Sauerei!!!!!!!!!!!!!
Sau tot. Und trotzdem alles Scheiße.
Liebe Alle,
guten Mutes ziehe ich gestern los. Ich hab ausnahmsweise nichts daheim vergessen, habe sogar daran gedacht, den Jagdschein zu verlängern und die Verlängerung auszudrucken. Jagdscheinjahr geht vom 1.7. - 30.6.
Nachdem sich die Temperaturen halbwegs normalisiert haben freue ich mich auf einen ruhigen Ansitz an einem lauen Sommerabend. So zumindest der Plan. Der Tag war etwas stressig, ich wäre beinahe nicht von der magnetischen Kautsch hoch gekommen. Ich hatte vorübergehend ein gewisses Motivationsdefizit, aber ich erinnere mich daran, wie das beim Marathontraining war, die Läufe, vor denen die Unlust riesig war, waren am Ende gerne die allerschönsten. Also los.
Ich habe eine knappe halbe Stunde ins Revier zu fahren und überlege unterwegs, wo ich mich hinsetze. Ich mache eine kleine Runde durchs Revier, Sonnenblumenfelder sind echt nett anzusehen, aber jagdlich glaub ich eher von gerinerer Bedeutung,
auf der einen Revierseite steht der Raps noch, also auch einen Hochsitz steigen, Fernglas hoch und nachsehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Besser. Viel besser. Raps weg, Weizen weg, bzw Ernte im Gang.
Ich entscheide mich für eine halboffene Leiter, die oberhalb einer Kuhwiese steht. Die Kuhwiese liegt in einem kleinen Tal eingefasst durch einen kleinen Bachlauf, der Hang zu mir hoch ist eine von Büschen durchzogene Magerwiese. Sehr gut.
Dumm nur, daß 300 Meter hinter mir die Erntemaschinen fahren und die Stoppelfelder teilweise schon mit Gülle eingenebelt sind. Es stinkt bestialisch. Ich denke kurz über geordneten Rückzug und Kautsch nach. Aber ich setzte mich gegen meine eigene Bocklosigkeit durch und steige auf die Leiter.
Ich steige auf die Leiter, ich sag euch, Stacheldraht am Kuhwiesenzaun ist ne fiese sache.
Es ist inzwischen viertel nach 9. Ich richte mich ein, zum Glück hatte ich die Weste und die Fleecedecke dabei, 23 Grad und es wird noch kälter. Ernsthaft.
Ich schreibe einen Statusbericht in die Gruppe, wo geerneten uswuswusw. Ich sondiere hin und wieder mit dem Thermic die Gegend, ein Fuchs, drei Hasen, ganz weit weg ein Reh. Und überall Kühe. Viele Kühe. Soll auf Kuhwiesen schon mal vorkommen.
Ich fange an mich in der Situation wohlzufühlen, adaptiere langsam den Jauchegestank. Unser Senior ist bemüht mir einzureden, daß das heute gut wird und ich nur lang genug warten müsse.
Irgendwann drehe ich mich nach rechts. 130 Meter vor mir kommt aus einer Hecke was Schwarzes. Es war noch taghell. Glas hoch, eindeutig eine Sau. Bier hatte ich keins dabei, ähm, nein, kein Bier, ich meine Sauerkrautsaft. Daran kann es also nicht gelegen haben, es ist eine Sau. Die Waffe war zum Glück schon in die Richtung ausgerichtet. Zufällig.
Thermic hoch, 3-4 Minuten, die Sau ist alleine. Und wälzt sich genüßlich in der Jauche. Was ne Sauerei. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt geahnt, was mich erwartet, ich hätte auf der anderen Seite Kühe beobachtet.
Naja, es poltert 100 Meter in die andere Richtung ein Auto über den Feldweg, das irritiert die Sau ein wenig. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, daß ich es mit einem Überlaufer m/w/d/*/t der 35 Kilo-Klasse zu tun hab. Das sind mir die Liebsten.
Ziel erkannt und angesprochen, Vorder & Hintergelände frei, natürlicher Kugelfang gegeben. Dumm nur, daß die Sau mir nur den Allerwetesten zeigt und von mir weg zieht. 120 Meter ungefähr. Ist mir für einen Schuß spitz von hinten hinters Blatt mit Ausschuß auf dem Stich einfach zu weit.
Also - wir waren bei dem Auto auf dem Feldweg, das war der Sau nicht geheuer, die verschwindet wieder in der Hecke.
