Bock tot. Es ist 10 vor 5 als ich aus dem Auto steige. Nicht unbedingt meine Zeit, aber so isses nun mal. Wenn mann im Sommer morgens blatten will.
Ich stehe am Eingang einer riesigen Weide, die an ein noch viel riesigeres abgeerntetes Weizenfeld grenzt.
Ich parke am Anfang der Weide, etwa 400 Meter bergab in einer großen Hecke steht der Sitz. Der Weg führt mich parallel zum Waldrand bergab.
Nach etwa 100 Metern bleibe ich stehen und lasse den thermischen Blick streifen. Deutlich erkennbar etwa 200 Meter vor mir ein Reh.
Ich greife in die Jackentasche und lasse es schmachtvoll fiepen. Das Reh, das bis jetzt noch nicht näher angesprochen ist, kommt auf mich zugeflogen. Das Licht reicht inzwischen um durchs Fernglas einen Bock zu erkennen. Zielstock. Auflegen. Noch eine Salve blatten, so etwa 50 Meter vor mir steht er breit. Einstechen, Ziel erkannt uswuswusw, die 7x64 geht auf die Reise. Repetieren, Thermik greifen, nichts zu sehen. Nu ist guter Rat teuer. Alte Jägersweisheit - in der Ruhe liegt die Kraft.
Ich markiere den Punkt von wo ich geschossen habe, zähle die Zaunpfähle bis zum dem Punkt, wo er gestanden hat.
Geordneter Rückzug. Zurück ans Auto, Gepäck ablegen, Waffe wagpacken. Im Kofferraum erwartet mich eine sehr aufgeregte Frau Braun. Es hat geschossen, der Chef kommt ohne Beute ans Auto, das heißt suchen.
Aber der Reihe nach. Es ist noch zu dämmerig. Ich will mehr Licht. Also warten. Ich gehe in der Zwischenzweit 20 Minuten mit Frau Braun in die andere Richtung spazieren, Morgentoilette und so.
Inzwischen ist es hell genug, mit leichter Bewaffnung gehen wir in Richtung Anschuß. Frau Braun zeigt keine wirkliche Reaktion, was mir gar nicht gefällt. Das ändert sich recht schnell, ich lese, sie hat den Anschuß. Nur zu sehen ist nix. Außer einem Wechsel, der in den Brombeeren und Brennesseln verschwindet. Großartig.
Aber.... Genau hinter dem Weidezaun 5 Meter im Wald geht ein parallel zum Zaun ein Weg. Also sind wir außenrum, als wir auf der Höhe des Anschusses sind, sehe ich endlich den ersten Schweiß. (Anschuß bis zum ersten Schweiß 5 Meter). Frau Braun hebt die Nase in den Wind. Das ist der Moment in dem die Anspannung von mir abgefallen ist und ich hinter Frau Braun her einen Satz ins Buchengestrüpp zum Bock gemacht hab. Schuß tief in der Kammer, so wie er sein sollte.
Frau Braun zurück ans Auto, Bergeschlitten holen, Bock bergen, zum Aufbrechen auf den Hof. 15 Kilo, ich denke 3 Jahre.
Foto ist nicht so schön, ist in der Kühlzelle entstanden, Eile war geboten, sonst wirste mitsamt deinem Bock von den Mücken gefressen.
Beim Bauern gab´s ein bissi frische Milch zum Frühstück, ein Dorf weiter Baguette und Croisants. Jagd im Sommer ist schon was schönes. Und mal wieder beweist es sich - Jagd ohne Hund ist Schund.
Um viertel vor 7 hab ich im Garten unter der Dusche gestanden und bin dann mit Anlauf in den Pool..... Ganz ohne Sauerkrautsaft. Den gab´s später....