"Black Pudding"
Blutpudding gehört zu der ältesten, bekannten Wurstsorte. Schon in der Steinzeit hatten die Menschen kein Problem, Fleisch durch trocknen, salzen und oder räuchern zu konservieren. Das gelang mit dem Blut nicht so ohne weiteres. Da damals alle Teile von einem Tier verwertet wurden, kamen schon die Steinzeitmenschen auf die Idee, Blut in Därme, Blasen oder Mägen zu füllen und durch garen die Haltbarkeit zu erhöhen. Im deutschsprachigem Raum nahm die Entwicklung verschiedener Wurstsorten mit Gründung der Gilden ( Fleischhauer Gilde ) im Mittelalter, rasant an Fahrt auf. Zu der Zeit wurde auch die Blutwurst weiter entwickelt, da nun auch durch beginnenden Fernhandel neue Gewürze zur Verfügung standen. Bisher ausschließlich mit Kräutern, Zwiebeln und Knoblauch gewürzte Würste konnten nun mit z.B. Pfeffer, Piment, Muskat, Ingwer und Kardamom gewürzt werden. Diese Produkte waren natürlich noch lange Zeit nur der reichen Oberschicht vorbehalten.
Wann dann der "Black Pudding" entstand, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Es kam aber irgend wann der Wunsch auf, die Rotwurst auch warm auf den Tisch zu bringen. Das Problem, normale Rotwurst zerfällt beim Erwärmen und bekommt wieder seine Konsistenz, wie beim Füllen der Wurst. Dem kann man Abhelfen, indem man der Wurstmasse am Anfang wahrscheinlich Roggen oder Hafergrütze zugesetzt wurde. Später wurde dies durch verschiedene Mehlsorten ersetzt. Das kann sich von Region zu Region unterscheiden und hing früher wohl von der Verfügbarkeit ab, was dann aber mit der Zeit typisch für die Region wurde. Ich habe selbst in Kenia afrikanischen "Black Pudding" bei den Massais probieren dürfen. Das war frisches Rinderblut, vom lebendem Tier gezapft, mit Wildkräutern, Maismehl und Salz gemischt, in Ziegenmägen gefüllt und gegart. es hatte, sagen wir mal, einen interessanten Geschmack. Durch das reine Rinderblut schmeckte es sehr mineralisch und etwas nach Eisen, auch war der Blutgeschmack viel kräftiger als wir es von unserem Schweineblut her kennen.
Bei uns, im Calenberger Land wird bei Hausschlachtungen immer noch die Beutelwurst gebaut. Da wird der Rotwurstmasse nur noch 15 bis 20% Roggenmehl zugegeben und in Sterildärme gefüllt. Die Beutelwurst in 2 cm dicke Scheiben schneiden, in verquirltem Ei wenden und panieren. Die Scheiben in Butterschmalz ausbraten, bis die Panade goldgelb bis braun ist. Dazu werden Zwiebelringe gebraten, die über die Stampfkartoffeln gegeben werden, dazu eine Gewürzgurke und das Essen ist perfekt. Original wurde dazu ein Glas mit kalter Buttermilch gereicht, kann man evt. durch ein Bier ersetzen.
Diese Art von Wurst darf nur da als Wurst verkauft werden, ob sie ortsüblich ist, all so durch Tradition belegt ist, das es diese Art der Wurst schon lange gibt. Eigentlich ist sie, nach den Vorschriften, keine Wurst, da ihr das Roggenmehl zugesetzt wurde. Das gilt z,B. auch Calenberger Knappwurst, Bremer Pinkel und Oldenburger Rulken. Das sind so genannte Cerealienwürste da sie nicht nur aus Fleisch bestehen.
Ich habe mal einen Übersetzer gestartet und mir den Begriff "Black Pudding" in verschiedene Sprachen übersetzen lassen. Das Folgende ist nur eine kleine Auswahl der angebotenen Länder. Man kann aber sehen, das es in allen Kulturkreisen einen Namen für "Black Pudding" gibt. Ich denke nicht, das in den Ländern nur ein Name für die Wurst gesucht wurde, um den Engländern einen Gefallen zu tuen, sondern das sie da von Haus aus bekannt ist.
Englisch Black Pudding
Deutsch Beutelwurst
Schwedisch Blodpudding
Maltesisch pudina iswed
Afrikaans swart poeding
Arabisch بودنغ الأسود
Chinesisch Hēi bùdīng
Grichisch μαύρη πουτίγκα
Haiti- Kreolisch pouding nwa
Japanisch Burakkupudingu
Hindi काला हलवा kaala halava
Man sollte aber nicht von ausgehen, das der "Black Pudding" ( Beutelwurst ) ähnlich herzhaft schmeckt, wie bei uns. Ich habe mir in Schweden mal einen Blodpudding gekauft. Er war in Sterildarm gefüllt und sah wie eine Rotwurst aus. Doch weit gefehlt. Nach dem Braten probiert und da wurde ich aus meinen Träumen gerissen. Die Situation: Nach vier Wochen Urlaub war die Dosenwurst alle und das Wurstangebot in Schweden ist sehr überschaubar. Zum Teil auch für uns sehr ungewohnt, da mit exotischen Gewürzen manche Wurst versaut wird. Als Beispiel, Sternanis in beträchtlicher Menge, in einer Leberwurst. Ich sage mal vorsichtig, gewöhnungsbedürftig.
Zurück zum Blodpudding, Positiv bleiben folgende Inhaltsstoffe zu vermerken: Blut, Speck, Salz, Pfeffer und Majoran. Negativ: Viel Zucker, Zimt, zuviel Nelken, Rosinen und noch andere für mich nicht erkennbare Stoffe. Wenn ich das mit geschlossenen Augen probiert hätte, hätte ich eher auf einen Dresdener Stollen getippt.Normal bin ich dagegen, Lebensmittel zu entsorgen. In dem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht und den Rest im Wald entsorgt. Einige Tage später wurde im Dorf erzählt, es seien Füchse mit auffälligem Verhalten am Dorfrand gesichtet worden. Ich hoffe nicht, das es an der Wurst lag und wenn doch, selber Schuld.

Das war mal ein kleiner Exkurs in Sachen Blutwurst, hoffentlich habe ich euch nicht zu sehr gelangweilt.
Andreas