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Sauerteig wird nix...zu ungeduldig?

Er lebt ... :o :D

Ich hab die Hoffnung schon fast aufgegeben.
Den ersten Ansatz hatte ich bereits verworfen und nochmal einen neuen gestartet.
Die faule Sau wollte zuerst auch nicht...

... aber ss gärt... ganz wenig noch. Und man kann's jetzt deutlich riechen.

3368_sauerteig_1_1.jpg

3368_sauerteig_2_1.jpg



Ich vermute, dass mein erstes Setup Schrott war.
Diesmal gleiches Mehl, aber sehr viel dünnerer Ansatz.
So flüssig wie Crepeteig.
Und ich hab ordentlich Luft untergeschlagen.

Bald gibt's selbstgemachtes Sauerteigbrot 8)

:prost:
 
Du weißt es selbst:

Es wird solange probiert bis es klappt!

AAhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh, jetzt ja....

Nächste Woche das erste Sauerteigbrot

Handmade by Cruiser!
 
Was macht der Sauert.

Hallo Grillsportfreunde,
als begeisterter Hobbybäcker der sein Hobby zum Beruf gemacht hat ;-) , muß ich mich mal einschalten. Eigentlich bin ich lieber der stille Mitleser und Geniesser. Aber wie ihr Euch mit dem Sauerteig abgemüht habt.. vielleicht könnt ihr ja meine Hilfe gebrauchen. Wenn es gewünscht wird , so könnte ich mal eine kleine Ausführung über die Zucht von Natursauerteigen geben.
Denn ihr ward schon auf der richtigen Fährte, noch an ein paar Komponenten rumgestellt und schon könnt ihr das beste Roggenbrot backen, daß ihr je gegessen habt. Also soll ich mal ?

Mit den besten Grüßen aus Rottluff
Andreas
4649_big_ciabatta_1.jpg
 
Saurteig - Premiumzucht

Na dann will ich mal.
Zuerst mal eine kurze Vorstellung meinerseits. Stellt euch einfach mal einen 1,1 dt schweren selbständigen Bäckermeister aus Sachsen vor , welcher noch wachsen muß, um seinen optimalen Bodymaß-Index zu erreichen. Aber mit 35 kann das ja auch noch passieren, oder ?javascript:emoticon(':cool:')
javascript:emoticon(':cool:')
Nachdem ich Feld bestellt, Baum gepflanzt und Sohn + Tochter gezeugt habe, darf ich mich nun wieder meinen Leidenschaften zuwenden. Eine davon ist, einfache Nahrungsmittel mit Feuer zu veredeln. javascript:emoticon(':prost:')
javascript:emoticon(':prost:')
Genug von mir, nun zum Sauerteig.
Zuerst sollte folgende Vorüberlegung getroffen werden. Will ich nur mal probieren oder steige ich in die kontinuierliche Eigenbrötlerei ein. Zum probieren eignet sich ein Weizensauer am besten. Daraus lassen sich z.b. gut Ciabatta oder Baguette fertigen.
Folgendes Rezept wird ganz gut :

900 g W-Mehl 55o
100 g R- Mehl 1150
20 g Salz
20 g Frischhefe
80 g Olivenöl
600 g Wasser 30°C

Für Sauerteig: 1/5 der Weizenmenge mit 1/5 der Wassermenge ( 35°C) und ½ der Hefemenge verkneten, und 20 – 24 h bei der Häuptlingin in der Küche stehen lassen –GROSSE Schüssel verwenden, sonst Sauerei!!!! javascript:emoticon(':P')


Am nächsten Tag : restliche Zutaten mit Weizensauer verkneten und schöne eckige Ciabattas abstechen( der Novize probiert zuerst Fladenbrote ). 3-4 h stehen lassen, lieber etwas länger als zu kurz und danach bei 230°C im fallenden Ofen backen.

