Beim Saatgut scheiden sich die Geister, wenn es sich nicht grade um eine Naturwiesenmischung handelt.
Zum Ausbessern einiger Stellen kann man die teuren Wundersamen ja nehmen, aber wenn der Boden nicht entsprechend vorbehandelt ist, dann nützt auch der beste Samen nichts - Unkraut muß auch da bekämpft werden.
Es soll schnellstmöglich ein dichter Rasen entstehen, damit sich keine Fremdkräuter ausbilden können. Je nach Nutzungsart und Lage der Rasenfläche sollte dann die Rasensorte gewählt werden.
Als Vorbereitung sollte der Boden längs und quer vertikutiert werden und der Altrasen auf 2-3cm geschnitten werden.
Dann sollte der PH-Wert ermittelt werden: Rasen mag es zwischen 5,5-7
Liegt der Wert darunter, dann sollte vorab mit Gartenkalk der PH-Wert angehoben werden (nicht übertreiben!). Extra Rasenkalk ist auch nicht besser als Gartenkalk - nur teurer.
Eisendünger zum Verbrennen der Moose ist hier besser, aber man muss sich bewußt sein, dass Menschen und Tiere das Eisen auf die Terrasse und Gehwege transportieren. Somit hat man dann Rostflecken auf den Steinen, die nicht weg zu bekommen sind. Daher lieber Rasendünger mit entsprechender Ausrichtung verwenden.
Nach dem Vertikutieren und eventuellem Kalken muss die obere Bodenschicht (Krume) aufgebrochen werden mit einem Vertikutierrechen oder einer Harke. Reste vom Vertikutieren werden dann gleich entsorgt.
Jetzt sollte der Startdünger ausgebracht werden, dann erfolgt das Aussäen des Rasensamens und sollte leicht eingeharkt werden.
Wer jetzt mit einer Walze oder Trittbretter den Rasensamen andrückt, muß mit 1-2 Wochen verzögertem Wachstum rechnen!
Mann nimmt lieber Torf als Abdeckung mit 2-3mm Deckschicht. Der Boden wird dadurch nicht sauer bei der dünnen Schicht.
Zudem speichert der Torf Feuchtigkeit und man sieht, wann gegossen werden muß.
Die neue angelegte Rasenfläche sollte 3 Wochen nicht betreten werden bzw. erst bei Rasenhöhe ab 4cm. Dann kann man das Unkraut auch zupfen.
Wenn der Rasen ca. 7-10 Wuchshöhe erreicht hat erfolgt der erste Schnitt, wobei nur oben 1-2cm geschnitten werden!
Die nachfolgenden Rasenschnitte sollten eine Wuchshöhe von 4-5cm erhalten und regelmäßig erfolgen.
Kürzer ist nicht besser - Englischer Rasen ist ein Ziergarten und erfordert enorme Arbeit und Zeit, die wir doch lieber in die Erholung und das Grillen stecken wollen ...
Das Mähgut sollte auch gesammelt werden - Mulchen mit Rasenschnitt ersetzt das Düngen nicht, sondern läßt den Rasen verfilzen.
Der Rasenmäher sollte auch in einem gepflegten Zustand sein, stumpfe oder schartige Messer zerstören die ganze Arbeit. Wenn man den Mähraum des Mähers nach vorheriger gründlicher Reinigung leicht mit einem in Pflanzenöl getränktem Tuch auswischt, bleiben keine feuchten Grashalme kleben.
Der Rasen sollte in den ersten 4 Wochen regelmäßig gewässert werden. Dazu mehrmals täglich 10min mit feiner Düse ohne Pfützenbildung wässern. Das kann man auch zur Mittagszeit, weil die Grashalme senkrecht stehen und das Wasser abfließt und nicht verbrennen können.
Ich benutze einen Feuchtigkeitssensor am Beregnungsautomaten.
Nach 6 Wochen sollte dann ein Langzeitdünger ausgebracht werden. Bei nachlassendem Wachstum oder Gelbverfärbung muß auch nachgedüngt werden.
Im Herbst kann man dann mit einem Kaliumdünger den Rasen über den Winter bringen (Ich habe da aber keinen Unterschied feststellen können im darauf folgenden Jahr).
Im darauf folgenden Jahr bringe ich etwas Quarzsand auf die Rasenflächen aus, der schärft den Rasen zu einem dichteren Wuchs an und verbessert mit Hilfe der Regenwürmer auch die Dränage.
Vertikutieren wird bei mir nur noch bei Nachsaaten und Neuanlagen von Rasen gemacht - wenn man Moos im Rasen hat, dann fehlt schlichtweg Stickstoff als Dünger.
Vertikutieren im Frühjahr ist wie das Einschalten der Lichter auf einer Landebahn: Unkrautsamen bitte landen!
Der Rasen wird gequält und kann sich nicht so schnell erholen und die kahlen Stellen werden anderweitig besiedelt.
Nachfolgend habe ich einmal eine komplette Neuanlage bei mir als Bilderfolge angefügt. Es wurde 40cm tief umgegraben und alles gesiebt. Dann eingeebnet und nivelliert bis zu 50cm. Danach oben beschriebene Bodenvorbereitung. Dauer der Aktion ca. 3 Wochen. Die Arbeit hat sich gelohnt, man kann jetzt ohne Beinbruch Badminton drauf spielen und der Rasen hält einiges aus. Verwendet wurde einfacher Spiel- und Sportrasensamen. Meine Mischung ist ziemlich gut bei der Gräserzusammensetzung.
Die rote Rasenschälmaschine kann man sich sparen bei unebnen Böden - da gehen nur 3cm von weg. War mehr Arbeit als Nutzen.