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Vergleichstest - 3 Gasgrills unter 200 EUR Landmann 12739, Broilmaster BBQG09DE und BBQG01DE

Ochse

Fleischzerleger
Liebes Forum,

anbei meine persönlichen Erfahrungen zum Einstieg in den Gasgrillsport. Vorweg, ich bezeichne mich als Anfänger und habe selbst noch nicht an einem vernünftigen Marken Gasgrill gearbeitet.

Es geht um drei Geräte, welche allesamt im Sommer 2016 bei Ebay Auktionen als B-Ware/Kundenrückläufer ersteigert wurden. Diese sind so aber auch vielfach im Handel erhältlich, zu etwas höheren Preisen. Nachfolgend die Beschreibung der jeweiligen Geräte, am Ende eine Zusammenfassung und meine Hinweise auf was ich beim Billiggrillkauf künftig achten würde.

Landmann 12739

12739_0.jpg


Das Teil erstand ich Mitte Februar als B-Ware für 80 EUR inkl Versand, Druckminderer war auch schon dabei. Baugleiche Geräte gab es neulich beim Aldi für 199 EUR inkl Wetterhülle.

Den Aubau bekommt man in einer Stunde hin, so wie auch bei den anderen Geräten. Das pulverbeschichtete Blech des Wagens ist schon sehr dünn und wabbelig. Wenn alles zusammengebaut ist geht's, bis dahin muss man aber aufpassen, dass nicht eine halb zusammengebaute Konstruktion einfach einknickt. Die Grill Einheit ist vormontiert und wird in den Wagen eingesetzt, das ist auch bei all den anderen Geräten so. Dass das eine B-Ware mit Macken sein soll hätte ich kaum erkannt, denn die leichten Beulen und Knicke im Blech waren wirklich nur minimal und halt dem dünnen Blech geschuldet.

Wo der Unterbau einen recht wabbelig labilen Eindruck macht ist der eigentliche Grill von hinreichender Qualitätsanmutung. Edelstahlhaube und Frontverblendung gehen in Ordnung. Die Bedienregler, naja. Grillroste sind emailliert aus recht kräftigem Stahldraht. Mit dem Lidel Küchenreiniger bekommt man nicht nur den Grill sauber, sondern auch die Beschriftung des Bedienpanles ruckzuck abgewaschen - dumm gelaufen. Noch unschöner: die Pulverbeschichtung des UNterbaus wird unschön vom Spezialgrillreinigerspray angegriffen - Vorsicht also beim Reinigen! Für ein so billiges Gerät passt für mich aber das Gesamtpaket.

Beim Einheizen gibt es schon nach kurzer Zeit kaum noch Geruchsentwicklung. Das Haubenthermometer erreicht 250 °C und ie Wärmeverteilung laut Toastbrod Heatmap entspicht dem was man beim GSV ergoogeln kann. Alle Brenner zünden zuverlässig über ihren jeweiligen Regler. Das Scheunentor hab ich mit etwas Jehova gepimpt und eine Aluleiste zum dauerhaften Verschluss liegt schon in der Garage parat.

Der Grill ist jetzt gut ein Jahr zu verschiedenen Anlässen in Benutzung und bin recht zufrieden mit allen Grillergebnissen. Man muss ihn schon etwas kennenlernen, um die heißen und nicht ganz so heißen Zonen herauszubekommen. Die vorderen 10 - 15 cm reichen zum nur zum warmhalten weil die Brenner da noch keine Löcher haben. Direkt über den eher breiten Flammblechen hat man mehr Kontrolle über die Hitze, für echtes Branding legt man das Steak zwischen zwei Brenner oder an den Rand. Ja, man bekommt erkennbare schwarze Kreuzmuster auf Steaks ud Burger. Grillgemüse in der gelochten Pfanne klappt super, nochbesser wenn auf dem Warmhalterost darüber ein paar Grillfackeln oder Hähnchenteile ihr Fett ins Gemüse tropfen. Bei temperaturempfindlichen Teilen muss man sehr aufpassen sie zu garen ohne zu verbrennen, weil wie oben beschrieben die Hitzeverteilung nicht wirklich gleichmäßig ist. Für Nackensteaks und Burger allerdings völlig unproblematisch und Pflegeleicht. Bei unserer typischen Anwendung mit 3-6 Essern brauche ich nur 2 der drei Brenner. Beim EM Eröffnungsspiel wurden so 15 Leuts begrillt, nach 30 min waren zwei Runden verschiedenstes Kleinfleisch durch - alles gut! Am letzten Wochenende wurde 21 Stunden lang bei konstanter Niedrigtemperatur ein super leckeres Pulled Pork zubereitet, inklusive 2 Stunden Wood Chip Räuchern . Auch Flammkuchen und Pizza auf Pizzastein für eine Stehparty für ca 20 Nachbarn im Garten sind hervorragend angenommen worden.

