Wir Deutschen werden uns mit unserer Geizmentalität auf Dauer keinen Gefallen tun. Die Zahl der Lebensmittelskandale wird immer weiter wachsen, man zwingt die Erzeuger dazu auf das Billigste, egal ob illegal, gesundheitsschädlich etc. zurückzugreifen. DIe Produzenten werden an den Pranger gestellt und es gibt dort sicher schwarze Schafe, allerdings häufiger in ein finanzielles zu eng geschnürrtes Korsett gezwängte Verzweifelte.
Zum Thema Milch: Ich habe mal im Einzelhandel gearbeitet und zwar für ALDI. Dort bekommt man eine ganze Menge mit, wenn der Job über den hart arbeitenden iItarbeiter in der Filiale vor Ort hinausgeht. Ich kann nur sagen, dass man von ALDI generell sagt, dass die sehr hart verhandeln, dabei aber keineswegs unfair sind und auch so etwas wie Lieferantentreue kennen. LIDL z.B. soll dort deutlich rabiater und mit deutlichen Drohungen vorgehen, auch REWE soll sehr unangenehm sein und sich viel häufiger als ALDI von gemachten Zusagen distanzieren. Dies soll keinesfalls die Methoden von ALDI loben, es gibt aber auf dem Markt schwärzere Schafe am Verhandlungstisch muss ich leider sagen.
In Deutschland müssen die Menschen, die es fianziell können, einfach bewusster mit Lebensmitteln umgehen und mehr auf Qualität achten. Das fällt nicht einfach, was auch ich merke. Wir sind derzeit ein kinderloses Paar, beide berufstätig und halbwegs gut verdienend. Sicherlich häuft man keine Reichtümer an, aber man lebt ganz gut, gönnt sich ein bis zwei Urlaube im Jahr und legt noch Geld beiseite. Trotzdem ertappe ich mich häufig dabei Lebensmittel besonders günstig kaufen zu wollen, so bin ich erzogen worden und so sind auch meine Eltern erzogen worden von einer Generatrion die in der Kriegs- und Nachkriegszeit gelitten hat. Davon sollte man sich lösen. Es gibt ja auch immer mehr tolle Fair Trade Artikel, welche man mal kauft für sein gutes Gewissen - dabei sollte man auch die Fairness den deutschen Erzeugern gegenüber nicht vergessen.
Zum Thema H4 kann ich sagen, dass ich auch dies kenne und zwar in veschärfter Form. Da ich den Job bei ALDI nicht mit meiner Überzeugung vereinbaren konnte, dies ist also wirklich kein Werbepost für den Discounter, habe ich dort bereits nach 10 Monaten gekündigt und da ich von der Uni kam gab es direkt H4. Meine jetzige Frau lebte mit mir in einer Wohnung zusammen und studierte damals mit einem 400 Euro Job, wir hatten ca. 125 Euro weniger zu Verfügung als ein Paar mit zwei H4-Empfängern. Damals gab es weder Auto noch große Freizeitaktivitäten wie Sport, Kino oder sonstiges und selbst für Essen reichte es kaum, nebenbei sind wir beide weder Alkoholiker noch Raucher und geben somit in den Bereichen kein bzw. kaum Geld aus.
Sicher befand ich mich unter dem H4 Niveau und das für ca. 6 Monate aber damals war ich darauf angewiesen hin und wieder bei den Eltern oder Schwiegereltern mitzuessen, sonst hätte es nichts gegeben. Vor Weihnachten waren wir dann mal im Real einkaufen und freuten uns wie bekloppt über die Tafel Milkaschokolade, die Tüte Funny Frisch Chips und das 6-Pack V+. Das war eine harte Schule und ich kann nur sagen, dass das Leben auch mit dem vollen Satz H4 sicher kein Zuckerschlecken ist. Alles andere als der Kauf beim Discounter macht da auf Dauer wenig Sinn und selbst dann ist es hart. Jeder der das noch nicht erlebt hat sollte sich mal fragen, wie es ist wenn man sich nichts erlauben kann, was nicht der Existenzsicherung dient. Ich hatte nach einiger Zeit z.B. das Problem, dass ich "hochwertigere" Kleidung, welche ich mir vor der Arbeitslosigkeit geleistet hatte, nicht mehr anziehen wollte, weil ich mir wie ein Blender vorkam. Auch wenn man die Menschen mit den Weihnachtseinkäufen etc. sieht fühlt man sich einfach nur mies. Es gibt sicher H4 Empfänger die faul sind, zu wenig Nutze und ihr Geld bestenfalls nach dem ersten Monatsdrittel zum Fenster rausgeworfen haben, aber das sind lange nicht alle.
Lange Rede kurzer Sinn: Die Menschen in unserem Land, denen es gut geht, sollten sich einen Kopf über den Kauf und die Wertigkeit von Lebensmitteln machen, ich verurteile niemanden, der mit seinem Einkommen grade so hinkommt, beim Essen zu sparen wo es nur geht.