Sers,
also ich stand am Donnerstag um 7.40Uhr (Öffnungszeit) vor der Hofer-Tür. Während alle anderen sich auf die Fernseher stürzten, bin ich ab zu Fleischtheke. Der Bestand an Wagyu war nicht wirklich groß, 5-6 Stücke von jeder Sorte (Ribeye, Rump, Filet,..). Ich war eigentlich nur an Ribeye und Rump interessiert und habe mir die besten Stücke davon gesichert. Preis war 80€/kg, was ich als sehr fair empfand, vor allem im Vergleich zu den sonst üblichen Preisen. Das Fleisch war schön durchzogen (zumindest die Stücke, die in meinem Einkaufswagen lagen). Bezahlt habe ich dann irgendwas über 200€, wobei die Kassiererin in hellen Aufruhr geriet und nochmal die Rechnung kontrollierte "Das kann doch nicht sein, da muss irgendwo ein Fehler passiert sein, die paar Fleischstücke kosten doch nicht 200€!!".
Zuhause angekommen habe ich meine Beute erstmal in den Kühlschrank gelegt, um meinen Jungs später anschaulich erklären zu können, was gutes Fleisch ausmacht (und natürlich muss ein Mann die Beute auch seiner Frau zeigen und etwas Testosteron abbauen, aber das ist ein anderes Thema). Danach mussten die Proteinriegel erstmal in den Gefrierschrank, nur ein Rump-Steak hielt ich mir fürs Wochenende bereit. Eigentlich wollte ich noch warten, bis mein neuer Broil King Imperial XL ankommt (ich habe vier Söhne, die bei jeder Vergrillung ihr halbes Körpergewicht verdrücken - zumindest subjektiv), aber das hielt ich dann doch nicht aus und habe den Klumpen auf den Weber (Holzkohle) Grill geschmissen.
Ich habe noch niemals ein Wagyu -Steak bzw. noch nie ein so gut durchzogenes Fleisch verkostet. Ich kaufe normalerweise hochqualitatives dry-aged-beef aus Ö - was der Metzger eben so da hat. Wenn ichs Medium will, braucht das heimische Fleisch mit 4-5cm Dicke meist so 4 Minuten auf jeder Seite. Nach der ersten Wagyu-Vergrillung kann ich sagen, dass dieses Fleisch in vergleichbarer Dicke etwas weniger Zeit braucht. Ich hatte es nur 3 Minuten auf jeder Seite am Grill, dann bei 70° noch im Backofen, aber das war mir schon fast zu well, nur noch hellrosa (sogar mein Frau hats gekostet, die es am liebsten well done mag, in diesem Fall also ein Kontraindikator). Das Fleisch blieb ungewürzt, nur ein wenig Meersalz kam rauf, kein Gemüse, keine Beilagen, nur Fleisch (und Bier). Vom Geschmack her ein echter Wahnsinn, das beste Fleisch, das ich bisher essen durfte, butterweich, ziemlich mild (nicht so "primitiv" wie das hiesige Rind, schwer zu beschreiben) aber dennoch voller Finesse. Ich war jedenfalls begeistert. Fairerweise muss ich dazusagen, dass ich keinen Vergleich mit amerikanischem oder argentinischem Rind anstellen kann, aber das kommt sicher noch. Jetzt bin ich erstmal zufrieden, auch wenn allein dieses eine Stück Fleisch knappe 30€ gekostet hat. Ob es das wirklich wert ist? Ich weiß es nicht, auf alle Fälle war es mal was anderes, was besonderes - und das macht das Leben doch aus.
ciao,
kompi
P.S.:An alle Kollegen in Ö ohne leidenschaftlichen Metzger in der Nähe: Unimarkt (ja, der grindige Unimarkt) hat jetzt einen Online-Service (Lieferung am nächsten Tag innerhalb Österreichs). Das normale Sortiment kann man vergessen, aber beim Fleisch gibts ziemlich gutes dry-aged-Rind ("Cult beef"), sogar mit ausgefalleneren Schnitten wie etwa Brisket zum Smoken. Eine brauchbare (und bequeme) Alternative.