Die dünnen Flammbleche sehen schon etwas mitgenommen aus. Mehr als noch zwei Saisons traue ich denen nicht zu. Anlass zur Kritik gibt die Fettschublade. Unsere geringe Neigung der Terrasse zur Regenwasserabführung reicht aus um immer wieder Fett auslaufen und den Unterschrank versauen zu lassen. Die Schublade lässt sich auch nur nach hinten ausziehen.

Fazit: für rund 200 EUR bekommt bekommt man einen funktionalen Gasgrill für die Familie, mit dem man auch Spezialaufgaben und kleinere Feste abwickeln kann. Das Teil ist nix für den Angeberklub und die Qualität nicht auf den Betrieb für viele Jahr ausgelegt, für manch einen Anspruch schon grenzwertig bis geht nicht, für meinen aber okay. Mit leichten Modifikationen an Rost und Haube wird man das Grillergebniswohl nicht von teuren Markengeräten unterscheiden können.

Broilmaster BBQG09DE silber



bbq-grill_bbqg09_silber_shop_gr.jpg


Als mein bester Kumpel und Übernachbar meinen neuen Landmann sah meint er, für den Preis brauche er auch sowas. Im Glauben ihm was gutes zu tun ersteigere ich also für 101,60 EUR diesen Broilmaster BBQG09 B-Ware und noch mal einen Gasschlauch und Druckminderer extra. Im Onlinehandel gibt es das Teil für rund 160 EUR.

Von der Austattung her zwei Brenner mehr als mein Landmann 12739 aber Haube nicht aus Edelstahl und keine Drehspießvorbereitung - ich dachte das wird schon so ähnlich sein, kommt eh alles aus der selben China Fabrikhalle. Tatsächlich aber ist das Blech noch mal etwas dünner und das ganze Gerät wirkt durch und durch billig. Mein Kundenrückläufer hatte zudem eine deutlich sichtbare Delle im Bedienpanel und auch sonst ein paar Macken - unschön. Zu zweit war der Grill jedoch in einer halben Stunde vorschriftsmäßig aufgebaut.

Das Gute zuerst: alle 5 Brenner bekommt man zum Laufen und mit geschlossenem Deck zeigt das Thermometer ruckzuck 400°, Celsius, nicht Farenheit!!! Das Teil wird auch gefühlt verdammt heiß. Der Deckel hat auch kaum Lüftungsschlitze. Zusammen mit den vielen scharfen Kanten und Labilität fragt man sich schon, wie das Gerät eine Zulassung für den Verttrieb in Deutschland bekommt. Auch der Zündvorgang, bei dem man die Flammen vom einzigen Brenner mit Piezo zum Nachbarbrenner überschlagen lässt, wirkt etwas dubios. Die Grillfläche ist etwas kleiner als vom Landmann aber bestimmt hinreichend für 4-8 Personen. Dass die Warmhalteablage nicht fest steht wäre in der Praxis bestimmt ein Nachteil, sofern man überhaupt soweit kommt.

