Sodele, kommen wir mal wieder zu den jagdlichen Erlebnissen. Bock tot. Angeprischt. Bis auf 10 Meter. Im letzten Licht auf den Maisstoppeln. Ich wollte eigentlich auf die offene Leiter am Waldrand, um auf die Sauen zu warten, die sich vllt. auf den Maisstoppeln blicken lassen. Aber der Reihe nach.
Samstag. Ich hab Freigang. Die bessere Hälfte zum Party machen im nächsten Dorf bei einer Freundin abgesetzt. Wenn die beiden Party machen, wird es immer spät. Sehr spät. Ich war auch der Abholdienst. Deswegen - viel Zeit, viel Jagd. So zumindest die Theorie.
Morgens war ich beim Frühansitz, wegen seniler Bettflucht und einer unruhigen Nacht war ich eine Stunde vor dem Wecker wach. Dann halt eine Stunde früher. Wach ist wach. Ich wäre besser im Bett geblieben, es war nämlich überhaupt nix los. Von den 12 Rehen, die ein Mitjäger letztens dort gesehen hat, haben 12 durch Abwesenheit geglänzt.
Allerdings habe ich auch einen Sitz zu weit oben gesessen.
Abends bin ich wieder los, auf den richtigen Sitz. Inmitten zweier riesiger Äcker, die auf zwei Seiten von Dschungel und an den beiden anderen Seiten von der Nationalstraße begrenzt werden. Also "Ruhe". Keine Menschen, Hundemuddis, Radfahrer oder sonstwas.
Gegen 7 klettere ich auf den Sitz, schwindelerregend hoch, aber eine stabile Metallkonstruktion. Wackelt nix.
Halb acht. Auf 11 Uhr die ersten drei Rehe, der Bock, ein Schrank von einem Bock, dem ich den ganzen Sommer nachgestellt hab und eine Geis mit Kitz.
130 Meter, Waldrand = Grenze. Außerdem habe ich die Reservewaffe dabei, da ist ein uraltes 42er Habicht drauf. Ich meine 2 - 6 x 42 oder so. Keine Experimente.
Ich harre weiter. Nach etwa einer Viertelstunde auf etwa 2 Uhr Geis & Kitz, kurz danach ein Stück daneben ein schwacher Bock. So geht das munter weiter, gegen halb 9 hab ich 9 Rehe auf der Fläche vor mir. Zwei Schmale waren auch dabei, aber alle richtig weit. Und wie gesagt, nicht das beste Werkzeug dabei und der Waldrand, vor dem die gestanden sind, ist die Grenze.
Ich wollte gegen 9 auf der offenen Leiter an den Maisstoppeln sein. Also - geordneter Rückzug. 500 Meter ans Auto marschiert, einmal um´s Dorf in Richtung Maisstoppeln. So ungefähr weiß ich, wo die Leiter steht. Aber nur ungefähr. Also am Feldesrand den Nachtkuck ausgepackt, Leiter gesucht.
Der Wind steht mir stramm ins Gesicht. Kurz vor mir steht ein Reh auf dem Acker. Geschätzt 20 Meter. Was tun?
Es gibt mehrere Möglichkeiten. In Richtung Leiter marschieren und riskieren, daß der Bock schreckend abspringt. Schreckt der Bock im Wald, war´s das mit meinen Sauen.
Ich könnte einen riesigen Bogen schlagen, um von der anderen Seite an die Leiter. Dann hab ich allerdings den Wind im Rücken. Also auch nix.
Nun gut, das Licht wird immer weniger, ich entscheide mich dafürm, mich näher mit dem Reh zu befassen.
Glas hoch, ungefähr 10 Maisstoppelreihen vor mir steht das Reh. Es fehlt zwar ein Größenvergleich, aber sieht eher schwach aus. Kitz ist zunächst auch nicht zu sehen. Nochmal Nachtkuck, nein, nichts in der Nähe.
In dem Moment kommt von der Straße ein Lichtschein und ich kann das Reh als kleinen Bock ansprechen. Wir sind am anderen Ende vom Revier, 200 Meter weiter lauert "der Böse Nachbar", 150 Meter weiter vorne die böse Landstraße. Ansage vom Aufseher: keine Gefangenen.
Ok, ich warte bis der nächste LKW kommt, macht schön Krach , den ich nutze, um noch 2 Reihen näher ranzukommen.
Waffe hoch. Flügelsicherung nach links. Natürlich hab ich mich zuerst des Kugelfangs versichert und mich davon überzeugt, daß nichts/ niemand im Weg steht.
Also - Waffe hoch. Mein Gott, ist das Teil schwer. Ein guter 98er, 7x64 mit einer gefühlten Lauflänge von 2 Metern. Ich bekomme den Bock ordentlich ins Glas, jetzt muß er sich nur noch ein kleines Stück drehen. Den Gefallen tut er mir sogar recht schnell.
Einstechen. Deutscher Stecher. Den ganzen Abend hämmere ich mir ins Hirn, hinten einstechen, vorne Schießen. Einstechen. Sehr schön.
Den Finger nach vorne, gaaaanz leicht den Druck erhähen, Päng. Ich sehe erstmal nix, höre es aber neben mir im Gebüsch rascheln. Und dann grunzt es auch noch. Und im Wald bricht ein Sturm los, das müssen echt viele gewesen sein. Also waren sie schon da, die Sauen.
Nun gut. Waffe runter. Glas hoch. Ich meine, einen Lauf in den letzten Zuckungen zu erkennen. Könnte aber auch ein Maisstängel sein.
Ich suche wie närrisch. Durch´s Glas. Ich Depp. Jetzt spielt es ja auch keine Rolle mehr, hätte ja die Lampe anmachen können. MagLite, Modell Volkssturm.
Gesagt, getan. Meine Güte. Maisstoppeln. Die sehen ja auch alle gleich aus. Der oben erwähnte Maisstängel war kein Maisstängel. Sondern ein Rehbein.
Bock liegt. Die gestrige Sektion hat dann als Todesursache Genickbruch ergeben.

Fazit zum 98er - bescheidenes Glas, aber absolut präzise.
Was jetzt kommt, kennt ihr alle.
Gegen 10 war ich daheim auf der Kautsch. Im eins hat dann das Telefon geklingelt, "kaaaaannnnsumischabholenkommen".
und das war dann gestern um die Mittagszeit:
Keulen versetzt, damit ist der Bock bezahlt. Der Rücken bleibt da, wo er hingehört, aus dem Rest gab´s eine anständige Portion gekochte Rehnschnibbel für die Hunde und gute 3 Pfund Produktionsfleisch. Da wird Fleischkäse für den Geburtstag nächstes Wochenende.
Die Zeitung - das Verbandsblättchen vom Jägersverband - hab ich zur Wespenklatsche umgebaut. 13 Stück.