So nun zur Premiumzucht für Eigenbrötler, denn eine kontinuierliche Sauerteigbereitung lohnt sich nur für diejenigen, welche mindestens 1x pro Woche Brot backen wollen.
Eine Spontansäuerung mit normalen Roggenmehl wird nichts mehr. Das ging vielleicht früher, aber heutzutage sind die Mehle zu steril und frei von erwünschten Hefesporen. Um eine Spontansäuerung trotzdem noch herzuführen müssen wir etwas in die Trickkiste greifen:

Aus 100g Roggenmehl oder feinem Roggenschrot( aus dem Bioladen frisch geschrotet) und 100 g Wasser stellen wir einen Ansatz von 30°C her( die Zugusstemperatur errechnen wir mit folgender Faustformel : gewünschte Teigtemperatur x 2 – Mehltemperatur = Zugusstemperatur, d.h. bei einer Mehltemperatur von 21° müssen wir das Wasser auf 39° bringen.), um die Milchsäuregärung in Schwung zu bringen geben wir dem 1. Ansatz einen Löffel frischen Naturjoghurt mit lebenden Joghurtkulturen hinzu.
Den Ansatz lassen wir 24 h in einem isolierten Gefäß ( Holzmolle oder Kühlbox ) abgedeckt stehen. Nach dieser Zeit wiederholen wir das ganze noch 2x . Also 100g RM + 100ml Wasser ....30°C Ansatztemperatur und 24 h stehen lassen. Nach dem 3 mal müssten wir jetzt eine Volumenzunahme und Oberflächenrisse sehen. Wenn ja ist gut, wenn nein sollte ihr das ganze nochmals probieren, aber vorher beim Bäckermeister eures Vertrauens eine Handvoll Vollsauer holen und diesen dann der ersten Stufe mit zusetzen.
So nun haben wir ca. 600 g Ansatzsauer. Um Brotbacken zu können müssen wir jetzt noch das Milch-und Essigsäureverhältnis einstellen und die Sauerteighefen vermehren. Dazu verwenden wir die sogenannte 3-Stufen Sauerführung. Zuerst wird die Hefevermehrung angekurbelt.
Stufe 1: 300g Ansatzsauer, 250 g RM, 250 g Wasser, 1 TL gem. Kümmel( wegen Ge- schmacksabrundung)– zu einen Teig mit 32°C TT verkneten und 3h im Isolierbehälter ruhen lassen
Stufe 2: Säurebildung – in den Sauerteig 800 g RM und 800 g Wasser einkneten – der Sauerteig darf jetzt aber nur noch 28° haben, nicht tiefer sonst bildet sich zuviel Essigsäure und die ist Bähhhh! – Stehzeit: 8h – am besten über Nacht
Stufe 3: Geschmacksabrundung – nochmals 250 g RM und 200 g Wasser einkneten, TT 32° C – Stehzeit 3h
Von diesem reifen Sauerteig vor dem Backen eine Handvoll Ansatz fürs nächste mal wegnehmen und in einem sauberen Einweckglas mit ½ voll kaltem Wasser aufbewahren. Der Ansatz hält sich im Kühlschrank ca. 1 Woche frisch.

Brotteig:
Den reifen Vollsauer
1000 g RM
1000g Weizenmehl 1050 oder 550
den Rest vom Ansatz – 300g
70 g Salz
1000 ml Wasser
Tl gem. Kümmel und/oder Koriander

TT: 28 ° C
Teigruhe: 25min
Es entstehen ca. 5 – 6 Kilo Brote

Ofen auf 260 –280 °C vorheizen und ca. 50 min fallend backen

So nun probiert mal. Bei Fragen und Problemen einfach anmailen.

Gut Back - Andreas




:cool: :cool:
 
Re: Saurteig - Premiumzucht

Hallo Andreas,

das nenn' ich mal eine schöne & fundierte Anleitung :thumb2: - Danke.

2 Punkte will ich zum eigenen Verständnis nochmal aufgreifen
rottluffer_edelgriller schrieb:
Stufe 2: Säurebildung – in den Sauerteig 800 g RM und 800 g Wasser einkneten – der Sauerteig darf jetzt aber nur noch 28° haben, nicht tiefer sonst bildet sich zuviel Essigsäure

=> d.h., die TT darf tiefer sein als zuvor, aber eben nicht unter 28° wg. der sich sonst zu stark bildenden Essigsäure. Aber eben auch nicht über 30°, da sich sonst zuviel Milchsäure bildet? D.h., eine gute Temperaturüberwachung ist unabdingbar?!

rottluffer_edelgriller schrieb:
Brotteig:
Den reifen Vollsauer
1000 g RM
1000g Weizenmehl 1050 oder 550
den Rest vom Ansatz – 300g
70 g Salz
1000 ml Wasser
Tl gem. Kümmel und/oder Koriander

• Du unterscheidest Ansatzsauer (das ist das, was Du vor der 3-Stufen Sauerführung hast) - davon nimmst Du 300 g weg zur "Weiterveredelung" mittels der Sauerführung, der Rest kommt in den Brotteig.

