Das Kiritsuke ist eigentlich ein japanischer Messertypus der traditionell einseitig geschliffen ist.
Es ist ein langes Messer, das dem Yanagiba ähnelt. Es bedeutet "aufschlitzen, aufschneiden" was darauf hindeutet, dass es sich ursprünglich um ein Fleischmesser handelt, das aber auch als Gemüsemesser eingesetzt wird. Das Charakteristische ist die schräge Spitze, die einem Bunkabocho ähnelt. Da die abgeschrägte Spitze "cool" aussieht, wurde der Messertypus abgewandelt und von Messerherstellern weltweit übernommen. In der Internationalen Version ist es zweiseitig geschliffen und eigentlich nichts anderes als ein Gyuto mit abgeschrägter Spitze.
Die Namengebung setzen die Hersteller kreativ ein. Mal ist ein Messer mit schräger Spitze ein Gyuto, mal ein Bunka, mal ein Kiritsuke. Kai Shun hat sogar Messer mit 12cm, die sie Kiritsuke nennen. Ein Bunka ist normalerweise ein Santoku mit abgeschrägter Spitze, also 16,5 bis 18cm lang, aber auch hier gibt es Ausreißer. Normalerweise ist ein Kiritsuke einfach ein Gyuto mit schräger Spitze, also auch ungefähr 20-24cm lang. Die japanische beidseitig geschliffene Version hat einen kaum geschwungenen Schneidenverlauf die chinesische Version hat etwas mehr Bauch.
Es werden von Plys in dieser Machart noch zwei andere Messer angeboten. Ein Nakiri (17€) mit 18,3 cm Klingenlänge und ein Kochmesser (15€) mit 19,3 cm Klingenlänge laut Amazon. Das Kiritsuke hat 21,9cm Schneidenlänge (Sehne) und kostet 14 € zum Normalpreis. Zu Aktionszeiten kostet es 9,20€ und zu diesem Preis habe ich es gekauft. Der dunkle Holzgriff und die gesamte Form und Länge haben mir zugesagt.
Dieses Messer ist aber nicht ready to use. Es eignet sich als Messerprojekt und zwar hauptsächlich, weil der Erl erheblich bei einem Exemplar ein ganzer Millimeter über die Messerschalen hinausragt. Das steht auch so in den Bewertungen auf Amazon. Man muss also zwingend nacharbeiten. Das Kochmesser scheint laut den Bewertungen diesen Mangel nicht zu haben und das Nakiri auch nicht (aber das Nakiri wird auf der selben Seite wie das Kochmesser verkauft und so lässt sich nicht eindeutig sagen, ob die Bewertungen auch das Nakiri betreffen). Nachdem das erste Exemplar das ich bekommen habe bezüglich Überstand relativ schlecht war, wollte ich es schon zurückschicken. Hab mich dann aber doch zum Umarbeiten entschlossen und dachte mir: Bestell noch ein Zweites und schicke das schlechtere Exemplar zurück.
So habe ich es gemacht. Das zweite Messer hatte dasselbe Problem. Es ist also davon auszugehen, dass die ganze Charge so ist. Vielleicht verkaufen die den Ausschuss nach Europa. Entweder die Griffschalen variieren stark oder derjenige der die Löcher für die Nieten bohrt schlampt. Beim zweiten Exemplar war der Überstand nur einen halben Millimeter. Dafür hatte der Griff zwei kleine Fehler. Da beim zweiten Exemplar die Klingengeometrie etwas besser war habe ich das zweite behalten und das erste zurückgeschickt. Ein weiterer Mangel besteht darin, dass vor allem an der Unterseite Spalte in Griffnähe vorhanden sind. Diese Spalte entstehen, weil der Erl nicht im Primärwinkel der Klinge geschliffen wurde, bzw. weil die Griffschalen zu weit in die Klinge ragen. An der Oberseite ist alles ohne Spalt an der Unterseite ist die Klinge aber etwas dünner und es entstehen Spalte. Man kann das Auffüllen, aber offenbar wird spekuliert, dass es unten der Kunde nicht bemerkt oder das Messer nicht so genau untersucht. Es gibt zwei "saubere" Lösungen. 1. entweder der Erl wird im selben Winkel geschliffen wie die Klinge oder die Griffschalen ragen nicht in die Klinge, sondern liegen vollständig im nicht geschliffenen Teil des Erls. Letzteres hat auch Vorteile beim Nachschleifen, wie weiter unten noch zu sehen sein wird.
