1. Motivation
Manchmal ist weniger einfach mehr. Ich habe leider keinen Platz, um mir eine ganze Armada an Grills in den Garten zu stellen – auch wenn das Herz das gern hätte. Darum musste eine Entscheidung her: Der neue Masterbuilt Gravity 600 soll gleich zwei alte Bekannte ersetzen – meinen Outdoorchef Ascona von 2011 und den Weber Mastertouch 57.
2. Ausgangslage
Beide Grills haben mir über Jahre treue Dienste geleistet. Der Ascona war robust und unkompliziert, beim Weber habe ich in letzter Zeit vor allem „low & slow“ probiert – mit richtig guten Ribs als Ergebnis. Genau das hat mir beim ODC immer gefehlt: Der richtige Smoke-Geschmack und Grillen bei niedrigen Temperaturen. Mit dem Masterbuilt verspreche ich mir einen Grill, der die Stärken beider Welten vereint und gleichzeitig Platz spart.
3. Anlieferung
Die Anlieferung hatte schon fast Comedy-Potential. Bestellt habe ich bei Ofen.de, geliefert wurde über Schenker. Der Fahrer parkte allerdings nicht etwa vor meinem Haus, sondern ein gutes Stück weiter weg an der Straße – bei rund 100 kg Lieferung keine Situation, die mein Herz erfreut hat. Ich sah mich schon die Palette in Einzelteilen durchs Viertel schleppen.
Also habe ich ihn freundlich gefragt, ob er den Grill nicht direkt ins Carport stellen könne. Seine Antwort: „Da fehlt noch was.“ – Ich war kurz irritiert. „Was fehlt denn?“ fragte ich zurück. Daraufhin brüllte er nur: „BITTE!!!“
Erst da habe ich kapiert: Er wollte mich „erziehen“ – mit der richtigen Wortwahl. Als ich meine Anfrage höflicher formulierte, grinste er zufrieden und half mir dann auch prompt. Laut eigener Aussage macht er das immer so: erst weiter weg parken, dann die Kunden zu besseren Menschen erziehen.
4. Aufbau
Beim Aufbau hat mir ein Kumpel geholfen. Grundsätzlich geht’s auch allein, aber zu zweit ist es definitiv schneller und entspannter. Die Anleitung arbeitet viel mit Bildern, und wenn man nicht gerade zwei linke Daumen hat – oder vielleicht sogar durch Lego und Ikea ein bisschen vorbelastet ist – bekommt man den Aufbau problemlos hin. Teile waren alle vollständig vorhanden, nix hat gefehlt.
5. Verarbeitung
Alles, was direkt mit Feuer in Berührung kommt, ist emailliert. Mein Gerät hatte oben an der Öffnung des Hoppers eine größere Abplatzung in der Emaille – das ließ sich aber problemlos reklamieren (dazu später mehr).
Bei den Hitzeschutz-Blechen kommen selbstschneidende Blechschrauben zum Einsatz. Die sind nach ein paar Mal rein- und rausdrehen schnell ausgenudelt. Wichtige Teile sind dagegen mit soliden Feingewinde-Schrauben fixiert – da passt es.
Materialseitig setzt Masterbuilt, ähnlich wie beim Outdoorchef, auf emaillierten und pulverbeschichteten Stahl. In Norddeutschland bedeutet das zwangsläufig: Irgendwann rostet es. Deshalb habe ich mir gleich das Cover mitbestellt, um die Investition so lange wie möglich zu schützen.
Unterm Strich wirkt der 600er aber deutlich solider als das, was man in diversen YouTube-Videos vom Vorgänger 560 gesehen hat.
6. Technische Daten
Bei den technischen Daten hält sich Masterbuilt ein bisschen bedeckt. Statt die reine Hauptgrillfläche anzugeben, wird mit der Gesamtfläche geworben – und da zählen auch die Warmhalteroste dazu. So kommt der Gravity 600, wie der Name schon verrät, auf 600 sq in (~3.870 cm²).
Die Wahrheit sieht etwas anders aus: Der 800er ist in der Praxis nicht wirklich viel größer, die Hauptgrillfläche ist da nur ca. 2 Zoll (gut 5 cm) breiter. Auch der nächste Schritt nach oben – zum 1050/1150 – bringt im Wesentlichen wieder nur rund 2 Zoll mehr.
Unterm Strich: Hier muss jeder selbst entscheiden, ob ihm 5 cm mehr Breite für die größere Ausführung wert sind.
