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Arch-u!

PuMod

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10+ Jahre im GSV
Foto des Monats
★ GSV-Award ★
Wok-Star
Hi Folks,

heute gibt es ein Gericht, welches bei uns jedes mal in der Familie einen Lacher hervorruft. Alle müssen schmunzeln, denn um dieses Gericht rankt sich eine wunderbare Geschichte. Ich habe gedacht, vielleicht ist es nicht verkehrt in dieser wilden Zeit ab und an mal zu lachen, also erzähle ich sie euch. Wer nicht mag, kann ja einfach drüber scrollen, das Rezept gibt es unten.
ar
Ach: ja, Arch-u! kann man auch im Dutch Oven bereiten. Hab ich auch schon oft gemacht, daher passt es sehr wohl in ein Grillforum *pahh* :-D

Um die Geschichte zu verstehen, müssen wir weit zurück gehen. Und zwar so in die Endzeit des zweiten Weltkrieges. In dieser Zeit war meine Großmutter "Oma Else" im Pflichtjahr. Jaja, sowas gab es damals. Diese Zeit hat meine Oma am Bauernhof ihres Vaters verbracht. Also war sie so ungefähr 15 Jahre alt zu der Zeit. Der Krieg hat die ländliche Gegend rum um den Hof meines Uropas fast nicht tangiert. Man war Selbstversorger, die nächstgrößere Stadt war mit dem Auto eine halbe Stunde entfernt und alles ging seinen gewohnten Gang.
Wovor alle aber Angst hatten: Vor dem Feind, welcher sich auf der Suche nach Nahrung um die eigenen Truppen zu ernähren in Bauernhöfe einnistete und sicherlich auch dem einen oder andern jungen Mädchen nachstellte. So kam es wie es kommen musste. Ein paar britische Männer betraten den Hof. Mein Opa versteckte flugs meine Oma und ihre Schwester und hatte Angst um Hof, Vieh und Leben.
Es stellte sich aber heraus, dass die Jungs ganz nett waren. Genauer gesagt, sogar sehr nett. Beide hatten es nicht eilig nach Hause zu kommen oder an die Front zurück zu kehren (das wusste meine Oma auch nicht mehr), also quartieren sie sich ein - wurden sie doch verpflegt und hatten ein Dach über dem Kopf. So lange konnte mein Uropa seine Töchter im Stall nicht verstecken, also arrangierte man sich. Die Briten mit der komischen Sprache packten ein bisschen am Hof mit an - starke Männer waren ja Mangelware - dafür hatten diese Kost und Logis. Als die Zeit des Abschieds gekommen war schlachteten die beiden ein Schaf des Nachbarn (höhöhö) und kochten dazu ein Gericht. Das Rezept "merkte" meine Oma sich und seit dem gibt es bei uns Arch-u!

Nachdem ich ein bisschen älter wurde und mit meiner Oma ein Kochbuch schrieb (mit ihren Rezepten) recherchierte ich ein bisschen dazu und stellte fest, dass dieses Gericht seinen Ursprung im allseits bekannten irischen Irish-Stew hat Mooomeeeeent! Arch-u vs. Irish-Stew? Muahahaaa!!!

Meine Oma kann eben kein Englisch. So gar nicht. Also wurde aus "Irish-Stew" für meine Oma Arch-u! :-D Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das bei uns in der Familie für Gelächter sorgte, denn alle 3 Kinder meiner Oma und die Enkel kochen jetzt seit Generationen Arch-u! Uns liefen an diesem Samstag Mittag, alle saßen zusammen am Tisch, vor Lachen Tränen die Wangen runter.