Das Griffholz ist kein Ebenholz. Zunächst stand beim Kiritsuke auf der Webseite, dass es sich um "Chenguibao" handelt. Bloß - was ist das? Googeln brachte keine Ergebnisse. Die Übersetzung für guibao lautet laut Google Translate "Schatz" "chen" kann vieles bedeuten, vielleicht "alt/antik", also "alter Schatz". Chenguibao wurde auf der Webseite aber wieder entfernt. Meine Recherche ergab, dass es sich um ein Ebenholzersatzholz handelt aus Mosambik. Grenadill ist es auch nicht. Heute morgen habe ich in der Beschreibung des Kochmessers gefunden, dass es sich um Chacate Preto oder false Mopane (small fake Mopane) handelt. So sieht es aus. Der botanische Name ist Guibourtia conjugata. Die Lufttrockendichte beträgt Lufttrockendichte von 1,0 t/m³. Hier kann man sich noch weiter belesen. Jedenfalls ist es ein schönes, schweres, feinmaseriges, dunkles Holz das sehr wenig Öl aufnimmt. Mir gefällt es viel besser als das rote echte Mopane.
Jetzt die Daten: 1. Exemplar
Klingenlänge 219 mm, größte Grifflänge Oberseite 133 mm,
Griffhöhe 26mm, Griffbreite 20mm, Gewicht 212g
Klingengeometrie: Kehl 0,35 mm, nach 5cm - 0,23 mm, 10cm - 0,28 mm
15 cm - 0,26 mm, 20cm - 0,28 mm, 22 cm 0,26mm
2. Exemplar
Klingenlänge 219 mm, größte Grifflänge Oberseite 133 mm,
Griffhöhe 26mm, Griffbreite 20mm, Gewicht 213 g, Klingenbreite am Kehl 49mm
Klingengeometrie: Rückendicke: Griff 2,2 mm Spitze 1,48 mm
Watendicke: am Kehl 0,25 mm, nach 4 cm - 0,19 mm, 8 cm - 0,15 mm,
12 cm - 0,14 mm, 16cm - 0,15 mm, 20 cm 0,21 mm, 22cm - 0,19 mm
Man sieht also, dass das zweite Exemplar dünner und knapp nagelgängig ist. Die Performance ist aber nicht so gut, wie die Geometrie verspricht. Das liegt zum Einen an dem Flachschliff und zum anderen an der spiegelpolierten Oberfläche. Optisch ist dieser tatsächliche Klingenspiegel attraktiv, aber das Schnittgut klebt extrem, sodass an den Seiten Reibung entsteht und dadurch ein leichtes durchgleiten verhindert wird, obwohl die seitlichen Klemmkräfte durch die gute Geometrie nicht so hoch sind. Der Balancepunkt liegt auf der seitlichen Abschrägung am Übergang zum Griff.
Um welchen Stahl es sich handelt wird auf der Webseite des Kiritsuke nicht klar kommuniziert.
"Hergestellt aus feinstem Kohlenstoffstahl, bei hohen Temperaturen gehärtet und bei niedrigen Temperaturen mit flüssigem Stickstoff behandelt, mit einer Härte von bis zu 56±2 HRC. Die Lebensdauer ist 30 % länger als bei durchschnittlichen Modellen auf dem Markt." Mit anderen Worten, im Vakuumofen gehärtet. 30% länger als bei ?, "durchschnittlichen Modellen"?
Aber auf der Webseite des Kochmessers steht: "Dieses prächtige 8-Zoll-Chefsmesser ist aus hochwertigem 5Cr15Mov hochkohlenstoffhaltigem Edelstahl geschmiedet und ein absolutes Muss für jede Küche. Mit seiner überragenden Qualität und Haltbarkeit ist es nicht nur ein Messer, sondern ein Kunstwerk, das in jeder Küche seinen Platz hat." Das eigentliche Kunstwerk sind die prächtigen Übertreibungen der Werbetexter. Doch es ist nur ein Messer, ein schönes, schlecht verarbeitetes Messer, aber kein Kunstwerk. Sakrament.
