Meine Frage habe ich zum besseren Verständnis zitiert
Hi bby4you,
na, das ist doch mal ein Beitrag, auf den man Stellung nehmen kann. Interessante Aspekte, in der Tat.
Ich bin ehrlich, ich tue mich gerade etwas schwer, die konventionelle Landwirtschaft von der unkonventionellen, vor allem im Hinblick auf Viehzucht zu unterscheiden. Konventionell heißt für mich, das Tier steht im Stall und bekommt Mastfutter und was auch immer, damit es möglichst schnell an Gewicht zulegt.
Dass Tiere auf der Weide stehen, ist für mich da schon ein deutlicher Fortschritt.
Natürlich hast Du Recht, dass man nicht sieht, was im Winter im Stall geschieht. Aber ganz ehrlich: Vertrauen gehört dazu, und vielleicht kann man dem Landwirt um die Ecke mehr Vertrauen schenken, als manch anderem Bereich in der Lebensmittelindustrie. Wenn der Markus mir sagt, dass nicht gemästet wird, dann glaube ich ihm das. Mus ich auch, weil bei uns Unschuldsvermutung so lange gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Stimmt, wer nur zwei Mal im Jahr schlachtet, macht nur zwei Mal im Jahr Erfahrungen. Das ist so, Punkt. Richtig ist auch, dass – zumindest in dem von mir beschriebenen Fall – er nicht selbst schlachtet. Er muss den nächsten Schlachthof anfahren. Den dort arbeitenden Metzgern, seien sie nun im Ruhestand oder machen es als Nebenerwerb, sollte aber nicht abgesprochen werden, dass sie ordentliche Arbeit machen. Aber egal, selbst wenn ich unterstelle, dass die Situation im Schlachthaus dann wieder für jedes Tier gleich ist, hat das hier angesprochene, doch ein weitaus besseres Leben gehabt als manch anderes. Dass bei den meisten Direktvermarktern die Einrichtungen nicht vorhanden sein sollen, kann ich nicht bewerten. Allerdings müsste ich jetzt bei Dir hinterfragen, was es denn zu einer wie Du es nennst, qualitativ hochwertigen Produktion braucht. Erst dann könnte man abklären, wie es sich tatsächlich verhält.
Den Ansatz, nur alle Teiles des Tieres zu verkaufen, kann ich problemlos nachvollziehen. Nachhaltig ist es, selbst wenn es nur vorgeschoben wäre. Tatsächlich kann es sich wohl kaum ein Direktvermarkter leisten, nur die ‚Filetstücke‘ zu verkaufen, und wir Menschen neigen nun mal zu einer ausgeprägten Rosinenpickerei, ich nehme mich da nicht aus.
In Sachen (Rind)Fleisch scheint es mir recht einfach: Man kann nicht alles haben, man muss Abstriche machen. Zumindest die meisten von uns müssen das.
Dass Du, und so interpretiere ich Deinen Beitrag, in einer ausnehmend glücklichen Lage bist, freut mich. Ich bin es nicht und muss daher zusehen, wie ich Ansprüche und Gewissen in Einklang bringe. Dieser Direktvermarkter könnte ein Pfeiler sein. Zumindest scheint es mir mit allen Einschränkungen sinnvoller als der Einkauf in der Metro, wobei ich auch den tätige, das stelle ich nicht in Abrede. Wenn ich ein paar Kilo Roastbeef zubereiten möchte, und ich es beim Direktvermarkter nicht bekomme, dann muss ich es woanders beziehen, klar.
Vom Gedanken der heilen Welt habe ich mich schon lange verabschiedet.
Grüße
Gerhard