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Pflege Holzgriffe

zed00

Veganer
5+ Jahre im GSV
Hallo,

Der Titel sagt es ja schon... Welches Öl würdet ihr zur Zwischendurchpflege von Holz-Messergriffen empfehlen?

Ich habe einige Herder K-Serie Messer welche ALLE grundsätzlich ein langes Bad mit Leinöl hinter sich haben es geht also "nur" um die Oberfläche.

Habe bisher so alle 2 Wochen mal mit dem Herder Pflegeöl (Macadamianussöl / Zitronenöl 9:1) drübergewischt.

Da das 5ml Probefläschchen jetzt aber leer ist muss Nachfolge her :-)

Das Herder Öl hat Apothekerpreise daher würde ich das wenn dann selbst zusammenmischen...

Was meint Ihr?
- Leinöl?
- Macadamia / Zitrone?
- Ballistol?
- sonstige Vorschläge?

Im Gegensatz zu Leinöl / Ballistol riecht die Mischung Macadamia / Zitrone zumindest extrem gut...
 
Moin,

bei mir hält die Leinölbehandlung extrem lange vor.
Beschreibe doch mal bitte, wie Du die Messergriffe behandelt hast und vor allem, was Du während/nach der Trocknung damit gemacht hast!?
Wenn das Leinöl gut eingezogen und ausgehärtet ist, dann kann selbst Spülmittel dem Griff nichts mehr anhaben.

Ich hatte in der Vergangenheit einige wenige Messer, welche ich noch ein zweites Mal für 3 Tage ins Leinölbad gestellt habe.
Aber sonst waren die alle nach der ersten Behandlung schon gut versiegelt.

Viele Grüße,

Rübennase
 
Leinöl riecht nur nicht so toll, wenn es alt ist oder gekocht wurde zu Firnis. Das frische Lebenmittelleinöl riecht eigentlich gut, nussig, röstig. Kann man ja auch über die Kartoffeln geben. Wenn die Flasche geöffnet wurde, wird es innerhalb von 2-3 Monaten ranzig. Fürs Holz ist das eigentlich egal, da Standöl im Prinzip auch nichts anderes ist. Aber es riecht eben nicht mehr so gut. Das Ranzig-werden kann man verhindern, indem man die Flasche nach Gebrauch ins Tiefkühlfach packt. Das Öl gefriert nicht sondern wird dickflüssig, geelig, sulzig. Bei höherer Temperatur wird es dann wieder flüssig. So würde ich das machen, wenn mich der ranzige Leinölgeruch von Leinölprodukten stören würde. Tut er aber nicht. Leinöl hat eben den großen Vorteil, dass es trocknet bzw. mit Luft und Licht aushärtet. Und dadurch den Schutz immer weiter verbessert.

Generell ist es so, dass es mit einem einmaligen Bad nicht getan ist. Ich denke eigentlich, dass ein Bad auch nicht erforderlich ist, denn die Aushärtung beginnt an der Oberfläche, wo das Holz mit Luft und Licht in Berührung kommt. Innen kommt keine Luft und kein Licht ran, dementsprechend dauert die Aushärtung um ein vielfaches länger. Dagegen sollte man Holz mehrfach ölen. Für Arbeitsplatten wird bis zu 10 mal empfohlen. Die erste Ölung sollte nicht sparsam erfolgen (alles was dann nach einer gewissen Zeit nicht eingezogen ist, sollte man abwischen.)Man kann einen Griff auch baden, muss man aber nicht (man braucht ein Gefäß und mehr Öl). Immer mit Zwischentrocknungsphasen von mindestens 24 Stunden besser länger (vor allem bei Lebensmittelleinöl mind. ne Woche). Die erforderliche Ölmenge reduziert sich dabei immer weiter. Das Holz ist fertig, wenn es kaum noch Öl aufnimmt. Bei meinen Griffen ist das so, dass es reicht wenn ich mir einen Tropfen Öl auf die Hand gebe und mir die Hände einreibe, sodass ich bloß noch ölige Hände habe. Damit gehe ich dann über alle Griffe und das reicht.

Walnussöl ist übrigens auch ein härtendes Öl. Es ist aber genauso wie beim Leinöl, dass es einmal geöffnet schnell ranzig wird, wenn es bei Zimmertemperatur rumsteht. Öl macht die Oberfläche nicht völlig wasserundurchlässig, sondern eher wasserabweisend. Bei längerem Wasserkontakt quillt das Holz. Kurzer Wasserkontakt macht nichts mehr aus. Wenn jedoch das Messer in einer Pfütze liegen bleibt oder ein feuchter Spüllappen drauf liegt über mehrere Stunden, dann ist das nicht so gut.
 
Danke für eure - wie immer - hervorragenden Antworten.

Ich versuch mal eine Sammelantwort.

Griffe haben jeweils vor Erstgebrauch gut 24h in frischem Lebensmittel-Leinöl gebadet (dessen Geruch mir persönlich trotzdem nicht zusagt) der Rest ist in der Tiefkühltruhe.

