Als wir zwischen Weihnachten und Neujahr bei meinem Schwager Holz gemacht haben (Erlen am Bach waren unterspült und sollten gezielt gefällt werden, bevor sie mal Richtung Straße fallen) kam auf einmal ein Hund mit Warnweste an, setzte sich bei uns in die Nähe und hat ganz erbärmlich gejault.
Ca. 20min später kam der Hundeführer und erzählte, der Hund sei an einen Keiler geraten und er müsse schnell zum Tierarzt. In der Hektik hat er dann noch Dolch+GPS Gerät bei uns verloren.
Ich habe ja keine Ahnung von der Jagd. Könnt ihr mir erklären, wie so eine Treibjagd abläuft? Mich hat gewundert, dass der verletzte Hund so weit vom Herrchen weg war, ist das so normales Vorgehen?
Ich sag mal so... Wenn Du ordentlich Haue kassierst, kannst Du auch mal die Orientierung verlieren. Was mich allerdings wundert ist,dass der Hund nicht humpelnd oder in sonst irgendeiner Schohnhaltung bei Euch angekommen ist.
Sollte sowas nochmal vorkommen,dass sich ein Jagdhund bei Euch setzt,ruft bitte den Besitzer an. Die Telefonnummer steht in aller Regel auf dem Halsband oder der Weste. Bei meinem links/rechts auf der Flanke und an dem Lappen am Hals.
Zum Ablauf:
Sobald die Jäger ihre Stände eingenommen haben,werden die Hunde geschnallt (von der Leine gelassen). Daraufhin setzen sich dann die Treiber und Hunderührer (HF) in Gang. Wenn die Hunde an Sauen kommen,hört man dass als halbwegs erfahrener HF am Geräusch des Bellens. Wenn sich die Sauen den Hunden stellen, ist der HF gezwungen, den Hunden zur Hilfe zu eilen, bevor ein Hund verletzt wird.
Kommen die Sauen allein durch die Hunde in Bewegung, macht es oftmals Sinn, die Hunde erstmal arbeiten zu lassen.
Das GPS dient zum einen dem Wiederfinden des Hundes nach der Jagd und zum anderen dem Hund helfen zu können, wenn er außer Hörweite eine z.B. kranke Sau gestellt hat. Wir haben dadurch schon manches Leid verkürzt.
Der liegengelassene "Dolch" ist ein s.g. Abfangmesser. Es kommt zum Einsatz,wenn die Hunde Wild gefangen haben. In der Regel sind die Tiere dann verletzt. Sei es durch einen missglückten Schuss, aber auch oftmals durch Verkehrsunfälle. Wenn die Hunde dass Stück haben, verbiete sich ein Schuss auf das Tier, da die Gefährdung der Hunde zu hoch ist. Es bleibt somit nichts anderes übrig als das Tier mit dem Messer zu erlösen.
Wenn Du bei Wikipedia "Kälberfang" eingibst, findest Du eine genau Beschreibung.
Eine weitere Verwendung findet das Messer bei mir nach Verkehrsunfällen, wenn das Tier auf der Straße liegt und noch lebt. Die Umlandgefährdung lässt da oftmals keinen Schuss zu.
Der Einsatz des Messer's hört sich brutal an, richtig ausgeführt ist es jedoch eine (sehr) schnell tötende Möglichkeit, dem Wild unnötiges Leid zu ersparen und eine Gefärdung Anderer auszuschließen. Deshalb gilt,bevor man ein noch lebendes Tier so tötet, sollte man unter fachkundiger Anleitung am toten Tier "geübt" haben. Alles andere ist nicht Tierschutzkonform!!!
Hoffe,dass ich etwas Licht ins Dunkel bringen konnte. Bei Rückfragen kannst Du dich meinetwegen auch per PN melden.