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Fleischkunde

Skyhobbit

Vegetarier
10+ Jahre im GSV
Ich werde nach meinen Urlaub wieder einmal eine große Runde zum Wursten einlegen.

Dieses Mal soll italienische Mortadella dazukommen. Leider bin ich was die Fleischauswahl betrifft immer noch völlig unwissend.

Ich habe einige Rezepte durchgewühlt und bin z.B. auf folgende Angaben gestoßen:

- mageres Schweinefleisch (Schulter)
- schiere Schulter (mager)

Nach Internetrecherche soll Scheineschulter einen Fettanteil von ca. 10% haben. Wenn man dann von 'mager' spricht, frage ich mich, warum ich nicht gleich Scheinerücken nehmen kann, was im Schnitt 5% Fettanteil haben soll. Wenn ich das Fleisch durch den Kutter jage ... ist das nicht einerlei?

Bitte klärt mich auf ...

Gruß
Ulf
 
Hallo Skyhobbit,
schau doch mal bitte hier: Fleischkunde. Da wirst Du fündig!
 
Ich werde nach meinen Urlaub wieder einmal eine große Runde zum Wursten einlegen.

Dieses Mal soll italienische Mortadella dazukommen. Leider bin ich was die Fleischauswahl betrifft immer noch völlig unwissend.

Ich habe einige Rezepte durchgewühlt und bin z.B. auf folgende Angaben gestoßen:

- mageres Schweinefleisch (Schulter)
- schiere Schulter (mager)

Nach Internetrecherche soll Scheineschulter einen Fettanteil von ca. 10% haben. Wenn man dann von 'mager' spricht, frage ich mich, warum ich nicht gleich Scheinerücken nehmen kann, was im Schnitt 5% Fettanteil haben soll. Wenn ich das Fleisch durch den Kutter jage ... ist das nicht einerlei?

Bitte klärt mich auf ...

Gruß
Ulf
Preisunterschied?
 
@Flashy kann bestimmt zur Zusammenstellung was sagen.

Ich schau nachher auch mal
 
Ich vermute mal, dass es viele verschiedene Wustwaren unter dem Namen Mortadella gibt.
Ich erinnere mich an die Bratwurst in Wernigerode, sowas heisst bei uns Mettwurst, vermutlich auch umgekehrt oder wieder ganz anders.

Die EU beschreibt z.B. eine „Mortadella Bologna“ folgendermaßen: KLICK :hmmmm: :lolaway:

Also ich geh jetzt ins Bett, vielleicht trinke ich vorher noch einen Grappa. :D
 
Ich werde nach meinen Urlaub wieder einmal eine große Runde zum Wursten einlegen.

Dieses Mal soll italienische Mortadella dazukommen. Leider bin ich was die Fleischauswahl betrifft immer noch völlig unwissend.

Ich habe einige Rezepte durchgewühlt und bin z.B. auf folgende Angaben gestoßen:

- mageres Schweinefleisch (Schulter)
- schiere Schulter (mager)

Nach Internetrecherche soll Scheineschulter einen Fettanteil von ca. 10% haben. Wenn man dann von 'mager' spricht, frage ich mich, warum ich nicht gleich Scheinerücken nehmen kann, was im Schnitt 5% Fettanteil haben soll. Wenn ich das Fleisch durch den Kutter jage ... ist das nicht einerlei?

Bitte klärt mich auf ...

Gruß
Ulf
Hallo
vielleicht kann ich dir ein Wenig weiter helfen.
mageres Schweinefleisch ist meist grob entsehntes und entfettetes Schweinefleisch. Das kann aus der Schulter kommen aber auch von anderen teilen des Schweins.
schiere Schulter bezeichnet man eine entbeinte Schulter bei der, der Speck abgenommen wurde und in der regel keine Knochen oder Knorpelreste mehr anhaften.

Warum ich nicht anstatt Schulter einfach schweinerücken hernehmen kann? Im Prinzip machbar. Da Fleisch ist aber dennoch unterschiedlich und hat verschiedene Eigenschaften außer der Fettgehalt:
- Farbe des Fleisch. Denk dran die Mortadella ist schon recht rosafarben.
- Bindegewebsanteil. Das Bindegewebe hat einen gewissen Einfluss auf die Bindung und das Wasserhaltevermögen. Wenn zu wenig Bindegewebe verwendet wird, kann die Wurst schon grieselig werden. Gerade durch die lange trockene Garung ein wichtiger Punkt. Durch das Bindegewebe und die feuchte Temperatur in der Wurst, bildet sich Gelatine, diese Gelatine legt wirkt nahezu wie ein Schmierfilm und macht die Wurst "geschmeidig"

Ich hoffe das hilft die erstmal weiter.