Wie schon erwähnt ging das erste Exemplar zurück. Deshalb beschreibe ich im Anschluss meine Verbesserungsmaßnahmen, die teilweise durch die mangelhafte Verarbeitung notwendig wurden. Den Überstand des Erl habe ich mit einer Werkstattfeile abgefeilt. Da die Härte des Stahl unter 60 HRC lag ging das. Um nicht ins Holz zu feilen, habe ich knapp vor den Griffschalen aufgehört und Erl und Griffschalen dann mit feinem Schleifpapier bearbeitet, damit alles schon handschmeichlerisch glatt wird. An der Unterseite habe ich die Spalte mit einer Mischung aus D3 Holzleim und Ebenholzmehl gefüllt. Die Spalte verschwinden dadurch vollständig.
Um die Schneidfähigkeit zu verbessern mache ich immer folgendes. Das Messer wird mit braunem Paketband abgeklebt, weil das besonders dünn ist. Dann zeichne ich eine Linie in 5-6mm Abstand zur Schneide und schneide mit einem Cutter auf der Linie das Paketband durch und ziehe den 5-6mm breiten Paketbandstreifen wieder ab, damit das Messer vorne blank ist und bearbeitet werden kann. Anschließend ziehe ich eine Klemmschiene aus Plastik für Papier über den Rücken des Messers, damit das Messer auf dem Stein am Rücken und an der Schneide aufliegt. Dann schleife ich auf einem großen, groben Stein auf einer Seite bis ich einen Grat spüre. Die Schwierigkeit bei diesem Messer besteht darin, dass man am Kehl nicht senkrecht zur Schneide schleifen kann, weil die Griffschalen im Weg sind. Man muss also um an den Griffschalen vorbei zu kommen leicht schräg zur Schneide schleifen. Das verändert aber den Winkel, wodurch der geschliffene Streifen seitlich breiter wird und längere Kratzer entstehen. Außerdem wird das Paketband weggeschliffen und produziert Krümel. Also ist es besser sich ein Messer auszusuchen, dessen Griffschalen deutlich hinter dem Kehl liegen.
Wenn man nun einen Grat spürt, dreht man das Messer um und schleift auf der anderen Seite wieder bis ein Grat da ist. Das geht eigentlich ganz gut. Jetzt kann man zu feineren Steinen übergehen um die Riefen auf der geschliffenen Fläche zu verfeinern. Allerdings kann man machen, was man will, die Riefen am Übergang von der Primärfase des Klingenspiegels zur geschliffenen Fläche gehen auf dem Stein nicht raus. Deshalb gehe ich damit auf den Bandschleifer um diese Riefen am Übergang zu Entfernen. Das wird dann automatisch ballig. Zuerst mit einer 250er Körnung und dann 400. Man kann auch noch weiter gehen. Ich habe dann noch einmal neu abgeklebt und diesmal einen 1cm breiten Streifen angezeichnet und das Paketband abgezogen, damit ein 1cm breiter Streifen blank bleibt. Diesen Streifen hab ich mit Lederscheibe und Diamantpaste poliert. Das sieht man auf den Fotos. Mit der Diamantpaste wird es ein wenig gröber als das vorhandene Spiegelfinish. Der sichtbare Unterschied liegt auch daran, dass das Spiegelfinish durch Polieren in Längsrichtung hergestellt wurde. Beim Draufschauen mit dem bloßen Auge sieht man das schwer. Auf den Fotos sieht man es aber gut. Die Diamantpaste entfernt auch gut den Grat.
Anschließend wird dann mit der Keramikscheibe des CHorl noch eine winzige Schneidfacette angeschliffen, um die Empfindlichkeit zu reduzieren. Mit ein paar Bewegungen entsteht auf der anderen Seite ein Grat. Der muss dann noch weg. Dann kann man das Paketband entfernen und fertig ist das Messer. Durch den balligen Anschliff und die nochmals verbesserte Geometrie wird die Performace, Schneidfähigkeit deutlich verbessert. Die Balligkeit vermindert auch das Ansaugen, obwohl das Spiegelfinish weiterhin nicht optimal ist. Man sieht jeden Dapper, auch Fingerabdruck genannt.
Zum Überarbeiten ist es eigentlich von Vorteil, wenn die Ausgangs-Geometrie nicht ganz so gut ist. Also eher 0,3-0,5mm hinter der Wate. Dann wird der seitlich abgeschliffene Streifen breiter. Dadurch wird das Schnittgut weiter von der Klingenflanke abgedrängt und das Ankleben wird weiter reduziert. Den Schneidenverlauf empfinde ich als gelungen. Der Wiegeschnitt und der Zug und Druckschnitt funktionieren gut.