• Dann hast Du Vollsauer (nach der 3-Stufen Sauerführung) - davon nimmst Du 300 g weg als Vorrat fürs nächste Brotbacken, der Rest kommt in den Brotteig.

Habe ich das so richtig verstanden?

Danke nochmals und Gruß
 
Sauerteig

Moin Joachim,
kurze Beantwortung meinerseits...

=> d.h., die TT darf tiefer sein als zuvor, aber eben nicht unter 28° wg. der sich sonst zu stark bildenden Essigsäure. Aber eben auch nicht über 30°, da sich sonst zuviel Milchsäure bildet? D.h., eine gute Temperaturüberwachung ist unabdingbar?!

- genau durch die längere Stehzeit zur Säurebildung, müssen wir die Hefe etwas ausbremsen, sonst frißt Sie die ganzen Nährstoffe auf und beginnt abzusterben und das wollen wir ja nicht . Temperaturüberwachung muß nicht unbedingt über die gesamte Zeit erfolgen. Wichtig ist nur das man ausreichend Wärme am Anfang dem Sauer zuführt und dann versucht so lang wie möglich die Auskühlung zu vermeiden. Wie gesagt beste Erfahrungen haben die Eigenbrötler bei uns, mit einer einfachen Kühlbox gemacht.





• Du unterscheidest Ansatzsauer (das ist das, was Du vor der 3-Stufen Sauerführung hast) - davon nimmst Du 300 g weg zur "Weiterveredelung" mittels der Sauerführung, der Rest kommt in den Brotteig.

• Dann hast Du Vollsauer (nach der 3-Stufen Sauerführung) - davon nimmst Du 300 g weg als Vorrat fürs nächste Brotbacken, der Rest kommt in den Brotteig.

Habe ich das so richtig verstanden?

- ja genau ! Die Ansatzsauermenge ist zu groß für die Sauerteigführung, d.h. es bildet sich zuviel Säure
- Vollsauer als Ansatz für neuen Teig. Die Spontanranzüchtung entfällt.

Gutes Gelingen
Andreas
PS: Kassler im eigenen Brotteig gebacken ist ein Traum
 
Re: Sauerteig

rottluffer_edelgriller schrieb:
Moin Joachim,
kurze Beantwortung meinerseits...

Vielen Dank Andreas,

Eigenbrötler bin ich ja schon seit vielen Jahren, aber bei Sauerteigbroten hatte ich bisher immer entweder den Seitenbacher oder einen fertigen Ansatz von einer Freundin, die welchen übrig hatte, verwendet - selber herangezüchtet hatte ich ihn bisher noch nicht, obwohl ich schon so Einiges darüber gelesen hatte.

Deine schöne Anleitung hat mich jetzt animiert, es auch mal zu wagen - für dieses Wochenende reicht die Zeit nicht mehr, aber wenn ich nächsten Montagabend den Ansatz ansetze, müsste ich doch Donnerstag, spätestens Freitag mit der Sauerführung beginnen können, so dass ich am Samstag mit dem Backen loslegen können sollte, oder?

Nochmals schönen Dank für Deine Tipps :D
 
:o ... das ist ja schon eine wissenschaftliche Abhandlung ... :lol:
Dabei will ich doch nur Sauerteigbrot backen... :D

Eine feine Sache wäre noch, wenn Du mal Bilder der einzelnen Stufen reinstellen könntest.


:prost: :prost: :prost:
 
Hallo Leute, mein Beitrag kommt wohl etwas zu spät aber ich will auch meinen Senf dazugeben.

Lest Euch mal in aller Ruhe (ich meine wirklich ind aller Ruhe)
DEN SAUERTEIG von Punkt 1 bis Punkt 7 durch

http://www.der-sauerteig.com/phpBB2/portal.php

Ist sehr aufschlussreich und dann versteht man warum manche Mehlsorten am Anfang nicht zu gären beginnen.

Ausserdem gibts da gute Tipps für Weizensauerteig usw.
 
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