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Burgvogel Haushaltsmesser

Rübennase

Dauergriller
10+ Jahre im GSV
Für heute hat sich der staatlich geförderte Bezirksschornsteinmafioso angekündigt, um sein jährliches Schutzgeld zu kassieren, welches aus irgendeinem Grund alle halbe Jahre fällig wird.
Also mache ich ein paar Stunden "blau" und kann genauso gut einige Worte über BURGVOGEL verlieren. Allerdings in einem anderen Zusammenhang...

Die Firma << Burgvogel Karl Bahns GmbH Solingen >> ist in Internetforen bekannt für ihr Gußstahl Santoku, der aktuellen Japanmesserhysterie geschuldet, wird aber ansonsten gern übersehen.
Ich habe mal einige der weniger bekannten Haushaltsmesser etwas unter die Lupe genommen, mit Schichtholzgriffen/Natur.

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Es sind im einzelnen (von oben):
141.13-20 Brotmesser 20cm
134.13-20 Fleischmesser 20cm
134.13-18 Fleischmesser 18cm
134.13-15 Fleischmesser 15cm
134.13-13 Fleischmesser 13cm
124.13-12 Gemüsemesser 12cm

Allgemeine Verarbeitung:
Die Preise bewegen sich zwischen ca. 11,70 EUR und 21,80 EUR (inkl. MWSt und Versand per UPS).
Bei diesen Preisen und "Made in G" darf man keine Wunder erwarten.

Die Messer (Griffe) fühlen sich kalt, hart und glatt an, so gar nicht wie Holz. Das Schichtholz wurde in eine Art Kunstharz eingegossen und hat nun Plastikeigenschaften. Man wollte wohl um jeden Preis eine Spülmaschinentauglichkeit erreichen. Die Oberfläche und Beschaffenheit erinnert mich lebhaft an die allerersten Kunststoffe aus den 30er bis 50er Jahren. Kennt noch jemand BAKELIT ? Hart, unflexibel, spröde.
Die Griffe wirken flach und weniger voluminös als sie auf Fotos aussehen.

+ spülmaschinentauglich - eine hohe Qualität, glaubt man dem Geschwätz einschlägiger Testmagazine...

- kalt, hart, unangenehmes Anfaßgefühl, Spülwasser sammelt sich in den großzügigen Griffspalten und suppt bei jeder Gelegenheit heraus, da kann man noch so oft abwischen

Die Klingen sind echt dünngeschliffen, der Schliff wirkt allerdings maschinell. Sie schneiden ordentlich, bestenfalls 95% wie Windmühlenmesser, schlechtestenfalls immer noch besser als Süpermarktware
("6 Profimesser mit Block für 14,98"). Der ordinäre Solinger NiRoSta (1.4034 aka 420).

Die Messer kommen insgesamt mit geraderen Klingen an als vergleichbare Windmühlenmesser. Zwei der Messer waren aber verzogen. Ich habe mal versuchsweise daran gedrückt und zu meiner Verblüffung konnte ich die Klingen mit nicht allzu viel Druck kalt verbiegen !!!
Das geht mit Windmühlenmessern nicht, die federn stets wieder zurück in ihre schiefe Ausgangslage, scheinen also einen anderen Stahl oder ein anderes Härteverfahren zu nutzen...

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Ich glaube, ich mache im zweiten Teil weiter.
 

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Das klingt bisher wie ein übler Verriß, aber aus irgendeinem Grund mag ich die Burgvogelmesser.

Das kleinste Messer war die größte Überraschung (124.13-12) !
Es schneidet hervorragend und gleitet wie von selbst durch Zwiebeln und Wurzelgemüse. Es hat einen angenehmen Griff und eine echt dünne Klingengeometrie.
Gleichzeitig ist es groß genug, um bei Tisch verwendet werden zu können, z.B. ergibt es ein hervorragend preiswertes Steakmesser !
Zum allg. schnippeln mein neues Lieblingsmesser, trotz meiner zahllosen Herderklingen.
Wohlgemerkt: Es ist nicht besser als Herder... Eben anders. Gut. Und geizt nicht mit Klingenlänge wie die Herder Klassiker.

Das nächst größere Messer, Fleischmesser 13cm (134.13-13) war eine herbe Enttäuschung und das schlechteste Messer im Test.
Es hat einen deutlich dickeren Klingenrücken, aber kaum mehr Höhe und Länge. Das ergibt zusammen einen stumpferen Schneidwinkel (Klingengeometrie).
Es glitt nicht durch dieselben Viktualien, sondern spaltete sich unter Druck irgendwie durch.
(Ich habe es mal über div. Schleifsteine geführt, nun ist es etwas besser, aber noch immer nicht perfekt.)
Für robuste Fleischerarbeiten (entsehnen, ausbeinen) ist es aber durchaus brauchbar.

