Ganz gleich der Duskussionen um Warnwerte, DGHM, HACCP, Verlage oder sonstwas.
Teures "Gourmetfleisch" zu kaufen um es dann sicherheitshalber gut durchzugaren, weil es bedenklich an den Belastungsgrenzwerten kratzt ist meiner Meinung nach widersinnig.
Wenn man bedenkt, dass der Gründer einer der großen Gourmetfleischversender bis dato keine Ahnung von Fleich, Fleischhygiene, Fleischverwendung usw. hatte sondern ein reiner Marketingmensch war, der in klassischer Vertrieblermanier einfach nur einen Markt sah in dem er sich eine goldene Nase verdienen kann indem er den potentiellen Kunden nur genügend vormacht und so einen Bedarf schafft, der eigentlich gar nicht da ist ...
Schicki-Micki aufgemacht, einpaar reizvolle Sätze geschrieben und das Fleich ungewöhnlich teuer gemacht, dann kommen schon genügend Leute, die glauben etwas besonderes, etwas außergewöhnliches gefunden zu haben.
Ziel des Vertriebsmenschen ist es immer solche Kunden zu generieren, denn es sind die, die genug Geld haben um außergewöhnliche Preise zu bezahlen auf der verzweifelten Suche nach etwas außergewöhnlichem.
Oder kurz gesagt:
Der normale Handwerksmetzger verkauft seine Produkte nach Aufwand und gängigem Marktwert.
Der Vertriebler schafft eine Illusion, festigt sie mit außergewöhnlich hohen Preisen und filtert dadurch die hochpreisverliebten Kunden heraus die bereit sind, für diese Illusion viel Geld auszugeben und dies anderen Menschen gegenüber auch noch wehement zu vertreten.
In einem Emotionsmarkt wie Lebens- und Genussmitteln ist das für den Vertriebsmenschen die perfekte Konstellation.
Während der Handwerksmetzger zu seinem Produkt und seiner Leistung steht, ist dem Vertriebsmenschen das Produkt piepegal.
Der Handwerksmetzger nimmt Warnwerte als Anlass zur Fehlersuche und zur Verbesserung seiner Leistung bzw. der Qualität seiner Ware.
Der Vetriebsmensch nimmt Warnwerte und legt sie in einem Ordner ab, solange er irgendwie argumentieren kann, dass das alles doch noch unterhalb absoluter Grenzwerte sei.
Mein Vetrauen in "Gourmetfleischversender" war noch nie hoch, der Blick in die beschriebenen Details bestätigt meistens dass es mehr um Bedarfsweckung und Preismaximierung als um ein gutes Produkt geht.
Daher würde ich das Ergebnis des Tests zwar etwas genauer studieren und hinterfragen, aber keineswegs als unglaubwürdig abtun.
Dafür bestätigt es zu sehr das sonstige Auftreten der "Gourmetfleisch"-Händler.
Alleine der Begriff ist schon sehr interessant.
Ein richtiger Gourmet schaut sich vorher an was er kauft, er sucht es gezielt aus, schaut es sich an, riecht daran und nimmt gezielt die Stücke die ihm perfekt zusagen. Jedes einzeln.
Ein richtiger Gourmet bestellt niemals Fleisch blind im Internet nur weil es besonders teuer ist und die Homepage schick aufgemacht ist.
Ich wähle da lieber den Mittelweg zwischen Discounter und "Gourmetfleischversand", nämlich den klassischen Metzger um die Ecke oder auch mal den Weideland-Angus Direktvermarkter in der Region zu dem ich noch mit ruhigem Gewissen hinfahren kann und dies mit anderen Erledigungen in seiner Ortschaft verbinde.
Das Testergebnis untermauert, daß ich damit wohl nicht ganz falsch liege.
Viele Grüße
Onkelchen