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Einfacher Mini-Tandoor

driest

Vegetarier
5+ Jahre im GSV
Hallo zusammen,

ich habe nun laenger nichts gepostet, war beim Grillen einfach zu Faul Bilder zu machen und es gibt eh gefuehlt schon min. 10000 "Erstes Pulled Pork" Threads etc. Nun habe ich aber ein kleines Projekt in Angriff genommen was ich in Deutschland noch nirgends dokumentiert gesehen habe, daher mache ich mir mal die Muehe eine Bau-Dokumentation zu erstellen falls jemand Lust hat das nachzubauen.

TLDR; Ich habe mir einen low-cost mini Tandoor gebaut (50cm hoch, 45 durchmesser). Kosten gesamt ca. 57 Euro. Der Tandoor laesst sich ohne Probleme von 1 Person tragen und reicht um 4-6 Spiesse gleichzeitig zu grillen. Der Bau dauerte ca. 2h und ist auch von handwerklich unbegabten machbar.

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Einleitung:

Ich wollte schon seit Jahren mal einen Tandoor bauen. Leider wohne ich zur Miete und es war von vorne herein klar das ich nicht ewig hier bleibe, deshalb scheidet mauern aus, es muss etwas transportables sein. Die Oel/Bier-Fass/Muelleimer Methode scheidet auch aus da ich nicht schweissen kann und das ganze immernoch zu gross und schwer wird. Ausserdem habe ich weder ein Schweissgeraet noch Erfahrung im Metall Trennen.

Letzte Woche bin ich dann auf ein Video gestossen wo jemand einen Tandoor aus mehreren Teracotta Bluementoepfen gebaut hat. Das fand ich genial und habe etwas recherchiert. Ein Englaender hat das schonmal in klein und etwas groesser gemacht. Eine geniale Idee wie ich finde, weil man weder Schweissen noch Metall trennen muss, und das Resultat sehr gut aussieht. Sofort war klar, das brauche ich auch :D. Am Wochenende bin ich sofort durch den Baumarkt gestromert und habe diverse Teracotta Toepfe sowie einen Sack Perlit gekauft um loszulegen.

Gekauft habe ich:
  • 50l Sack Perlit (15 EUR)
  • 45cm Teracotta Topf (17 EUR)
  • 40cm Teracotta Topf (12 EUR)
  • 31cm Teracotta Topf (6 EUR)
  • 26cm Teracotta Topf (4 EUR)
  • 18cm Teracotta Topf (1 EUR)
  • 16cm Teracotta Topf (0.60 EUR)
  • Ikea Ordning Besteckhalter (1.79 EUR)
  • Summe: ca. 57 EUR
Bauanleitung:
Der Bau ist eigentlich total trivial, es muss nichts gemauert oder betoniert werden. Im Prinzip besteht der Ofen aus 4 Teracotta Toepfen und Isoliermaterial. Der Grosse Topf dient als Container fuer die Isolierung und wird ganz normal aufgestellt. Die beiden kleinen sind etwa gleich gross und werden mit den Oeffnungen aufeinander in den grossen gestellt. der 2. groesste bildet die Huelle fuer den oberen. Der Boden der beiden oberende Toepfe wird abgetrennt und dient als Deckel. Die Toepfe werden einfach ineinandergesteckt und das Isoliermaterial fuellt den Hohlraum. Die Toepfe halten durch die Gravitation und den Druck des Isoliermaterials bombenfest zusammen.

