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PP - Garzeit oder KT? Worauf kommt es eigentlich an?

abruemmer

Militanter Veganer
Hallo zusammen,

ich habe mal eine Frage zum PP und ähnlichen NT-Grill-Gerichten. Kurz gefasst lautet diese:

"Worauf kommts jetzt eigentlich an? Auf das Ziel, also die Kerntemperatur oder auf den Weg dorthin, die Garzeit?"


Ich habe jetzt das ein oder andere Mal PP auf meinem kleinen umgebauten Weber Q120 gemacht und war immer ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Dabei waren die Fleischmassen allerdings recht unterschiedlich – zwischen 1,0 und 2,5 kg. Daher kann ich mehrere „Versuche“ recht schlecht vergleichen. Meine Ziel-Kerntemperatur war immer 88 bis 90°C.

Zur Theorie:
Ich habe gelernt und verstanden, dass die Haltepunkte bzw. Plateauphasen während des Garens durch die Feuchtigkeit im Fleisch verursacht werden, welche aus dem Inneren zur Oberfläche transportiert wird und dann dort verdampft. Für eine Weile hält sich das dann im Gleichgewicht. Ich kenne derartige Dinge als sogenannte „quasistationäre Prozesse“. Wenn der Feuchtigkeitsnachschub aus dem Fleischinneren abnimmt, steigt die Temperatur weiter an. Die Kerntemperatur während der Haltepunkte ist im Wesentlichen durch die relative Feuchte der Umgebung bestimmt (Stichwort "Feuchtkugeltemperatur"). Außerdem aber müsste sie bei größeren Stücken auch zumindest etwas niedriger sein als bei kleineren, da die Geschwindigkeit des Feuchtigkeitstransports im vornehmlich von dem Material (dem Fleisch) abhängt, welches ja immer halbswegs identisch ist. Das heißt bei gleicher „Steigung“ meiner Feuchtigkeit von innen nach außen (wir könnten es Feuchtigkeitsgradient nennen) bedeutet ein längerer Weg von der Oberfläche zum Kern daher eine niedrigere Plateau(kern)temperatur. Die Dauer der Plateauphase dürfte auch abhängig sein von der Größe des Fleischstücks, denn je größer das Stück ist, desto länger ist der Weg für den Feuchtigkeitstransport. Das ist aber alles gar nicht so wichtig...

So weit zur Theorie aber jetzt mal zum Wesentlichen:
Worauf kommts denn jetzt nun eigentlich an? Gar ist das Fleisch ja eigentlich auch schon ab 60°C. Muss ich denn dann wirklich noch bis zu einer KT von sagen wir mal 90°C fahren oder reichen nicht eigentlich auch die 75-80°C während der Plateauphase wenn das Ganze nur lange genug gedauert hat um irgendwas im Fleisch zu zersetzen und es zart zu machen?

Bei meinem letzten Durchgang hatte ich ein 2 kg Stück drauf und war nach 10h schon bei knapp über 80°C. Diese Temperatur stand dann für 2 Stunden und aus Zeitgründen habe ich dann noch die Alu-Krücke angewandt. Damit bin ich innerhalb von 30 Minuten auf 90°C gekommen. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden aber ich vermute, dass ich mir das Einpacken am Ende auch hätte sparen können, ohne dass das Ergebnis nennenswert anders gewesen wäre. Gar war es ja sowieso und warum sollten 12h gegenüber 10h einen großen Unterschied machen?

Eventuell brauchts hier einfach etwas Fachwissen über die Vorgänge im Gewebe um Klarheit zu schaffen. Klar kenne ich den Spruch „Probieren geht über Studieren“ aber ich kann immer nur ein PP machen, habe dafür nur alle paar Wochen Zeit und bezweifle dass ein Vergleich der Ergebnisse, also der Konsistenz, zwischen zwei Versuchen dann noch sinnvoll ist.

Ich bin daher für alle Ratschläge, Bemerkungen und jede Fachsimpelei dankbar.

So, muss mal raus, Chips nachlegen. Bis die Tage und..

