt werden.
In Folienbeuteln wird lediglich ein guter Formschluss von Folie zur Oberfläche des vacumierten Inhaltes erreicht und damit bleibt das Vacumiergut im ständigen Kontakt mit den Gewürzen. Dadurch wirken Gewürze/Marinade zwar auch intensiver auf das Fleisch, aber ohne die physikalische Wirkung, die in einer Vakuumkammer vonstatten geht.

Soweit die Erklärung der Vorgänge beim Vakuum-Marinieren. In einem weiteren Fred werde ich über meine Erfahrungen mit der Technik berichten.

Also, bleibt neugierig!

Euer RHausU


Beutel unter Normaldruck:
Beutel unter Normaldruck.jpg


Beutel aufgebläht:
Beutel aufgebläht I.jpg


Beutel aufgebläht, andere Ansicht.
Beutel aufgebläht II.jpg
 
Toller Beitrag!!

Ich hätte da mal eine Frage...
Und zwar:
Ich habe mir vor kurzen eine Laica Vt3120 gekauft, diese dürfte baugleich mit dem FastVac 500 von Caso sein. Dazu habe habe ich mir Vakuumbehälter von Gastroback bestellt.
Jetzt habe ich folgendes Problem. Ich würde gerne die Marinierfunktion nutzen. Habe es gestern mit Hühnchen probiert. Jetzt ergab sich folgendes:
Ich schließe den Schlauch an den Behälter an, dann drücke ich auf Vakuumieren. Danach startet der Vorgang. Es wird für ein paar Sekunden Luft abgesaug, dann stoppt die Maschine und beginnt wieder abzusaugen, das Ganze ca 5 mal. Zwischen den einzelnen Absaugvorgängen hätte ich mir gedacht, dass der Behälter sich eingentlich wieder mit Lift füllen müsste, was er aber nicht getan hat, das konnte man an dem Druckventitl sehen.
Ist das normal? Oder soll ich zwischen den einzelnen Vorgängen den Druck aus dem Behälter wieder ablasse, so, dass quasi 5 mal hintereinander ein komplettes Vakuum erzeugt wird?

Wenn ich die Marinierfunktion richti verstanden habe, dann ist es ja nichts anderes, als das Gargut mehrere male von neumen hinereinander zu vakuumieren und wieder komplett?? zu entlüften.

Würde mich sehr über eine Antwort von die freuen.

Grüße
 
Servus Saschaa,

Vielen Dank für deine Frage.
Also bei meinem Vacumiergerät geschieht das genau so, wie Du es beschrieben hast. Das Gerät erzeugt ein Vacuum, das für einige Minuten gehalten wird, dann wird die Kammer wieder vollständig belüftet, nach wenigen Minuten startet dieser Zyklus erneut.
Allerdings habe ich meine Kammer auch selbst gebaut, siehe Link in meinem Beitrag, und da ist einfach nur ein Schlauchnippel drauf, kein Ventil.

Ich habe mir die Gastroback-Behälter mal per Internetrecherche angesehen, der Deckel mit dem Anschluss hat offensichtlich noch eine Schaltfunktion
(open / seal)
Macht es einen Unterschied, wenn Du die Schaltstellung veränderst?

Was ich auch lernen musste: der Schlauch mit dem Anschlussstück muss bei meinem Vacumierer wirklich richtig fest in das Grundgerät eingesteckt werden, ansonsten arbeitet zwar die Pumpe, aber die Verbindung zum Schlauchanschluss bleibt verschlossen. Das Vacuum wird nur in der Gerätekammer aufgebaut, da wo Du im Normalfall deine Folienbeutel einklemmst. Da hat mit der freundliche Caso-Service weitergeholfen, da bin ich auch von selbst nicht drauf gekommen. Bei ersten Mal war das richtig schwergängig und man hat fast Bedenken etwas kaputt zu machen.

Seither läuft das Ganze ohne Probleme, und wir haben nun schon einiges mariniert. Besonders kleine Teile wie Schaschlik oder Hühnchenspieße saugen die Marinade förmlich auf und werden butterzart.

Viel Erfolg!
Beste Grüße, rhausu
 
Hmm... Mein altes lava hat leider kein "automatik-modus" aber ich wills mal manuell probieren.
Wie oft vakuumiert die automatik? ist das eher 10mal pro halbe Stunde oder mehr oder weniger?
Spielt es überhaupt eine rolle wie lange der Unterdruck herrscht? Deiner Beschreibung nach wäre ja nur die Anzahl an "Vakuum entziehen" relevant oder? Spielt vielleicht auch die "Materialstärke" vom Fleisch ne Rolle?
 
Hallo Trockenfisch,

Das Marinierprogramm kann man auch manuell fahren, ich habe die Zyklen noch nicht gezählt, aber es dürften etwa 5 Vacuumphasen von etwa 2-3 Minuten, gefolgt von einer Druckentlastung von ca. 3-4 Minuten sein, so dass das Programm in etwa 30 Minuten abgeschlossen ist.
Meist aktiviere ich die Automatik mehrmals, ohne je getestet zu haben, ob der eine Zyklus nicht ausreichend wäre.
Du kannst das ja mal manuell testen und deine Erfahrungen schildern.
schöne Grüße
Rhausu
 
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