Die einzige Schwierigkeit wie sich herausstellte ist das Absaegen des Bodens des oberen Topfes. Teracotta ist ein unheimlich hartes Material. Es wird bei ca. 1000 Grad aus Lehm gebrannt und ist zwar sproede aber schwer zu saegen (aehnlich wie Fliesen oder Granitplatten). Ich habe es zuerst mit einer Metallsaege probiert, damit haette das aber min. 10h gedauert da der Materialabtrag minimal ist. Ich habe ueberlegt mir einen Dremel zuzulegen, damit haette das aber auch gedauert und vor allem extrem viele Trennscheiben verbraucht. Im Endeffekt habe ich mir dann einen Winkelschleifer gekauft, sowas sollte sowieso in jedem Haushalt vorhanden sein, vor allem wenn man so viel bastelt wie ich :). Billige gibts schon ab 30 Euro, evtl. kann man sich auch von einem Kumpel einen leihen. Mit dem Winkelschleifer war der Topfboden in 10 Minuten sauber abgetrennt.

Zuerst habe ich mit einem Filzmarker regelmaessig Punkte in 2cm Abstand zum Boden markiert damit ich einen gleichmaessigen Ring markieren kann:

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Den Ring habe ich dann mit Kreppband abgeklebt, so ist es am einfachsten zu sehen wo man Trennen muss um es gleichmaessig zu machen:

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Den so markierten Topf habe ich erhoeht aufgestellt und dann mit einer Diamantscheibe den Boden abgetrennt:
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Nachdem der Boden des oberen Topfes abgetrennt ist habe ich noch die oberen Raender von 2 kleinen (18 und 16cm) Toepfen abgetrennt um den unteren inneren Topf etwas erhoeht in den grossen Topf stellen zu koennen. Als Kohlekorb dient ein Ikea Ordnning Besteckhalter aus Edelstahl. Da der zu klein fuer den unteren Topf ist habe ich von dem 16cm Topf noch eine Scheibe abgetrennt um ihn etwas erhoeht aufzustellen. So liegen alle Bodenloecher des Kohlekorbs erhoeht und ziehen genug Luft.

Hier mal ein Ueberblick ueber die einzelnen Komponenten:
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Nun werden die einzelnen Komponenten einfach aufeinandergestellt/steckt. Zuerst die beiden Ringe in den 45cm Topf legen damit der untere innentopf etwas vom Boden entfernt ist ohne das Isoliermaterial in den Zwischenraum laeuft. Damit ist die Glut weiter vom Boden entfernt und der Tandoor erwaermt sich unten nicht so stark:
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Jetzt wird der innere untere Topf auf sein Podest gestellt. Ich habe unten einen etwas kleineren als oben genommen damit ich das ganze ineinander stecken kann. Da hier sowieso kein Grillgut hineinkommt ist es fuer den Durchzug sogar besser wenn der Durchmesser kleiner ist:
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Wie man sieht passt der Topf wunderbar auf die beiden Ringe und steht jetzt schon stabil:
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Jetzt wird das Isoliermaterial eingefuellt. Das sorgt nacher dafuer das die Waende des Ofens extrem heiss werden und kaum Energie durch Abstrahlung verloren geht. Ich habe Perlit genommen. Oft wird auch Vermikulit empfohlen, das hab ich aber in keinem Baumarkt gefunden. Perlit fand ich auch nur unter dem Namen "Trockenschuettung". Knauf bestaetigt aber das es sich um Perlit handelt. Wichtig beim Isoliermaterial sind 3 Dinge:
  • Niedrige Waermeleitfaehigkeit
  • Hohe Feuerfestigkeit
  • Stabilitaet, damit es sich nicht zusammendrueckt
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Darauf wird jetzt der obere Topf mit leicht groesserem Durchmesser gestellt:
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Dann wird das ganze bis zum Rand mit Isoliermaterial aufgefuellt:
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Jetzt wird die Scheibe die wir vom 16cm Topf abgetrennt haben eingelegt damit der Kohlekorb etwas erhoeht steht:
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Der Kohlekorb kann jetzt einfach unten hineingesteckt werden. Alternativ koennte man auch 3-4 gleich grosse Steinwuerfel unten einlegen damit der Korb erhoeht steht. Hatte ich aber leider nicht da. So sieht der Innenraum letzendlich aus:
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Der Kohlekorb ist einfach herausnehmbar, was das Putzen und Nachlegen von Kohle erleichtert. Feine Asche die durch den Korb faellt kann einfach durch das Luftloch herausgekehrt werden. Wie man sieht haben beide inneren Toepfe etwas Platz sich zu bewegen, ich hoffe das hilft Risse zu vermeiden, da der Obere Topf nicht so gut isoliert ist wie der untere und sich somit bei Erhitzung anders verformt. Den abgetrennten Boden des oberen Topfes kann man als Deckel verwenden. Der Tandoor ist jetzt fertig (das war einfach, oder?). Ich habe ihn auf 3 Teracotta Fuesse gestellt, man kann aber genausogut Pflastersteine oder aehnliches verwenden solange das Luftloch unten frei liegt. Ich finde er macht sich sehr schoen neben meinen anderen Blumentoepfen ;)
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Wenn man ihn ordentlich abdeckt sollte er auch wetterfest sein. Er ist zwar etwas schwerer als mein normaler Grill, aber von einer Person immernoch ohne Probleme transportierbar.