Viele Grüße
abruemmer
 
Hallo Broiler83,

vielen Dank für deine Antwort. Kannst Du mir denn vielleicht noch sagen, warum die KT hier so entscheidend ist? Bei einem Steak kann ich das ja alles nachvollziehen. Da ist der Unterschied zwischen 56°C und 60°C gravierend aber wir reden hier ja über Fleisch, welches ohnehin weit jenseits der Frage nach "gar oder nicht" ist.

Viele Grüße
abruemmer
 
Meiner Erfahrung nach ist hier der Spielraum weit größer.
So kann ich sagen, dass zwischen 88°C und auch fast 100°C alles ok war.

Ich denke hier ist der maßgebliche Grund die Umwandlung des Bindegewebes und des Fettes.
Dieser Prozess beginnt meines Wissens nach bei ca. 85°C
Hier liegt dann auch der Unterschied zwischen Schweinebraten und PP.
 
Ich habe gerade noch mal in meinen Aufzeichnungen nachgesehen. ich hatte nicht 80°C sondern 85°C als ich das Ding eingepackt hatte und es war das zweite Plateau. Wenn bei 85°C wirklich eine Zersetzung von Bindegewebe stattfindet, dann würde das für mich Sinn ergeben, denn Umwandlungen gehen in der Regel mit Temperatureffekten einher und es dauert so lange, bis die "Effekt-Zone" durch das Material gewandert ist, hier also wahrscheinlich von außen nach Innen. Damit zweifle ich ja nicht die durchaus plausible Erklärung der oberflächlichen Verdampfung bzw. der Feuchtkugeltemperatur, an.

Dann wäre allerdings die Erhöhung von 85°C auf 88°C (oder höher) wirklich noch sehr wichtig für das Ergebnis, wobei sie wahrscheinlich trotzdem nicht zu schnell erfolgen dürfte, oder?
Was passiert denn, wenn ich ein Stück Schweinenacken, sagen wir von 2 kg, auf 88°C+ KT koche? Hab vor Ewigkeiten mal Braten gemacht aber das war lange bevor ich über Kerntemperaturen und Vorgänge im Gewebe nachgedacht habe.

Jetzt gerade bin ich jedenfalls schon mal geneigt, die KT morgen bis deutlich über 85°C zu ziehen
...jedenfalls sofern ich noch genug Gas in der Flasche habe ;-)

Vielleicht kann ja noch irgendjemand etwas ergänzen.

Viele Grüße
abruemmer
 
Hallo,
Vielleicht kann ich da auch bissl was zu sagen.
Hab das letztens ungewollt mit einem Brisket testen können.
Meine Erfahrung war, mit einer Kerntemperatur von unter 90°C hat sich das Fett nicht so umgesetzt wie bei dem Stück, dass ich mit 93-95 ° C gehabt habe.
Das "kältere" war noch etwas zäh und fester in der Konsistenz im Gegensatz zu dem "heisseren". Da war vom Fett eigentlich nichts mehr zu erkennen ausser eine klare Flüssigkeit und das Fleisch
war an sich auch viel zarter.

Ob sich das jetzt auf PP übertragen lässt, kann ich nicht sagen. Da aber die Zubereitungsmethode sehr ähnlich bis gleich ist, lässt sichs meiner Meinung nach gut vergleichen.

Ich werd auf jeden Fall das nächste Mal besser aufpassen und auf jeden Fall nach Kerntemperatur gehen.

Gruß Mathias
 
Beides ist wichtig! Kerntemperatur sollte zwischen 89 und 95 Grad liegen. Ich glaube 88 Grad ist auch kein Beinbruch :-)
Mit wickeln übergeht man diesen Prozess der Plateauphase und ist vergleichsweise zum tratitionellem low and slow PP, ruck zuck fertig. Auch mit höheren Garraumtemperaturen kann man beschleunigen. Dann lässt sich das Fleisch auch gut zerreißen und gewürzt wird es so oder so gleich, also sollte es auch gleich schmecken wie ein 20 Stunden PP!? Ich bin der festen Überzeugung, dass das nicht so ist!!! Es gibt geschmackliche Unterschiede zumindest erkenne ich diese!!! Warum das so ist kann ich leider nicht sagen da ich mich nur auf Erfahrungswerte stützen kann und das Thema noch nicht wissenschaftlich behandelt habe. Außerdem wird die Holy Trinity von mir jedes mal zelebriert und soll zu keinem Wettrennen ausarten. Natürlich wähle ich dabei Sportgeräte die einen erholsamen Nachtschlaf garantieren aber ich gehe immer zwischen 110 und 115 Grad über die volle Distanz!!! :-) :-) :-) Bislang bin ich damit für meinen Geschmack am besten gefahren!!!