Damit ich es nicht vergesse: Insgesamt kamen die Burgvogelmesser schärfer geschliffen bei mir an als vgl. Windmühlenmesser.
Die Burgvogel waren meist aus der Schachtel heraus gut zu verwenden und lassen sich durch einen Wetzstahl lange einsatzbereit halten.
Durch die relative Weichheit des Stahls (fast wie Alu) muß man allerdings nahezu täglich abziehen, was Profis ohnehin tun.

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Links ist das Gemüsemesser 12cm, rechts das Fleischmesser 13cm.

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Je länger (und breiter) die Klingen der Fleischmesser werden, desto mehr gleichen sie sich dem echten Dünnschliff an und schneiden dann sehr gut.
Das 15cm Modell schneidet schonmal besser als das 13er, und die beiden 18cm und 20cm Modelle sind praktisch perfekt.

Die Griffe der 5 größeren Messer sind übrigens identisch, unterscheiden sich nur im eingegossenen Schichtholz.
Das 13cm Messer hat den gleichen Griff wie das 20cm Messer und auch das Brotmesser.

Zuletzt noch ein Wort zum Brotmesser: Es schneidet hervorragend scharf, verzieht aber deutlich nach links beim schneiden, dem Sägeschliff geschuldet.
Preis/Leistung sehr gut, wenn der a*schkalte Griff nicht wäre, morgens nach dem aufstehen ein Graus !

Meine Wunschliste an BURGVOGEL:

++ Bitte auf Kundenwusch normales Schichtholz montieren, unversiegelt !
Ich habe kein Problem damit, bei preiswerteren Serien auf Schichtholz zurück zu greifen, aber ich schätze das warme, trockene Anfaßgefühl von echtem Holz höher ein als irgendeine Spülmaschinentauglichkeit.

++ Evtl. könnte man auch mal die Praxis der Klingenhärtung überdenken / überarbeiten.
Aluminium-artige Klingen, die ich ohne Schwierigkeiten mit bloßer Hand verbiegen kann, sind nicht sehr vertrauenserweckend.
Niedrig gehärtete Stähle schonen die Werkzeugmaschinen, aber sie verbrauchen sich auch viel schneller und sorgen ggf. für Unzufriedenheit beim Kunden.

Ich werde die Messer zu Weihnachten großzügig im Bekanntenkreis verteilen und das eine oder andere Stück nochmal nachkaufen. Besonders die beiden Fleischmesser 18 + 20 cm sowie das kleine Gemüsemesser 12 cm gehen eigentlich immer und sind hervorragend preiswerte Gebrauchsmesser.

Viele Grüße,

Rübennase
 

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Für heute hat sich der staatlich geförderte Bezirksschornsteinmafioso angekündigt, um sein jährliches Schutzgeld zu kassieren, welches aus irgendeinem Grund alle halbe Jahre fällig wird.
:lach: Gut getroffen - ist jedes Mal ein Ärgernis...unserer kommt sogar getrennt für Abgasuntersuchung und Schornstein putzen...kassieren tut er auch doppelt :whip:

Aber eigentlich wollte ich Dich für Deinen Bericht über die Burgvogelmesser loben :sun: Da hast Du Dir echt ne Menge Arbeit gemacht. Danke. Ist sehr informativ!

Viele Grüße
Oliver
 
Das Kunstharzpressholz heißt Gerlinol.
Marsvogel macht ganz ähnliche Messer. Die Griffform ist dieselbe.
Die kleinen Marsvogel sind ebenfalls dünn ausgeschliffen.
 
Hallo,

ja, das mit dem Gerlinol habe ich auch spontan gedacht, als ich die Messer zuerst in Händen hielt !
Ist schon verblüffend, die Ähnlichkeit zu Marsvogel. Dabei habe ich die Burgvogel Serie gekauft, weil die Klingen auf Abbildungen etwas breiter/massiver erschienen als diejenigen der Marsvogel Messer, aber allem Anschein nach sind sie fast baugleich... Hm.
Da nun kaum jemand wirklich etwas mit dem Begriff Gerlinol anfangen kann, ich inklusive, und Burgvogel das Wort offiziell nicht verwendet, habe ich mal eine etwas anschaulichere Beschreibung gewählt.

Ansonsten sind die Messer wirklich nicht schlecht.
Das große Fleischmesser 20cm ist ein prima Brotmesser. Lustig.
Solange man keine frische Kruste knacken muß. Als Anrißschneide müßte dann erstmal ein Sägezahn nagen. Aber das 20er Fleischmesser schneidet deutlich geradere Scheiben ab als das eigtl. Brotmesser, welches nach links verzieht (für Rechtshänder: nach innen / unten).