Also erstmal Ausheizen. Das Teil qualmt als wär schon Räucherholz drin und keine 3 min später müssen wir den Vorgang wegen genervter Nachbar abbrechen. Etwas später und auf dem Feldweg hinter dem Haus heizen wir weiter. 2 Stunden und 5 Bier später qualmen zwar nur noch mein Kumpel und nicht - nicht mehr der Grill, stinken tut er aber immer noch penetranter als wir beide zusammen. An Lebensmittelzubereitung denkt keiner von uns und wir geben erstmal auf. Auch optisch ist mir meine gut gemeinte Tat eher peinlich. Die Lackierte Haube und Grillwanne stinkt nicht nur, in natura sieht sie auch kagge aus. Am nächsten Abend, wahrscheinlich nur um mir nicht weh zu tun, heizt mein Kumpel noch mal eine stunde lan Proan durch. Leider stinkt es dann immer noch. Für's EM-angrillen leih ich ihm also meinen Landmann, der BBQC09 wird in den Kombi eines polnischen Kumpels geschubst und geht demnächst als Geschenk in dessen Heimat. Erfahrungen zum Grillen kann ich daher nicht schildern.

Fazit: Mit dem Broilmaster BBQG09 kann man eigentlich garnix machen, außer sich vielleicht beim Aufbau dran zu verletzten. Für eine sinnvolle Altmetallverwertung hat er zu wenig Material. Für die Zubereitung von Lebensmitteln ist er schon wegen der Geruchintensiven Ausdünstungen untauglich, da kann man seinen Bauch noch so stark würzen, die CHina Lack wird sich leider durchsetzen.

Broilmaster BBQG01DE Silber (wie Abbildung nur ohne Uhr im linken Tisch)



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Der BBQG01 wurde für 116 EUR, B-Ware ohne Druckminderer, ersteigert, prompt geliefert und aufgebaut. Überhaupt erfolgten alle drei Lieferungen sehr schnell. Im Onlinehandel gibt es das Gerät 240 EUR. Das auch schon seit einigen Jahren, was man an den vielen Erfahrungs- und Tuningberichten im Netz erkennt.

Von der baulichen Qualität ist dieses Gerät eine halbe Nummer besser als der Landmann. Die Bauteile sind mit schlecht und schief eingeschweißten Winkelblechen verstärkt und die Lackierung wirkt etwas stabiler und schicker. Das Wort "hochwertiger" wäre dennoch unpassend. an einem Teil hat der Lack Bläschen, sieht wie leicher Blumenkohlrost aus. Die Grilleinheit meines Retourenexemplars stand wohl mal in einer Austellung und war entsprechend verschmutzt. Frau war beim ersten Anblick not amused (vielleicht auch weil das jetzt schon der dritte Grill war). Allerdings nach 20 min mit dem Spüllappen sieht alles wieder aus wie neu, bis auf die paar Kratzer in der Edelstahlhaube. Die Beschriftung des Panels ist übrigens beständig gegen unseren Küchenreiniger, manchmal muss man sich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen. Die Haube hat sogar eine Blechauskleidung und die Drehgriffe liegen etwas fetter in der Hand als bei den Vorgängern. In Anlehnung an Berichte aus diesem Forum hab ich auch gleich die Poppnietenbefestigung der Grillschublade ausgebohrt.

Das erste Anzünden klappte gut, alles funktioniert. Der Seitenkochstelle muss man etwas gut zureden, bzw. an der Zündelektrode rumbiegen. Schon vor dem Ausheizen wurde das Scheunentor und die hinteren Lüftungsschlitze mittels einer Konstruktion aus Einweggrillschalen und Jehova abgedichtet. So kam das Teil auch recht schnell auf Temperatur. Gestank gab es kaum, nach 3 min garnicht mehr. Die Kombination aus Emailliewanne und Edelstahl wie auch beim Landmann ist also geeignet.

Der Fettablauf in das Hängetöpfchen ist übrigens eine super Sache, viel besser als Schublade zum ziehen als beim Landmann.

