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Hungersnot Ostafrika

Dann will ich denen, die die Gnade der späten Geburt im Wirtschaftswunder
Deutschland hatten, gegen das Vergessen helfen.

Nach 1945 wären wahrscheinlich Millionen Kinder in Deutschland verhungert,
wenn nicht die Menschen, deren Angehörigen und Freunden von Deutschen
unsägliches Leid zugefügt wurde, ohne die Frage nach Schuld und Verantwortung
zu stellen, diesen Kindern geholfen hätten. Ich bin mir sicher, dass die Eltern
von dem einen oder anderen Schreiber hier nicht überlebt und wir deutlich
weniger Beiträge zu lesen hätten.

Es ist sehr leicht zu verdrängen, dass man seine eigene Existenz der Liebe
dem Mitgefühl fremder Menschen anderer Nationalität, Hautfarbe und Religion verdankt.

So ganz uneigennützig war das auch nicht. Ich denke ohne die bösen kommunisten an unseren ostgrenzen wäre die Hilfe wohl nen gutes Stück weniger bzw fast null gewesen. Da ging es eher darum Europa und damit sich selber abzusichern als den krauts zu helfen.
 
@Dirk_da_Oberbayer: Danke!

Wolte eigentlich nichts sagen hierzu, sonst denken nachher alle was fürn Arsch?! Leute man ey... das grenzt doch alles an Heuchelei... mal ehrlich, wer würde um Afrika und sonst wem zu helfen denn auf den Zweitfernseher, Zweitwagen, Familienurlaub, 500 Meter mit dem Auto zum Bäcker fahren statt Fahrrad, Hobbys, Luxusgüter etc. pp. verzichten?! HAHA! Ich denke wir können nichts nützliches ohne weiteres bewegen und erst recht nicht mit kurzweiligen Spenden, ja ich weiß das klingt hart und unsypatisch ist aber realistisch! Wir haben hier einen anderen Lebensstandart und ein anderes gesellschaftliches Niveau, und so etwas in Afrika zu etablieren wird auf kurz oder lang nicht klappen! Strukturelle probleme, kein funktionsfähiges politisches System (zumindest nicht nach unseren westlichen Vorstellungen), Infrastruktur mangelhaft, Verteilung von Staatsvermögen oder Erträgen mangelhaft und vieles mehr! Wo soll man Anfangen?! Das kann kein Europa und America, weder alleine noch zusammen, auch mit unterstützung der ja hilfsbereiten Bürger, stemmen! Wie auch, haben wir ja genug eigene Probleme, schon in Deutschland... wenige Mittel zur Bildungs-und Erziehungförderung, Betreuung der unter Dreijährigen, Krankensystem, unser gesamtes 5 Säulensytem kränkelt und ächzt unter der ihr historisch auferlegten Last und kann nicht mehr Schritt halten mit der zeitlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Die Jugenkriminalität und Bandenbildung nimmt stark zu, und in den Städten entwickeln sich sozial schwache Bezirke teils in vorsichtig ausgedrückt "Ghettos". Das ist nunmal auch eine Wahrheit! Man muss nicht immer vor fremden Leuten Türe kehren wenn der eigene Vorleger schmutzig ist!

Natürlich ist es klar das dort leider Menschen verhungern und verdursten, das geht auch mir sehr nahe und stört mich ungemein, bloß was tun?! Das gesamte Weltdenken- und geschenhen bzw. das Verhalten jedes einzelnen Erdbewohners weltweit zu ändern würde helfen aber ist das realistisch?!

Ich bin raus, es regt mich auf ... leider

Gruß Tim
 
So ganz uneigennützig war das auch nicht...

Du hast entweder meine Beitrag nicht gelesen, nicht verstanden und
Du weisst, nicht wer die Mittel gegen den Hunger damals aufgebracht hat.

... das grenzt doch alles an Heuchelei... mal ehrlich, wer würde um Afrika und sonst wem zu helfen denn auf den Zweitfernseher, Zweitwagen, Familienurlaub, 500 Meter mit dem Auto zum Bäcker fahren statt Fahrrad, Hobbys, Luxusgüter etc. pp. verzichten?! HAHA!