Lg. Alex
 
Beides ist wichtig! Kerntemperatur sollte zwischen 89 und 95 Grad liegen. Ich glaube 88 Grad ist auch kein Beinbruch :-)
Mit wickeln übergeht man diesen Prozess der Plateauphase und ist vergleichsweise zum tratitionellem low and slow PP, ruck zuck fertig. Auch mit höheren Garraumtemperaturen kann man beschleunigen. Dann lässt sich das Fleisch auch gut zerreißen und gewürzt wird es so oder so gleich, also sollte es auch gleich schmecken wie ein 20 Stunden PP!? Ich bin der festen Überzeugung, dass das nicht so ist!!! Es gibt geschmackliche Unterschiede zumindest erkenne ich diese!!! Warum das so ist kann ich leider nicht sagen da ich mich nur auf Erfahrungswerte stützen kann und das Thema noch nicht wissenschaftlich behandelt habe. Außerdem wird die Holy Trinity von mir jedes mal zelebriert und soll zu keinem Wettrennen ausarten. Natürlich wähle ich dabei Sportgeräte die einen erholsamen Nachtschlaf garantieren aber ich gehe immer zwischen 110 und 115 Grad über die volle Distanz!!! :-) :-) :-) Bislang bin ich damit für meinen Geschmack am besten gefahren!!!

Lg. Alex

Das kann ich nur so unterschreiben.
 
Meine Erfahrung ist, wenn ich das PP Wickel wird es wesentlich saftiger, allerdings im Vergleich zum nicht wickeln hat man keine richtige Kruste und ist etwas trockener.
 
Meine Erfahrung ist, wenn ich das PP Wickel wird es wesentlich saftiger,

Saftiger bleibt es, weil die Flüssigkeiten an der Verdunstung gehindert werden!
Kruste gehört zum PP dazu und Flüssigkeit kommt in Form von coleslow oder Saucen wieder dazu. Wenn du ein gutes Stück Nacken hast bleibt der so oder saftig. Man muss halt wissen was man will!

Bei PP ist ja eigentlich alles piepegal das kommt daher dass es unterschiedliche Geschmäcker gib und das ist gut so!!! Das wichtigste ist, dass es demjenigen gut schmeckt, welcher sich die Zeit genommen hat es liebevoll zuzubereiten.

Wenn dieser jemand beide Varianten, sprich mit und ohne Krücke probiert hat und eine der Varianten für sich als besser empfindet, dann soll er unbedingt bei seiner Variante bleiben!

Ich würde mir ab und zu auch wünschen, dass die Krücke mein Ding wäre, wäre ja billiger vom Heizstoffverbrauch und wesentlich rascher in der Zubereitung und vor allem zeitlich besser planbar.

Aber da hat mir Gott wohl mit meinen Geschmacksnerven eine Bürde auferlegt! :-)

Lg. Alex
 
Bzgl. Saftigkeit und Kruste habe ich im WSM und im BGE bisher auch ohne Wickeln keine Probleme gehabt.
 
Bzgl. Saftigkeit und Kruste habe ich im WSM und im BGE bisher auch ohne Wickeln keine Probleme gehabt.

Saftig waren meine auch immer ohne wickeln. Hatte aber letztens Zeitdruck da ich ne größere Menge für eine Hochzeit machen musste und habe daher gewickelt. War halt ne Zeitersparnis um 40% würde ich grob schätzen.

Und der war was die Saftigkeitkeit anging einfach der Hammer.

