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Messerfund im Keller

G

Gast-dCMCcA

Guest
Gestern haben wir beim Aufräumen im Keller ein altes Messer gefunden. Ich erinnere mich das mein Vater dieses Messer immer im Gemüsegarten zur Erntezeit benutzt hat. Kann mir jemand sagen um was für ein Messer es sich handelt. Die Spitze hat mein Vater mit Sicherheit schon am Schleifbock bearbeitet, sieht jedenfalls so aus.
Kann man so etwas noch richten?
Es ist mit Sicherheit kein wertvolles Messer aber für mich hat es schon einen ideellen Wert, ich möchte das Messer wieder etwas aufarbeiten, bin für jeden Ratschlag dankbar. Ich hab von Messern leider null Ahnung.
Hier mal ein paar Bilder

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Das Messer ist mindestens 50 Jahre alt, meine Mutter weiss darüber nix und meinen Vater kann ich leider nicht mehr fragen. Ich freue mich über jeden Hinweis.

Einen schönen Tag noch

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Das nennt sich direkt Gartenmesser oder Erntemesser. Ich habe auch mal so ein verrostetes Exemplar von Friedrich Herder gefunden. Merkwürdigerweise sind diese Messer meist aus recht hartem Karbonstahl hergestellt, was zwar den Outdoorbedingungen nicht entspricht, aber für die Schneideigenschaften und Schärfeigenschaften von Vorteil ist. Friedrich Herder (Food-Agrar) und Otter haben die noch im Programm.

Kann man richten: Die Rostnarben rausschleifen und dann immer feinere Körnungen bis man ein akzeptables Finish bekommt. Griff abschleifen, dann in warmes Leinöl oder flüssiges Paraffin (Teelichte) stellen. Aber keine Wunder erwarten bei dem Zustand und bei dem einfachen Buchenholz. Benutzbar ist es aber in jedem Fall noch.
 
Nicht nur Otter und Friedr. Herder haben das im Programm , sondern auch die Windmühle:
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http://www.messer-mit-tradition.de/windmuehlenmesser.php?Ruebenmesser-Kohlmesser-Boscher&rub=34

Ich finde allerdings, diese Messer sehen ganz anders aus: fast gerade Schneide, die an der Spitze nicht hochgezogen ist.Zudem erscheint der vordere Teil der Klinge höher, wahrscheinlich, damit man dort mehr Gewicht und/oder Stabilität zum Abschlagen von Fruchtansätzen z. B. bei Zucchini hat.
Das hier gezeigte Messer hat eher Ähnlichkeiten mit einem Hahnefeder mit Anleihen an ein Hechtsäbels beim Klingenrücken. Rein gefühlsmäßig würde ich das eher in den Bereich Fleisch- /Tranchiermesser einordnen, wenn die Länge passt.
 
Ui das geht ja ratzfatz, danke für die Ratschläge und Links.
Da werde ich mich am kommenden WE auf der Spätschicht mal mit dem guten Stück beschäftigen.

:anstoޥn:
 
Den Otter und Friedrich Herder Messern entspricht eher der 4 1/2 Zoll Zwoller. Das ist im Prinzip bloß ein verkleinerter Boscher.
"Der Boscher ist ein traditionelles Messer, bei dessen Klingenform es sich ursprünglich um ein Zuckerrohrschlagmesser, ähnlich einer Machete, handelte. In den Niederlanden zog der Boscher, zu niederländisch „Busch“, im Laufe der Zeit in verkleinerter Form als Brotmesser in die Haushalte ein. Windmühle machte sich die Eigenschaften des Boschers zunutze und entwickelte ein Messer von höchster Schneidkraft für hartes Gemüse wie Sellerie, Rüben und Kohl." Die breite Spitze ist bestimmt ein Überbleibsel der Machetenform, obwohl sie auch einen praktischen Zweck hat. Da man den Strunk vom Kohl, Salat wahrscheinlich mit der Spitze abschneidet. Für allgemeine Schneidaufgaben im Garten dürfte der Dünnschliff zu empfindlich sein. Um Kohl durchzuschneiden ist es wiederum ideal. Aber auch in der Küche dürfte der Boscher als Allzweckmesser eine gute Figur machen.

Dass sich die Klingenform unterscheidet habe ich gesehen. Die übrige Ausführung passt aber. Warum soll ein Gartenmesser nicht auch diese Form haben können. Bei dem breiten Anwendungsspektrum ist die Form nicht so festgelegt. Es könnte auch ein zweckentfremdetes Messer aus einem anderen Bereich sein, aber da fiele mir eine eindeutige Zuordnung noch schwerer.
 
gegen Zweckentfremdung ist aber mal gar nix einzuwenden, Weiternutzung in einem Anderen als dem ursprünglich angedachten Bereich find ich gut!

Wenn man aber davon ausgeht, das bei der Entwicklung der Messerform die form - wenn auch unbewusst- der function followte, glaub ich nicht, das das Messer ursprünglich als Erntemesser konzipiert wurde. Es erscheint mir dazu an der Spitze zu filigran und die Tatsache mit der hochgezogenen Spitze spricht auch eher dagegen. Ein gerader Schneidenverlauf ist zum Abschneiden von Gemüse wesentlich besser geeignet und die Spitze ist stabiler. Daher meine Überlegung, die sich mit deiner Alternative deckt: Da brauchte einer das Messer nicht mehr für den ursprünglichen Zweck, als ab in den Garten damit
 
Hab ja keine Ruhe gehabt und mal einen ersten Grobschliff gemacht, naja die Rostnarben sind ganz schön tief, sieht aber auf den Bildern auch schlimmer aus als es ist.
Die Spitze hab ich auch etwas nachgeschliffen, damit es auch wieder spitz ist.
Gibts Empfehlungen mit welcher Körnung bzw. mit welchen Schleifmitteln ich jetzt weiterkomme. Ich hab so eine Fächerscheibe für die kleine Flex, ist so eine Art Flies wie man es zum säubern von Kupferrohren nimmt bevor gelötet wird. Ich befürchte nur das die Flex nicht das ideale Werkzeug ist um hier was zu machen.


