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Englische Wochen mal anders...

Wurzelbert88

Hobbygriller
5+ Jahre im GSV
Ahoi miteinander!

Englische Wochen sind nicht nur im Fußball spannend, sondern möglicherweise auch in der Küche. Und weil Her Royal Highness auf ihrem aktuellen Abstecher nach Deutschland ganz sicher auch die hiesige Landesküche probiert, ist das doch eine gute Gelegenheit, den eigenen Speiseplan mal kurzzeitig etwas zu variieren. Passt ja auch zum Londoner Wetter der letzten Tage und Wochen.

Die "Kochkunst" der Tommies ist hier bei uns auf dem Festland sicherlich nicht ganz zu unrecht etwas verschrien... es dringen gruselige Geschichten über gammligen Fisch aus alten Zeitungen und gekochtes Wildschwein in Pfefferminzsauce, serviert mit lauwarmer Cerveza über den Ärmelkanal...

Obelix schrieb:
Das ist zu viel... das arme Schwein! :-(

Und wenn der Brite was kochen kann, dann Teewasser.

Ich selbst bin zugegebenermaßen auch kein großer Freund der sogenannten klassischen englischen Küche und Jamie Oliver ist mir eigentlich auch reichlich unsympathisch. ABER: nichtsdestotrotz bin ich angefixt, die britischen Gerichte mal nach Hannover zu holen um rauszufinden, ob da wirklich Hopfen und Malz verloren ist. Insgesamt habe ich mir vier Gerichte überlegt, die ich in den nächsten Tagen mal zusammenschrauben und bewerten werde:

1. - Tea-Time-Ribs & Yorkshirepudding (nach Art des Sunday Roast)
2. - Lamb Fillet & Mint Sauce (ob die Sauce ihren fiesen Ruf wirklich verdient?)
3. - Beer-battered Fish & Chips (Heston Blumenthal lässt grüßen...)
4. - Sheperds Pie (Resteverwertung ist überall ein tolles Konzept!)

Interessant wird der Ausflug in die Gastronomie der ehemaligen Seeräuberkolonie definitiv, weil's einfach mal was anderes ist. Ob's am Ende auch schmeckt ist dann die andere Frage. Aber egal wie's ausgeht und egal wie viel Spaß ich dabei habe: mein Herz hängt dennoch am klassischen BBQ der Kollegen auf der anderen Seite des großen Teichs.

Und das ist der erste Streich: in diesem Moment mariniert zu Hause ein ansehnliches Stück dicke Rippe vom glücklichen Schwein in einer Earl-Grey-Marinade vor sich hin und wartet auf ihr heißes Date mit dem Napoleon (was rein historisch gesehen schon eine witzige Ironie darstellt - da war doch wat in Waterloo, wie man selbst in Schweden weiß). Die Inspiration hierfür kam von @BeefChef mit seinen köstlich aussehenden Ochsenspießen vom Mangal2go.

Ich stell mal ne Bank und was zu trinken auf (natürlich englisches Ale) :saufen3: und freu mich auf euer Feedback und eure Anregungen.

Schöne Grüße aus Hannover

Martin
 
Ich bin schon sehr gespannt und setz mich aufs Bänkchen! :prost:

Gruß,
Michael
 
Na da setz ich mich auch mal auf'n Ale dazu!
 
Ok, british aperitif time!
Da setze ich mich mal dazu.

Gruß aus Hannover nach Hannover.
Ralf
 
Englische Woche finde ich gut, da ich ein Fan von Jamie Oliver Gerichten bin. Auf gespanntes warten und tolle Gerichte :sun:
 
Ich quetsch mich mal dazwischen.
Erzaehl doch mal was zu deiner Earl Grey Marinade. Ich wurschte mich gerade durch die ganzen Meathead Artikel, welcher auch zum Thema Marinaden einiges Interessantes verfasst hat.

Gruesse aus Peking
Lars
 
Tag zusammen

Leider bin ich gestern nicht dazu gekommen, den Grill anzuwerfen - kam erst zu ner höchst unchristlichen Zeit aus dem Büro und das wäre echt stressig geworden. Naja... mariniert das Fleisch eben noch n bisschen länger und dafür wird's heute in Ruhe drauf geworfen.

