Ja – das ist ein sehr bekanntes Phänomen, und deine Beschreibung passt ziemlich genau zu gärendem Honig. Gerade die Kombination aus
- deutlichem Absetzen/Entmischen,
- anschließendem Überlaufen,
- und vor allem starkem Druckaufbau im verschlossenen Glas
ist ziemlich charakteristisch.
Was passiert da?
Im Honig sind natürlicherweise osmotolerante Hefen vorhanden. Normalerweise können sie sich wegen des niedrigen Wassergehalts nicht vermehren. Ist der Honig aber etwas zu wasserreich, können die Hefen aktiv werden und Zucker zu Alkohol und CO₂ vergären. Das CO₂ sammelt sich im geschlossenen Glas und baut Druck auf.
Das erklärt auch das scheinbar paradoxe Verhalten: Der Honig steht völlig ruhig im Schrank und trotzdem entsteht Druck. Die Ursache ist nicht Bewegung, sondern eine mikrobielle Gärung.
Besonders interessant ist dein Hinweis auf die Frühtracht. Bei bestimmten Massentrachten kann selbst scheinbar reifer bzw. verdeckelter Honig einen relativ hohen Wassergehalt haben.
Das Absetzen kann dabei sogar dazugehören
Wenn sich der Honig entmischt, liegt häufig unten der stärker kristallisierte Traubenzucker und darüber eine flüssigere, fructosereiche Phase. Diese flüssige Phase kann einen höheren Wassergehalt haben und ist dadurch besonders gärungsgefährdet. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschreibt genau diese Kombination als typisches Gärungsrisiko.
Aber: Das Glas würde ich jetzt nicht weiter unter Druck stehen lassen
Wenn du wirklich das Gefühl hast, dass ein Glas „jeden Moment explodiert“, würde ich nicht versuchen, den Deckel noch fester zu drehen. Das erhöht lediglich die Belastung des Glases.
Ich würde:
- Nicht schütteln oder unnötig bewegen.
- Das Glas kühl stellen – idealerweise etwa 15 °C oder kühler.
- Zum Öffnen das Glas nicht direkt vors Gesicht halten und vorsichtig vorgehen. Am besten draußen bzw. in einer kontrollierten Umgebung, mit Schutzbrille/Handschutz.
- Bei einem offensichtlich stark aufgeblähten/unter Druck stehenden Glas wäre ich besonders vorsichtig – ein Gefrierbeutel ist zwar ein guter zusätzlicher Schutz gegen eine Sauerei, aber kein wirklicher Druckbehälter.
Ist der Honig noch essbar?
Hier würde ich zwischen „nicht mehr qualitativ einwandfrei“ und „akut gefährlich“ unterscheiden.
Gärender Honig ist nach der deutschen Honigverordnung kein verkehrsfähiger Honig mehr; die Verordnung schließt Honig aus, der in Gärung übergegangen oder gegoren ist.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Löffel davon eine Vergiftung verursacht. Die wesentliche Veränderung ist zunächst die alkoholische Gärung. Geschmack und Geruch verändern sich typischerweise in Richtung fruchtig/säuerlich, später können deutliche Gär- bzw. alkoholische Noten auftreten.
Für den normalen Verzehr würde ich einen Honig, der bereits deutlich unter Druck steht und aus dem Glas herausdrückt, allerdings nicht mehr verwenden. Insbesondere würde ich ihn nicht einfach wieder umrühren und als normalen Tafelhoney behandeln.
Eine Sache wäre bei deinen Gläsern jetzt sehr interessant
Wenn du Imker bist bzw. die Gläser selbst abgefüllt hast, würde ich unbedingt den Wassergehalt überprüfen. Ein Refraktometer wäre dafür ideal. Der DIB setzt für seinen Qualitätsstandard unter 18 % an; ab über 18 % steigt die Gärungsgefahr deutlich.
Und wenn mehrere Gläser derselben Charge betroffen sind, wäre das ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass diese Charge entweder einen erhöhten Wassergehalt hatte oder eine ungewöhnlich hohe Hefebelastung aufweist.