Es ist ein langes Messer, das dem Yanagiba ähnelt. Es bedeutet "aufschlitzen, aufschneiden" was darauf hindeutet, dass es sich ursprünglich um ein Fleischmesser handelt, das aber auch als Gemüsemesser eingesetzt wird. Das Charakteristische ist die schräge Spitze, die einem Bunkabocho ähnelt. Da die abgeschrägte Spitze "cool" aussieht, wurde der Messertypus abgewandelt und von Messerherstellern weltweit übernommen. In der Internationalen Version ist es zweiseitig geschliffen und eigentlich nichts anderes als ein Gyuto mit abgeschrägter Spitze.
Die Namengebung setzen die Hersteller kreativ ein. Mal ist ein Messer mit schräger Spitze ein Gyuto, mal ein Bunka, mal ein Kiritsuke. Kai Shun hat sogar Messer mit 12cm, die sie Kiritsuke nennen. Ein Bunka ist normalerweise ein Santoku mit abgeschrägter Spitze, also 16,5 bis 18cm lang, aber auch hier gibt es Ausreißer. Normalerweise ist ein Kiritsuke einfach ein Gyuto mit schräger Spitze, also auch ungefähr 20-24cm lang. Die japanische beidseitig geschliffene Version hat einen kaum geschwungenen Schneidenverlauf die chinesische Version hat etwas mehr Bauch.
Es werden von Plys in dieser Machart noch zwei andere Messer angeboten. Ein Nakiri (17€) mit 18,3 cm Klingenlänge und ein Kochmesser (15€) mit 19,3 cm Klingenlänge laut Amazon. Das Kiritsuke hat 21,9cm Schneidenlänge (Sehne) und kostet 14 € zum Normalpreis. Zu Aktionszeiten kostet es 9,20€ und zu diesem Preis habe ich es gekauft. Der dunkle Holzgriff und die gesamte Form und Länge haben mir zugesagt.
Dieses Messer ist aber nicht ready to use. Es eignet sich als Messerprojekt und zwar hauptsächlich, weil der Erl erheblich bei einem Exemplar ein ganzer Millimeter über die Messerschalen hinausragt. Das steht auch so in den Bewertungen auf Amazon. Man muss also zwingend nacharbeiten. Das Kochmesser scheint laut den Bewertungen diesen Mangel nicht zu haben und das Nakiri auch nicht (aber das Nakiri wird auf der selben Seite wie das Kochmesser verkauft und so lässt sich nicht eindeutig sagen, ob die Bewertungen auch das Nakiri betreffen). Nachdem das erste Exemplar das ich bekommen habe bezüglich Überstand relativ schlecht war, wollte ich es schon zurückschicken. Hab mich dann aber doch zum Umarbeiten entschlossen und dachte mir: Bestell noch ein Zweites und schicke das schlechtere Exemplar zurück.
So habe ich es gemacht. Das zweite Messer hatte dasselbe Problem. Es ist also davon auszugehen, dass die ganze Charge so ist. Vielleicht verkaufen die den Ausschuss nach Europa. Entweder die Griffschalen variieren stark oder derjenige der die Löcher für die Nieten bohrt schlampt. Beim zweiten Exemplar war der Überstand nur einen halben Millimeter. Dafür hatte der Griff zwei kleine Fehler. Da beim zweiten Exemplar die Klingengeometrie etwas besser war habe ich das zweite behalten und das erste zurückgeschickt. Ein weiterer Mangel besteht darin, dass vor allem an der Unterseite Spalte in Griffnähe vorhanden sind. Diese Spalte entstehen, weil der Erl nicht im Primärwinkel der Klinge geschliffen wurde, bzw. weil die Griffschalen zu weit in die Klinge ragen. An der Oberseite ist alles ohne Spalt an der Unterseite ist die Klinge aber etwas dünner und es entstehen Spalte. Man kann das Auffüllen, aber offenbar wird spekuliert, dass es unten der Kunde nicht bemerkt oder das Messer nicht so genau untersucht. Es gibt zwei "saubere" Lösungen. 1. entweder der Erl wird im selben Winkel geschliffen wie die Klinge oder die Griffschalen ragen nicht in die Klinge, sondern liegen vollständig im nicht geschliffenen Teil des Erls. Letzteres hat auch Vorteile beim Nachschleifen, wie weiter unten noch zu sehen sein wird.