Ich, nur das würde passt nicht, sondern ich mache es.

:bbq4you_drinks:
 
@bbq4you Nach 1945 wären wahrscheinlich Millionen Kinder in Deutschland verhungert,
wenn nicht die Menschen, deren Angehörigen und Freunden von Deutschen
unsägliches Leid zugefügt wurde, ohne die Frage nach Schuld und Verantwortung
zu stellen, diesen Kindern geholfen hätten. Ich bin mir sicher, dass die Eltern
von dem einen oder anderen Schreiber hier nicht überlebt und wir deutlich
weniger Beiträge zu lesen hätten.

Von Welchen Menschen schreibst du?
Wenn nicht von den Alliierten?
(reine Neugier!)
 
... muss ich davon ausgehen, dass maximal ein Bruchteil meiner Spende dort ankommt, wofür sie eigentlich gedacht war!
...

Wenn ich 50 € spende und davon kommen 5 € bei den Hungernden an und ich rette einem oder zwei Kindern das Leben, dann haben sich die 50 € mehr als bezahlt gemacht! Dass 45 € bei Leuten landet, die es nicht haben sollen, nehme ich dann in Kauf. Aus diesem Grund den Hungernden auch noch die 5 € vorzuenthalten, ist für mich kein Argument.

...Und ehrlich, wer glaubt denn wirklich, die Politk würde was ändern?...

Warum auf die Politik schielen? Wenn die ihre Hausaufgaben nicht erledigen, können wir als Bürger doch im Rahmen unserer Möglichkeiten trotzdem kurzfristig helfen.

... Nur, es löscht den Durst für wenige Tage, stillt den Hunger für eine gewisse Zeit...

Für diejenigen, die vor Hunger und Durst bald verrecken, wäre das 'ne ganze Menge!

... Strukturell ändert es leider nichts....

Muss es auch nicht. Hier sind Leute, Erwachsene, unschuldige Kinder akut vom Verhungern und Verdursten bedroht. Strukturelle Änderungen sind keine Akuthilfen.

So ganz uneigennützig war das auch nicht. Ich denke ohne die bösen kommunisten an unseren ostgrenzen wäre die Hilfe wohl nen gutes Stück weniger bzw fast null gewesen. Da ging es eher darum Europa und damit sich selber abzusichern als den krauts zu helfen.

Das wird den Deutschen, die die Hilfspakete bekommen haben, in dem Moment vollkommen egal gewesen sein.

Natürlich ist es klar das dort leider Menschen verhungern und verdursten, das geht auch mir sehr nahe und stört mich ungemein, bloß was tun?!

Wenn's dich 'stört', dann unterstütze die Hilfsorganisationen dort mit Geld oder anderer tatkräftiger Hilfe.

...Das gesamte Weltdenken- und geschenhen bzw. das Verhalten jedes einzelnen Erdbewohners weltweit zu ändern würde helfen aber ist das realistisch?!...

Nein, es ist vollkommen unrealistisch und in meinen Augen ein typisches Totschlagargument. Unerreichbare Ziele werden angeführt um die eigene Machtlosigkeit zu betonen und damit die eigene Untätigkeit zu begründen. Eine Technik, die sehr häufig und sicher oft auch unbewusst und ohne schlechte Hintergedanken angewandt wird.
 
Sorry, ich wollte doch keine politische oder historische Diskussion lostreten!


@ Wolle:

Wenn ich 50 € spende und davon kommen 5 € bei den Hungernden an und ich rette einem oder zwei Kindern das Leben, dann haben sich die 50 € mehr als bezahlt gemacht! Dass 45 € bei Leuten landet, die es nicht haben sollen, nehme ich dann in Kauf. Aus diesem Grund den Hungernden auch noch die 5 € vorzuenthalten, ist für mich kein Argument.
Ich respektiere deine Meinung, aber wenn 90% des Geldes zweckentfremdet wird, spreche ich von mafiösen Strukturen und nicht von Effizienz! Und mein Ansatz wäre es, diese Strukturen zu ändern, damit 90% ankommen!

