Als "Neuling" der aber auf anderen Seiten einiges an Foren-Erfahrung hat darf ich auch kurz meinen Beitrag zu dieser Diskussion leisten.
Ein Forum, das habe ich schon mehrfach erlebt, macht meistens mehrere Phasen durch.
Am Anfang sind alle neu und fremd und es gibt eine ziemlich bunte Mischung an Ernsthaftigkeit aber auch Klamauk. Über Jahre hinweg trennt sich dann "die Spreu vom Weizen" und aus einem Anfangs sehr "wirren" und "bunten" Forum wird langsam eine Art von homogener Strömung. Das heißt nicht, dass alle gleich denken und der gleichen Meinung sein müssen, aber es entwickeln sich gewisse Gewohnheiten und Gepflogenheiten, die für die bestehenden "Veteranen" eine Art "Wohnzimmerfeeling" generieren - im Sinne von "so haben wir das schon immer gemacht, und so muss es auch immer sein, da fühlen wir uns wohl"
Das können mitunter sehr "schrullige" Dinge sein, wie "Göga/Wukis" oder "Jehova" oder aber teilweise unausgesprochene Verhaltensregeln wie die "Uservorstellung", die dann sogar teilweise sehr schroff und direkt von neuen Usern eingefordert werden und so manchen Neuling gleich etwas verschrecken können. Man stelle sich vor, man ist zum ersten Mal zu Gast bei jemandem zu Hause setzt sich dann wie "üblich" an den Esstisch und wird plötzlich von einem anderen Gast der schon öfter hier war schroff angefahren, dass es hier üblich ist, zuerst im Keller ein Foto von sich zu schießen, bevor man sich an den Tisch setzen darf. Es mag Brauch sein, aber es fördert nicht immer einen "guten Start". (Fun Fact: nach fast 1 Jahr Aktivität hier mit über 350 Beiträgen gibt's von mir bis heute noch keinen "Vorstellungsthread")
Dieser "Corpsgeist", der sich sukzessive entwickelt läutet dann die nächste Phase ein, quasi die "Plateauphase", in der Veteranen, untereinander bestens vernetzt und oft dann schon persönlich befreundet, das Revier abstecken und gleichzeitig Neulinge das Gefühl vermittelt bekommen "die Guten Plätze sind schon belegt".
Und ab da gibt es zwei Wege für eine solche Foren-Gemeinschaft: Der eine ist eine weitere Abschottung, wo dieses Wir-Gefühl der Veteranen weiter gestärkt wird, aber es für Neulinge gleichzeitig immer schwieriger wird, Anschluss zu finden und viele dann nicht dauerhaft bleiben. Neulinge, die neue Impulse, Ideen oder auch neue Methoden einbringen wollen und sich gleichzeitig nicht an die "Usancen" halten (wollen) werden dann gerne schnell als Querulanten abgestempelt. Leider führt dieser Weg aber nach der Plateauphase nach unten, weil manche Veteranen sich aus irgendwelchen Gründen verabschieden oder untereinander Streit ausbricht etc.
Die Alternative ist eine integrative Kultur, wo neue Impulse offen aufgenommen werden. Frei nach dem Motto "wenn man will, dass alles so bleibt wie jetzt, muss man sich ständig ändern und anpassen"
Nach fast einem Jahr komme ich zur Ansicht, dass das Forum sich momentan genau an diesem "Scheideweg" befindet, und ich bin sehr gespannt, welchen der beiden Wege es weiter nehmen wird. Leider ist der erste Weg der weiteren Abschottung oftmals der wahrscheinlichere, weil es der ist, der den Veteranen - die gleichzeitig den größten Einfluss haben - kurzfristig am meisten gefällt.
Und noch eine Schlussbemerkung: Weil solche Diskussionen dann oft mit Kommentaren wie "lasst das lamentieren, postet mehr Grillbilder" abgewürgt werden sollen: Genau in dieser sozialen Interaktion, die über "wow schöne Bilder" hinausgeht unterscheidet sich ein Forum von Instagram und Co.
So, das wurde jetzt viel mehr Text als ich eigentlich wollte - aber löschen tu ich ihn jetzt auch nicht mehr
LG vom Teilzeit-Querulanten
Hypo