Die Marinade hab ich von diesem Thread abgekupfert: http://www.grillsportverein.de/forum/threads/tee-rub-smoky-earl-grey-bbq-rub-genial.235876/

Mengenangaben kann ich wie immer nicht genau machen - frei Schnauze mit sehr viel Tee. Das ganze sieht dann in etwa so aus:

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Das habe ich mit Öl vermischt und mit dem Fleisch im Gefrierbeutel bekannt gemacht. Notiz für mich: ich brauch unbedingt n Vakuumierer.

Durch die Verzögerung hab ich allerdings noch die Zeit, euch ne Fachfrage zu stellen:

Ich hatte vor, das Stück 1,5 - 3 - 0 zuzubereiten - sollte ich in Phase 1 noch ein bisschen Pekanholzrauch dazugeben oder ist das keine gute Idee?

Schöne Grüße aus Hannover

Martin
 

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Sooooo... der erste Schritt ist getan. So viel vorweg: optisch gar nicht mal schlecht, geschmacklich interessant, aber letztlich (wie erwartet) relativ fad im Vergleich zum klassisch amerikanischem BBQ. Der Ausgangspunkt: Earl Grey. Da das Aroma des Tees zwar markant, vergleichsweise sehr dezent ist, habe ich mich bei allen Komponenten bewusst mit dem würzen zurückgehalten. Ich wollte wissen, wie sich die Kombination "Tee und Fleisch" verträgt.

Hauptdarsteller war ein Stück dicke Rippe. Hier hätte man sicher ein wesentlich besseres Stück von einem anderen Tier nehmen können, aber ich wollte für dieses Experiment nicht extra tief in die Tasche greifen. Also wurde genommen was da war. Es zeigte sich am Ende das selbe Problem, was ich auch mit einem klassischen bayerischen Schweinebraten habe: es schmeckt für meinen Geschmack leider einfach nach nicht viel.

Aber legen wir mal von vorn los... die Bilder sind weitgehend aus der Hüfte und sämtlich mit dem Handy geschossen. Hier kam die Rippe gerade aus der Earl-Grey-Marinade frei (!) nach @BeefChef - das anbraten habe ich mir aus offensichtlichen Gründen gespart. Das wäre nur verbrannt... ob's noch schwärzer gegangen wäre?

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Es ging direktemang bei 120°C mit einem minikleinen Räucherpäckchen (Pekan) für gute 2 Stunden auf den Napi... währenddessen bin ich ob meines eingetrudelten und sehr erfreulichen Steuerbescheids freudig summend durch die Wohnung gehüpft. Davon gibt's allerdings keine Bilder. Anschließend wurde eine Kanne kräftiger, sehr kräftiger Earl Grey gekocht und vorsichtshalber leicht gesüßt.

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Das Fleisch wanderte nach der Phase 1 in eine Auflaufform mit selbstgebasteltem Aluwürstchenrost (meine Fresse - ich muss endlich zu Ikea!). Dazu gesellten sich ca. 0,7 Liter Tee - sehr dicht mit Jehova abdecken, den Grill auf 150°C hochdrehen und dann sind nochmal 3 Stunden Zeit, während derer ich noch fix einkaufen war und mich um die Beilagen gekümmert habe.

Namentlich die allseits bekannten und beliebten Prinzessböhnchen im Speckmantel und Yorkshire-Pudding. Erstere werden gekappt und in Salzwasser, welches ich mit ein paar Pfefferkörnern und ordentlich Bohnenkraut angereichert habe, blanchiert und dann jeweils in eine Scheibe Bacon gewickelt. Erstmal auf Seite damit und weiter mit dem britischen Backwerk.

Der Yorkshire-Pudding besteht im Grunde aus einem herzhaften Pfannkuchenteig. Eier, Milch, Mehl, Salz, Pfeffer und ein bisschen Muskatnuss - das ganze wird in Förmchen im Ofen gebacken. Das Rezept kam dann noch mit zerlassener Butter zum fetten der Förmchen um die Ecke, da dachte ich mir aber, dass alles besser wird, wenn Speck dran ist... hier das Ergebnis:

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Ich hab die Förmchen (zum Glück) nur halb vollgemacht, da ich die Physik der Teilchen nicht so richtig einschätzen konnte... Schwein gehabt: nach eher ruhigem Anfang explodierten die Kollegen förmlich nach Art eines Soufflées. Macht schon was her.