Zum Anheizen einfach einen Anzuendwuerfel unten hineinwerfen:
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Dann den Kohlekorb mit Kohle fuellen und oben drauf stellen. Etwa 10 Minuten lang rauchts etwas (billige Kohle anscheinend):
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Nach 10 Minuten ist der Rauch verschwunden und er laeuft friedlich vor sich hin:
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Update: Der Tandoor wurde fuer meinen Geschmack noch nicht heiss genug, ich habe ein Paar Verbesserungen durchgefuehrte siehe folgende Posts. Die Teileliste und Zusammenfassung am Anfang dieses Posts passe ich aber an.

Evaluation:

Ich habe den Tandoor erstmal sehr vorsichtig eingeheizt da ich verhindern moechte das irgend etwas wegen starker thermischer Verformung zerspringt. Dazu habe ich wie auf dem letzen Bild ersichtlich nur ca. 20% des Kohlekorbs befuellt um evtl. vorhandene Feuchtigkeit langsam auszutreiben. ca. 10 Minuten nach dem Anfeuern hat der Ofen an der oberen Wand ca. 160 Grad erreicht:
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In den ersten 1.5h habe ich 2x eine Handvoll Kohle nachgefuellt. Die Temperatur hat sich auf ca. 230 (unten) bis 200 (oben) Grad Celsius eingependelt. Jetzt wurde der Korb komplett gefuellt um die Temperatur langsam weiter zu steigern. Nach insgesamt 2h war die Innentemperatur unten bei ca. 370 Grad Celsius, oben bei 230 Grad. Die Aussentemperatur des oberen Topfes lag bei ca. 200 Grad. Der aeussere, grosse Topf ist nach diesen 2 Stunden heizens immernoch sehr Kuehl. Ganz unten am Boden hat er 40 Grad, in der Mitte (wo die isolierung am duennsten ist 50 grad und oben am Rand nur 30 Grad. Der Boden unter dem Topf hat sich von 20 Grad (Umgebungstemperatur) auf ca. 30 Grad direkt unter dem Luftloch aufgeheizt.

Der Tandoor ist also jederzeit ueberall (ausser am oberen inneren Topf) mit den Haenden anfassbar. Man kann ihn sogar nach 2h Betrieb noch einfach in die Hand nehmen und woanders hintragen (falls es zB. ploetzlich anfaengt zu regnen).

Ich werde nun mal einen Hochtemperatur Test machen und spaeter nochmal berichten wie heiss ich ihn maximal geregelt bekomme. Ich vermute aber dass das Luftloch unten zu klein ist und verhindert das ich ihn ueber 400 Grad kriege. Ich werde mir noch einen langen Fliesenbohrer besorgen und weitere Luftloecher enbringen muessen. Auch ist die fehlende Isolierung oben ein Problem. Der untere Topf wird min 130 Grad waermer als der obere, nur teilweise isolierte Topf. Evtl. Besorg ich mir noch einen 34cm Topf und baue daraus eine Isolierung fuer oben.
 