Da die Griffe nach meinem Dafürhalten sich nach einiger Zeit jedoch trocken anfühlen und stumpf aussehen hab ich sie bisher so alle 2-3 Wochen jeweils mit ein paar Tropfen vom Herder Pflegeöl eingerieben.

Nach den paar Tropfen pro Griff haben Sie einen super "seidigen" Glanz (leider relativ kurz) und fühlen sich gut an. Auch die Maserung kommt dann superschön zum Vorschein. Bis das Spiel halt wieder von vorne beginnt.

Wir achten sehr auf die Messer. Werden direkt fliessend abgespült (möglichst ohne Griffe) und nicht liegen gelassen und direkt trockengewischt. Unterbringung auf Magnetmesserblock. Stehen damit halt frei in der Küche und kriegen auch einiges an Licht ab.

Jetzt kann natürlich sein dass die bisher noch nicht genug Öl hatten oder das Ganze im Zuge der Nutzung soweit normal ist (könnte ich auch mit leben).

Jetzt ist halt die Frage:
Bisher noch zu wenig Öl oder soweit für Holz (Pflaume) normal?
Und welches Öl zur "Nachbehandlung"?
 
Die Antworten sind schon gegeben. Leinöl zur Nachbehandlung. (Sei mal nicht sone Pussy. Der Geruch von Lebensmittelleinöl ist nun wirklich auszuhalten. Die Messergriffpflege muss nicht deiner Nase schmeicheln.) Nichttrocknendes Öl wird durch den Gebrauch einfach wieder abgetragen und dann ist es so stumpf wie zuvor. Eine einmalige Leinölbehandlung mag als Imprägnierung schon einen gewissen Schutz darstellen, aber gut wird es erst mit mehrmaliger Behandlung.
 
Leinöl zur Nachbehandlung.

...das Öl a bisserl anwärmen, Griff dünn abreiben, aushärten lassen. Wenn du mal wissen willst, wie Leinöl wirklich "duften" kann, dann brenn mal damit eine Eisenpfanne ein.
 
Bei Holzgriffen trage ich vor dem Erstgebrauch satt lauwarmes Leinöl auf, stecke das Messer in einen Vakuumbeutel und vakuumiere den. Nach zwei bis drei Tagen ist das Öl komplett eingezogen und der Beutel kann geöffnet werden. Das hält ziemlich lange vor...
 
Bei Holzgriffen trage ich vor dem Erstgebrauch satt lauwarmes Leinöl auf, stecke das Messer in einen Vakuumbeutel und vakuumiere den. Nach zwei bis drei Tagen ist das Öl komplett eingezogen und der Beutel kann geöffnet werden. Das hält ziemlich lange vor...

...sozusagen ein Sous Vide Griff....:thumb2:

Edit: Da hier einige Verrückte unterwegs sind...vielleicht teste ich das mal mit 40 Grad, 2h...mit dem Sänger, why not...
 
Mit der Hand eingerieben hat das Öl vielleicht 35°. Temperatur oder Verdünnung 1:1 mit Terpentinbalsam bringt bloß dass es dünnflüssiger wird und etwas tiefer einzieht (in Bezug auf Verdünnung gibt es anscheinend keinen Konsens unter den Experten, ob es tatsächlich tiefer einzieht). Wichtiger finde ich das mehrmalige Ölen bis das Holz nichts mehr zieht.

"Die Sauerstoffaufnahme erfolgt immer an der Oberfläche. Durch die dabei entstehende Volumenzunahme entsteht bei großer Schichtdicke eine runzelige Haut, welche für Ölfirnis typisch ist. Unter der erhärteten Haut bleibt bei zu großer Schichtstärke das Öl flüssig, dies auch noch nach Jahren. Besonders wichtig für eine gute Trocknung sind eine dünne Schichtdicke und eine gute Sauerstoffzufuhr. Hohe Temperaturen beschleunigen den Trocknungsprozess. Wenn Leinölfirnis bei zu hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung trocknet, erfolgt schon bald nach der eigentlichen Trocknung eine Volumenverringerung, welche sich in Frühschwundrissen äußert."
http://www.hornemann-institut.de/german/epubl_txt/Vortrag-23_Leinoel.pdf

Vielleicht erklärt das die dünnen mehrmaligen Aufträge besser. Das Öl trocknet an der Oberfläche, wo es mit Sauerstoff Kontakt hat. Das Volumen dehnt sich aus und nimmt wieder ab. Dadurch kann die Oberfläche nach der Trocknung wieder etwas Öl aufnehmen. Deshalb die mehrmaligen Aufträge bis man eine gesättigte Oberfläche erhält. So erkläre ich mir das wenigstens.
 
Wenn man unbedingt will, kann man auch ein paar Tropfen ätherisches Duftöl ins Leinöl geben.
Oft wird mit Orangenschalenöl gearbeitet. Aber vorher auf allergische Verträglichkeit abchecken.
 
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