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Während der Backzeit von ca. 12 Minuten (grob geschätzt) bei 210°C mit noch ein paar Minuten kräftiger Oberhitze hatte ich die Speckbohnen gemächlích in der Eisenpfanne angebrutzelt. Die ungleichmäßige Länge hat mich gewaltig genervt, aber ich wollte da auch nicht mehr dran rumschnibbeln... muss ja nicht mit aller Gewalt Ausschuss produziert werden. Außerdem sind wir ja unter uns.

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Apropos schnibbeln: meine Geburtstagsgeschenke von mir an mich selbst waren die hier bereits bekannte Old Hickory 7-10" Angebermachete, von der ich schwer begeistert bin und ein Fiskars Edge Debamesser. Dieses beeindruckt mich fast noch mehr... höllenscharf, wider Erwarten extrem leicht, tolles Handling und die Optik steht im krassen Gegensatz zum Old Hickory, ist aber auch im wahrsten Sinne des Wortes richtig schnittig. Ich bin gespannt, wie es sich im Alltag bewährt und werde mir ggf. noch das Kochmesser der Serie bestellen. Messertechnisch sieht's im Hause Wurzelbert jetzt jedenfalls sehr gut aus - und das für sehr schmales Geld.

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Weiter im Text: die Beilagen sind fertig, 3 Stunden sind um... Zeit zum auspacken! Auf dem Balkon wabert eine sehr angenehme Duftwolke, die man aber nur dann einordnen kann, wenn man schon weiß was es ist.

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Das Fleisch hatte sich vorbildlich vom Knochen zurückgezogen und machte nach vorsichtiger Druckprobe einen butterzarten Eindruck. Und nein! Das sind keine Röstaromen - das ist die Marinade mit gemörsertem Tee. Die sehr aromatische Flüssigkeit in der Form sollte die Grundlage für die Earl-Grey-Sauce werden... sie wurde aufgekocht, mit etwas Stärke abgebunden und very british nur mit Worcestershire-Sauce, Salz, Pfeffer und einer winzigen Prise Liebstöckel abgerundet. Währenddessen durfte sich das Fleisch noch kurz akklimatisieren.

Dann ging's an den Anschnitt... wie gesagt: But-ter-zart! Anrichten, Tellerbilder machen und dann kann gegessen werden.

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Dazu haben wir uns ein (entgegen der Klischees) kaltes, dunkles Dithmarscher schmecken lassen - hat ganz gut gepasst... so, jetzt zur Manöverkritik:

Insgesamt war das Gericht zwar stimmig, uns aber letztlich zu fad. Das Aroma des Tees kam sowohl bei der Kruste des sehr zarten Bratens, als auch in der Sauce ziemlich gut durch und gab eine wirklich interessante Note. Der Yorkshire-Pudding war mal eine etwas andere Beilage... keine Ahnung ob man den in England auch so isst, aber die Optik stimmte mit den recherchierten Bildern überein. Geschmacklich so lala... hätte etwas mehr Würze vertragen können, ist aber letzten Endes doch nur Ei, Milch und Mehl. Muss ich nicht jeden Tag haben.

Summa summarum lässt sich sagen, dass es mal eine nette Abwechslung war, die ich in dieser Form allerdings nicht unbedingt nochmal machen würde. Da fehlt am Ende einfach der Pfiff, da das ganze auf das dezente Aroma des Tees aufbaut. Wir haben uns auf 6,5 von 10 Punkten geeinigt.

Weiter geht's nächste Woche (vermutlich Montag oder Dienstag - vorher komm ich leider nicht dazu) mit Lambfillet & Mint-Sauce - davon erhoffe ich mir wesentlich mehr. Stay tuned!

Schöne Grüße aus Hannover :sun:

Martin
 

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Hey Martin liest sich sehr gut und schaut auch sehr gut aus. Ich habe mir dass auch schon gedacht, dass das mit dem Tee eher langweilig wird. Wie auch? Ich bin gestern über eine ähnliche Geschichte in der Grill Bibel gestoßen. Ich selbst habe mal ein Kaffeerub ausprobiert und muss auch sagen....OK aber irgendwas fehlt. Dennoch finde ich dein Experiment sehr spannend oder lustig und freue mich weitere Geschichten von dir zu lesen.

Grüße aus Peking
Lars
 
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