Warum auf die Politik schielen? Wenn die ihre Hausaufgaben nicht erledigen, können wir als Bürger doch im Rahmen unserer Möglichkeiten trotzdem kurzfristig helfen.
Dito! Ich nahm den Faden nur auf, weil einige vorher ja die Politik bzw Politiker aufs Parkett brachten;-)

Für diejenigen, die vor Hunger und Durst bald verrecken, wäre das 'ne ganze Menge!

Seit ewigen Zeiten "helfen" wir den Hungernden in Afrika, was hat es gebracht? Klar ist da akute Hilfe erforderlich. Die war schon vor 30 Jahren erforderlich. Was hat sich in der Zwischenzeit getan, außer dass es noch schlimmer geworden ist?
Und zum Verständnis: ich bin sehr dafür, dass die Regierung aus Steuergeldern direkt Lebensmittel, Zelte etc. in Katastrophengebiete schickt! Das kommt wenigstens an und indirekt finanzieren wir alle sowas. Aber dann muss der jeweilige Staat auch mal in den Schuh kommen. Solange Stammesfehden wichtiger zu sein scheinen als gemeinsam den selben Brunnen zu benutzen, kommt kein Spendenverband wirklich weiter.

@ bbq4you:

Mein Großvater hat beide Kriege und deren Folgen miterleben müssen, mein Vater ist ein von dir beschriebenes Kriegskind: der große Unterschied ist der, dass wenige Jahre mach dem Krieg das Volk, die neue demokratische Regierung und die Wirtschaft gemeinsam an einem Strang gezogen und strukturelle Reformen durchgezogen haben! Innerhalb weniger Jahre musste nicht nur keiner mehr hungern, es formte sich ein bis Dato ungeahnter Wohlstand, das Wirtschaftswunder war geboren!

Ich werde in 2 Wochen 41 Jahre jung, seit knapp 30 Jahren bekomme ich Dank TV mit, was so in der Welt passiert. Wenn die Völker und Regierungen der von dir genannten Länder wirklich an dauerhaften Veränderungen gearbeitet hätten, wieso hat sich dann so wenig getan?

Wolte eigentlich nichts sagen hierzu, sonst denken nachher alle was fürn Arsch?!

Tja, das kann passieren, wenn man nicht dem Mainstream hinterher rennt;-) . Als Erwachsene sollten wir auch kontrovers diskutieren können, ohne das es eskaliert!

Ich war in einigen Ländern Afrikas, Indien, Sri Lanka und viele andere Regionen, in denen es Menschen nicht so gut geht. Da habe ich oft Geld vor Ort gegeben. Auch in Russland habe ich Jahre gearbeitet und im ehem. Sowjetgebiet sind vor allem alte Menschen die Verlierer und betteln sich durch. da muss man nicht bis nach Afrika fahren. Und langsam schleicht sich auch etwas wie Armut in Deustchland ein, teilweise direkt vor unseren Augen!

Solange ich nicht sicher sein kann, dass mein Geld dort ankommt, wo es benötigt wird, ist es fast ein Fehlentscheidung, zu spenden: genau so wurde die letzten Jahrzehnte gewirtschaftet und die mafiösen Strukturen gefestigt, die zu der heutigen Lage geführt haben! In der Tat eine Zwickmühle.....

Just my 2 cents
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich, nur das würde passt nicht, sondern ich mache es.

:bbq4you_drinks:

Tja... ich auch dann sind wir zwei! Fahre seit 3 Jahren nur mit Fahrrad o. Bus zur Arbeit usw. und habe mein Auto sogar Anfang Juli verkauft, obwohl ich auf dem Lande wohne! Und nun?:prost:
Wenn ich 50 € spende und davon kommen 5 € bei den Hungernden an und ich rette einem oder zwei Kindern das Leben, dann haben sich die 50 € mehr als bezahlt gemacht! Dass 45 € bei Leuten landet, die es nicht haben sollen, nehme ich dann in Kauf. Aus diesem Grund den Hungernden auch noch die 5 € vorzuenthalten, ist für mich kein Argument.