Richtig stark ist der Temperaturbereich: Von 150 °F (ca. 65 °C) bis 700 °F (ca. 370 °C) stufenlos regelbar. Das deckt von Low & Slow über Pizza bis hin zu Steak alles ab.
Die Roste sind aus massivem Gusseisen, was mir persönlich wichtig war. Die digitale Steuerung funktioniert ordentlich, und auch das WLAN ist grundsätzlich da – aber kein Highlight. Verbindung klappt, aber Stabilität und App könnten besser sein. Mein Wunsch wäre hier: bessere Soft- und Hardware, plus eine saubere Anbindung an Home Assistant.
7. Bedienung & Handling
Das Anfeuern ist erstaunlich einfach: Kohle oben in den Hopper, Anzünder unten rein, anzünden, kurz warten – dann die beiden Bleche rausziehen, Hopperklappen schließen und fertig. Wenige Minuten später hat der Grill die gewünschte Betriebstemperatur erreicht. Vom Gefühl her geht das Aufheizen ähnlich schnell und unkompliziert wie bei einem Gasgrill.
Zur Reinigung kann ich nach den ersten Einsätzen noch nicht allzu viel sagen. Klar ist: Es gibt deutlich mehr Flächen, die sauber gehalten werden wollen, als beim Weber Mastertouch oder beim ODC Ascona. Das bedeutet etwas mehr Aufwand, aber es ist auch keine komplette Katastrophe.
8. Reklamation
Wie schon erwähnt, hatte mein Gerät direkt an der Öffnung des Hoppers eine unschöne Abplatzung in der Emaille. Ich habe den Schaden bei Ofen.de per Foto reklamiert. Die Rückmeldung kam prompt – zusätzlich wollten sie noch die Seriennummer haben. Danach haben sie bei Masterbuilt ein Ticket für meinen Fall eröffnet.
Die Antwort von Masterbuilt ließ rund drei Tage auf sich warten, das Ergebnis war aber absolut in Ordnung: Sie haben mir das beschädigte Teil kostenlos ersetzt und noch einen Sack ihrer Kohle beigelegt. Überraschenderweise ging der Versand des Ersatzteils dann schneller als die eigentliche Ticketbearbeitung.
Der neue Hopper ist inzwischen eingebaut, und sobald ich mehr Zeit am Grill verbracht habe, gibt’s sicher auch mal einen ausführlichen Praxisbericht.
Manchmal ist weniger einfach mehr. Ich habe leider keinen Platz, um mir eine ganze Armada an Grills in den Garten zu stellen – auch wenn das Herz das gern hätte. Darum musste eine Entscheidung her: Der neue Masterbuilt Gravity 600 soll gleich zwei alte Bekannte ersetzen – meinen Outdoorchef Ascona von 2011 und den Weber Mastertouch 57.
2. Ausgangslage
Beide Grills haben mir über Jahre treue Dienste geleistet. Der Ascona war robust und unkompliziert, beim Weber habe ich in letzter Zeit vor allem „low & slow“ probiert – mit richtig guten Ribs als Ergebnis. Genau das hat mir beim ODC immer gefehlt: Der richtige Smoke-Geschmack und Grillen bei niedrigen Temperaturen. Mit dem Masterbuilt verspreche ich mir einen Grill, der die Stärken beider Welten vereint und gleichzeitig Platz spart.
3. Anlieferung
Die Anlieferung hatte schon fast Comedy-Potential. Bestellt habe ich bei Ofen.de, geliefert wurde über Schenker. Der Fahrer parkte allerdings nicht etwa vor meinem Haus, sondern ein gutes Stück weiter weg an der Straße – bei rund 100 kg Lieferung keine Situation, die mein Herz erfreut hat. Ich sah mich schon die Palette in Einzelteilen durchs Viertel schleppen.
Also habe ich ihn freundlich gefragt, ob er den Grill nicht direkt ins Carport stellen könne. Seine Antwort: „Da fehlt noch was.“ – Ich war kurz irritiert. „Was fehlt denn?“ fragte ich zurück. Daraufhin brüllte er nur: „BITTE!!!“
Erst da habe ich kapiert: Er wollte mich „erziehen“ – mit der richtigen Wortwahl. Als ich meine Anfrage höflicher formulierte, grinste er zufrieden und half mir dann auch prompt. Laut eigener Aussage macht er das immer so: erst weiter weg parken, dann die Kunden zu besseren Menschen erziehen.