@donprado: Danke für die Blümchen !

Viele Grüße aus dem verschneiten Rübennasenhausen !
 
Ich habe das Fleischmesser 13cm soweit abgearbeitet, daß es jetzt vernünftig schneidet. Dazu habe ich mir einen billigen Schleifstein aus dem Baumarkt mitgebracht und mit der Zeit eine Kuhle hinein geschliffen. Normalerweise schreit dann jeder: Der Schleifstein muß abgerichtet werden ! Also wieder begradigt werden. Doch mir kam das sehr gelegen, denn diese Senke ist sehr gleichmäßig und kann einem geraden Industrieschliff eine leicht ballige Form geben. Obwohl der Baumarktstein zwei Seiten hat, ist die grobe Seite unbrauchbar, also nur die feine Seite interessant. Er ist weich gebunden und gibt viel Steinmehl ab, was mir sehr gelegen kam.

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Den Grundschliff habe ich am Wasserstein durchgeführt, d.h. der lag eigentlich die ganze Zeit in einer Wasserschüssel.
Später habe ich dann zufällig heraus gefunden, daß Öl oder besser Fett/Talg am gleichen (!) Schleifstein eine viel glattere, feinere Oberfläche ergibt. Da das Dingens billig war, habe ich eben beide Schleifmittel am selben Stein benutzt, ohne Probleme. Die beiden letzten Schleifgänge erfolgten ausschließlich mit Öl (Sonnenblumenöl genügt völlig).

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Das Schliffbild ist zwar noch etwas grob, aber das Messer ist "sauscharf" und durchgängig nagelgehend.
Übrigens sind die beliebten Herder-Buckels nicht feiner, sondern eher noch gröber im Finish. Das Buckels wird wahrscheinlich nur naßgeschliffen und noch ein Griff rangepappt, fertig. So bleibt es billig und die Pließter haben anderes zu tun. Bloß was?

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Geschnitten habe ich mich damit auch schon zweimal - was will man mehr ?! :-)

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Alles auf demselben Billigstein, zuerst mit Wasser, zuletzt mit Speiseöl. Und n büschn Geduld.

Apropos Speiseöl: Guten Rutsch !

Viele Grüße,

Rübennase
 

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Warum taugt die grobe Seite nicht? Meinst du für diesen Zweck oder überhaupt? Für einen Schliff von Hand, sieht das sehr gut aus. Sehe ich das richtig, dass du das Messer flach auf den Stein legst und schleifst bist die Wate weg ist? Bei höheren Messer klebe ich über den Rücken 4 Lagen Isolierband. Das ist dicker als Tesa. Ansonsten wird die Schneide zu empfindlich und legt sich zu schnell um.
 
Die grobe Seite ist viel, viel zu grob, so eine Art Sensenwetzstein. Die ist so porös wie das Colorado Plateau. Damit könnte man Hornhaut abschmirgeln.

Ja, Messer flach auf Stein, nicht immer auf der gleichen Stelle, sondern 1-2min langsam die Klingenlänge hin und zurück wandern und immer den Finger drauf drücken.
Im Prinzip versuche ich eine Pließtbewegung nachzuahmen, ohne rotierende Scheibe vor mir, sondern einem festen Stein.
Zuerst will ich ein gleichmäßiges Schleifbild, welches zeigt, daß die Geometrie einigermaßen stimmt. Dann schaue ich zunehmend auf die Nagelprobe.
Zuletzt beim Öl drücke ich weniger, weil man schnell abrutscht und die Klinge schon sehr scharf ist, außerdem wird der Schleifriefen durch weniger Druck feiner.

Ich wollte ja hauptsächlich etwas vom zu starken Klingenrücken abnehmen und soviel wie möglich vom Messerblatt erhalten. Der Schnittkeil war anfangs viel zu dick. Ich benutze das Messer hauptsächlich für leichte Schneidarbeiten und zum Brotzeit machen (was selbstgeschliffenes ist immer was besonderes, auch wenn die Optik nicht perfekt ist), und dafür taugt der Dünnschliff allemal. Sollte sich die Schneide je umlegen, führe ich einfach einen beidseitigen Ölschliff durch, "ledere" die Klinge ab (alte Jeans) und gut is. Aber das passiert mir so gut wie nie, bin aber auch kein Profikoch und nicht den ganzen Tag am Schneiden.

Viele Grüße,

Rübennase
 
Das Umlegen der Schneide ist kein Problem und meist mit dem Stahl schon wieder zu richten. Es zeigt aber, dass man es übertrieben hat. Gerade für die Brotzeit ist das nicht unerheblich. Wenn die Kruste des Brotes ein bisschen härter ist, kann das bei einem dünnen Messer schon zum Umlegen führen.
 
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