Vg Andreas
 
Hier mal grob, was ich aus etwa einem halben dutzend experimenteller Mortadella Chargen gelernt habe und @LGresch schonmal geschickt hatte:

Eigentlich kuttert man authentische Mortadella z.B. nicht, sondern wolft extrem fein (z.B. 5-teiliger Schneidsatz Vorschneider -> 3mm -> 1mm; die Italiener gehen teils bis auf 0,7mm oder so runter) und dann bindig mengen.

Man kann notfalls auch Kuttern, dann aber unbedingt ohne Schüttung. Kutter vorher mit Salz+Eiswasser kühlen, evtl. auch teilweise gefrorenes Fleisch verwenden, falls die Temperatur das erfordert. Kommt natürlich auf den Kutter an, wie stark der das Brät erwärmt.

Apropos Fleisch: für’s feine Brät empfiehlt sich zwecks Textur Schulter ohne Fettauflage oder ehr magerer Nacken, sehr ordentlich pariert & entsehnt, insbesondere wenn man eben wolft und nicht kuttert. Fleisch älterer Tiere ist besser, da von Haus aus geringerer aW Wert. Man kann 5-15% Schweinemagen / Kutteln verwenden, ist Geschmackssache und würde ich wenn zuerst wolfen und eventuell falls nötig nochmal kuttern, da ich es bei dem Bestandteil für am wichtigsten halte, dass er richtig fein ist, falls man das halt überhaupt verwenden möchte.

Fett kommt fast nur als Rückenspeck-Würfel in die Wurst. Der Speck sollte ordentlich kernig sein und damit sich gut mit dem Brät verbindet, sollte man die Speckwürfel mit heißem Wasser oder besser Brühe abschwenken, damit sie von oberflächlichem Fett befreit und warm werden. Ich empfehle so 10-20% der Gesamtmenge, in Italien nehmen die auch teils über 30% aber das gefällt mir nicht.

Bei Pistazien hab ich selber noch nicht rausgefunden, wie man verhindern kann, dass sie aus dünn geschnittenen Mortadellascheiben raus fallen. Ich schwenke sie auch ab, aber ehr um eine Reduktion etwaiger Keime oder Sporen auf der Oberfläche zu haben (keine Ahnung ob das wirklich nötig ist) und weil die Metzger, von denen ich mir vieles abgeschaut habe, überhaupt fast alles was in die Wurst kam abgeschwenkt haben.

Mortadella gehört darüberhinaus eigentlich nicht gebrüht, sondern bei niedriger Temperatur (75-90°C & trockener Hitze gebacken. Das kann durchaus je nach Kalieber einige Stunden bis mehrere Tage dauern, Ziel KT sind 72°C. Ab 75°C leidet die Qualität. Dann muss zügig die Temperatur runter. Dazu beregnet oder besprüht man die Mortadella mit kaltem Wasser. Abschrecken ist angeblich nicht geeignet, probiert habe ich es aber noch nie. Man kann die Mortadella dann auch noch etwas bei kühler Temperatur reifen lassen.

Die traditionelle Hülle ist übrigens ne Rinderblase. Binden oder ein Netz für Stabilität ist empfehlenswert, gerade bei Naturdärmen. Auf keinen Fall geht ein inpermeabler Plastik Darm, Naturin geht z.B., ist aber fast noch empfindlicher als ein Naturdarm.

Gewürze: immer drin sind NPS, Pfeffer und ein klein wenig Zucker. Ich benutze auch gerne gegarten Knoblauch. Ansonsten nicht ungewöhnlich sind z.B. Myrtenbeere, Muskat oder Macis, Kardamom, Koriandersamen & Nelke. KHM braucht man weniger als bei Brühwurst mit Schüttung.

Gruß Stefan
 
ok ... erst einmal vielen Dank für die Antworten.

Jetzt bin ich erschlagen. Meinen Plan muss ich nochmal überdenken.

Geplant war meine Schinkenfeen einen Tag mit Bierschinken und den zweiten Tag mit Mortadella zu belegen ... und natürlich mit Brühen ...

Dann gehe ich jetzt erstmal am Wochenende in den Urlaub. Da habe ich dann Zeit den Plan zu überarbeiten.

