So liebe Pizzafreunde ...
Ich hab schon so viel experimentiert und gelesen aber es is schwer das mit dem Mehl wirklich so zu erklären, dass man es auch versteht. Wenn man sich etwas einliest kommt man drauf, dass selbst bei etwas so vermeindtlich einfachem wie Mehl EXTREM viel getrickst wird! Viele werden jetzt vermutlich sogar schockiert sein, wenn ich euch erzähle, dass selbst mehl selten frei von Zusätzen ist ... ging mir auch so. Um himmels Willen, wozu braucht man im Mehl Zusätze!?
Dieser Trend ist, wie so manches, unserer Bequemlichkeit und unseres Spar-Wahnsinns geschuldet. Billigmehl aus billig Rohstoffen wird eben mit Zusätzen versehen damit man damit noch halbwegs backen kann. Somit wundert es mich nun auch überhaupt nicht mehr, warum ein Kuchen 8 von 10 mal wunderbar bäckt und die anderen 2 mal einfach nix wird obwohl man sich immer 100% an das Rezept hält.
Die Mehltypen sind auch nicht so einfach zu verstehen, die zahlen geben an, wieviel mg Asche beim "verbrennen" von 100g Mehl übrig bleiben, das ist der s.g. Mineralstoffgehalt des Mehls. Der Mineralstoffanteil resultiert daraus, welche Teile des Kornes vermahlen werden. Mehle mit geringem Anteil (niedrige Typennummern) bestehen demnach eher aus dem Kern des Korns ohne Keimling u. Schale. 405 und 00 können demnach durchaus ident sein weil der Mineralstoffanteil jeweils in etwa der gleiche ist!
Die Unterschiede liegen dann in anderen Eigenschaften des Mehls und DIE werden bei uns eigentlich sogut wie nie auch nur am Rande genannt. Streng genommen kann man sagen, dass man anhand der Typennummer genau NICHTS über die Qualität und Backeigenschaften des Mehles erfährt.
Z.B. ist der Gluteingehalt des Mehls für Teige von entscheidender Bedeutung (so auch für Pizzateig), der lässt sich aber aus der Type nicht ablesen. Abgesehen von "glutenfreien" Mehlen findet man dazu heute wenig Angaben. Glutenfreie Mehle sind natürlich aufgrund von Unverträglichkeiten auch so ein Trend unserer "kranken" Gesellschaft aber ok. Was man damit backen kann weiß ich nicht und die Hersteller wissen es wohl auch nicht darum werden wiederum Zusätze beigemischt damit daraus überhaupt etwas gebacken werden kann aber egal. Gluten sind das Klebereiweis im Mehl, es macht den Teig elastisch und resißfest aber dieses Klebereiweis bildet sich wohl erst nach dem Mahlen im Mehl und es hängt auch von der Verarbeitung und Qualität der Rohstoffe ab ob, wie schnell und wie viel davon entsteht. Auch hier wird getrickst, durch die Zugabe von Ascorbinsäure (Vit. C) wird der Reifeprozess des Mehls und somit die Bildung von Gluten beschläunigt ABER diese Behandlung hat natürlich Nachteile, die Langerfähigkeit des Mehles leidet darunter, die Glutenstruktur verändert sich dadruch rasch und die Backeigenschaften leiden dann spürbar! Schon mal einen richtig zähen und störrischen Teig gehabt? Z.B. Pizzateig der sich keinen mm ziehen lässt und sich wie ein Klumpen anfühlt > genau!
Mehl ist also nicht gleich Mehl und das ist auch genau der Grund warum hier so viele Leute mit dem gleichen Rezept so unterschiedliche Ergebnisse erzielen! Es ist immer das Mehl, ich habe es selbst in vielen Versuchen festgestellt. Ich habe alle Varianten probiert und an allen Variablen geschraubt und konnte niemals reproduzierbare Ergebnisse erzielen, jedenfalls nicht wirklich. Bei allen Versuchen hatte ich eine vermeindtliche Konstante, das Mehl! Ich habe natürlich verschiedene Typen versucht, das hatte auch Auswirkungen auf den Teig aber auch die waren nicht reproduzierbar, mal war der Teig mit dem einen Mehl besser mal mit dem anderen. Bei all den Versuchen konnte ich jedoch nie auf ein Mehl mit einem wissentlich hohen Glutenanteil zurückgreifen weil man disen ja nirgendwo nachlesen kann. Ein spezielles Pizzamehl gibt es hier bei uns leider nicht und auch dieses sagt nicht viel aus wei wir jetzt wissen.
Verabschiedet euch also von den Typenbezeichnungen, sie sagen etwas über die (Nähr)Wertigkeit (Mineralstoffgehalt) aber nicht über die Backeigenschaften, zumindest nur bedingt.
Was ich hier zusammenzufassen versucht habe, gibt es hier nachzulesen:
http://www.homebaking.at/vom-getreide-zum-gewuenschten-mehltyp-teil-2/
Wer eine Mühle in der Nähe hat der sollte dort mal mit dem Meister plaudern und ihn darauf ansprechen und vielleicht kann man dort auch passendes Pizzamehl bekommen. Ich werde jetzt 2 Dinge machen, zum einen werde ich mir "echtes" Pizzamehl bestellen und testen und zum anderen klappere ich nun ein paar Mühlen ab ...
LG