Ähm... ich finde doch!

Warum auf die Politik schielen? Wenn die ihre Hausaufgaben nicht erledigen, können wir als Bürger doch im Rahmen unserer Möglichkeiten trotzdem kurzfristig helfen.

Kurzfristig... und was ist nächste Woche?

Muss es auch nicht. Hier sind Leute, Erwachsene, unschuldige Kinder akut vom Verhungern und Verdursten bedroht. Strukturelle Änderungen sind keine Akuthilfen.

Aber Akuthilfen sind ebenfalls keine Lösung. Daran krankt es doch!


Wenn's dich 'stört', dann unterstütze die Hilfsorganisationen dort mit Geld oder anderer tatkräftiger Hilfe.

Das tue ich mehr als du Glauben magst, ich spende bloß keine Geld, niemals, damit hilft sondern schadet man leider mehr!
Nein, es ist vollkommen unrealistisch und in meinen Augen ein typisches Totschlagargument. Unerreichbare Ziele werden angeführt um die eigene Machtlosigkeit zu betonen und damit die eigene Untätigkeit zu begründen. Eine Technik, die sehr häufig und sicher oft auch unbewusst und ohne schlechte Hintergedanken angewandt wird.

Naja, wie man es sich halt auslegt und argumentiert oder?! Dann nenn doch selbst mal einen sinnigen Gedanken, der einen Lösungsansatz bieten könnte.
Das Problem ist das es sich bei dem gesamten Unterfangen um ein unerreichbares Ziel handelt, zumindest mit den jetzigen Anstrengungen. Mir durch gute Rhetorik die Segel aus dem Wind nehmen zu lassen zieht nicht. Es bedarf nunmal eines radikales Umdenkens.

@Dirk: :prost:

Gruß Tim
 
Zuletzt bearbeitet:
Servus,


es gibt viele Missionare welche in fremden Ländern dafür sorgen das das Land bebaut wird, das Brunnen gebohrt werden, .........


Ob Indien, Pakistan oder Afrika, ob Patenschaften für Kinder, ob für Projekte; Es ist doch egal für was ihr was gebt, gebt es sinnvoll, es tut von uns doch keinem weh.


Wenn jeder den Zehnten teil gibt, oder auch nur 5 % ist das doch ein lächerlicher Betrag. Aber wenn schon viele aus der Kirche austreten, nicht der Kirche wegen, sondern wegen den xx Euros, dann überwiegt der Geiz.

Eine Pizza weniger, eine halbe Kiste Bier weniger, etwas weniger Fleisch, ein Kinobesuch, eine halbe Tankfüllung, ein paar Stunden mehr in der Arbeit. Das ist doch nicht einmal eine Einschränkung für uns.



Und jetzt sagt aber nicht; soviel haben wir auch wieder nicht, wir haben selbst nicht viel.



Ich kenne genug alte Mütterchen, mit einer schwachen Bauernrente; welche die am Straßenbau sich bedeiligen mußten, und jetzt nicht viel haben.

Aber auch diese geben und das vorallem "gerne"


Schieben wir es auch nicht auf den Staat. Dieser herausgefressene Drecksack mit dessen Politikern, Bänkern und Vorständen wird einen Teufel tun hier etwas zu unternehmen.



Karteilleiche hat es einmal schon angesprochen. Jeder welcher sich hier nur anmeldet, um einen billigen Grill ergattern zu können, wenn jeder derjenigen nur einen lächerlichen Kleinbetrag vom "gesparten" geben würde, dann wäre das schon eine feine Sache.



Gruß
Siggi
 
...Als Erwachsene sollten wir auch kontrovers diskutieren können, ohne das es eskaliert!...
:anstoßen:

Nur noch zwei Anmerkungen von mir:

Ich glaube auch, dass strukturelle Änderungen notwendig sind, aber eben auch Soforthilfe. Diese Soforthilfe kann auf verschiedene Weise erfolgen und auch von verschiedenen Stellen, z. B. auch durch Geldspenden.

