Ende Juli wurde ich durch ebay-Kleinanzeigen auf ein BGE in Large zu einem wirklich guten Kurs aufmerksam. Der Kontakt zum Verkäufer war schnell, ein zeitnaher Termin rasch vereinbart. So begab ich mich zwei Tage später auf die Route in die Hauptstadt.
Das Ei stand in einem „Storage-Center“, ich wusste bis dahin nicht einmal das es sowas gibt, für mich als Landei zu wirklich unverschämten Preisen! Der Verkäufer entpuppte sich als ein sehr netter und „weit gereister Holländer“, sein gastronomischer Lebensunterhalt in Berlin wurde durch Corona zur Aufgabe gebeutelt. Jetzt bricht er seine Zelte hier ab und zieht nach Thailand weiter um dort mit einem kleinen Hotel oder Restaurant neu anzufangen. Viel Glück dafür!
Der Kamado zeigte sich in einem ziemlich „müdem“ Zustand, Preisverhandlungen waren auch wegen der vielen Anfragen aus diesem Forum nicht möglich. Kurzentschlossen wurde trotzdem der Deal gemacht und das BGE verladen, schließlich wollte ich nicht umsonst zu den „Preußen“ gefahren sein.
Am nächsten Tag wurde die Ware in ihrer ganzen Herrlichkeit erneut begutachtet. Dabei stellte sich schnell Ernüchterung ein, was hatte ich nur gekauft? Im aktuellen Zustand sollte es definitiv nicht auf den Balkon.
Nach einer schlaflosen Nacht entschied ich eine umfassende Sanierung vorzunehmen. Es wurde wirklich der komplette Kamado in seine einzelnen Bauteile zerlegt. Eine erste aufwendige Reinigung über mehrere Stunden folgte. Dabei bemerkte ich auch, dass die Base zwei kleine Risse aufwies, dass Thermometer seinen Dienst verweigert. Die Stimmung ging dadurch noch mehr in den Keller.
Am folgenden Abend wurde bei Youtube nach ähnlichen Unterfangen gesucht. In einem amerikanischen Blog wurde ich fündig. Die Entscheidung, dass BGE wird restauriert mit dem Ziel, Erhaltung und Aufarbeitung möglichst vieler Teile, Schrauben, etc.! Nur wirklich defekte oder zu stark korrodierte Teile werden ausgetauscht.
Die Keramikteile wurden ausgiebig gereinigt. Die Risse habe ich mit einem Dremel vorsichtig ca. 1-2mm innen angeflext und mit einem Schamottemörtel vom Ofensetzer verfüllt. Ich werde hier einen auf Bodengröße angefertigten Pizzastein zwischen Keramik und der Firebox verwenden. Damit hoffe ich, dass der Pizzastein die Bodenhitze etwas reflektiert und der Boden etwas geschont wird.
Das Nest wurde komplett sandgestrahlt, lackiert und mit einem selbst angefertigten Stabilisator zwischen zwei Rädern erneuert. Im Nest selber wurden beim Zusammenbau nur vier neue Schrauben verwendet.
Das Ei bekam einen neuen Dichtungssatz, der Reggulator auch gestrahlt und neu eingebrannt. Die untere Belüftung bekam einen originalen BGE-Mesh-Einsatz. Ein vorhandener Kohlerost wurde durch einen Bekannten auf Maß abgedreht und mit weiteren Belüftungslöchern versehen. Hier soll aber auch ggfs. ein bestehender Kohlekorb zum Einsatz kommen.
Einen Anfangs geplantes und im Handel erhältliches BGE-Large-Upgrade wurde nach bereits erfolgter Zahlung von knapp 360 Euronen wegen „unbestimmter Lieferbarkeit“, ja auch das gibt es, wieder verworfen. Der Händler erstattete die Taler ohne großes Murren.
Was aber nun mit den Spannringen und der Schließmechanik? Auch hier half mir ein Bekannter zu einem Tauschhandel. Eine Kiste Bier gegen Sandstrahlen und Pulverbeschichten aller relevanten Teile.
