Weil ich selbst sehr viel gesucht und sehr wenig zum Thema gefunden habe, bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe mich an ein Spanferkel im Weber Summit S670 mit Standard-Spieß und Motor gewagt.
Meine Fragen waren:
F: Metzger arbeiten eher nach kg als nach cm, in den Weber passen maximal (aber schon mit Bauchweh) 90cm hinein, 85 wären ideal. Wie schwer kann/darf so ein Ferkel sein, damit das Maß nicht überschritten wird.
A: Unser Metzger (der schlachtet noch selbst, übrigens der letzte in ganz Wien, in anderen Großstädten wird es nicht viel anders sein) konnte als kleinstes Tier nur ein 18kg Ferkel auftreiben. Als er es aus der Kühlung holte war mir sofort klar: Der Kopf muss ab, weil mit Schädel geht sich das nie und nimmer aus. Er hat den Schädel dann abgesägt, das war auch gut so, denn das Säuchen hat am Schluss mit zwei Zentimeter Platz links und rechts gut in den Griller gepasst. Wir mussten allerdings die Vorderläufe nach "hinten" (Richtung Bauch) binden, die Hinterläufe unterhalb der Knie abnehmen und ausserdem die Hinterlaufstümpfe mit ein wenig Draht zum Spieß hin ziehen. Dann hat es wirklich exakt gepasst.
F: Wie viel hält der Spieß überhaupt aus?
A: Unser Ferkel hatte (siehe auch oben) 18kg, das war vom Gewicht her OK, auch wenn sich der Spieß ein wenig verzogen hat. Der Spieß ist ein 10mm Vierkantedelstahl aus einem Stück, würde niemandem raten, ein Spanferkel auf einem Baumarktgrillerspieß gleicher Dimension zu machen, weil sich dieser wahrscheinlich zu sehr verbiegen würde.
F: (War mir eigentlich egal, weil ich es auf jeden Fall ausprobieren wollte. Aber ist vielleicht trotzdem interessant zu wissen) Was kostet ein Ferkel in der Größe
A: Das fachmännisch geschlachtete, vom Veterinär überprüfte (wichtig!) und ausgenommene Tier kam auf etwas über 100 EUR. Das ist für ein Essen, von dem locker 20, eher 30 Leute satt werden, nicht wirklich viel.
F: Wie lange wird es dauern, welche Brenner soll man am Besten verwenden, wie sollte man die Temperaturführung gestalten und wieviel Gas wird dabei drauf gehen?
A: Ich habe mit allen 6 Hauptbrennern um ca. 11h (geplant war Anschnitt um ca 18h) auf kleinster Stufe gestartet. Da war die Temperatur dann recht konstant bei etwa 200C. Das war für die ersten 40 Minuten auch ganz gut, weil es mal die Säfte in Wallung gebracht hat. Dann habe ich die beiden mittleren Brenner abgedreht und die Sau noch ca. 2h bei 160C weiter grillen lassen. Danach hat mir der an diesem Tag recht stürmische Wind die Brenner immer wieder ausgeblasen, deshalb habe ich dann nur noch den ganz linken und den Zusatzbrenner für die Smokerbox brennen gehabt, aber dafür voll. Da war die Temperatur dann auf nicht ganz 150C. (Um ca 15h)
Nach 5 Stunden (ca 16h) war die Kerntemperatur, die ich haben wollte, schon fast erreicht (75C von 78C), deshalb habe ich dann den rechten Brenner auch noch abgedreht und nur noch den Zusatzbrenner laufen gehabt. Die Temperatur war dann ca. 100C. Die habe ich gehalten, bis die Gäste kamen (so ab 17:00) und dann ging es ans (wie wir in Österreich sagen) knusprig (=kross) machen.
Alle Brenner raufdrehen, Deckel offen lassen (der war bis jetzt natürlich ausser bei den Kontrollblicken immer zu) und den Spieß immer wieder an den richtigen Stellen anhalten.