So, die Hoechsttemperatur oben war 250 Grad, im unteren Topf hatte es 380 (EDIT: Das muss wohl ein Messfehler gewesen sein, vermutlich waren es eher 330, mehr hab ich auch mit Isolierung oben noch nicht gemessen). Das hat mir nicht gerreicht, also bin ich nochmal schnell zum Baumarkt und habe fuer 12 EUR noch einen 40cm Teracotta Topf gekauft. Davon habe ich die obersten 15cm abgeflext und das ganze oben drauf gesetzt. Den Zwischenraum habe ich mit Perlit gefuellt:

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Ich heiz jetzt nochmal kraeftig ein und bin gespannt worauf ich temperaturmaessig jetzt komme. Ich vermute aber das hauptsaechlich die Luftmenge der begrenzende Faktor ist. Ein Kohlekorb haelt momentan etwas ueber 2h, und da ist ja kaum was drin. Ich hab mir noch einen Fliesenbohrer besorgt und werde morgen wenn der Tandoor ausgekuehlt ist in die beiden unteren Toepfe noch ein Paar Luftloecher bohren. Wie praktisch das hier nix geklebt oder betoniert ist, das Ding zu demontieren dauert hoechstens 15 minuten :).
 
Ich komme jetzt oben auf 295 Grad, unten auf 330. Das ganze ist jetzt wesentlich gleichmaessiger. Die Kohle brennt immernoch extrem langsam. Ich habe vor einer Stunde einen vollen Kohlekorb reingestellt, der ist erst zur Haelfte abgebrannt. Ich werde morgen bei Tageslicht mal alles auseinandernehmen, in den Boden der beiden unteren Toepfe noch ein Paar Loecher bohren und dann alles wieder zusammensetzen. Mal sehen wie heiss das dann wird.
 
Dann bin ich mal auf die ersten Einsatzbilder gespannt.
Die Idee ist cool :thumb2:
 
Testgrillen werde ich ihn wohl Donnerstag oder Freitag. Ich habe fahrlaessigerweise zugesagt morgen Steaks zu grillen und dafuer ist der Tandoor doch nicht ganz optimal :)
 
Hey das ist mal echt interessant. Ein eigener und beweglicher Tandoor.

Bin auf Deine Änderungen gespannt.

Gruß
Carsten
 
Super Idee!!
Weiter so, ich bin gespannt, wie sich der Tandoor beim Grillen verhält. :-)
 
Okay, ich konnte nicht wiederstehen und hab kurz angegrillt :). Es musste was schnelles sein also wurden es Koefte aus Rinderhack mit Ingwer, Knoblauch. Petersilie, Kreuzkuemmel, Chili und Koriander:
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Ist echt erstaunlich wie gleichmaessig die Hitze ist. Ich hab eine Kartoffel als Hitzeschild unten drauf gespiesst. Obwohl der Tandoor deutlich ueber 300 Grad hatte und die Spiesse sehr nah an den Kohlen standen ist nichts angebrannt. Leider ist die Sonne weg und ich hab hier kein Licht, daher die schlechte Qualitaet:
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Schoen gleichmaessig gebraeunt sind die Spiesse nach 10 Minuten fertig. Das naechste Mal muss aber fettigeres Fleisch her. Im Supermarkt gabs nur noch so fettarmes Rindertartar, das war dann doch etwas zu trocken fuer meinen Geschmack :D. Aber wunderschoene Kruste die sich da gebildet hat:
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Am Wochenende werd ich das ganze dann mal stilecht mit Haehnchenteilen einweihen.
 