Das Griffholz ist kein Ebenholz. Zunächst stand beim Kiritsuke auf der Webseite, dass es sich um "Chenguibao" handelt. Bloß - was ist das? Googeln brachte keine Ergebnisse. Die Übersetzung für guibao lautet laut Google Translate "Schatz" "chen" kann vieles bedeuten, vielleicht "alt/antik", also "alter Schatz". Chenguibao wurde auf der Webseite aber wieder entfernt. Meine Recherche ergab, dass es sich um ein Ebenholzersatzholz handelt aus Mosambik. Grenadill ist es auch nicht. Heute morgen habe ich in der Beschreibung des Kochmessers gefunden, dass es sich um Chacate Preto oder false Mopane (small fake Mopane) handelt. So sieht es aus. Der botanische Name ist Guibourtia conjugata. Die Lufttrockendichte beträgt Lufttrockendichte von 1,0 t/m³. Hier kann man sich noch weiter belesen. Jedenfalls ist es ein schönes, schweres, feinmaseriges, dunkles Holz das sehr wenig Öl aufnimmt. Mir gefällt es viel besser als das rote echte Mopane.
Jetzt die Daten: 1. Exemplar
Klingenlänge 219 mm, größte Grifflänge Oberseite 133 mm,
Griffhöhe 26mm, Griffbreite 20mm, Gewicht 212g
Klingengeometrie: Kehl 0,35 mm, nach 5cm - 0,23 mm, 10cm - 0,28 mm
15 cm - 0,26 mm, 20cm - 0,28 mm, 22 cm 0,26mm
2. Exemplar
Klingenlänge 219 mm, größte Grifflänge Oberseite 133 mm,
Griffhöhe 26mm, Griffbreite 20mm, Gewicht 213 g, Klingenbreite am Kehl 49mm
Klingengeometrie: Rückendicke: Griff 2,2 mm Spitze 1,48 mm
Watendicke: am Kehl 0,25 mm, nach 4 cm - 0,19 mm, 8 cm - 0,15 mm,
12 cm - 0,14 mm, 16cm - 0,15 mm, 20 cm 0,21 mm, 22cm - 0,19 mm
Man sieht also, dass das zweite Exemplar dünner und knapp nagelgängig ist. Die Performance ist aber nicht so gut, wie die Geometrie verspricht. Das liegt zum Einen an dem Flachschliff und zum anderen an der spiegelpolierten Oberfläche. Optisch ist dieser tatsächliche Klingenspiegel attraktiv, aber das Schnittgut klebt extrem, sodass an den Seiten Reibung entsteht und dadurch ein leichtes durchgleiten verhindert wird, obwohl die seitlichen Klemmkräfte durch die gute Geometrie nicht so hoch sind. Der Balancepunkt liegt auf der seitlichen Abschrägung am Übergang zum Griff.
Um welchen Stahl es sich handelt wird auf der Webseite des Kiritsuke nicht klar kommuniziert.
"Hergestellt aus feinstem Kohlenstoffstahl, bei hohen Temperaturen gehärtet und bei niedrigen Temperaturen mit flüssigem Stickstoff behandelt, mit einer Härte von bis zu 56±2 HRC. Die Lebensdauer ist 30 % länger als bei durchschnittlichen Modellen auf dem Markt." Mit anderen Worten, im Vakuumofen gehärtet. 30% länger als bei ?, "durchschnittlichen Modellen"?
Aber auf der Webseite des Kochmessers steht: "Dieses prächtige 8-Zoll-Chefsmesser ist aus hochwertigem 5Cr15Mov hochkohlenstoffhaltigem Edelstahl geschmiedet und ein absolutes Muss für jede Küche. Mit seiner überragenden Qualität und Haltbarkeit ist es nicht nur ein Messer, sondern ein Kunstwerk, das in jeder Küche seinen Platz hat." Das eigentliche Kunstwerk sind die prächtigen Übertreibungen der Werbetexter. Doch es ist nur ein Messer, ein schönes, schlecht verarbeitetes Messer, aber kein Kunstwerk. Sakrament.