Ca. 20 Minuten später alle Brenner aus, Deckel zu und das Schwein ca. 15-20 Minuten ruhen lassen, damit sich der Saft wieder gleichmäßig in den Fleischfasern verteilen kann.
Ich habe nicht einmal die Geheimwaffe einsetzen müssen, d.h. der Infrarotgrillbrenner blieb ausgeschalten.
Resultat: Innen saftig und weich, aussen kross.
Tipp: Sobald die Sau heraussen ist die Grillroste wieder einsetzen, auf einer Seite eine grosse(!) hitzebeständige Form in den Grill, 2 bis drei Brenner auf der anderen Seite wieder aktivieren (ruhig volle Pulle) und die Stücke vom Schwein in der Form "parken". Gleichzeitig kann man dann die Roste+Flammen nutzen und Stücke der Kruste, die vielleicht noch nicht 100% kross sind kurz übergrillen.
Gasverbrauch: Erstaunlich wenig, nämlich nicht mal 3kg (Eine Flasche war beim Beginn noch mit ca. 2.5kg befüllt noch da, die musste ich erst durch eine neue Flamme ersetzen kurz nachdem das Cross-Grillen begonnen hat)
Ich poste absichtlich keine Tipps zum Würzen und Befestigen, davon gibt es ja wahrlich schon genug.
Wollte nur eventuellen Nachgrillern die Möglichkeit aufzeigen, dass und wie man auf einem Weber Summit auch ein Spanferkel machen kann - Ich hätte mich über dieses Posting sehr gefreut, dann hätte ich besser geschlafen in den Nächten vorher
Dauer: Bei uns etwas über 7h, aber es wäre in 5 auch gegangen.
Bei Bedarf gibt es gerne auch Bilder bzw. gerne auch weitere Tipps, falls jemand spezielle Fragen hat.
Satte Grüße aus Wien.
[edit, ein paar Tippfehler bereiningt, die ich in meiner Euphorie gemacht hatte]
Meine Fragen waren:
F: Metzger arbeiten eher nach kg als nach cm, in den Weber passen maximal (aber schon mit Bauchweh) 90cm hinein, 85 wären ideal. Wie schwer kann/darf so ein Ferkel sein, damit das Maß nicht überschritten wird.
A: Unser Metzger (der schlachtet noch selbst, übrigens der letzte in ganz Wien, in anderen Großstädten wird es nicht viel anders sein) konnte als kleinstes Tier nur ein 18kg Ferkel auftreiben. Als er es aus der Kühlung holte war mir sofort klar: Der Kopf muss ab, weil mit Schädel geht sich das nie und nimmer aus. Er hat den Schädel dann abgesägt, das war auch gut so, denn das Säuchen hat am Schluss mit zwei Zentimeter Platz links und rechts gut in den Griller gepasst. Wir mussten allerdings die Vorderläufe nach "hinten" (Richtung Bauch) binden, die Hinterläufe unterhalb der Knie abnehmen und ausserdem die Hinterlaufstümpfe mit ein wenig Draht zum Spieß hin ziehen. Dann hat es wirklich exakt gepasst.
F: Wie viel hält der Spieß überhaupt aus?
A: Unser Ferkel hatte (siehe auch oben) 18kg, das war vom Gewicht her OK, auch wenn sich der Spieß ein wenig verzogen hat. Der Spieß ist ein 10mm Vierkantedelstahl aus einem Stück, würde niemandem raten, ein Spanferkel auf einem Baumarktgrillerspieß gleicher Dimension zu machen, weil sich dieser wahrscheinlich zu sehr verbiegen würde.
F: (War mir eigentlich egal, weil ich es auf jeden Fall ausprobieren wollte. Aber ist vielleicht trotzdem interessant zu wissen) Was kostet ein Ferkel in der Größe
A: Das fachmännisch geschlachtete, vom Veterinär überprüfte (wichtig!) und ausgenommene Tier kam auf etwas über 100 EUR. Das ist für ein Essen, von dem locker 20, eher 30 Leute satt werden, nicht wirklich viel.
