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Warum wird der Backboden schwimmend verlegt?

krass

Fleischesser
5+ Jahre im GSV
Ich hatte das für meine Planung eigentlich schon einfach so übernommen, weil das hier ja fast alle so machen (mit kleineren Abweichungen) - Porenbeton auf die Betonplatte, ersten 2 Lagen der Seitenwände dadrauf mauern und dann den Backboden auf Quarzsand und mit Dehungsfuge schwimmend einlegen. Aber was spricht eigentlich gegen - Porenbeton auf die Betonplatte, größeren Backboden aus Schamotte draufkleben (oder legen?) und dann auf den Backboden die Seitenwände drauf?

Klar, dass mit der Ausdehnung bei Wärme ist ein Faktor, aber die Decke sollte sich ja fast genau so stark ausdehnen wie der Boden, womit dann eigentlich weniger Spannungen entstehen sollten, als wenn sich nur die Decke ausdehnt während der Mauerfuss fest an seinem Platz bleibt, weil er auf dem "kalten" Porenbeton bzw. Beton steht.
 
Der Backboden dehnt sich in seinem Durchmesser und somit in seinem Umfang aus. Die Seitenwände dehnen sich nach oben und nach vorne aus. Wenn sie auf dem Backboden stehen, zieht der Boden die Wände zusätzlich in der Horizontalen auseinander
 
Die Seitenwände dehnen sich nach oben und nach vorne aus. Wenn sie auf dem Backboden stehen, zieht der Boden die Wände zusätzlich in der Horizontalen auseinander

Da sich die Rückwand oder auch die Vorderwand genau so ausdehnen wie der Boden (je nachdem wo das Feuer brennt), sollten doch auch bei entkoppeltem Boden die Wände genau so in der Horizontalen auseinander gedrückt werden.

Wenn man sich den HBO hingegen mal leicht vereinfacht als Würfel vorstellt, der an den Seiten fest verbunden ist, dann dehnt sich doch alles recht gleichmäßig aus und es dürfte wenige Spannungen geben.

Wenn man hingegen die Kuppel (also die Wände) fest auf den Porenbeton klebt, dann dehnt sich wieder die komplette Kuppel aus und drückt alles auseinander. Aber die Stelle, an der alles auf dem Porenbeton festgeklebt ist dehnt nicht mit, weil der Porenbeton eher kalt bleibt.


Für mich (als Laie) wäre es dann eigentlich sinnvoller auf den Porenbeton eine "Gleitschicht" zu legen in Form von Blech, Folie oder dünner Pappe und da den Schamotteboden draufzumauern. Dann baut man die Mauern auf den Schamotteboden. Je nach Material verbrennt/schmilzt die Gleitschicht später vielleicht, aber übrig bleibt, dass der komplette Brennraum lose auf dem Porenbeton steht und sich ausdehnen kann wie er will, solange er sich halbwegs gleichmäßig ausdehnt - Spannungen sollten dann fast keine entstehen.
 
Du gehst von falschen Voraussetzungen aus.
Die Seitenwände "stehen" auf dem Porenbeton.
Der Backboden "liegt" auf dem Porenbeton.
Wenn sich eine Seitenwand ausdehnt, dann in vertikaler Richtung (sie wird höher) und etwas in horizontaler Richtung (sie wird länger)
Hast Du zwei Seitenwände parallel zueinander, so werden die höher und breiter. Es wird sich aber niemals der Abstand zwischen den Beiden verringern, oder vergrößern.
Legst Du jetzt den Backboden zwischen die Beiden Seitenwände, dann dehnt der sich in seiner Fläche aus: Er wird tiefer und breiter.
Diese Bewegung wird dann seitlich durch die Dehnfuge aufgefangen.
Stehen die Seitenwände des Ofens aber AUF diesem Boden auf, dann müssen sie zusätzlich zu ihrer "normalen EIGENEN Ausdehnung" auch noch die Ausdehnung des Bodens in der horizontalen = in der Breite, kompensieren.
Genau DAS klappt nicht.
 
Gute Erklärung. Durch diese Ausdehnung entstehen dann sicherlich auch oft die oft Gesehenen Risse, weil die Spannung zu groß wird, oder? Interessantes Thema. Eigentlich bräuchte man dann einen flexkleber, der Spannungen besser aufnehmen kann?
 
Was mich in der Erklärung noch etwas stört ist die Decke. Die dehnt sich ja zumindest fast so aus wie der Boden. Beim Tunnel vermutlich noch mehr/ungünstiger als beim Gewölbe. Das würde die Wände ja genau so auseinander drücken wie der Boden.