Seit gut einem Jahr ist dies nun mein Hauptgrill. Inzwischen kann ich fundiert bestätigen, dass der Grill einwandfrei funtioniert. Er macht immer noch einen hinreichend stabilen Eindruck, sieht vernünftig aus und zündet zuverlässig alle 5 Brenner. Zunächst bezeifelte ich jedoch das Haubenthermometer, da trotz verschlossenen Scheunentors nicht wirklich mehr als 250 °C drin sind. Beim Ribs Smoken sieht man jedoch, dass die Garraumtemperatur im NT Bereich zumindest einigermaßen genau angezeigt wird. Für ein schickes Branding beim Flachgrillen reicht die Leistung anscheinend nicht. Auch das Nachrüsten einer Gussplatte half nicht wirklich. Wenn ich heute ein Rindersteak anbrate, dann vorzugsweise in der Pfanne auf der Nebenkochstelle. Für wirklich heißes Wok Stir Frying reicht aber auch die nicht.

Dennoch, angesicht des günstigen Preises kann man wirklich nur begeistert von der Flexibilität dieses Kochgerätes sein. Ich meine, alleine meine Pfanne hat vor 15 Jahren inetwa genau so viel gekostet. Die wird den Grill allerdings auch um ein vielfaches überleben


Fazit: Der Broilmaster BBQG01 bekommt meine Kaufempfehlung. Ich finde er sieht schon schick aus und man hat auch nicht immer Angst irgenwas dran zu verbiegen. Komplett aus Edelstahl und doppelwandiger Unterbau wäre schöner, Gussrost sowieso, aber das Gesamtpaket stimmt und für meine 120 EUR war der Kauf ein klarer No-Brainer.

Meine Empfehlung:

Gasgrills sind praktisch, die Benutzung macht Spaß und man kann damit wirklich leckere und vielfältige Speisen zubereiten. Für unsere 4-Köpfige Famile im Eigenheim ist eine Grillfläche von 40 x 60 cm gut geeignet. Zwar braucht man für 4 Burger eigentlich nur einen Brenner. Der größere Garraum erleichtert aber das parallele Zubereiten von Beilagen, Brotbacken oder die indirekte Nutzung, auch low&slow.

Von den drei beschriebenen Geräten war eines bei mir untauglich als Grill. Finger weg vom Broilmaster BBQG09. Die anderen beiden würde ich allerdings beide wiederkaufen, wobei der BBQG01 schon etwas hochwertiger wirkt als der Landmann 12739. Die Doppelwandige Haube hält hoffentlich besser die Wärme bein NT-Garen und hat eine etwas geringere Oberflächentemperatur von außen.

Erstaunlich, was zu dem Kurs geboten wird. Meine Erfahrung mit als B-Ware deklarierten Geräten zum halben Preis war dabei gut, sonst hätte es auch noch das Rückgaberecht gegeben.


Was mir künftig noch vorschwebt: Zunächst dachte ich daran den Billiggrill durch Modifikationen aufzuwerten: Gussrost nachrüsten, Lüftungsöffnungen der Haube verstellbar verschließen, evtl. einen Brenner gegen einen kleineren Rundbrenner tauschen um beim Low&Slow über viele Stunden etwas Gas zu sparen. ( mit solchen Maßnahmen manipuliert man ein technisch zertifiziertes Gerät, da muss schon jeder selber wissen was er da macht) . Allerdings lohnt das wohl doch nicht. Inzwischen kam noch eine 57er Kohlekugel dazu, auch ein Discountermodell. In ein paar Jahren, wenn ich dann immer noch Spaß am Gasgrillen habe, dann gönn ich uns vielleicht ein etwas hochwertigeres Sportgerät. Jetzt steck ich die Kohle lieber in Fleisch und Wein.

Beste Grüße
Ochse
 
OP
OP
Ochse

Ochse

Fleischzerleger
Danke, mit dem Broilmaster bin ich immer noch glücklich. Allerdings komt nächste Woche (hoffentlich) mein nächster Grill neuer an: Coobinox Jumbo
 

Jaibie

Grillkönig
Ich fasse zusammen: Qualität kostet....bis dahin hat man Erlebnisse o_O
 

DerTeufel

Ultimate Käfiggriller
10+ Jahre im GSV
Ich hatte den Landmann, so etwas kommt mir nicht mehr ins Haus. Nach zwei Jahren auf einem überdachten Balkon sind mir die Brenner weggefault, Ersatz über Landmann fast zum Preis eines neuen Geräts.
 
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