Rehe jagen ist ja einfch... Kann jeder. Ich war der Meinung, im zweiten JJ wäre es nun ml an der Zeit auch eine Sau beim Ansitz zu erlegen. Sauen sind ja nun bekanntermaßen eher unzuverlässig und haben die charmante Angewohnheit zu machen was sie wollen. Unberechenbar und so.
Ich bin ja - das gebe ich zu - eine Kälte-Memme. Kalt ist ganz schrecklich. Und wenn Jägerlein nachts eine Sau jagen will, wird er zu dieser Jahreszeit schon mal mit fieser Kälte konfrntiert. Das macht die Sache für mich relativ schwierig, knifflig und kompliziert. Aber - ich gebe die Hoffnung ja nicht auf. Man nehme die warmen Winterstiefel, die angeblich bis minus 25 Grad für warme Füße sorgen und lege die Heizsohlen hinein. Dabei ist es extrem wichtig, daran zu denken, die Akkus für die Sohlenheizung auch aufzuladen, ich spreche aus Erfahrung.
Dann inspiziere man den Schrank mit den Jagdklamotten. Das hat was von "ich packe meinen Koffer". Eine lange Skiunterhose und ein langes Skiunterhemd. Dann eine gefütterte Laufhose, dann eine "Winterooutdoorhose" von Jakob Wolfsfell, dann die angeblich ach so warme Winteransitzhose, zwei dicke Fleece, den dicken Faserpelz, Mütze, 2 Decken und natürlich die Handschuhe und die Taschenwärmer und die Styroporpallte für die Füße.
Solch unnötoge Dinge wie Fernglaas, 98er, S&B 7X64, Messer, IR-Nachtkuckkspielzeug, ein geladenes Händi, Wasser, eine Wildwanne und die Flasche Bier für "danach". Immer dieser Optimismus...
Solcherart gerüstet für dieses Kommandounternehmen bin ich losgezogen und habe mich ansetzen lassen. Der Jagdaufseher hat mich noch kurz instruiert, ich kenne den Sitz zwar, aber trotzdem...., allzuoft habe ich mich dort noch nicht eingeladen, von daher....
Ich sitze gegen 19 Uhr. Die Nacht bricht herein, dunkell wie im Bärenar.... Es wird 20 Uhr, immer noch stockfinster und ich frage mich, wie ich auf diese bescheuerte Idee kommen konnte.
Viertel nach 8. Großer Alarm. Schlägerei im Gebüsch am Gegenhang. Ein paar Sauen haben anscheinend eine Meinungsverschiedenheit, konnten sich aber recht schnell wieder einigen. Das dynamische Warten beginnt. Am Händy rumfummeln ist nicht so gut, blendet. Ich nehme also das IR-Nachtkuckspielzeug (immerhin eine Nummer besser, alzwie das Ding von Aldi) und kucke spazieren. Es tut sich NICHTS. Absolut gar nichts. Nickese. Außer, daß der Mond langsam kommt und die Umgebung wieder Knturen annimmt. Ich sitze so rum, fange an zu frieren und warte einfach. Was anderes gab´s nicht zu tun. Irgendwann ist mir aufgefallen, daß mir das Rauschen vom Bach langsam auf den Zeiger geht. Aber ansonsten passiert NICHTS. So absolut GAR NICHTS. Es wird 9 Uhr, an der Salzlecke erkenne ich eine Sau mit Hörnern. Aber - Chef hats verboten, also lasse ich die Sau mit den Hörnern ziehen. Irgendwann meine ich einen Marder zu erkennen. Auch gut. Könnte aber auch was anderes gewesen sein, war nicht zu erkennen. Der Kauz kauzt so vor sich hin, ein Stück weiter läßt die Sau mit den Hörnern von sich hören, aber sonst NIX. Es wird 10 Uhr, eine leichte Enttäuschung macht sich breit. Sollte mein Todesmut am Ende doch nicht belohnt werden? 10 Uhr, wir telefonieren wie abgemacht um die Lage zu besprechen. Ich will mich nicht in mein Schicksal beugen und schlage vor, daß wir noch eine halbe Stunde sitzen bleiben.
Manchmal hab ich nämlich richtig geile Ideen. Es ist inzwischen so mondhell, daß tatsächlich wirklich Dinge vernünftig zu erkennen sind, ich hab aus Langeweile mal wieder das ZF nachjustiert....
Rehe haben ja die Angewohnheit plötzlich wie aus dem Nichts auf der Fläche zu erscheinen, bei den Sauen ist das ja anders. Die erscheinen entweder gar nicht, oder ziemlich deutlich.
So geschah es um 10 nach 10. 4 gleichgroße Sauen ziehen aus der Fichtendickung in Richtung der Kirrung umm Nachlauf zu spielen. Gleichgroß - nun, also eher gleichklein. Jetzt gings ganz schnell. Peletor vom Knie auf die Ohren, eingschaltet war er schon, noch ein Blick duchs Fernglas, ja, alle in der 30 Kilo-Klasse. Durchatmen, 98er nehmen, und suchen. Eine Sau steht frei und breit, der Leuchtpunkt Steht auf dem Teller, einstechen habe ich mir verkniffen, keine unnötigen Geräusche, Druck um Zeigefinger langsam erhöhen. S&B geht auf die Reise, drei der vier Sauen auch, eine bleibt nach kurzer Flucht liegen. Fluchtstrecke 40 Zentimeter. Nach unten. Dann der selbe Ablauf wie immer, repetieren, auf dem Stück bleiben, eine halbe Minute schätze ich, nichts bewegt sich mehr. Sichern, Peletor weg, Fernglas. Ja, Sau liegt. Durchatmen. SMS schreiben. 20 Minuten gewartet, in der Zeit die Flasche Bier "für danach" versorgt.
Dann hab ich den Jagdaufseher angerufen, der hat gar nix mitbekommen sagt er. War er eingeschlafen? Egal, der kam, in der Zwisschenzeit hab ich zusammengepackt und bin zur Sau hin. 98er im Anschlag vorsichtig von hinten an den Zukunftskeiler ran, angestupst, nix geschah. Auf den Weg gezogen, aufbrechen. Als der Aufseher kam, hab ich ihn gebeten mir die Wasserflasche zu haleten, damit ich mir ordentlich die Finger waschen konnte.
Es liegt meine erste Anssitzsau, ein gewaltiger Zukunftskeiler von 33 Kilo.
Zufrieden und dankbar bin ich mit meiner Sau heim, hab sie in die Garage gehängt und heute morgen zum Metzger damit. Probe wegbringen und alles ist gut.
Sauen jagen ist spannend....