Der Vergleich mit den Geschehnissen in Europa nach 1945 hinkt meiner Meinung nach, da Deutschland auch nach den erheblichen Zerstörungen des Krieges auf Infrastrukturen zurückgreifen konnte, z. B. auch Verwaltungen, Gerichte, Gesetze, die - trotz aller Bedenken wegen des braunen Sumpfes - akzeptiert wurden. In den jetzt betroffenen Ländern Ostafrikas gibt es keine solche Infrastruktur, es ist schon fraglich, ob man dort überhaupt von richtigen Staaten sprechen kann. Die Gründe dafür sind vielfältig und Schuldige daran gibt es sehr viele. Aber die hungernden und sterbenden Kinder sind daran sicher nicht schuld!
 
@bbq4you
Sorry warn also doch die Amis!

Als im Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen in den Ruinen der zerstörten Städte ohne Obdach, Nahrung, Kleidung und Medikamente waren, gründeten 22 US-amerikanische Wohlfahrtsverbände am 27. November 1945 in Washington die private Hilfsorganisation CARE, „Cooperative for American Remittances to Europe“, um Hilfsaktionen für Europa koordinieren zu können. Initiator dieses Verbunds war Lincoln Clark. Auch die US-Armee beteiligte sich und stellte aus ihren Depots die ersten Lebensmittellieferungen, zunächst nach Frankreich. Ende Februar 1946 genehmigte die US-Regierung Hilfslieferungen nach Deutschland, die meist von US-Bürgern an Verwandte geschickt wurde. Fast zehn Millionen CARE-Pakete mit Lebensmitteln, Kleidung
 
@bbq4you
Sorry warn also doch die Amis!

CARE ist mir gut bekannt, trotzdem danke für den Wikipedia Artikel.

Einen Zusammenschluss privater Hilfsorganisationen mit Alliierten zu
vergleichen halte ich für gewagt. Das käme in etwa der Aussage gleich,
Brot für die Welt wäre eine Regierungsorganisation zur Abwehr
kommunistischer Rebellen im Kongo.

Ausserdem hatte ich geschrieben z.B. CARE. Da könnte man z.B. noch
Rädda Barnen aus Schweden nennen, die sich in erster Linie um Kinder
in Österreich gekümmert haben und nicht Kriegspartei waren. Oder Don
Suisse, die auch aus einem neutralen Land kamen. Auch sollte man Save
the Children und vor allem Oxfam nicht vergessen, die gegen der Willen
der Alliierten private Spenden nach Deutschland geliefert haben.

Damit sollte es gut sein und ich möchte mich wieder mit Geld verdienen
beschäftigen, um den hungernden Kindern mehr davon geben zu können.

:bbq4you_drinks:
 
Entwicklungshilfe für Afrika
"Probleme verschwinden nicht durch Säcke mit Reis und Mais"

REUTERS
Hilfslieferung für Somalia: "Eure Finanzkrise ist unsere Chance"
Rund zwei Billionen Dollar bekamen afrikanische Regierungen in den vergangenen 50 Jahren im Kampf gegen Hunger und Elend. Doch die sambische Finanzexpertin Dambisa Moyo meint, Entwicklungshilfe bringe den Kontinent nicht voran, sie schade ihm sogar. Der Westen solle seine Zahlungen einstellen.


SPIEGEL ONLINE: Sie fordern, die Entwicklungshilfe einzustellen, weil diese ineffektiv sei. Und das in einer Zeit, da in Somalia 750.000 Menschen vom Hungertod bedroht sind?


Moyo: Am Horn von Afrika herrscht eine Notfall-Situation, Hilfe ist dort auf jeden Fall nötig. Aber wir sollten bescheiden sein: Ich glaube nicht, dass die Probleme verschwinden, weil nun säckeweise Reis und Mais dorthin geschickt werden. Afrika ist der einzige Kontinent, auf dem es immer wieder Hungersnöte gibt. 400 bis 500 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, dabei ist es der Kontinent mit dem meisten fruchtbaren Ackerland. Da läuft doch etwas falsch.

