So Leute, weiter gehts.
Gestern gab es Illex Argentina, alles klar oder? Ihr könnt jetzt beruhigt euren Smoker anwerfen, das hier dauert.
Auf dem Programm stand Tintenfisch, schmerz - und rezeptfrei wie immer. Das mit dem Tintenfisch ist echt verwirrend, es sind eigentlich keine Fische, sondern Weichtiere, Kopffüßler, verwandt mit den Schnecken und Muscheln. Die Teile schwimmen schon ewig in den Meeren rum, die Griechen nannten sie Oktopus, übersetzt 8 Füße. Das war aber den Wissenschaftlern zu ungenau, weil es ja eigentlich keine Füße, sondern Arme waren. Und da gab es ja auch noch Exemplare mit 10 Armen, so nannten sie die Kraken mit den 8 Armen Octobrachia, die Tintenfische mit den 10 Armen Decabrachia.
Habe einen Illex Argentina mal schön drapiert und nachgezählt, hat 10 Arme, also Decabrachia.
...die ganze Family
Die Arme und die Saugnäpfe sind nicht Jedermanns Sache, für die Spezies nehme ich dann eher nur die Körper, die Tuben.
Da Tintenfische ja eher geschmacksneutral sind, braucht es noch a bisserl was. So mein Standardmenü dafür ist Koriander, Ingwer, Knoblauch, Zitronengras, Peperonici, Hanfsamen.
Das sind ungeschälte Hanfsamen, nix zum rauchen, aber sehr wertvolle Samen für den Körper. Ich bruzzle sie mit ganz wenig Öl sehr schonend in der Pfanne an. Wenn die Pfanne zu heiß wird, ja dann spielen Sie Popcorn.
Was jetzt kommt, ist nicht das, was die Mädels so denken mögen, es sind 2 Bambussprossen. Ich mag sie ganz gern, anderen schmecken sie zu modrig.
Alles geschnibbelt sieht dann so ungefähr so aus:
Da ich ja schon ein paar Messerchen im Vorrat habe, durften heute mal wieder Andere dran.
Da hätten wir ein Eskimomesser von Heimo Roselli aus Finnland, damit zerteilen die dort Wale. Oben rechts ein kleines Santoku, auch von Ihm. Mit den beiden Teilen kann ich Gefrorenes zerteilen, die Klingen juckt das nicht. In der Mitte unten ein Wiegemesser, geschmiedet aus einer LKW - Blattfeder von einem Kunstschmied aus Winningen an der Mosel. Dann hätten wir noch 2 Blechmesser aus Vietnam, Authentic Blades. Jeder Messerfreak würde sich kopfschütteln abwenden. Ich mag sie, sie haben eine 1mm Klinge, für z.b. Tomaten und zum schnibbeln super. Und rechts mein Zwerg, ein Vogelschnabel von Herder, ohne das fange ich in der Küche nicht an. Alle Teile nicht rostfrei, ich mag diese Exoten, sie haben Charakter, sind auch besser nachzuschärfen.
Für den Ingwer, Zitronenabrieb usw. nehme ich gerne die Microplane - Reibe, das klappt super. Die Geschichte von Microplane ist ja auch so ne Story. Eine kanadische Hausfrau wollte 1994 Orangenkuchen machen, die alte Küchenreibe war nix dafür. Da nahm sie testweise einfach mal eine Holzraspel vom Mann, die aus einem Baumarkt stammte. Es klappte damit super, es war die Geburtsstunde dieser Firma.
Mein Lieblingskoch, der Vincent Klink meint immer, eine Zitrone auszupressen und in die Gerichte zu kippen wäre Quatsch. Er verwendet viel lieber nur den Abrieb. Na ja, er weiß das bestimmt. Übrigens, seine Tagebücher im Netz sind legendär, Kult.
So, genug mit dem Quatsch, die Tintenfische habe ich gewaschen, abgetrocknet, mit etwas Ölivenöl und Ghee kommen sie in die Pfanne. Diesmal durfte eine Scholl, Lyoneser Form. das sieht dann so aus:
Da die Tierchen ziemlich wasserhaltig sind, schütte ich das überflüssige Wasser schonmal aus oder wende einen Tricks an, eine Grillzange mit einem eingeklemmten Zewa. Der Hintergrund der Sache ist ja, dass ich ja irgendwann Röstaromen möchte, mit dem vielen Wasser dämpft es nur vor sich hin:
So, das wird langsam, ein wenig Ölivenöl und Ghee auffüllen, weiter gehts.
In der Zwischenzeit in einer anderen Eisenpfanne die Zubehörteile angeschmurgelt:
Wenn ich so das Gefühl habe, es passt, kommt alles zusammen in die Eisenpfanne. Mit Quellsalz aus Portugal, Pfeffer, Oystersauce, meine Thaildealerin sagt immer "Oistelsoss bessel als Sojasoss", die muss es ja wissen.
Für mich kommen eigentlich bei den Tintenfischen nur 2 Zubereitungsarten in Frage. Entweder kurz volles Rohr auf den Grill, so kenne ich das z.B. aus Mykonos. Eine Insel mit interessanten Menschen, Wind geht eigentlich immer. Oder ich geben den Teilen Zeit, lasse sie in der Pfanne mit einem Deckel vor sich hin bruzzeln, low and slow. Dadurch werden die Tintenfische butterweich.
Als Beilage gab es Bärlauchbaguette aus eigener Zucht. Habe bei der letzten Abfüllung den Fehler gemacht, die Gläser zu voll zu machen, der Bärlauch will da raus:
Ein Baguette aufgeschnitten, das Pesto verteilt, kurz in den Grill des BO, etwas Pfeffer drauf, immer lecker:
Angerichtet habe ich auf einem quadratischen, weißen Teller. Ich mag weiß am liebsten, bei den bunten, gemusterten Teile verliert das Gericht schonmal optisch an Wert. Hanfsamen, Zitronenabrieb drüber, sieht ganz nett aus.
So, das wars dann mal wieder. Diejenigen, die eingepennt sind, können jetzt wieder aufwachen. Mir hats Spaß gemacht, es war lecker - Danke fürs reinschauen.