4. Aufbau
Beim Aufbau hat mir ein Kumpel geholfen. Grundsätzlich geht’s auch allein, aber zu zweit ist es definitiv schneller und entspannter. Die Anleitung arbeitet viel mit Bildern, und wenn man nicht gerade zwei linke Daumen hat – oder vielleicht sogar durch Lego und Ikea ein bisschen vorbelastet ist – bekommt man den Aufbau problemlos hin. Teile waren alle vollständig vorhanden, nix hat gefehlt.
5. Verarbeitung
Alles, was direkt mit Feuer in Berührung kommt, ist emailliert. Mein Gerät hatte oben an der Öffnung des Hoppers eine größere Abplatzung in der Emaille – das ließ sich aber problemlos reklamieren (dazu später mehr).
Bei den Hitzeschutz-Blechen kommen selbstschneidende Blechschrauben zum Einsatz. Die sind nach ein paar Mal rein- und rausdrehen schnell ausgenudelt. Wichtige Teile sind dagegen mit soliden Feingewinde-Schrauben fixiert – da passt es.
Materialseitig setzt Masterbuilt, ähnlich wie beim Outdoorchef, auf emaillierten und pulverbeschichteten Stahl. In Norddeutschland bedeutet das zwangsläufig: Irgendwann rostet es. Deshalb habe ich mir gleich das Cover mitbestellt, um die Investition so lange wie möglich zu schützen.
Unterm Strich wirkt der 600er aber deutlich solider als das, was man in diversen YouTube-Videos vom Vorgänger 560 gesehen hat.
6. Technische Daten
Bei den technischen Daten hält sich Masterbuilt ein bisschen bedeckt. Statt die reine Hauptgrillfläche anzugeben, wird mit der Gesamtfläche geworben – und da zählen auch die Warmhalteroste dazu. So kommt der Gravity 600, wie der Name schon verrät, auf 600 sq in (~3.870 cm²).
Die Wahrheit sieht etwas anders aus: Der 800er ist in der Praxis nicht wirklich viel größer, die Hauptgrillfläche ist da nur ca. 2 Zoll (gut 5 cm) breiter. Auch der nächste Schritt nach oben – zum 1050/1150 – bringt im Wesentlichen wieder nur rund 2 Zoll mehr.
Unterm Strich: Hier muss jeder selbst entscheiden, ob ihm 5 cm mehr Breite für die größere Ausführung wert sind.
Richtig stark ist der Temperaturbereich: Von 150 °F (ca. 65 °C) bis 700 °F (ca. 370 °C) stufenlos regelbar. Das deckt von Low & Slow über Pizza bis hin zu Steak alles ab.
Die Roste sind aus massivem Gusseisen, was mir persönlich wichtig war. Die digitale Steuerung funktioniert ordentlich, und auch das WLAN ist grundsätzlich da – aber kein Highlight. Verbindung klappt, aber Stabilität und App könnten besser sein. Mein Wunsch wäre hier: bessere Soft- und Hardware, plus eine saubere Anbindung an Home Assistant.
7. Bedienung & Handling
Das Anfeuern ist erstaunlich einfach: Kohle oben in den Hopper, Anzünder unten rein, anzünden, kurz warten – dann die beiden Bleche rausziehen, Hopperklappen schließen und fertig. Wenige Minuten später hat der Grill die gewünschte Betriebstemperatur erreicht. Vom Gefühl her geht das Aufheizen ähnlich schnell und unkompliziert wie bei einem Gasgrill.
Zur Reinigung kann ich nach den ersten Einsätzen noch nicht allzu viel sagen. Klar ist: Es gibt deutlich mehr Flächen, die sauber gehalten werden wollen, als beim Weber Mastertouch oder beim ODC Ascona. Das bedeutet etwas mehr Aufwand, aber es ist auch keine komplette Katastrophe.
8. Reklamation
Wie schon erwähnt, hatte mein Gerät direkt an der Öffnung des Hoppers eine unschöne Abplatzung in der Emaille. Ich habe den Schaden bei Ofen.de per Foto reklamiert. Die Rückmeldung kam prompt – zusätzlich wollten sie noch die Seriennummer haben. Danach haben sie bei Masterbuilt ein Ticket für meinen Fall eröffnet.
Die Antwort von Masterbuilt ließ rund drei Tage auf sich warten, das Ergebnis war aber absolut in Ordnung: Sie haben mir das beschädigte Teil kostenlos ersetzt und noch einen Sack ihrer Kohle beigelegt. Überraschenderweise ging der Versand des Ersatzteils dann schneller als die eigentliche Ticketbearbeitung.
Der neue Hopper ist inzwischen eingebaut, und sobald ich mehr Zeit am Grill verbracht habe, gibt’s sicher auch mal einen ausführlichen Praxisbericht.