Der Galvaniker im Nachbarort bereitete alle Schrauben und Muttern der Scharniermechanik, sowie die Rollen des Nestes für einen Fünfer neu auf! Dabei war mir ebenfalls wichtig, so viel wie möglich der vorhandenen Teile zu erhalten.
Mein Neffe, gelernter Tischler, fertigte mir einen schönen Griff nach meinen Vorstellungen aus vorhandenem Merandi-Holz.
Kosten (gerundet) wie folgt:
33 Euro für Keramikkappe (war nicht vorhanden)
44 Euro Thermometer (Original Tel-Tru(!), das Alte war ebenfalls defekt)
5 Euro Galvaniseur
35 Euro Sandstrahlen und Lackieren des Nestes
35 Euro Filzdichtung
10 Euro für Originalschraubensatz von BGE der Schrauben an den Spannringen
8 Euro für Acryllackstift in RAL6005 zum eventuellen ausbessern der Keramikglasur
18 Euro Neuanschaffung Mesh-Einsatz am unteren Ventil
2 Euro für Edelstahlschrauben und Muttern am Scharnier zum Federeinhang
1 Kiste Bier für Sandstrahlen und Pulverbeschichten von Spannringen und Mechanik
4 Euro Edelstahlschüssel, DIY zum Auffangen der Asche passend geflext
viele graue Haare bei der Realisierung des Projektes
Wegen einiger anderer Projekte, Arbeit, Urlaub, Recherche zu vernünftigen Preisen und vor allem Lieferbarkeit der zu ersetzenden Originalteile, zog sich die Sanierung doch etwas in die Länge.
Wenn die Keramik doch weiter reißen sollte, derzeit ist sie wie beschrieben mit einem Schamottekleber behandelt, habe ich von einem Händler ein sehr gutes Angebot die Base zu erneuern. Davor würde ich aber auch hier noch versuchen ggfs. mit Glasfaser eine Reparatur durchzuführen.
Das Ei hatte ja bereits eine Geschichte erlebt, welche erhalten werden sollte. Der derzeitige Zustand macht mich sehr zufrieden und ich hoffe mit dem BGE noch viel Grillspaß zu haben.
Ich hoffe der Beitrag und die Bilder sind nicht zu anstrengend. Ich wünsche euch allen immer entsprechende Hitze unterm Grillgut!
Danke
Das Ei stand in einem „Storage-Center“, ich wusste bis dahin nicht einmal das es sowas gibt, für mich als Landei zu wirklich unverschämten Preisen! Der Verkäufer entpuppte sich als ein sehr netter und „weit gereister Holländer“, sein gastronomischer Lebensunterhalt in Berlin wurde durch Corona zur Aufgabe gebeutelt. Jetzt bricht er seine Zelte hier ab und zieht nach Thailand weiter um dort mit einem kleinen Hotel oder Restaurant neu anzufangen. Viel Glück dafür!
Der Kamado zeigte sich in einem ziemlich „müdem“ Zustand, Preisverhandlungen waren auch wegen der vielen Anfragen aus diesem Forum nicht möglich. Kurzentschlossen wurde trotzdem der Deal gemacht und das BGE verladen, schließlich wollte ich nicht umsonst zu den „Preußen“ gefahren sein.
Am nächsten Tag wurde die Ware in ihrer ganzen Herrlichkeit erneut begutachtet. Dabei stellte sich schnell Ernüchterung ein, was hatte ich nur gekauft? Im aktuellen Zustand sollte es definitiv nicht auf den Balkon.
Nach einer schlaflosen Nacht entschied ich eine umfassende Sanierung vorzunehmen. Es wurde wirklich der komplette Kamado in seine einzelnen Bauteile zerlegt. Eine erste aufwendige Reinigung über mehrere Stunden folgte. Dabei bemerkte ich auch, dass die Base zwei kleine Risse aufwies, dass Thermometer seinen Dienst verweigert. Die Stimmung ging dadurch noch mehr in den Keller.
Am folgenden Abend wurde bei Youtube nach ähnlichen Unterfangen gesucht. In einem amerikanischen Blog wurde ich fündig. Die Entscheidung, dass BGE wird restauriert mit dem Ziel, Erhaltung und Aufarbeitung möglichst vieler Teile, Schrauben, etc.! Nur wirklich defekte oder zu stark korrodierte Teile werden ausgetauscht.
