sodele, ich glaube, das war´s mit den Rehen. Im alten Revier. Es tut sich was, ich folge dem Bauchgefühl. Jagen soll Spaß machen und ich habe keine Lust darüber nachzudenken, wer aus der "Mannschaft" wieder hinter meinem Rücken irgendwelche krummen Dinger dreht. Keinen Bock drauf.
Ich hab schon im Sommer die Fühler ausgestreckt und bin fündig geworden. War vorerst noch unverbindlich, weil ich mir nochmal ansehen wollte, wie es im alten Revier weiter geht. 5 KM von der Haustür weg ist natürlich schon ein ziemlich starkes Argument. Aber nicht stark genug.
Egal. 5 Rehe wären noch zu schießen gewesen, dumm nur, daß man überall da, wo die Rehe sind, kommst du nur mit einer halbstündigen Wanderung oder einem Unimog hin. Ich hab mich dann halt für die Wanderung entschieden. Der Sitz steht in einer Talsenke auf einer kleinen Wieseninsel umgeben von Raps. Die Felder sind auf der einen Seite von der Bundesstraße und auf der anderen Seite vom Waldrand begrenzt.
Auch wenn der Untergrund noch einigermaßen gefroren ist - nein, ich fahre da nicht runter. Da bin ich nämlich mal vom Traktor rausgezogen worden. Nicht machen.
Ich parke oben an der Straße und wandere los. Gemessene 700 Meter bis zum Sitz. Richtig runter ins Tal.
Beldaden wie mein eigener Sherpa ziehe ich los, Rucksack mit 2 Decken, Gewehr und Bergeschlitten.
Es ist kurz vor 16 Uhr, ich besteige den Sitz. Schwindelerregend hoch, aber zum Glück ein stabiles Metallgestell. Oben angekommen stelle ich fest, daß es schrecklich kalt ist und weht, daß es dir Falten aus dem Gemächt zieht. Egal.
Ich wickele mich in die Decken, stelle fest, daß ich die Mütze im Auto vergessen hab. Einrichten, Entfernung messen, mit dem Wärmekuck die Waldkante absuchen.
16.30 treten die beiden ersten Rehe aus. Geis und Kitz. Entfernung - 190 Meter. Also warten. Plötzlich kommt Bewegung ins Geschehen und ich erkenne 4 weiter Wärmequellen im Hintergrund. Die beiden ersten Rehe ziehen am Waldrand lang in meine Richtung. Immer noch zu weit.
Irgendwann fangen die diversen Kitze an, Nachlauf zu spielen. Ab jetzt ging es relativ schnell, die Rehe ziehen von links nach rechts am Waldrand in meine Richtung.
Ich greife zum Gehörschutz, die Waffe ist schon grob ausgerichtet. Ziel erkannt uswuswusw.... Auf 80 Meter steht ein Kitz breit, der LP wandert auf die Kammer, einstechen, päng. Erst keine Reaktion, überhaupt keine. Dann verschwindet die Gruppe im Wald. Kein Schußzeichen, nichts. Ich zweifele mal wieder sehr an mir, hab ich wegen der Kälte so gezittert? Hmmmm. Eigentlich nicht.
Nu ist guter Rat teuer. Sauerkrautsaft hilft beim Nachdenken. Der Wärmekuck verschafft wenig Aufklärung. Im Gebück am Waldrand sehe ich 4 Wärmequellen. Nach einiger Zeit fällt mir auf, daß sich drei davon bewegen und eine anscheinend nicht. Muß ja auch noch nix heißen, aber läßt hoffen. Ich warte bis die drei weg sind, packe zusammen, steige runter, Bergeschlitten greifen und übers Feld an den Waldrand. Je näher ich komme, umso deutlicher ist die Signatur. Also liegt. Große Erleichterung.
Ein strammes Bockkitz.
Alles aufladen, Kitz und Rucksack auf den Schlitten und munter voran. 700 Meter den Berg hoch. Ich sag euch, es war ein gutes Stück Arbeit, naß und rutschig war es zu allem Elend auch noch. Aber irgendwann bin ich endlich am Auto, einladen, 200 Meter weiter an die Hütte zum Aufbrechen, da gibt´s auch Wasser.
Ich hab mich mit dem Pächter abgesprochen, wir haben uns auf den Preis geeinigt, noch aus dem Wald raus überwiesen. Die letzte "Amtshandlung". Je größer der Abstand wird, umso sicherer bin ich mir in meiner Entscheidung. Gut zu gehen. Ob ich denn nicht noch 2-3 Rehe schießen wollen würde? Gebrauchen könnte ich sie ja schon, hab aber keine Lust mehr auf den Verein und außerdem ist mir das Wetter echt zu bescheiden.
Gestern hab ich das Kitz zerlegt, mein Eindruck hat mich nicht getäuscht, stabil gebaut, gute 13 Kilo am Haken.