Weiter geht das. Sau tot.
Es begab sich am Freitag. Also vorgestern. Ich habe mir einen WBK ausgeliehen. Liemke 13.
Gegen viel zu spät, so etwa viertel nach 5 komme ich an den Sitz. Ja, ich weiß, viel zu spät und die Jagd darf unter dem Privatleben nicht leiden. Sagt sich so einfach.
Wie erwartet, stand schon Rehwild vor dem Sitz und nascht am Mais. Bekommt mich mit, springt ab. Aber diesmal kamen sie eben nicht zurück.
So vergeht die Zeit, ohne daß sich nennenswert was tut. Dank Liemke weiß ich jetzt, daß ganz schön viele Mäuse im Wald unterwegs sind. Gegen viertel nach 9 befällt mich die verschärfte Bocklosigkeit und ich beschließe zusammenzupacken.
Aber ich hab ja noch einen Plan B. Ich hab mir ja nicht ohne Grund die WBK ausgeliehen. Ich lasse das Auto etwa 300 Meter von der nächsten Kirrung stehen, Waffe laden, WBK, Zielstock und Taschenlampe. Da liegt der Fehler. In der Taschenlampe. Ich hab das Modell MagLite Volkssturm dabei. Die, die sogar leuchten kann, aber eher als Schlagstock taugt.
Ich gehe langsam den Weg zur Kirrung entlang, auf etwa 150 Metern erkenne ich eine einzelne Sau. Langsam weiter. Ich bin auf etwa 50 Meter ran. Tiefschwarze Nacht. Ich richte mich ein, Waffe auf den Schießstock und in dem Moment wo ich die Lampe aus der Tasche ziehe, klappern die Batterien darin, Sau weg. Scheiße elende.
Egal, Plan B. Ein Sitz weiter, Luftlinie 400 Meter. Zurück ans Auto, auf die Haupstraße in Richtung der nächsten Kirrung. Die liegen alle entlang einer großen Landstarße. Auto abgestellt, Waffe laden, kleine MagLite, die, die nicht klappert. Pirschstock im Auto gelassen, zu umständlich.
Ich gehe vorsichtig den Weg in Richtung Kirrung. Es waren die Baumschubser da, entsprechend verwüstet ist der Weg, ohne Lampe geht nix.
Nur ganz wenig Licht halt. Nach etwa 150 Metern der erste Stopp. WBK. Ich traue meinen Augen nicht, eine Rotte 30 Meter vor mir im Hang. Ich zähle 15 Stück. Drei große, der Rest in handlicher Größe.
Ich erstarre und warte gefühlt 10 Minuten bis eine kleine quer auf dem Weg steht. Nu gilts. Waffe hoch,Licht an, sie bleiben, Sau erfassen, Schuß.
Ein großes Durcheinander bricht aus, die Rotte flüchtet nach links bergauf, woher sie kam, die beschossene Sau nach rechts in eine kleine Senke ins Schilf.
Großartig. BumUndUm ist Geschichte. Hatte ich seit ewigen Zeiten nicht mehr. Nur weil ich nicht die Blätter zerschießen mag. Menno.
Ich versuche mich zu erinnern, wie genau das alles gerade abgelaufen ist und gehe zum Anschuß. Schweiß. Viel Schweiß. Durchatmen. Ich schaue durch die WBK und sehe den Schweiß auf der Fluchtfährte. Dann lasse ich den Film nochmal ablaufen. Es ging viel zu schnell, um der Sau auf´s Haupt zu schießen, nein, kurz hinters Blatt, relativ in der Mitte. In der Senkrechten gesehen.
Nochmal durchatmen und dann zurück zum Auto. Zwei der drei Jacken ablegen und auch die warme Überhose. Weil - jetzt wird´s warm und Beweglichkeit ist gefragt. Aber Gemach, keine Hektik. Es ist gerade mal 10 Uhr. In der Ruhe liegt die Kraft, oberst Bürgerpflicht, ruuuuuuhig Brauner und was weiß ich nich was alles.
Der Gedanke in der Dunkelheit hinter einer Sau her ins Schilf zu steigen, macht mich nicht so richtig an. Aber gut. Solange mit der WBK noch die Spur zu sehen ist.... Also - der Spur nach. Und weil ich ja gelernt habe, daß man in der Dunkelheit sehr schnell die Orientierung verliert, hab ich sehr darauf geachtet. Mir fällt also auf, daß ich kurz vor der Staße sein muß. Das Gebüsch fängt an, wirklich dicht zu werden und von der Sau ist noch immer nix zu sehen. Kurz überlegt. Letzten Schweiß mit einem Temmpo markiert. Wie ist das Gelände hier genau? Kurz vor mir die Straße, in Fluchtrichtung noch etwa 10 Meter, dann kommt wieder lichter Hochwald.