Aber ich werde das erstmal nochmal mit realistischen Werten für die Ausdehnung selber durchrechnen, bevor ich mich zu weit aus dem Fenster lehne.
 
Die dehnt sich ja zumindest fast so aus wie der Boden. Beim Tunnel vermutlich noch mehr/ungünstiger als beim Gewölbe.
Sie wird genauso lang wie die Seitenwände (beim Tunnel), ansonsten nimmt der Bogen etwas auf. Bei der Kuppel ist die Ausdehnung noch viel unkritischer.
 
Sie wird genauso lang wie die Seitenwände (beim Tunnel),

Ja, aber dann dehen sich die Seitewände aus, die sind aber am Porenbeton festgeklebt und der Porenbeton dehnt sich nicht mit aus.
Andersrum gedacht würde das bei der Bauart, bei der die Seitenwände auf dem Backboden stehen auch für den Boden gelten - Decke, Wände und Boden dehen sich genau gleich aus und der ganze "Würfel" bläht sich sozusagen auf.
 
aber dann dehen sich die Seitewände aus
Wohin? Genau in die Höhe und in die Länge, von Breite hat nie einer was erzählt.

Es liegt wohl an der Wärmeverteilung im HBO. Beim anheizen wird warm: Die Wände, das "Dach" und der Boden. Nur untenrum bleibt es längere Zeit recht kühl. Wenn dann die Wärme unten angekommen ist, ist auch der Gasbeton warm und dehnt sich mit.
 
so, jetzt hau ich einen raus:
mein HBO ist genauso gebaut, wie er offensichtlich nicht gebaut werden darf:
Betonplatte - darauf mit Flexkleber die Isoplatten (ich kenn die Bezeichnung immer noch nicht) - darauf mit Schamottemörtel die Backbodenplatten
direkt auf die Bodenplatten mit Schamottemörtel die Kuppel gemauert.
Hält, hat innen keinerlei Risse oder Probleme.

PS: diese Art des Aufbaues wurde mir vom alten Hafnermeister angesagt / aufgezeichnet.
ich hab nur 2 Punkte, die zu verbessern wären: die Bodenisolierung dürfte doppelt so dick sein und die Tür hab ich blöderweise mitgemauert - die reißt mir die Portalwand etwas auf.
Beim ersten Punkt wollte ich sparen (ich Trottel), bei der Tür hab ich einfach nicht verstanden, was der Hafner gemeint hat und falsch eingebaut.
 
Wir reden bei den Ausdehnungen im Stein von Ausdehnungen im zehntel-Millimeter- Bereich.

..... die Decke. Die dehnt sich ja zumindest fast so aus wie der Boden. Beim Tunnel vermutlich noch mehr/ungünstiger als beim Gewölbe. Das würde die Wände ja genau so auseinander drücken wie der Boden.

Darum baut man die Decke auch nicht dünner / dicker, als die Seitenwände. Beim Tunnel wird gerne der Fehler gemacht, dass die Steine (um Material zu sparen) gedreht werden, wodurch die Rückwand dünner wird >>> kann nicht so viel Wärme aufnehmen >>> dehnt sich stärker aus

Die Ursprünglichen Risse entstehen m.E. auch nicht unbedingt durch die Ausdehnung der Steine, sondern durch zu frühes, falsches Anheizen mit zu viel Feuchtigkeit in den Steinen: die kriegen einen Knacks und fortan hat man an diesen Stellen dann die Risse.
 
Puh, ich werd wohl doch mal in einem Physik-Forum nachfragen müssen. Ich bin der Einfachheit halber erstmal von einer möglichst gleichmäßigen Erhitzung der Steine ausgegangen Wenn man dann noch mit betrachten will, dass sich dünnere Bauteile früher anfangen sich auszudehnen und die Wände sich im oberen Bereich schneller aufheizen, dann wird es richtig kompliziert.

Ich werd aber an dem Thema noch dranbleiben und gucken ob der schwimmende Boden tatsächlich mehr Vorteile hat als andere Bauweisen.
 
Puh, ich werd wohl doch mal in einem Physik-Forum nachfragen müssen. Ich bin der Einfachheit halber erstmal von einer möglichst gleichmäßigen Erhitzung der Steine ausgegangen Wenn man dann noch mit betrachten will, dass sich dünnere Bauteile früher anfangen sich auszudehnen und die Wände sich im oberen Bereich schneller aufheizen, dann wird es richtig kompliziert.