Arch-u! gibt es bei uns regelmäßig. Ein wunderbar schlotziges Gericht, welches im großen Topf zubereitet über zwei Tage gegessen werden kann. Dieses Gericht ist bei uns einfach nicht mehr weg zu denken. Wir kochen weiterhin Arch-u! einfach nur, weil die Geschichte so schön ist und, wenn wir ehrlich sind, ist diese Geschichte, und damit auch das Gericht, Teil unserer Familie. Und zwar genau so:

Im Original mit Schaf, sicherlich gibt es hunderte Originalrezepte, aber das hier ist unseres:

Brühe kochen:
Markknochen
Suppengrün
Lorbeer
Pfeffer
Senfkörner und was sonst noch in eine Brühe kommt (ich mach immer noch 'n Sternanis mit rein, steh' total auf den Geschmack)

Hauptzutaten:
1 Teil Kartoffeln schälen und scheibisieren
1 Teil Kohl hobeln oder fein hacken
0,5 Teile Zwiebeln in Ringe schneiden
0,5 Teile Schaffleisch (hier Rind) in mittelgroße Würfel schneiden

Das Fleisch in einem großen Topf stark anbraten. Jetzt abwechselnd Kartoffeln, Kohl, Zwiebeln, Salz und Pfeffer schichten. Wie bei einer Lasagne, nur eben im Topf. Solange bis nichts mehr da ist. Jetzt mit der Brühe aufgießen, so das man gerade so die Brühe von oben erkennen kann. Deckel drauf und bei 3/4 Hitze ca. ne Stunde garen. Dann kräftig durchrühren, die gebrochenen Kartoffeln binden die Brühe dann etwas. So wird es herrlich cremig und schlotzig.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken - fertig.

Hier die Bilders:


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Vielleicht hat dem Einen oder Anderen unsere kleine Geschichte gefallen.

Bleibt gesund!

LG
Pu.

edit:
ich habe dieses Jahr meine Oma mit 90 Jahren auf ihrem letzten Weg begleiten dürfen. Eine wunderbare Frau. Bescheiden und immer für andere da. So traurig wie das ist, ihr seht mich gerade schmunzelnd vor dem Rechner und in an eine schöne Erinnerung denkend. Sie würde jetzt auch lachen. Mit uns zusammen. Fuck Corona.
 
Hallo PuMod,
schau doch mal bitte hier: Arch-u!. Da wirst Du fündig!
 
Schön und ein bisschen traurig zugleich. Schöne Erinnerungen sind unbezahlbar.
 
Ein tolles Gericht und eine schöne Geschichte dazu. Meine Oma hat uns dieses Jahr auch verlassen, im stolzen Alter von 95 Jahren. Es gibt mindestens 3 Rezepte von Ihr, die ich jedes Jahr nachkoche, so bleibt Sie mir in Erinnerung.
 
Toll. :thumb1:
Ich muss immer bei Sauerbraten an meine Oma denken, war das erste Essen das ich konnte.
 
Sieht sehr lecker aus!
 
Sieht verdammt gut aus! :thumb2:

Das Gemüse wird auf das Fleisch geschichtet, Fleisch also die unterste Lage?

:prost:
 
Das/der Stew sieht auf jeden Fall sehr lecker aus :thumb2:
Wir haben bei diesem Gericht unseren Familienfrieden in der Lammschulter gefunden, die ist da etwas moderater als das Original.

Tja, die Oma, in Sachen Englisch war es bei uns das „Micki Weh“, war aber egal, hat geschmeckt wie Milky Way :D

:prost:
 
Moin Pu,
da haste ja wieder mal voll einen rausgeballert.
Tolles Gericht - tolle Story :thumb2:
 
So ein Teller hätte ich gerne probiert.
 
Danke für die Geschichte - schön, dass Du mit einem schmunzeln an Deine Oma denken kannst! Bei dem Titel wäre ich nie auf dieses Rezept gekommen ;-)

Gruß

Balkonglut
 
Ein wunderbares Gericht mit einer noch wundervolleren Geschichte :thumb2:
Die ältere Generation und die englische Sprache bringen echte Kuriositäten zum Vorschein :lach:
 
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