• Du musst dich registrieren, bevor du Beiträge verfassen kannst. Klicke auf Jetzt registrieren!, um den Registrierungsprozess zu starten. Registrierte User surfen werbefrei, können Suchen durchführen und sehen die volle Darstellung des Forums mit vielen anderen Unterforen!!!

Die Artischocke selbst angebaut

Lineus

Dauergriller
5+ Jahre im GSV
Da mich nun einige Nachfrage zur Kultur der Artischocken in meinem Garten erreicht haben will ich hier das Thema mal ein wenig ausführlicher darstellen.

Die Artischocke ist ja ein Distelgewächs aus dem mediteranen Raum und liebt deshalb die Wärme und die Sonne.
Nicht gut gelitten sind kalte scharfe Nord und Ostwinde und späte Fröste wenn die Pflanze schon junges Grün zeigt.
Durch den Klimawandel klappt mittlerweile die Kultur auch in wintermilden Regionen ausserhalb des Weinbauklimas gut wenn man einige Dinge beachtet.

Bewährt in meinem Garten haben sich folgende Sorten:
Zum einen die "Grüne von Laon", eine robuste Sorte die große Knospen hervorbringt. Ich finde die aber etwas hart in der Substanz und schnell faserig werdend.
arti-5.jpg

Meine bevorzugte Sorte ist die Green Globe, die etwas kleinere Früchte bringt die aber wesentlich zarter sind.
Jung geerntet kann man die Böden sogar dünn gehobelt roh im Salat verwenden.
arti-2.jpg

Eine dritte Sorte die ich leider nicht namentlich bennenen kann ist quasi ein Mix der beiden Sorten was die Eigenschaften angeht. Eine sehr gefällige Sorte.
arti-3.jpg


Was die Kultur angeht, die ist recht einfach, man kann die Artischocke säen und im Sommer auspflanzen, die erste Ernte ist dann im Frühsommer/Sommer des nächsten Jahres.
Saatgut bekommt man bei vielen Saatguthändlern.
Der zweite Weg man kauft sich Jungpflanzen im Gartencenter, geht gut aber leider erfährt man nicht immer die Sorte, was ich schade finde.
Oder man erfragt sich abgeteilte Jungpflanzen bei Sammlern und Liebhabern die teils alte und vergessene Sorten erhalten.
Wichtig ist ein warmer sonniger Standort mit einem tiefen eher lockeren Boden, schwere kalte Lehm oder Mergelböden werden nicht so gut vertragen, vor allem Staunässe gilt es zu vermeiden.
Ein Windschtutz gegen kalte Winde aus Ost oder Nord ist sehr gut, zum einen verlängert das die Ernte, letztes Jahr habe ich die letzten Artischocken kurz vor Weihnachten geerntet. Zum anderen glückt da auch in milden Wintern die Überwinterung am Standort.
arti.jpg

Meine Artischocken sonnen sich vor der warmen Backsteinfassade und sind so perfekt geschützt gegen Kälte, auch Spätfröste werden durch die Wärmespeicherung in der Wand gut abgemildert.
Gedüngt wird im Frühjahr mit reichlich Kompost und Hörnspäne, sowie im Frühsommer nach der ersten Ernte wenn die Pflanze beginnt sich zu remontieren nochmal mit Hornspäne.
arti-6.jpg


Jetzt um diese Zeit bis in den August ist die große Erntezeit, der diesjährige Austrieb stirbt nach der Blüte ab und die Pflanze schiebt unten neue Triebe. Diese Pflanze hat mir ein Unwetter vor einigen Wochen stark verwüstet.
Die war gute 2 m hoch und hatte zig Knospen, der Sturm hat die abgeknickt, da blieb mir nichts anderes als zu ernten und die Pflanze abzuschneiden. Wie man sieht treibt die schon recht gut wieder durch.

In 2 bis 3 Wochen ist der Zeitpunkt wor man diese Triebe abnehmen und weiterkultivieren kann.
Ein Teil wird in tiefen Töpfen gesetzt und als Backup kalt im Frühbeet überwintert, der Rest wird wieder gepflanzt. @cyper_griller hier kommen auch schon deine Pflanzen zum Vorschein.
In kälteren Gegenden kommt man nicht umhin die jungen Pflanzen im Herbst zu entnehmen und zu überwintern.
In milden Gegenden reicht es eine Reserve im kalten Frühbeet einzusenken und die Pflanzen leicht abzudecken mit Reisig und Laub.
Aber Obacht Artischocken sind große mächtige Pflanzen die einen guten Quadratmeter Fläche beanspruchen.

Es lohnt sich die anzubauen, eine frisch geernte Knospe in einem jungen Stadium ist ein Genuss den man nicht kaufen kann.

arti-4.jpg
 

Anhänge

  • arti.jpg
    arti.jpg
    1,1 MB · Aufrufe: 998
  • arti-2.jpg
    arti-2.jpg
    280,7 KB · Aufrufe: 880
  • arti-3.jpg
    arti-3.jpg
    380,8 KB · Aufrufe: 1.063
  • arti-4.jpg
    arti-4.jpg
    300,3 KB · Aufrufe: 847
  • arti-5.jpg
    arti-5.jpg
    362,5 KB · Aufrufe: 1.237
  • arti-6.jpg
    arti-6.jpg
    926,4 KB · Aufrufe: 1.025
Schon komisch, bei uns wächst so ziemlich alles aus der mediterranen Zone in Freilandkultur aber mit Artischocken und zitrusgewächsen hatte ich bisher kein Glück.