Denken hilft. Rückzug und von vorne an der Straße mit der WBK suchen. Ein guter Plan, am Ende des Gebüschs, vor dem ich zurück bin, kurz vor dem Straßengraben lag meine Sau. Lampe an, einen dicken Knüppel genommen und den in Richtung der Sau geschleudert, die sich vorher nicht bewegt hat und nachdem der Knüppel neben ihr eingeschlagen ist auch nicht. Einen großen Bogen um die Sau geschlagen und von hinten vorsichtig an die Sau ran, nochmal die Wurfprobe. Nix.
Sau längst tot. Rückzug ans Auto, Waffe weg und in Richtung Sau fahren. Warnblinker an, alles an Licht an, was geht. Verkehr war keiner, aber Vorsicht ist das oberste Gebot. Neben der Sau gehalten und auf den Wildträger geladen. Nu hatte ich auch mal die Gelegenheit zu sehen, wo genau ich getroffen hab, nämlich so, wie zuerst beschrieben. Auch meine Größeneinschätzung war richtig, Frischlinsbache mit geschätzten 30-35 Kilo.
Just in dem Moment, wo ich die Sau aufgeladen hatte, geht neben mir das Blaulicht an. Die Gendarmen. Wollten sich erkundigen, ob was passiert ist. Wildunfall oder so. Nein sage ich ihnen, daß ich die Sau 150 Meter weiter oben beschossen habe und sie bis hierher geflüchtet ist. Und nun kommt das Allerbeste, es gab ein herzliches Waidmannsheil von den Gendarmen. Schön, gelle? Sind doch nicht alle doof. Ich wette, der toitsche Schutzmann hätte als erstes die Papiere kontrolliert. Die haben dann noch aufgepaßt, daß ich beim Losfahren sicher wenden kann.
Der Rest hat was von Murmeltier, ab auf den Bauernhof, wo wir unser Jagdquartier haben. Dort an dien Aufbrechplatz, Strom und fließendes Wasser.
Der Sau schnell zwei Haken an die Keulen, mit der Winde auf die überdimensionierte Teppichstange gezogen, Keulen spreizen.
Zuerst am Schlund in Richtung Brustbein aufschneiden, damit das restliche Blut ablaufen kann. Dann von hinten nach vorne neben dem Brustbein lang schneiden und dann vorsichtig die Bauchdecke anheben und nach hinten hin aufschneiden. Zwerchfell lösen und beherzt alles nach unten ziehen. Nicht ohne vorher den Kübel für den Aufbruch drunter zu stellen. Schnell noch die Leber raus, dann den Enddarm nach vorne aussteichen und abschneiden.
Sodann von hinten an die Sau, den Rest vom Darm auslösen. Zuvor allerdings noch mit der Astschere den Beckenknochen öffnen.
Das war´s. Schnell und sauber.
Im nächsten Schritt die Zunge für die Trichinenprobe herauspräparieren und in den Probenbutel.
Zeit zum Fingerwaschen. Auch wenn ich dabei Handschuhe trage, saubere Finger müssen sein. Und wie die Sau so da hängt, ziehe ich gerade das Messer ab, als der Bauer aus dem Kuhstall kommt um mich zu besuchen. Ich schicke ihn an mein Auto, ich habe auf dem Weg zur Jagd noch einen Kasten Sauerkrautsaft gekauft, der ist inzwischen schön kühl. Wir trinken zusammen einen Sauerkrautsaft, sinnieren darüber, wie wir in dern kommenden Saison die Sauen aus seinem Mais draußen halten.
Er sagt zu mir, laß die Sau über Nacht hängen, ich trage die morgen früh in die Kühlung. Neee sag ich, das machen wir anders... (immerhin sind es 40 Kilometer heim). Messer geschnappt und keine halbe Stunde später war die Sau abgezogen und sauber und ordentlich, aber grob zerlegt.
Blätter und Keule in eine rote Fleischkiste, Rücken ausgelöst, Rippen abgeschält, Die Schloßknochen hab ich auchgleich dort gelassen, geht ganz gut die auszulösen, wenn die Keule vor dir am Haken hängt.
Auf dem Heimweg hab ich dann noch direkt die Probe in den Briefkasten geworfen, das dauert üblicherweise 3 Tage, dann haste die email.
Von Schuß auf die Sau bis daheim mit zerlegter Sau knappe zweieinhalb Stunden. Kurz nach Mitternacht daheim, noch ein bissi Sauerkrautsaft und so gegen 2 Uhr bin ich dann endlich eingeschlafen. Um 7 steht das BraUngeheuer neben mir und erklärt mir was von wegen aufstehen und rausgehen und so.... Welch ein Aufwand für ein paar Kilo Fleisch. Gutes Fleisch. Sehr gutes.... Ja, man muß es mögen, aber es macht mir Spaß.
Zwei Kitze "muß" ich noch schießen. Bis einschließlich 1.Februar ist das Rehwild noch auf, aber Geisen mag ich jetzt keine mehr schießen.