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Räuchern im Sommer....

erwinelch

Grillkaiser
15+ Jahre im GSV
Liebe Alle,

ich muß euch was erzählen. Aber paßt auf. Es stellt alles, was immer so in Foren behauptet und "nachgeplappert" wird (einfach, weil alle es verbreiten), auf den Kopf.

Die Mühe mit dem Vakuumpökeln mache ich mir ja schon lange nicht mehr. Und ich massiere mein Pökelgut auch nicht. Nein, es wird alles in einer passend großen LockLock-Box aufgesetzt, vorher mit Salz und Gewürzen paniert, ab in die Kühlung und ein paar Wochen warten.

Salz - 40 Gramm, tendenziell eher 35 (bei Wild), Gewürze - sehr puristisch, Pfeffer, Koriander, ein bissi Fenchel. Fertig.

Ich habe irgendwann im Sommer in einem Anfall geistiger Umnachtung Schinken und Dürrfleisch angesetzt. So, wie oben beschrieben.
Nach Wochen habe ich mich erinnert, daß in der Kühlung noch ein Schweinebauch und 6 Kilo Nußschinken warten.

Draußen waren es an die 40 Grad. Was tun?

Einfach warten, bis es etwas kühler wird, eine Woche später war es soweit. Meine größte Sorge war das Trocknen vor dem Räuchern.
Mücken und so. Also habe ich den "Weinkeller" etwas umfunktioniert. Entmückt, dann das Fleisch nach dem Abwaschen aufgehängt und 2 Ventilatoren aufgestellt.
Erstens, weil es so besser/ schneller trocknet und weil ich gemerkt habe, daß Mücken, sofern sie überhaupt im Raum sind, den Wind vom Ventilator nicht mögen.

Nach 24 Stunden war es soweit. Morgens um etwa 4 Uhr habe ich den Sparbrand in Gang gesetzt, beidseitig angezündet, brennt dann gute 10 Stunden.
Mein Räucherkasten steht bis etwa mittags 4 Uhr im Schatten.

Für die Tage waren Temperaturen bis etwa 30 Grad angesagt. Sparbrand qualmt, Fleisch in die Blechbüxe. Fertig. Morgens um 9 waren es gute 20 Grad im Schrank, bis mittags um 3 Uhr ist es auf rd. 30 Grad angestiegen.

Bevor die Sonne um die Ecke kommt, hab ich das Fleisch wieder in den kühlen Keller getragen, die Ventilatoren angeschaltet und am nächsten und übernächsten Morgen die gleiche Prozedur.

Ergebnis: sensationell. Ich habe noch NIE erlebt, daß Fleisch den Rauch so gut und aromatisch aufnimmt. Mücken -> keine, Schimmel auch nix.

Fazit - ein bissi aufwändger, aber die Mühe hat sich gelohnt. Und das Gespräch "beim Räuchern darf nichts über 23,765 Grad kommen", naja....

Ich hab mit dem Metzger, bei dem ich mein Wild zerlege, gesprochen und ihm das erzählt. Der nimmt mich bei der Hand und zieht mich vor seine Rauchkammer und zeigt auf das Termometer. 29 Grad. Und die Kammer steht ganz weit hinten in einer kühlen Wurstküche.....
 
Habe ich eigentlich nicht anders erwartet, jetzt wo Du es so schreibst.
Fleisch in der Kühlung, ca. 7°C. Nach 24 Std. im Keller, dürfte es Raumtemperatur im Kern haben. "Weinkeller" nicht mehr als 18°C, nehme ich mal an.
Bei 20°C Außentemperatur (Kerntemperatur 18°C) gestartet, gegen 11:00 Uhr 23,765°C erreicht, danach wärmer. Jetzt bilden sich Eiweiße um. Wie viele? Ich denke, dass kann man vernachlässigen.
Tolle Geschichte, danke fürs berichten. :thumb1:
 
Wo ein Wille ist, da werden Wege gefunden.

"beim Räuchern darf nichts über 23,765 Grad kommen"

Das habe ich noch nie geglaubt, da alles, was für normalbegüterte Geldbeutel an Temperaturmesstechnik bezahlbar ist, ohnehin nur als Schätzeisen gelten kann. Wer es exakt braucht, der bezahlt mindestens 5-stellig für seine Messungen und hat niemals nur eine Messtelle, sondern eher 10.

Aber zurück zum Thema. Proteine denaturieren erst ab 42°C, d. h. bis dahin passiert von der thermischen Seite aus dem Fleisch selbst heraus gar nix. Alle anderen Effekte, wie mikrobiologisches Wachstum auf der Oberfläche, dürften zwar bei höheren Temperaturen eher aktiver sein, aber denen wird ja ohnehin mit Salz und Rauch begegnet.

Daher sind die 29°C von deinem Metzger und das, was du da ausgefuchst hast, für mich durchaus plausibel. Danke für den Bericht.
 
normalbegüterte Geldbeutel an Temperaturmesstechnik bezahlbar ist, ohnehin nur als Schätzeisen gelten kann.
Genaue (für den Räucherer) Temperaturmessung ist relativ günstig zu haben. Kann deiner Aussage da nicht zustimmen. Sogar IR-Messgeräte in der 20-30€ Range sind bei richtiger Anwendung erstaunlich genau.
 
@erwinelch bevor ich zu räuchern beginne heize ich meinen Schrank auf 35 Grad und halte das so 4-5Stunden (Tip eines Metzgers) das bewirkt nochmal enorm was bei der Umrötung. Geräuchert wird sowieso bei 20-25 Grad
 
@illexfischer Du hast einen Metallschrank, oder?
 
Mal wieder wurde der "Mythos 25°C" widerlegt! Selbst 40-50°C Rauchtemperatur über Stunden hinweg können dem Muskeleiweiß anscheinend kaum etwas anhaben:

IMG_20190203_221042.jpg


Sieht aus wie kalt geräuchert und ist auch genau so lange haltbar! Wer glaubt dass mein Thermometer falsch geht, ich bin nicht der einzige der so warm geäuchert und dieses Ergebnis erhalten hat:
https://www.grillsportverein.de/forum/threads/urboarische-brotzeit.109074/page-3

Viele Grüße,

Alex :)
 
40 Grad Rauch sind kein Problem, nur würde ich es tagsüber rausräumen, dass es nicht im Eigendunst hängt.

40 g/kg finde ich viel für Pökeln in Eigenlake.

Ich bin bei 30 g, max 35.
 
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