Achja, mit vollem Kohlekorb und Quebrachoholzkohle komme ich jetzt nach 1h Vorheizen auf 320 Grad oben und 330 unten. Schoen gleichmaessig und auch ordentlich heiss. Theoretisch sollte da aber schon noch mehr gehen, ich werde morgen mal noch ein Paar Luftloecher bohren und noch einen Test machen. Ich hoffte eigentlich auf 450 Grad zu kommen.
 
sehr gute idee
 
Was es nicht alles gibt... Gute idee!
 
Kartoffeln als Hitzeschild... einfach herrlich.. :-) bitte poste doch nochmal mit mehr Licht Bilder von Deinem Tandoor im Einsatz. Gruß Holger
 
Hallo,

Super Ding, ich hoffe für Dich, dass es nicht springt.

Ich hatte auch einen Blumentopfgriller, den hat es aber zerrissen, weil er feucht geworden ist.

Ich würde vorschlagen die Perlite mit einer Steingutplatte mit Loch in der Mitte abzudecken, ev. den Pot außen versiegeln. Innen kannst eine Öl-Spinatmischung an die Wand Pappen, dann kannst auch Naan-Brot backen.

Such mal hier, es gab das schon gasbeheitzt und es gab einen UDN - ugly drum naan.
 
Mehr Bilder gibts am Wochenende, da werd ich mal ein paar Huehnerspiesse ausprobieren :). Ich hoffe auch das er nicht springt. Ich stelle ihn bei Nichtbenutzung unters Dach und Stülpe eine Plastiktüte drüber. Da sollte nix feucht werden.
 
So, ich hab es endlich geschafft den Tandoor standesgemaess einzuweihen. Leider mal wieder nach Sonnenuntergang (warum ist der Mist auch einfach so frueh?). Deshalb gibts mal wieder nur wenige und verrauschte Bilder. Aber zumindest kann ich jetzt was ueber die Praxistauglichkeit sagen.

Zuerst bin ich gestern hergegangen und habe nochmal alles auseinandergenommen. Das ging total simpel, einfach den Tandoor in eine grosse Plastiktuete gestellt und dann alle Teile in umgekehrter Reihenfolge der Montage wieder auseinandergenommen. Ist ja alles nur gesteckt. Das Perlit faellt in die Tuete und gut ist. Ich habe dann jeweils 3 18mm Loecher mit einem Diamantbohrer in die unteren Toepfe gebohrt um die Luftzufuhr zu verbessern. Anschliessend wieder alles zusammengesteckt und das Perlit wieder eingefuellt. Hat keine 30 Minuten gedauert.

2 Dinge sind mir aufgefallen:
  1. Der innere untere Topf hat einen grossen Riss. Obwohl ich den Tandoor eigentlich immer abgedeckt unter Dach gelagert habe und er somit nicht feucht werden konnte hat der Topf in dem das feuer Brennt einen langen Riss von oben bis ca. zur Haelfte der Hoehe entwickelt. Ist aber mMn unkritisch, da das Perlit durch sein Gewicht alles zusammendrueckt und deshalb auch bei durchgehenden Rissen die Stabilitaet nicht gefaerdet ist. Sollte der Topf irgendwann zu zerrissen sein kann man ihn auch in 30 min fuer 5 Euro durch einen neuen tauschen.
  2. Die Luftzufuhr war wohl nicht das Problem. Trotz neuer Luftloecher komme ich nicht ueber 330 Grad oben. Heute wollte er sogar nicht ueber 310. Ich habe eine andere Vermutung: Der Kohlekorb ist zu klein. Die ganze Glut konzentriert sich auf den winzigen Kohlekorb und wird durch die oberste Schicht Kohle abgeschirmt. Die Strahlungshitze des Grossteils der Glut kommt also gar nicht bis nach oben an. Ich werde mir also einen Kohlerost basteln muessen um die gesamte Flaeche des unteren Topfes nutzen zu koennen, wenn ich deutlich ueber 300 Grad kommen will.
Vllt. sieht man auf diesem Bild was ich meine:
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Wenn man Kohlen nachlegt kuehlt der obere Topf sogar geringfuegig (auf 250 Grad) ab. Vermutlich weil die kalten Kohlen oben die Strahlungshitze abschirmen.