Dann eben nicht. Aber - wer hätte es gedacht, es dauert keine zwei Minuten und die Sau taucht wieder auf. Es ist zwar immer noch unangenehm weit, aber die Sau steht wunderbar halbwegs breit. Immer noch kein Anhang, also soll es sein.
So breit hat sie doch nicht gestanden, der Schuß geht kurz hinter dem linken Blatt rein um vor dem rechten Blatt Richtung Hals wieder rauszukommen. Die Sau macht einen Salto und liegt.
Ich kann es nicht fassen, schreibe dem Senior, Sangli mort. Zwei Minuten vorher erkläre ich ihm noch, daß ich seinen Optimismus bewundere und mir ein wenig der Glaube an Beute am heutigen Abend fehlt.
Es stinkt nach Jauche. Überall Jauche.
Ich warte eine gute habe Stunde, ob vielleicht noch ein paar Nachzügler kommen, aber es passiert nix.
Es stinkt nach Jauche. Überall Jauche.
Außer daß plötzlich von der anderen Seite der Hecke ein Auto über den Stoppelacker kommt, 50 Meter vor meiner Sau wendet und wieder verschwindet. Seltsam, der Nachbar kann es nicht gewesen sein, die Grenze ist 500 Meter weiter. Egal, mir wir die Sache komisch, ich höre auf zu warten und mache mich an die Bergung.
Zuerst die Sau aus der Gülle. Vorher Heckträger aus dem Kofferraum. Sau auf den Träger, es stinkt erbärmich, mit der Sau auf sicheres Gelände, 50 Meter weiter, wo keine Gülle ist. Zum Glück hab ich Gummihanschuhe dabei.
Aufbrechen, Sau wieder auf den Heckträger. Es stinkt noch immer erbärmlich. Ich hab einen Kanister mit Wasser, es gelingt mir, mich soweit zu entseuchen, daß ungefähr daran zu denken ist, wieder ins Auto zu steigen. Es stinkt ganz fürchterlich.
Ich überlege was zu tun ist und habe eine großartige Idee. Auf dem Heimweg komme ich an gleich drei Hochdruckreiniger-Autowaschboxen vorbei. Ich pokere und entscheide mich für die letze von den dreien, mitten in einem Industriegebiet an einem Supermarkt. Die hat immer auf. Auch sonntags und so. Das ist großartig.
Sau baden, 3 Euro hat es gekostet, bis die Sau, die Wanne vom Wildträger und das Auto eingermaßen erträglich sauber waren. Dann noch die Stiefel. Es stinkt immer noch erbärmlich. Es kam natürlich Publikum, aber die Junks waren so zugedröhnt, die haben nix mehr gepeilt und mich in Ruhe gelassen. Oder hat es an dem entsetzlichen Gestank gelegen?
Sau in die Kühlung, Gewehr in den Schrank, heim über die Grenze ins Fritze-Merz-Land. Und es kam wie es kommen mußte, immer dann wenn du es am wenigstens gebrauchen kannst, am alten Zollhäusjen, also da, wo mal das Zollhäujsen war, also da stehen die Grenztruppen. Und es kam noch schlimmer, die halten mich ernsthaft an und wollen mir ein Gespräch halten.
Ich unterbreche den jungen Mann höflich. Ich hab zuerst darüber nachgedacht ihm einen Vortrag über Waffenhandhabung zu halten und daß das bestimmt sehr cool aussieht, wenn sein Kollege mit gut trainiert übellaunigem Blick und dem Finger am Abzugsbügel einer ?Uzi? da steht, aber ich lasse es lieber.
Ich kläre ihn auf, bevor er was sagt. Junger Mann sage ich, sie hören jetzt mit Sicherheit die originellste Geschichte des Abends. Ich habe in der Jauche eine Sau geschossen, ich und alles um mich herum stinkt erbärmlich. Ich führe keine gefährlichen Gegenstände oder Waffen mit mir, ich wohne - entgegen der Aussage meines Kennzeichens 200 Meter weiter, ich will SOFORT weiter unter die Dusche. Es stinkt nämlich ERBÄRMLICH.
Wir lachen und er wünscht mir ein baldiges Ankommen unter meiner Dusche. So war es dann auch.
Heute morgen gehts dann in die Waschanlge, Auto entseuchen und so. Also wirklich, wenn ich nur im Ansatz geahnt hätte was das für eine schreckliche Sauerei wird, nein, ich hätte nicht geschossen.
Ich hätte auch noch ein Video von der Sau bei der Hochdruckdusche....