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besondere Ansitzerlebnisse....

erwinelch

Grillkaiser
10+ Jahre im GSV
weil´s so schön ist. Und immer wieder Spaß macht zu lesen.....

ich fang mal an. Gestern. Die Sauensonne scheint, guten Mutes zieht Jungjägerlein los. Bisher kenne ich Sauen nur von der DJ und einem Anblick an einer Kirrung lange vor der Jägersprüfung. Ich habe mich bei einem befeundeten Pächter in Frankreich zum Sauenansitz eingeladen.

7 Uhr, es wird zügig dunkel. Als bekennendes Reptil ist es halt nicht einfach für mich die halbe nacht bei Temperaturen um den Nullpunkt im Wald zu sitzen. Aber es geht. Viertel nach 7. Ich habe alle 5 Isolationsschichten angelegt, alles beisammen, Mütze, Handschuhe, Taschenofen, Styroporplatte für die Füße, 2 Decken, sogar ans Fernglas, den 98er und die Patronen habe ich gedacht.

Ansage war - geht den Weg lang, etwa 350 Meter, am Ende der Hecke steht links eine offene Leiter. Es regnet nicht, zu kalt isses auch nicht, das geht. Um 12 fahren wir heim.

Zum Glück war es keine offene Leiter. Um 20 nach 7 sitze ich, die Wolken reißen auf, ich nehme das Glas und orientiere mich, stelle mir das ZF ein, teste den Leuchtpunkt, Ton am Händieh aus und ich fange an dynamisch zu warten.

Es ist noch nicht halb acht, als unweit ein Schuß bricht. War wohl der Nachbar, der einen Fuchs beschossen hat.

Gegen 8 Uhr sehe ich im Schatten einer großen Buche eine Bewegung. Nicht bewegen, abwarten. Nach 2 Minuten greife ich vorsichtig zum Glas. Ich sehe einen Fuchs und einen starken Bock friedlich nebeneinander an der Kirrung stehen und Maiskörner naschen. Nett anzusehen, aber die beiden sind schon schlau, die halten sich dauerhaft im Schatten der Bäume.

Ich komme auf die Idee durch´s ZF auf 12-fach den Bock genauer ansprechen zu wollen, hat nicht gefunzt, ist langsam weiter gezogen.

Ich warte weiter. Nach etwa einer halben Stunde zieht eine Geiß, die ich zuerst für ein starkes Kitz gehalten habe, auf die Fläche. Ich schaue ihr zu, irgendwann zieht ein sehr schwaches Geißkitz dazu. Geschätzt 8-10 Kilo.
Ich fange an über einen Hegeabschuß nachzudenken, als die beiden plötzlich nach hinten sichern. Ich warte drauf, daß sie abspringen - ?Sauen? - aber nein. Weit gefehlt. Ein richtig starkes Bockkitz gesellt sich dazu.

Im Hintergrund höre ich den Platzbock vom Anfang schrecken und zetern. Die drei lassen sich nicht beirren, naschen Mais und ziehen nach einer halben Stunde weiter.

Kaum sind die weg, erkenne ich die Ursache für das Geschrei vom Platzbock. Ein weiterer - ziemlich schwacher - Bock tritt aus und - ratet mal - genau - er nascht Mais.

Langsam aber sicher zieht die *Zensur*Kälte hoch bis zu den Knien. Dann geht es noch eine halbe Stunde, länger kann ich es dann nicht mehr ertragen - noch ein Fuchs.

Von den Sauen hab ich nix gesehen, aber dafür beim finalen Spaziergang mit dem Hund noch 2 Ricken mit ihren Kitzen, noch einen Fuchs und auf der Heimfahrt an der Straße 2 Rehe am Straßenrand. Hoffentlich ist denen nix passiert.

JJ hat gelernt, Sauenansitz kann richtig spannend sein, Sauen braucht´s dafür gar nicht. Allein die fiese Kälte...
Aber diese Stimmtung im Wald, der Mond, die Schatten der Bäume, Baumstümpfe, die anfangen zu laufen, der Kauz der ruft.... Eins sein mit dem Geschehen um dich, nach einer Stunde haben sich die Gedanken verselbständigt, diese herrliche meditative Ruhe befällt mich. Diese Ruhe, die nur ein Jäger kennen kann.
Ein Traum. Das ist Jagd.... Wie sprach dereinst mein alter "Jagdmentor" - Junge sagt der zu mir, ich löse dieses Jahr meinen sechzigsten Jagdschein, ich hab die Jagd von meinem Großvater gelernt. Der hat mir ein Mantra beigebracht - wenn du in den Wald gehst - mach die Tür hinter dir zu. Ich habe länger gebraucht, bis ich verstanden habe, was er damit wirklich meint. Irgendwann wirst du an meine Worte denken.

Bin gespannt auf eure Erlebnisse....

WMH.
 
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