Hallo!
Also ich werde mich hier auch noch mal kurz mit einklinken…
Grundsätzlich lässt ist festzustellen, dass der Zeitpunkt und die Art des Vorschneidens der Reben eine Art Betriebsphilosophie ist. Jeder Winzer wird hierzu eine unterschiedliche Meinung vertreten. Einige sind der Meinung, dass es gut ist, wenn der Saft beim Rebschnitt austritt, um eine Art Haut gegen Pilze zu bilden. Wohingegen die anderen wiederum der Meinung sind, dass dieser Saft, ein ganz besonders guter Nährboden für Pilze darstellt, die somit leichter in den Stock eindringen können. (Mit dem „Saft“ ist in diesem Zusammenhang der Flüssigkeitsaustritt an den Schnittstellen gemeint, der entsteht, sofern die Reben in den Frühjahrsmonaten geschnitten werden.)
Ich vertrete dahingehend die Meinung, dass es in der Regel reicht, die Rebstöcke im Februar oder März, je nach Witterungsverhältnissen zu schneiden. Grundsätzlich ist aber auch darauf zu achten, dass der ganze Prozess, bestehend aus Rebschnitt (vorschneiden, rausziehen, die Reduzierung aller über das Jahr entstandenen Fruchtruten auf die maßgebende Rute mit rund 10-12 Augen) und Anbinden unbedingt vor Austrieb der Reben erfolgen sollte. Im Raum Südhessen ist diese Deadline / Zeitpunkt des Austriebs um den 7. April. Würde man mit dem Schneiden und Anbinden bis nach Beginn des Austriebs warten, ist die Gefahr viel größer, dass Schäden an der Rute entstehen (Knospen oder sogar schon Triebspitzen abbrechen, was euren Ertrag mindert).
Für den hauptberuflichen Winzer hingegen, die eine enorme Fläche bewirtschaften, ist der Zeitraum von Februar/März bis hin zum Austrieb viel zu gering, um den kompletten Rebschnitt und das Anbinden in dem geringen Zeitfenster zu erfüllen, was ihn dazu veranlasst, dass er bereits nach dem ersten Frost und dem Blätterfall mit dem Vorschneiden beginnt.
Daraus lässt sich ja schon fast mein Fazit schließen. Es ist erkennbar, dass somit eure zu bewirtschaftende Fläche von dem eigentlichen Zeitpunkt des Rebschnitts abhängt. Da ich mal salopp behaupte, dass die hier Anwesenden in der Regel nur sehr geringe Flächen bewirtschaften, reicht es meiner Meinung nach vollkommen aus, die Reben im März zurück zu schneiden und dann anzubinden.
Noch ein kleiner Kommentar zu dem, was ich weiter oben gelesen habe. Wenn der Rebstock im 1. oder 2. Jahr ist, dann würde ich ihn über die Wintermonate bis über die Veredelung unbedingt mit Erde bedecken / diese anhäufen, um ihn vor extrem kalten Wintern zu schützen. Ist dieser hingegen schon im 3. Jahr oder älter, so ist dieser Vorgang nichtmehr notwendig.
Grüße