Die Keramikteile wurden ausgiebig gereinigt. Die Risse habe ich mit einem Dremel vorsichtig ca. 1-2mm innen angeflext und mit einem Schamottemörtel vom Ofensetzer verfüllt. Ich werde hier einen auf Bodengröße angefertigten Pizzastein zwischen Keramik und der Firebox verwenden. Damit hoffe ich, dass der Pizzastein die Bodenhitze etwas reflektiert und der Boden etwas geschont wird.
Das Nest wurde komplett sandgestrahlt, lackiert und mit einem selbst angefertigten Stabilisator zwischen zwei Rädern erneuert. Im Nest selber wurden beim Zusammenbau nur vier neue Schrauben verwendet.
Das Ei bekam einen neuen Dichtungssatz, der Reggulator auch gestrahlt und neu eingebrannt. Die untere Belüftung bekam einen originalen BGE-Mesh-Einsatz. Ein vorhandener Kohlerost wurde durch einen Bekannten auf Maß abgedreht und mit weiteren Belüftungslöchern versehen. Hier soll aber auch ggfs. ein bestehender Kohlekorb zum Einsatz kommen.
Einen Anfangs geplantes und im Handel erhältliches BGE-Large-Upgrade wurde nach bereits erfolgter Zahlung von knapp 360 Euronen wegen „unbestimmter Lieferbarkeit“, ja auch das gibt es, wieder verworfen. Der Händler erstattete die Taler ohne großes Murren.
Was aber nun mit den Spannringen und der Schließmechanik? Auch hier half mir ein Bekannter zu einem Tauschhandel. Eine Kiste Bier gegen Sandstrahlen und Pulverbeschichten aller relevanten Teile.
Der Galvaniker im Nachbarort bereitete alle Schrauben und Muttern der Scharniermechanik, sowie die Rollen des Nestes für einen Fünfer neu auf! Dabei war mir ebenfalls wichtig, so viel wie möglich der vorhandenen Teile zu erhalten.
Mein Neffe, gelernter Tischler, fertigte mir einen schönen Griff nach meinen Vorstellungen aus vorhandenem Merandi-Holz.
Kosten (gerundet) wie folgt:
33 Euro für Keramikkappe (war nicht vorhanden)
44 Euro Thermometer (Original Tel-Tru(!), das Alte war ebenfalls defekt)
5 Euro Galvaniseur
35 Euro Sandstrahlen und Lackieren des Nestes
35 Euro Filzdichtung
10 Euro für Originalschraubensatz von BGE der Schrauben an den Spannringen
8 Euro für Acryllackstift in RAL6005 zum eventuellen ausbessern der Keramikglasur
18 Euro Neuanschaffung Mesh-Einsatz am unteren Ventil
2 Euro für Edelstahlschrauben und Muttern am Scharnier zum Federeinhang
1 Kiste Bier für Sandstrahlen und Pulverbeschichten von Spannringen und Mechanik
4 Euro Edelstahlschüssel, DIY zum Auffangen der Asche passend geflext
viele graue Haare bei der Realisierung des Projektes
Wegen einiger anderer Projekte, Arbeit, Urlaub, Recherche zu vernünftigen Preisen und vor allem Lieferbarkeit der zu ersetzenden Originalteile, zog sich die Sanierung doch etwas in die Länge.
Wenn die Keramik doch weiter reißen sollte, derzeit ist sie wie beschrieben mit einem Schamottekleber behandelt, habe ich von einem Händler ein sehr gutes Angebot die Base zu erneuern. Davor würde ich aber auch hier noch versuchen ggfs. mit Glasfaser eine Reparatur durchzuführen.
Das Ei hatte ja bereits eine Geschichte erlebt, welche erhalten werden sollte. Der derzeitige Zustand macht mich sehr zufrieden und ich hoffe mit dem BGE noch viel Grillspaß zu haben.
Ich hoffe der Beitrag und die Bilder sind nicht zu anstrengend. Ich wünsche euch allen immer entsprechende Hitze unterm Grillgut!
Danke