SPIEGEL ONLINE: Was muss geschehen, damit es dort keinen Hunger mehr gibt?

Moyo: Wir sollten sagen: Gut, wir helfen euch, aber was tut ihr selbst, um künftig Hungersnöte zu vermeiden? Der Westen achtet doch auch in Griechenland auf strikte Sparauflagen und verlangt Reformen. In Afrika aber fordern wir nichts dergleichen – und deshalb kann man sicher sein, dass es nächstes Jahr wieder irgendwo eine Hungersnot gibt.

SPIEGEL ONLINE: Katastrophen wie die in Somalia sind das eine. Braucht Afrika aber nicht auch langfristige Hilfsprogramme, damit es seine Probleme in den Griff bekommt?

Moyo: Ich bin dagegen, weiterhin automatisch jedes Jahr Milliarden Dollar in Form von Billig-Krediten oder Budgethilfen nach Afrika zu pumpen. Dieses Geld hat Abhängigkeit und Inflation erzeugt, es lässt die Menschen gar nicht erst produktiv werden. Seit 40 Jahren zahlt der Westen zuverlässig Hilfe, und trotzdem gibt es in Afrika noch immer eine miese Infrastruktur, schlechte Ausbildung und ein lausiges Gesundheitssystem. Die Armut hat sogar zugenommen, seit Entwicklungshilfe gezahlt wird. 1970 lebten zehn Prozent der Afrikaner in Armut, inzwischen etwa 50 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben es afrikanische Regierungen nicht geschafft, die rund zwei Billionen Dollar, die ihnen in den letzten 50 Jahren zuflossen, vernünftig einzusetzen?

Moyo: Weil die Hilfe eben kaum an Auflagen gebunden war. Die Geberländer lassen es zu, dass Afrikas Führer dieses Geld in die Schweiz schaffen und später damit auf den Champs-Élysées shoppen gehen.

SPIEGEL ONLINE: Warum rebelliert niemand gegen korrupte afrikanische Herrscher?

Moyo: Wie sollen wir normalen Afrikaner unsere Eliten zur Rechenschaft ziehen, wenn immer wieder jemand aus dem Westen kommt und sagt: Macht euch keine Sorgen, wir zahlen weiter, egal, was ihr mit dem Geld anstellt? Einmal hat ein afrikanischer Präsident zu mir gesagt: Du kannst machen, was du willst: Du kannst betrügen, du kannst deine Landsleute ermorden. Solange es bei dir Hunger und Krankheiten gibt, wird sich der Westen um dich kümmern. Deshalb stehlen und betrügen afrikanische Regierungen.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden den Geldhahn zudrehen?

Moyo: Ich habe nie gesagt, dass man die Entwicklungshilfe von heute auf morgen stoppen soll. Aber wir brauchen ein zeitlich umrissenes Ausstiegsprogramm. Die Hilfsbereitschaft wird angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise sowieso abnehmen: Wer kann von den hochverschuldeten Griechen oder Italienern noch verlangen, dass sie Entwicklungshilfe schicken? Eure Finanzkrise ist also unsere Chance: Sie könnte Afrika zwingen, endlich Verantwortung zu übernehmen.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt asiatische Länder, denen westliche Hilfe sehr gut getan hat.

Moyo: Für Südkorea kann man das vielleicht sagen, im Fall Indien aber schon nicht mehr, dort hat eine grüne Revolution den Fortschritt gebracht.

SPIEGEL ONLINE: … der Anbau besserer Weizen- und Reissorten mit Hilfe amerikanischer Experten.

