Schmalreh tot. Es gibt sogar noch die Bummundum Rehe. Dazu später mehr.
Gestern DJ bei einem lieben Freund, ich werde am gleichen - eher schwierigen - Platz wie im letzten Jahr angestellt.
Vom Parkplatz aus geht es so ungefähr 700 Meter ordentlich bergan, Methusalix - nennen wir ihn Sepp, der Ansteller - rennt los. Fit wie ein Turnschuh der Alte, 72 ist er, läuft noch Halbmarathons. Das hat er mir letztes Jahr erzählt. Dieses Jahr war ich deutlich fitter, ich wollte mir diese Schmach nicht nochmal geben.
Also, Sepp stellt mich an. Erst die elende Steigung hoch, aufgeweichter Forstwirtschaftsweg, Befahren entweder nur mit Traktor, Quad oder Unimog möglich. Mann ist froh, wenn es dir im Schlamm nicht die Füße wegzieht. Oben angekommen stehe ich am gleichen Platz wie im letzten Jahr, am Anfang einer langen Ligne, zur linken stoßen wir an das Ende der anderen Gruppe. Der Hang wurde von den Forstleuten komplett gerodet. Aber wirklich komplett, alle Kiefern raus, mitsamt Wurzeln. Das Stück ist geschätzt 300 x 600 Meter groß. Kompeltt eingezäunt. Zu meiner Linken. Wenn ich nach rechts den Weg entlang schaue, sehe ich in etwa 200 Metern Entfernung den nächsten Posten. Im Rücken direkt die Grenze. Vor mir ein monströs großer Baumstumpf, Fläche geschätzt einen guter halber qm. Es reicht, um den Hocker draufzustellen und selber aufstehen zu können, ohne den Hocker umzuwerfen. Ich habe ein Schußfeld von? 30? Grad, so ungefähr von 12 bis 2 Uhr. Maximale Distanz 30-40 Meter, danach kippt das Gelände steil nach unten.
Das Treiben geht los, wie immer nix. Ich sehe über den Weg zwischen mir und dem Nachbarn nach rechts beliebig viele Rehe aus dem Treiben flüchten, ungefähr 10 oder so. Nichts zu machen.
Dann bricht im Treiben vor uns wildes Geschrei aus, Sauen. Ich richte mich vorsorglich auf meinen bescheidenen Korridor aus, es kommen die Sauen, der Finger wandert zur Sicherung. Nur - Hinter einem noch einigermaßen belaubten Buchengestrüpp meine ich einen orangenen Kittel zu erkennen, fluche innerlich vor mich hin, welcher Depp denn da steht. Naja, es war ein Treiber, der stehen geblieben war. Warum weiß ich bis jetzt nicht, die waren nämlich schon längst durch. Also nix mit den Sauen. Die sehe ich nochmal, alzwie sie an den Schutzzaun der Neuanpflanzung kommen, um nach unten abzubiegen. Da steht zwar keiner, aber von hinten hinter einer Companie Sauen herzuschießen, das is nicht so meins....
Also gut. Warten wir dynamisch weiter. Die Sauen sind kaum verschwunden, da sehe ich auf dem gleichen Pfad, nur in die andere Richtung ein Reh kommen. Kommt frontal auf mich zu. Natürlich nix zu machen, aber weil da ja der Zaun ist und das Reh nicht an mir vorbei rennen will, biegt es kurz vor mir im 45 Grad-Winkel in meine Richtung ab. Ich hab es im Glas und kurz bevor es hinter den Buchenrauschern verschwindet macht es päng. Ich seh nix mehr von dem Reh. Allerdings seh ich es auch nirgends abspringen oder sonstwas. Ich seh einfach nix vom Reh. Nicht kein Reh nix zu sehen.
Ich gedulde mich mich mühsman 10 Minuten und geh dann die 5 Schritte nach vorne damit ich ein bissi was sehe, was beim Buchengestrüpp so los ist.
Nicht viel, außer daß mein Reh da liegt.
Der Rest von der Geschichte ist schnell erzählt, es kamen nochmal Sauen vorbei, aber nicht zu schießen und nach dem Ende hab ich dann drauf bestanden, daß wir das Reh den Hang runtertragen und nicht extra ein Spielkind mit dem Quad kommen muß.
Also - ich war Schützen - und Jagdkönig. Nach drei Jahren, in denen ich auf diese Jagd komme, entweder zum Treiben oder im Sommer auch manchmal zum Ansitz - mein erster Schuß und das Schmalreh liegt.
Schuß genau in der Kammer, ganz kurz hinter dem Blatt. Besser geht es nicht. Was mich nur wundert, warum ist das Reh SOFORT umgefallen?
Ich hab es eben abgezogen und zerlegt. Da kam des Rätzels Lösung, ein kleiner Geschoßsplitter ist nach oben genau in die Wirbelsäule. Zum Glück hat der Rücken nicht wirklich was abbekommen.