Ich verrate mal ein gut gehütetes Geheimnis:
Das Stukenbrock-Tomatenmesser taugt nichts !
Es ist eher etwas fürs Auge und für die Sammlung, aber es schneidet grauenhaft. Die Säge ist viel, viel zu grob. Ich gebe dir recht, eine Art Kullen- oder Wellenschliff wäre weitaus besser gewesen.
Dabei hat die Grundform des Solinger Säbelspitz sowas überhaupt nicht nötig. Der 'glatte' Säbelspitz schneidet Tomaten wie kaum ein anderes Messer, klasse !
Das Stukendingsbums dagegen...
Erstens taugt die Säge nur für den ziehenden Schnitt. D.h., man müßte eine Scheibe in einem Zug runter bekommen. Nun weiß ich nicht, wie die Tomaten in der Endphase der Weimarer Republik beschaffen waren, ich weiß auch nicht, ob die Holländer uns schon damals mit ihren Treibhauszüchtungen vergiften wollten ?
In der Regel schafft man es nicht, in einem Zug die Tomate zu zerteilen. Und dann geht das Elend los.
Schiebt man aus alter Gewohnheit die Klinge nach vorn, fängt der Schnitt an, fürchterlich zu ruckeln und ungleichmäßig zu werden.
Die Tomate wird niedergemetzelt.
Man muß die Klinge leicht anheben und erneut für den 'ziehenden Schnitt' ansetzen... Das klingt nicht nur bescheuert, ist es auch !
Mit einem normalen Säbelspitz hat man diesen Ärger nicht, der schneidet wie Gift.
Fazit 1
Jedes Stukenbrock-Tomatenmesser ist eine vertane Chance und wäre lieber ein Säbelspitz geblieben.
Zweitens - Herstellung: (kann ich nur vermuten)
Die Stukenversager wirken geringfügig dicker an der Schneide als der Säbelspitz. Ohne es genau zu wissen, gehe ich mal davon aus, daß die Sägezahnung vor dem Dünnschliff von Hand in die Rohlinge eingeschliffen wird.
Denn: ist das Messer erstmal dünngeschliffen, schwingt und biegt sich die dünne Schneide und ich glaube kaum, daß man dann noch eine Säge zustand bringt. Also nachträglich einen Säbelspitz auf Stukenbrock 'umzurüsten' geht wahrscheinlich gar nicht (abgesehen davon wäre es ein Schildbürgerstreich).
Ich habe beide Tomatensägen ausprobiert, mit demselben Ergebnis. Vermutlich könnte man durch Überschleifen und nachschärfen noch eine bessere Schneidleistung heraus holen, aber das kommt für mich nicht in Frage, da beide Klingenspiegel noch von Fehrekampf sind. Ist halt so eine Sammlergeschichte, nur zum angucken. Jedenfalls ahne ich, weshalb das Stukenbrockmesser so sang-und-klanglos wieder verschwunden ist.
Fazit 2
Überspitzt formuliert, könnte der Solinger Säbelspitz eines der besten Messer der Windmühle sein, aber das Stukenbrock ist mit Sicherheit das am schlechtesten schneidende Windmühlenmesser, welches ich je in Händen hatte.
Ich weiß nicht ob man das sehen kann, die Tomate war schon etwas weich (bald wird es nur noch Hollandtomaten geben, rot, hart, unreif, fade, wurgs...)?
Die Scheiben werden alles andere als regelmäßig.
Jedes, wirklich jedes andere Tomatenmesser kann es besser !
Jeder, wirklich jeder andere Schliff wäre ein besserer gewesen, als diese verunglückte Kreissäge !
Ich denke da an eine Anrißschneide, im hinteren Drittel der Klinge, ganz feine Säge wie beim Windmühlen-Steakmesser. Vordere 2/3 bleiben glatt / scharf.
Aber eigentlich hat es der Säbelspitz als Grundform nicht nötig, der schneidet 'glatt' viel besser.