Moyo: Der fundamentale Unterschied zu Afrika ist: Hilfsprogramme wie das für Südkorea waren begrenzt, sie liefen eine absehbare Zeit. Südkorea wusste, dass es bald auf eigenen Beinen stehen muss. In Afrika haben sich die Politiker darauf eingestellt, dass es ewig Hilfe geben wird.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt drängen die Chinesen auf den Kontinent. Sie investieren in den Rohstoff- und Nahrungssektor, kümmern sich aber nicht um die Umwelt und schon gar nicht um die Menschenrechte. Beunruhigt sie das?

Moyo: Die Chinesen wollen weder Demokratie durchsetzen noch ihre Religion, es treibt sie auch kein koloniales Schuldgefühl. Sie kommen im Namen Chinas, sie brauchen Kupfer und Öl. Viele Afrikaner lieben sie, weil sie Straßen und Stadien bauen und Arbeitsplätze schaffen. Das sind Fortschritte, die uns der Westen in den letzten 40 Jahren immer wieder versprochen, aber nie wirklich gebracht hat.

SPIEGEL ONLINE: Die Chinesen stützen sich erst recht auf korrupte Eliten.

Moyo: Sie sind nicht perfekt. Aber sie tun nichts, was die westlichen Länder in den letzten 40 Jahren nicht auch getan hätten. Der Westen sollte es besser lassen, die Afrikaner vor den Chinesen zu warnen.

SPIEGEL ONLINE: Es ist eine Art Landraub, was jetzt in Afrika passiert: Große Konzerne – vor allem chinesische – kaufen den Boden zu Dumpingpreisen, um dort Mais und Getreide für den Export anzubauen. Die Afrikaner aber hungern weiter.

Moyo: Das sind Investments, es ist kein Landraub. Die Europäer sollten ihre Märkte öffnen, damit wir Afrikaner unsere Produkte verkaufen können. Aber die EU und die USA subventionieren ihre Landwirtschaft, so dass afrikanische Erzeugnisse dort keine Chance haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie sollen sich die Afrikaner mit Geld versorgen, wenn es keine Entwicklungshilfe mehr gibt?

Moyo: Sie könnten Staatsanleihen ausgeben. Der Finanzmarkt würde jene Länder sofort bestrafen, die sie später nicht einlösen.

SPIEGEL ONLINE: Wie realistisch ist es, dass amerikanische Rentenfonds oder deutsche Versicherungen ihr Geld künftig in Liberia oder Malawi anlegen?

Moyo: 60 Prozent der Afrikaner sind jünger als 24 Jahre, sie brennen darauf, Teil der weltweiten Facebook-Twitter-Gemeinschaft zu werden, sie wollen Plasma-Fernseher haben wie die jungen Leute in Europa. Afrika ist ein Markt, der Westen verpasst hier eine Chance.

SPIEGEL ONLINE: Wir sprechen von einem Kontinent, auf dem vielerorts noch gekämpft, gemordet und vergewaltigt wird.


ANZEIGEMoyo: Vieles davon wird übertrieben. Was zeigt uns das Fernsehen aus Afrika? Meist nur die Fliegen im Gesicht eines hungernden Kindes in Somalia. Haben Sie in letzter Zeit irgendwann mal gute Nachrichten aus Afrika gehört?

SPIEGEL ONLINE: Dass es auf dem Kontinent jede Menge Krieg und Krisen gibt, ist unbestritten. Sie bauen darauf, dass die Kräfte des Marktes die Fehlentwicklungen korrigieren werden?

Moyo: Ich glaube, dass der Markt disziplinierend wirken kann. Wer schlecht regiert, wird ausgeschlossen. Die Investoren müssten in diesem Fall sagen: Solange ihr Eure Probleme nicht löst, legen wir kein Geld bei Euch an. So würden die Afrikaner das erleben, was einige europäische Länder gerade durchmachen.

Das Interview führten Jan Puhl und Thilo Thielke



Entwicklungshilfe für Afrika: "Probleme verschwinden nicht durch Säcke mit Reis und Mais" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
 
Aber sehr interessant, der Artikel. Wobei ich vorsichtig wäre, wenn ich mir die Chinesen in´s Land hole. Die teilen uns in 20 Jahren den Reis ein.
 
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