Wie schon erwähnt ging das erste Exemplar zurück. Deshalb beschreibe ich im Anschluss meine Verbesserungsmaßnahmen, die teilweise durch die mangelhafte Verarbeitung notwendig wurden. Den Überstand des Erl habe ich mit einer Werkstattfeile abgefeilt. Da die Härte des Stahl unter 60 HRC lag ging das. Um nicht ins Holz zu feilen, habe ich knapp vor den Griffschalen aufgehört und Erl und Griffschalen dann mit feinem Schleifpapier bearbeitet, damit alles schon handschmeichlerisch glatt wird. An der Unterseite habe ich die Spalte mit einer Mischung aus D3 Holzleim und Ebenholzmehl gefüllt. Die Spalte verschwinden dadurch vollständig.
Um die Schneidfähigkeit zu verbessern mache ich immer folgendes. Das Messer wird mit braunem Paketband abgeklebt, weil das besonders dünn ist. Dann zeichne ich eine Linie in 5-6mm Abstand zur Schneide und schneide mit einem Cutter auf der Linie das Paketband durch und ziehe den 5-6mm breiten Paketbandstreifen wieder ab, damit das Messer vorne blank ist und bearbeitet werden kann. Anschließend ziehe ich eine Klemmschiene aus Plastik für Papier über den Rücken des Messers, damit das Messer auf dem Stein am Rücken und an der Schneide aufliegt. Dann schleife ich auf einem großen, groben Stein auf einer Seite bis ich einen Grat spüre. Die Schwierigkeit bei diesem Messer besteht darin, dass man am Kehl nicht senkrecht zur Schneide schleifen kann, weil die Griffschalen im Weg sind. Man muss also um an den Griffschalen vorbei zu kommen leicht schräg zur Schneide schleifen. Das verändert aber den Winkel, wodurch der geschliffene Streifen seitlich breiter wird und längere Kratzer entstehen. Außerdem wird das Paketband weggeschliffen und produziert Krümel. Also ist es besser sich ein Messer auszusuchen, dessen Griffschalen deutlich hinter dem Kehl liegen.
Wenn man nun einen Grat spürt, dreht man das Messer um und schleift auf der anderen Seite wieder bis ein Grat da ist. Das geht eigentlich ganz gut. Jetzt kann man zu feineren Steinen übergehen um die Riefen auf der geschliffenen Fläche zu verfeinern. Allerdings kann man machen, was man will, die Riefen am Übergang von der Primärfase des Klingenspiegels zur geschliffenen Fläche gehen auf dem Stein nicht raus. Deshalb gehe ich damit auf den Bandschleifer um diese Riefen am Übergang zu Entfernen. Das wird dann automatisch ballig. Zuerst mit einer 250er Körnung und dann 400. Man kann auch noch weiter gehen. Ich habe dann noch einmal neu abgeklebt und diesmal einen 1cm breiten Streifen angezeichnet und das Paketband abgezogen, damit ein 1cm breiter Streifen blank bleibt. Diesen Streifen hab ich mit Lederscheibe und Diamantpaste poliert. Das sieht man auf den Fotos. Mit der Diamantpaste wird es ein wenig gröber als das vorhandene Spiegelfinish. Der sichtbare Unterschied liegt auch daran, dass das Spiegelfinish durch Polieren in Längsrichtung hergestellt wurde. Beim Draufschauen mit dem bloßen Auge sieht man das schwer. Auf den Fotos sieht man es aber gut. Die Diamantpaste entfernt auch gut den Grat.
Anschließend wird dann mit der Keramikscheibe des CHorl noch eine winzige Schneidfacette angeschliffen, um die Empfindlichkeit zu reduzieren. Mit ein paar Bewegungen entsteht auf der anderen Seite ein Grat. Der muss dann noch weg. Dann kann man das Paketband entfernen und fertig ist das Messer. Durch den balligen Anschliff und die nochmals verbesserte Geometrie wird die Performace, Schneidfähigkeit deutlich verbessert. Die Balligkeit vermindert auch das Ansaugen, obwohl das Spiegelfinish weiterhin nicht optimal ist. Man sieht jeden Dapper, auch Fingerabdruck genannt.
Zum Überarbeiten ist es eigentlich von Vorteil, wenn die Ausgangs-Geometrie nicht ganz so gut ist. Also eher 0,3-0,5mm hinter der Wate. Dann wird der seitlich abgeschliffene Streifen breiter. Dadurch wird das Schnittgut weiter von der Klingenflanke abgedrängt und das Ankleben wird weiter reduziert. Den Schneidenverlauf empfinde ich als gelungen. Der Wiegeschnitt und der Zug und Druckschnitt funktionieren gut.