Danke und Gruß
Ulf
 
Wow, noch nie mit beschäftigt, aber wieder ne ganze Menge mitgenommen. Danke für die Ausführungen bis hierher!
Dachte bis eben, ne Mortadella wäre die italienische Form unserer Fleischwurst :D :D
 
Man muss natürlich unterscheiden zwischen authentischer Mortadella und dem mit Pistazien und manchmal auch noch Speckwürfeln versetzten Einheitsaufschnitt, der einem immer noch bei erschreckend vielen deutschen Metzgern als Mortadella angepriesen wird. 😅😉

Geschmacklich und von der Textur hat das wenig gemeinsam…

Gruß Stefan
 
Hier mal grob, was ich aus etwa einem halben dutzend experimenteller Mortadella Chargen gelernt habe und @LGresch schonmal geschickt hatte:

Eigentlich kuttert man authentische Mortadella z.B. nicht, sondern wolft extrem fein (z.B. 5-teiliger Schneidsatz Vorschneider -> 3mm -> 1mm; die Italiener gehen teils bis auf 0,7mm oder so runter) und dann bindig mengen.

Man kann notfalls auch Kuttern, dann aber unbedingt ohne Schüttung. Kutter vorher mit Salz+Eiswasser kühlen, evtl. auch teilweise gefrorenes Fleisch verwenden, falls die Temperatur das erfordert. Kommt natürlich auf den Kutter an, wie stark der das Brät erwärmt.

Apropos Fleisch: für’s feine Brät empfiehlt sich zwecks Textur Schulter ohne Fettauflage oder ehr magerer Nacken, sehr ordentlich pariert & entsehnt, insbesondere wenn man eben wolft und nicht kuttert. Fleisch älterer Tiere ist besser, da von Haus aus geringerer aW Wert. Man kann 5-15% Schweinemagen / Kutteln verwenden, ist Geschmackssache und würde ich wenn zuerst wolfen und eventuell falls nötig nochmal kuttern, da ich es bei dem Bestandteil für am wichtigsten halte, dass er richtig fein ist, falls man das halt überhaupt verwenden möchte.

Fett kommt fast nur als Rückenspeck-Würfel in die Wurst. Der Speck sollte ordentlich kernig sein und damit sich gut mit dem Brät verbindet, sollte man die Speckwürfel mit heißem Wasser oder besser Brühe abschwenken, damit sie von oberflächlichem Fett befreit und warm werden. Ich empfehle so 10-20% der Gesamtmenge, in Italien nehmen die auch teils über 30% aber das gefällt mir nicht.

Bei Pistazien hab ich selber noch nicht rausgefunden, wie man verhindern kann, dass sie aus dünn geschnittenen Mortadellascheiben raus fallen. Ich schwenke sie auch ab, aber ehr um eine Reduktion etwaiger Keime oder Sporen auf der Oberfläche zu haben (keine Ahnung ob das wirklich nötig ist) und weil die Metzger, von denen ich mir vieles abgeschaut habe, überhaupt fast alles was in die Wurst kam abgeschwenkt haben.

Mortadella gehört darüberhinaus eigentlich nicht gebrüht, sondern bei niedriger Temperatur (75-90°C & trockener Hitze gebacken. Das kann durchaus je nach Kalieber einige Stunden bis mehrere Tage dauern, Ziel KT sind 72°C. Ab 75°C leidet die Qualität. Dann muss zügig die Temperatur runter. Dazu beregnet oder besprüht man die Mortadella mit kaltem Wasser. Abschrecken ist angeblich nicht geeignet, probiert habe ich es aber noch nie. Man kann die Mortadella dann auch noch etwas bei kühler Temperatur reifen lassen.

Die traditionelle Hülle ist übrigens ne Rinderblase. Binden oder ein Netz für Stabilität ist empfehlenswert, gerade bei Naturdärmen. Auf keinen Fall geht ein inpermeabler Plastik Darm, Naturin geht z.B., ist aber fast noch empfindlicher als ein Naturdarm.

Gewürze: immer drin sind NPS, Pfeffer und ein klein wenig Zucker. Ich benutze auch gerne gegarten Knoblauch. Ansonsten nicht ungewöhnlich sind z.B. Myrtenbeere, Muskat oder Macis, Kardamom, Koriandersamen & Nelke. KHM braucht man weniger als bei Brühwurst mit Schüttung.

Gruß Stefan
Das ist mal ein Brett. Vielen Dank für die Info.
 
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