Naja, aber nun zum wesentlichen. Ich habe heute fuer 4 Leute Chicken Tikka gemacht. Dabei habe ich mich grob an ein Rezept von Tandoorliving gehalten. Einzig die Sahne in der Sauce habe ich durch Kokosmilch ersetzt und Koriandergruen war leider keins aufzutreiben. Ich hatte 1Kg Haehnchenbrust, verteilt auf 6 25cm lange Edelstahlspiesse. Unten wieder jeweils eine halbe Kartoffel um die Direkte Hitze der Kohlen etwas von den untersten Haehnchenteilen fernzuhalten. Der Tandoor war ziemlich voll. Eigentlich waren 5 solcher Spiesse das Maximum, einen 6. habe ich einfach andersrum noch dazwischen gequetscht, das Ende musste ich dann durch das Luftloch im Deckel faedeln:

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Das Huhn wurde vorher 3 Stunden in einer Joghurt-Knoblauch-Ingwer Sauce mariniert. Nach 10 Minuten im Tandoor habe ich kurz nachgesehen und die Spiesse gedreht damit nichts anbrennt. Nach insgesamt 18 Minuten sahen sie dann fertig aus also habe ich sie herausgeholt:
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Bis auf ein Paar schwarze Ecken war nichts angebrannt und die Spiesse hatten eine schoen gleichmaessige Kruste.Die Haehnchenteile wurden dann zusammen mit Reis und einer Tomaten-Ingwer-Kokos Sauce auf Reis serviert:
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Das Fleisch war unglaublich zart und saftig. So hatte ich es tatsaechlich bisher nur in indischen Restaurants aus einem Tandoor. Ich habe schon oefters Haehnchenspiesse im Grill zubereitet, aber so saftig und zart sind sie mir da noch nie gelungen. Das Basteln hat sich also gelohnt.

Zu den Einsatzmoeglichkeiten des Tandoors zusammenfassend:
  • Eine Fleischmenge von 800g ist die optimale Beladung ohne das es fummelig wird. 1Kg gehen schon auch rein, dann wirds aber eng.
  • Damit ist der Tandoor bis 4 Personen gut geeignet. Bei mehr hungrigen Maeulern muesste man in Schichten essen. Das geht bei einer Grillzeit von knapp 20 Minuten schon auch, aber optimal ist es nicht.
  • Der Kohlekorb ist nicht optimal geeignet um ueber 300 Grad zu kommen. Evtl. geht das mit ienem Kohlerost besser, ich halte euch auf dem Laufenden.
  • Fuer Naan ist die Wandflaeche etwas klein. Ausserdem muss man den Topf dann vorher mit dieser komischen Spinat-Zucker Paste einbrennen, das ist halt auch nicht gerade unstressig zu reinigen dann. Vllt. probier ichs irgendwann mal aus Neugierde, aber der haupteinsatzzweck sind Spiesse.
 
Hallo driest,

ich habe auch schon einen Tandoor Ofen gebaut (siehe mein Thread). Für das Naan Brot brauchst Du keine Spinat-Zucker Paste auf der Innenwand einbrennen. Die brennt eh irgendwann weg und verfällt zu Kohlenstaub. Die Inder nehmen einfach einen grossen Lappen und tränken ihn in Salzwasser. Dieser Lappen wird dann an die Innenwand gewedelt, sodass sich das Wasser mit dem Salz an der Innenwand absetzt. Letztendlich bleibt das Salz übrig. Hat den Vorteil, dass das Naan Brot, wenn man es innen an die Wand "pappt" schnell angezogen wird und nicht so schnell herunterfällt.

Viel Spaß beim Grillen!! Mir macht es jede Mal aufs Neue Spaß!

Gruß,

ekcite
 
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