Ich werd aber an dem Thema noch dranbleiben und gucken ob der schwimmende Boden tatsächlich mehr Vorteile hat als andere Bauweisen.

Mir stellt sich die Frage: Wozu?
ob der schwimmende Boden tatsächlich mehr Vorteile hat als andere Bauweisen.

Sag das doch gleich:
Beim schwimmenden Boden kannst Du auch mal einen Stein austauschen, wenn er kaputt geht, oder vielleicht auch (warum auch immer) versifft ist und du ihn nicht mehr unter Deiner Pizza haben möchtest.
Man kann da sogar den ganzen Boden austauschen!
Frag mal @Grill-Wüsi, ob er das bei seinem Ofen machen möchte..... :pfeif: (Ich sagte bewusst: den GANZEN Boden! :D)
 
Mir stellt sich die Frage: Wozu?

Ganz einfach um die Vor- und Nachteile abzuwägen. Es gibt ja andere Bauherren, die anscheinend den fest eingebauten Boden bevorzugen.

schwimmender Boden:
Vorteile:
- leicht reparierbar
Nachteile:
- kann sich leichter verschieben/absinken
- offene Fugen

fester Boden:
Vorteile:
- massiv/unverrückbar
- saubere Fugen
Nachteile:
- schwer reparierbar


Das sind jetzt für mich(!) bei den jeweiligen Vor- und Nachteieln keine so großen Unterschiede, dass ich tatsächlich eine der Varianten besser oder schlechter finde. Bleibt also als KO-Kriterium aus meiner Sicht das unterschiedliche Verhalten bei Ausdehnung durch Wärme, die ich hier noch nicht in die Bewertung mit aufgenommen habe. Wenn sich da der eine oder andere als "besser" rausstellt würde ich dann der Varianten den Vorzug geben.
 
Ein Boden, der keinen festen Kontakt zum restlichen Ofen hat, somit auch (egal durch was auch immer) nicht in der Lage ist, dem restliche Ofen Schaden zuzufügen, weil er schwimmend verlegt und sogar austauschbar ist,
oder ein Boden, der fest verklebt, dadurch nicht reparabel und auch durch seine Ausdehnung auch noch in der Lage ist, dem Gemaäuer Schaden zuzufügen.....
Für mich wäre die Entscheidung alleine wegen der Austauschbarkeit des Bodens (Verschleißteil?) gefallen.
Da bräuchte ich nicht weiters überlegen.
Ich kauf mir auch kein Auto, wo man nicht die Verschleißteile austauschen kann.....
 
....
Nachteile:
- kann sich leichter verschieben/absinken
- offene Fugen...

Quatsch!
Ein schwimmend verlegter Backboden kann sich weniger absenken, wie sich ein verklebter Boden anheben kann. (Ausdehnung des Mörtels unter den Steinen)
Voraussetzung: Man arbeitet korrekt. Aber das gilt beim verklebten Boden erst Recht!
Offene Fugen gibt es beim schwimmenden Boden genau so wenige / viele, wie beim verklebten Boden.
Da es keinen "Fugenmörtel" wie bei Fliesen gibt, wird auch ein verklebter Boden nicht ausgefugt.
 
Hey, geht doch garnicht dadrum hier den einen oder anderen Aufbau schlecht zu machen. Ich will nur ganz objektiv Pro und Contra zusammentragen um dann für mein Projekt zu entscheiden.
 
........ Bleibt also als KO-Kriterium aus meiner Sicht das unterschiedliche Verhalten bei Ausdehnung durch Wärme, ......


Das sich beim schwimmend verlegten Boden einzig und alleine auf den Boden auswirkt und auf sonst nichts.
 
Man kann da sogar den ganzen Boden austauschen!
Frag mal @Grill-Wüsi, ob er das bei seinem Ofen machen möchte.....
Antwort: nein.
weil mal der Vergleich mit einem Auto kam: wenn mir da die Bodengruppe durchrostet, richt ich die Karre auch nicht mehr, sondern kauf mir ein neues.

Bei den schwimmend verlegten Böden ist es eigentlich nur eine Glaubensfrage, jeder hat seine eigene Meinung dazu.
Ich hab mich an die Anleitung eines Profis gehalten, da ich damals gar keinen Plan hatte, wie sowas zu machen ist.
Bis auf den Scheiß mit der Tür gibt es auch keinerlei Probleme (und der HBO wird regelmäßig von mir und von anderen gequält).
 
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