Aber halt durch die Folie keine bzw. Nur kaum Kruste.

Von daher gehe ich mittlerweile folgendermaßen vor, wenn Zeitdruck herrscht oder ich es abends nicht hinbekomme den WSM anzuschmeißen, dann mache ich mir kein Stress und starte die Geschichte am nächsten Morgen und Wickel dann, um nachmittags pünktlich zu essen.
 
Kann ich nicht mit Butcher Paper als Krücke BEIDE Punkte vereinen?
Kruste und Saftigkeit?
Soll ja angeblich gut funktionieren.
 
Hab ich noch nicht ausprobiert. Soll aber angeblich funktionieren.
 
Mit Butcherpaper wird die Kruste nicht ganz so aufgeweicht wie mit Jehova, allerdings ist sie bei weitem nicht mit einer festen, tiefschwarzen Kruste nach 10 Stunden und mehr ungeschützt im heißen Rauch zu vergleichen. Da mir Saftigkeit weit wichtiger als Kruste ist, bevorzuge ich das Einwickeln. Butcherpaper verwende ich nur, weil ich kein Alu in meinem Essen möchte, mit der Kruste hat das bei mir wenig zu tun.

Gruß Stefan

Edit: Ansonsten hängt die Zartheit eines totgegarten Stück Fleisches sowohl von Kerntemperatur, als auch von der Haltezeit bei letzterer ab. Man kennt das vom Sous Vide garen: Ein Schweinenacken lässt sich auch bei 68°C KT pullen, wenn er nur lang genug bei der Temperatur gehalten wird. (In dem Fall dürften irgendwas zwischen 48 und 72 Stunden erforderlich sein). Je höher die Kerntemperatur, umso schneller wird Bindegewebe in Gelatine umgewandelt. Zieht man sein PP also langsam ohne Krücke auf KT kann auch bei 88°C schon die gewünschte Konsistenz erreicht sein. Mit Krücke und zusätzlich relativ hoher GRT sind höhere KTs von nöten, ich gehe bei 135 - 140°C GRT meist in Richtung 95°C KT.
 
Hi, möchte auch was dazu schreiben :-D

Mir ist neulich ein PP versehentlich gut geworden :)

Zur Geschichte

Habe einen Schrebergarten und dort einen UDS. In der Nähe des Gartens ist ein Freibad und naja im Sommer war´s Heiß. Also auf zum Garten und ein Schweinenacken in den UDS verfrachtet.(haben uns gedacht wir machen nen leckeren Schweinebraten) Dann ca. 45 Minuten gewartet bis die Temperatur zwischen 110 und 120 Grad steht. Und ab zum Freibad :)

Nach ca. 6 Stunden sind wir zurück und haben uns ganz schön erschrocken -_-
Die Temperatur war auf 140 Grad hochgeschossen und das Fleisch hatte eine Kerntemperatur von 88 Grad.

Da wir noch 1-2 Stunden warten mussten habe ich das Fleisch einfach im Uds bei 110 Gelassen und das Fleisch bis 91 Grad hochgezogen.

Hab mir dann gedacht das es total trocken und eventuell auch Schwarz (leicht verbrannt) ist. ABER
Es war komischerweise das Beste PP das ich bisher gegessen und zubereitet habe. Und das haben alle gesagt selbst die Gäste die von mir schon öfter PP essen durften.

Normalerweise mach ich das PP in 14 Stunden und nicht in 7 :-D

Aber hey es war Bombastisch. Mega Kruste und Trotzdem total Saftig.

Hab leider seit dem kein PP mehr gemacht um zu schauen ob es wiederholbar ist.

Ich vermute das es wie folgt abgelaufen ist

1 bis 2 Stunde bei 110 -120 Grad
3 bis 6 Stunde bei 140-150 Grad
und dann noch 1.5 Stunden 110 Grad

Was sagt ihr dazu ist das Normal oder einfach nur nen Glückstag :)
 
Glückstag, dass es so schnell fertig war, aber von der Tenperatur her denke ich noch im gelben Bereich was PP angeht.
 
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