Bei den Artischocken habe ich sogar mehrere Sorten ausprobiert, aber ausnahmslos alle scheinen an unserer brutalen sommerlichen Sonneneinstralung einzugehen ... Und die Zirusgewächse scheitern an den wohl zu trockenen Wintern. Ärgerlich wenn seit Jahren Olivenbäume, Oleander, Granatapfel und sogar Bananen freiland ausgepflanzt wachsen aber Artischocken eingehen ... :-(
 
Schöner Bericht hier, - gefällt mir sehr.
Aber, dass Artischocken keine Sonne vertragen, kann ich eigentlich nicht glauben. Ich suche hier im Mai oft wilde Artischocken und die stehen ausnahmelos auf kargen Böden in der prallen Sonne.
Wenn ihr Lust habt hier einmal ein kleiner Bericht darüber
http://www.grillsportverein.de/forum/threads/picanha-al-andalus.166630/
Artischockken werden in DE nach meiner Meinung viel zu Wenig in der Küche verarbeitet.
 
Artischockken werden in DE nach meiner Meinung viel zu Wenig in der Küche verarbeitet.

@Monscho

das mag auch daran liegen das Artischocken auch nicht so ganz preiswert sind und man nicht immer eine gute frische Ware bekommt.
Im Moment suche ich Pflanzgut der Kardone, einer Schwester der Artischocke,wo nicht die Knospe sondern der gebleichte Blattstiel wie Spargel zubereitet verzehrt wird.
 
@Monscho:
Bei uns in Südtirol sind nur Pflanzen der sogenannte "Berg-Artischocke" erhältlich. Die Sorte wächst hier bei den Bauern bis etwa 1000m ü.d.M. mit reichlich Ertrag, aber bei mir ( 400m ü.d.M. 45° Hang-Neigung in Süd-Lage mit totaler gnadenloser Sommersonne von 08:15 bis 20:30 ) gehen die regelmäßig ein ... und ja, ich hab ihnen die richtige Erde und ausreichend Wasser zukommen lassen ... Es bleibt daher nur mehr die SONNE als Erklärung übrig.

Da bei uns Schatten "Mangelware" ist haben wir im Hochsommer auch nahezu dem gesamten Grundstück tagsüber messbare +70°c ... hinterm Haus (im einzigen Schatten) sind das dann meist etwa +36° bis +40°c ... und das ohne kühlende Meers-Winde wie bei dir sondern schwüle gnadenlose Sommerhitze. Bleibt noch zu erwähnen, dass wir 0,5m unter der Erde Porphyr-Felsen haben welcher dann nachts seine tagsüber "aufgeladene" Sommerhitze wieder an das darauf liegende Erdreich ab/zurück gibt ... eine natürlicher "Backofen-Effekt" ...
Mir ist schon klar dass dies für viele komisch klingt ist aber so. Das von Touristikern als "mild und mediterran" gepriesene Klima um Meran wird an einigen Hanglagen im Sommer zu einem unbeschreibbaren "Backofen" ... eine dieser Lagen ist die unsere ... ansonsten würde unser Hof wohl auch nicht den Namen "SunnEgg" (zu deutsch "Sonnige Ecke") tragen.
Gerade jetzt (14:00) könntest du hier bei mir auf dem Terrassen-Boden (Süd-Lage) problemlos Geflügel garen ... ab 17:00 auch ein Kalbs-Schnitzel ... Wenn wir im Hochsommer Grillabende abhalten, dann erst ab 20.00 ... alles Andere wär purer verantwortungsloser Wahnsinn.


Grüße:
Hannes
 
Hallo Hannes,

nicht die Temperatur ist dein Problem sondern der Fels.Distelgewächse schieben Pfahlwurzeln bis in Tiefen von 2 m um ausreichend Wasser zu ziehen zu können. Wenn da Fels oder Ortsteinschichten sind kann die nicht wurzeln und verkümmert dann regelrecht.
 
Bei uns wachsen diverse Distel-Arten, eine Art vermehr sich sogar (zu meiner Verzweiflung) extrem ... aber eben genau diese (Artischocke) will und will nicht. Aber dafür wächst ja einiges andere recht gut ;-)
 
Hallo Hannes,

nicht die Temperatur ist dein Problem sondern der Fels.Distelgewächse schieben Pfahlwurzeln bis in Tiefen von 2 m um ausreichend Wasser zu ziehen zu können. Wenn da Fels oder Ortsteinschichten sind kann die nicht wurzeln und verkümmert dann regelrecht.
Das ist die Ursache, das denke ich auch. Die Hitze auf keinen Fall.
 
Zurück
Oben Unten