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Am WE werd ich auf alle Fälle den Griff in Angriff nehmen.

Schönen Abend noch.

:anstoޥn:
 

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"gegen Zweckentfremdung ist aber mal gar nix einzuwenden" Na ja. Das kommt auf den Zweck an und ob er zum Messer passt. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden. Eine filigrane Spitze sieht m.E. anders aus. Die Spitze ist vielleicht 3mm schmaler als am Griff. "Ein gerader Schneidenverlauf ist zum Abschneiden von Gemüse wesentlich besser geeignet und die Spitze ist stabiler." Ja und noch besser ist eine abgeknickte Klinge wie hier. Es gibt im Garten aber noch mehr Aufgaben als das Ernten von Salat und Kohl. Es wäre eben ein Gartenmesser, das nicht speziell auf das Ernten ausgelegt ist.
 
" naja die Rostnarben sind ganz schön tief" - Ja, das ist nicht so einfach. Wie hart ist der Stahl denn gefühlsmäßig.
"Fächerscheibe" - Hm. Normalerweise am gehärteten Stahl keine Flex verwenden, weil die Temperaturen zu hoch sind. Gerade Karbonstahl ist in dieser Beziehung empfindlich und wird schnell weich. Kannst ja mal die Temperaturen an einem unproblematischen Stück Stahl testen. Aber ich vermute, dass die Rostnarben mit der Fliesfacherscheibe nicht rausgehen. Wie gesagt wäre ein einfacher Schruppstein vom Baumarkt dazu geeigneter und dann immer feinere Körnungen. Eigentlich solltest du es mit den Schleifmitteln machen, die du hast. Weil so teuer ist das Messer nicht. Für 15 kriegst du ein neues. Kann natürlich sein, dass du eh einen Bankstein brauchst. Es kommt auch drauf an, was du hinterher damit machen willst. Wenn es Gartenmesser bleiben soll, musst du es bloß richtig schärfen und den Griff behandeln. Die Rostnarben stören das Schneiden nicht.
 
Ich sehe es wie Carbo - bei so einem alten Messer gilt es den Charakter zu erhalten. Die Narben gehörten dazu.

Also: Griff pflegen, Schleifen, fertig.
 
@ alle, danke nochmal für eure Einträge,
in den Garten kommt das Teil nicht mehr, bekommt einen Platz in meiner Küche, ich werde die Klinge nocht etwas bearbeiten, dann nur noch schärfen, den Griff behandeln und gut solls sein.

:anstoޥn:
 
Ich gebe dirkde Recht, wenn es sich dem Bauchgefühl nach um ein Fleischmesser handeln kann. Es gibt praktisch keine Alternative.

Solche Messer wurden schon vor dem ersten Weltkrieg und dann in den 1920er und 30er Jahren als Fleischmesser hergestellt, da waren exotische Formen gefragt, weil die meisten Leute es sich nicht leisten konnten, irgendwohin auf Reisen zu gehen.

Diese Messer mit Hechtklinge (es erinnert ja an ein überdimensionales Laguiole Taschenmesser) - übrigens auch der Yatagan als exotische Klingenform - wurden gerne zusammen mit einer Fleischgabel als Tranchierbesteck verkauft. Sowohl von noname Firmen als auch von namhaften Herstellern wie Wüsthof Dreizackwerk.

Nach dem Krieg kamen die ach so praktischen rostfreien Messer (NiRoSta) bei den Hausfrauen in Mode, die Carbonstahlklingen wurden ausgemustert und oft in den Schuppen oder Garten verbannt. Ich habe als Kind gesehen, wie solche Klingen zum schneiden von Dachpappe o.ä. verwendet wurden, weil Muttern sowas nicht mehr im Haus dulden mochte. Schön dumm !

Viele Grüße,

Rübennase
 
Diese Messer mit Hechtklinge (es erinnert ja an ein überdimensionales Laguiole Taschenmesser) - übrigens auch der Yatagan als exotische Klingenform - wurden gerne zusammen mit einer Fleischgabel als Tranchierbesteck verkauft. Sowohl von noname Firmen als auch von namhaften Herstellern wie Wüsthof Dreizackwerk.

Rübennase
Als Tranchierbesteck waren dann aber die Griffe "schöner" gestaltet. Von diesen Bestecken hab ich grad am Sonntag eine Menge auf nem Antikmarkt liegen sehen.
 
@ carbo, die Klinge ist 17,5 cm, die Gesamtlänge 29,5cm. Ich denke aber das es mal 30 cm lang war.

@ Rübennase, meinst du etwa so etwas, das hab ich vor 2 oder 3 Jahren auf einem Flohmarkt für 1€ gekauft, leider ist ne Beule im Griff, das will ich auch mal wieder in ferner Zukunft etwas herrichten. Wobei die Beule wohl so bleiben wird.

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Danke nochmal für den Beitrag, wenn du das nicht geschrieben hättest, wär das Teil in Vergessenheit geraten, hab jede Menge altes Zeugs, komm aber nicht dazu es zu benutzen und neues altes ist schon im Anmarsch.
 
Mister Überschlau schreibt: ORIGINAL SOLINGER MESSER
 
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