F: Wie lange wird es dauern, welche Brenner soll man am Besten verwenden, wie sollte man die Temperaturführung gestalten und wieviel Gas wird dabei drauf gehen?
A: Ich habe mit allen 6 Hauptbrennern um ca. 11h (geplant war Anschnitt um ca 18h) auf kleinster Stufe gestartet. Da war die Temperatur dann recht konstant bei etwa 200C. Das war für die ersten 40 Minuten auch ganz gut, weil es mal die Säfte in Wallung gebracht hat. Dann habe ich die beiden mittleren Brenner abgedreht und die Sau noch ca. 2h bei 160C weiter grillen lassen. Danach hat mir der an diesem Tag recht stürmische Wind die Brenner immer wieder ausgeblasen, deshalb habe ich dann nur noch den ganz linken und den Zusatzbrenner für die Smokerbox brennen gehabt, aber dafür voll. Da war die Temperatur dann auf nicht ganz 150C. (Um ca 15h)
Nach 5 Stunden (ca 16h) war die Kerntemperatur, die ich haben wollte, schon fast erreicht (75C von 78C), deshalb habe ich dann den rechten Brenner auch noch abgedreht und nur noch den Zusatzbrenner laufen gehabt. Die Temperatur war dann ca. 100C. Die habe ich gehalten, bis die Gäste kamen (so ab 17:00) und dann ging es ans (wie wir in Österreich sagen) knusprig (=kross) machen.
Alle Brenner raufdrehen, Deckel offen lassen (der war bis jetzt natürlich ausser bei den Kontrollblicken immer zu) und den Spieß immer wieder an den richtigen Stellen anhalten.
Ca. 20 Minuten später alle Brenner aus, Deckel zu und das Schwein ca. 15-20 Minuten ruhen lassen, damit sich der Saft wieder gleichmäßig in den Fleischfasern verteilen kann.
Ich habe nicht einmal die Geheimwaffe einsetzen müssen, d.h. der Infrarotgrillbrenner blieb ausgeschalten.
Resultat: Innen saftig und weich, aussen kross.
Tipp: Sobald die Sau heraussen ist die Grillroste wieder einsetzen, auf einer Seite eine grosse(!) hitzebeständige Form in den Grill, 2 bis drei Brenner auf der anderen Seite wieder aktivieren (ruhig volle Pulle) und die Stücke vom Schwein in der Form "parken". Gleichzeitig kann man dann die Roste+Flammen nutzen und Stücke der Kruste, die vielleicht noch nicht 100% kross sind kurz übergrillen.
Gasverbrauch: Erstaunlich wenig, nämlich nicht mal 3kg (Eine Flasche war beim Beginn noch mit ca. 2.5kg befüllt noch da, die musste ich erst durch eine neue Flamme ersetzen kurz nachdem das Cross-Grillen begonnen hat)
Ich poste absichtlich keine Tipps zum Würzen und Befestigen, davon gibt es ja wahrlich schon genug.
Wollte nur eventuellen Nachgrillern die Möglichkeit aufzeigen, dass und wie man auf einem Weber Summit auch ein Spanferkel machen kann - Ich hätte mich über dieses Posting sehr gefreut, dann hätte ich besser geschlafen in den Nächten vorher
Dauer: Bei uns etwas über 7h, aber es wäre in 5 auch gegangen.
Bei Bedarf gibt es gerne auch Bilder bzw. gerne auch weitere Tipps, falls jemand spezielle Fragen hat.
Satte Grüße aus Wien.
[edit, ein paar Tippfehler bereiningt, die ich in meiner Euphorie gemacht hatte]
Zuletzt bearbeitet:





jetzt müssen sich aber alle schweinchen vor dir verstecken