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Der Jungjägerblog...

@erwinelch Waidmannsheil
 
es kam wie es kommen mußte, erst zwei Schmalrehe, die sind in Frankreich zu dieser Jahreszeit tabu und dann ist im mittelhohen Gras ein Bock aufgestanden und etwa eine halbe Stunde gemütlich vor der Horizontlinie auf und ab marschiert. >:(
 
Nachdem ich mein letztes Schweinchen am 3. April erlegen konnte, dachte ich, Diana sei mir dieses Jagdjahr besonders hold. Aber nein, die blöde Zicke hat mich nur vera..cht!

Die letzten Wochen hatte ich unheimlich viel Anblick, jede Menge Rehwild, aber keine Chance auf einen Schuss. Da war zum Beispiel das Schmalreh, das aus dem Wald auf die Wiese wechselte (Stand ggü. Waldkante), in aller Seelenruhe am Waldrand äste (ist auch die Grenze, also Vorsicht geboten), langsam in meine Richtung wechselte, und in der Zeit zwischen Wechsel vom Glas zur Büchse verschwand. Bzw. nicht verschwand, sondern mit Vollgas über die Wiese galoppierte (nicht flüchtig, eher aus Freude an der eigenen Geschwindigkeit). Dann blieb es stehen, mit dem Spiegel in meine Richtung. Dann ging es langsam weiter, äste ein wenig, drehte sich ganz langsam nach links (so im 20° Winkel), dann wieder nach rechts, und dann ging es ganz geruhsam so lange weiter, bis ich es bei der Dämmerung im ZF nicht mehr erkennen konnte.
Oder der Bock, der in aller Ruhe 40 Meter vor dem Stand äste - die Ricke immer genau neben ihm. Ständig. Stand er mal frei, dann nicht breit. Ging so über 20 Minuten, bis es zu dunkel wurde... Nur zwei Erlebnisse von einigen dieser Art seit 01. Mai...

Also Strategiewechsel: Morgen- statt Abendansitz. Heute früh um 04:00 raus, traumhaften Sonnenaufgang erlebt, und so gegen 05.30 kam der alte heimliche Bock, auf den ich es schon letztes Jahr abgesehen hatte. Am Feldrand entlang, 90° auf den Wald zu. Einzige Chance für einen sicheren Schuss waren die etwa 2,50 Feldweg. Netterweise machte er genau dort Pause. Unnetterweise zeigte er sich vom Schuss sichtlich unbeeindruckt und wechselte in aller Ruhe in den Wald.

Reichlich irritiert (weil: dachte, ich sei gut abgekommen gewesen) ging ich zum vermeintlichen Anschuss, wo nichts, aber auch gar nichts zu finden war. Na, toll. Also Hund geholt. Der sah das glücklicherweise ein wenig anders als ich, nahm Witterung auf und ab ging's zwischen die Bäume. Am ersten Baum reichlich Schweiß gefunden. Dann ging's noch durch eine Dickung und dort lag der alte, schlaue (noch nicht ganz verfärbte) Bock. Den vielen frischen Plätzstellen nach durfte er an einem seiner Lieblingsorte verenden. Sauberer Blattschuss, alles gut. Vielleicht ist Diana mir jetzt doch hold...
 
Waidmannsheil. Laß ihn dir schmecken. Ich sag nur, das toitsche Panzerreh. Hast du etwa mit einem zu dünnen Kaliber geschossen? Unter 9,3 ist es ja eine sträfliche Mißachtung der Waidheiligkeit.....
 
Waidmannsheil. Laß ihn dir schmecken. Ich sag nur, das toitsche Panzerreh. Hast du etwa mit einem zu dünnen Kaliber geschossen? Unter 9,3 ist es ja eine sträfliche Mißachtung der Waidheiligkeit.....

Jaja, das berühmte Panzerreh (capreolus teutonicus armis), schluckt locker eine 30-06. Muss mal die UJB nach einer Sondergenehmigung für Panzerfäuste anfragen, offizielle Begründung ASP dürfte funktionieren. :-)

Der bleibt jetzt erstmal ein paar Tage länger als sonst in der Kühlung, auf dass das Fleisch schön reife und zart auf dem Teller liege...
 
Jaja, das berühmte Panzerreh (capreolus teutonicus armis), schluckt locker eine 30-06. Muss mal die UJB nach einer Sondergenehmigung für Panzerfäuste anfragen, offizielle Begründung ASP dürfte funktionieren. :-)

Der bleibt jetzt erstmal ein paar Tage länger als sonst in der Kühlung, auf dass das Fleisch schön reife und zart auf dem Teller liege...

30.06 . Siehste mal, elender Amimist, von dort ist noch selten was Gutes gekommen. Das toitsche Panzerreh wird mit 8x56 oder der guten alten Försterpartone füsiliert. Zur Not auch noch mit dem "Franzacken-Pendant", 7x64. Hat bei mir bis her alles tot gemacht. Voraussetzung ist natürlich, anständig zu treffen.

Ok, beim Fangschuß auf eine angeflickte 90 Kilo-Sau is mir ein bissi anders geworden. Aber auch da gilt - Treffen ist oberste Jägerspflicht. Die Sau hatte danach ein ziemlich häßliches Loch im Schädel.


Ganz normal jagen war ich auch nochmal, an meiner allerliebsten Lieblingskanzel. In der Natürverjüngung. Nach langen Debatten mit dem Förster durften wir auch wieder eine Salzlecke aufstellen.

Gegen viertel nach 9 steht ein robuster Spießer am Salz, ich bin gerade dabei einzustechen, als 10 Meter danaben im Gebüsch sein Kontrahent anfängt Krach zu schlagen. Das war´s mit dem Spießer. Aber - wir sehen und wieder....
 
Ok, das Böckla kommt schon wieder: Aber: Hättest nicht einstechen müssen, gäb's heute gebackene Rehleber.
Ein weiterer triftiger Grund, die veraltete, höchst überflüssige und zudem nachgewiesenermaßen unfallverursachende Technik des Stechers hinter sich zu lassen..
 
Ok, das Böckla kommt schon wieder: Aber: Hättest nicht einstechen müssen, gäb's heute gebackene Rehleber.
Ein weiterer triftiger Grund, die veraltete, höchst überflüssige und zudem nachgewiesenermaßen unfallverursachende Technik des Stechers hinter sich zu lassen..
vielmehr war eingestochen, ich was den Einschuß am verfeinern. Hinter das Blatt, recht tief, aber auch nicht zu weit hinten.
Hat drei Effekte, Reh rennt vllt noch ein paar Meter und der Hund ist glücklich, weil er endlich nochmal was zu tun hat, die Blätter bleiben ganz und Leber und Pansen ebenso.... Scheiß Perfektionismus.

Aber - auf dem Plateau haben sich den ganzen Abend drei Böcke ein Battle geliefert, von halb 8 bis halb 11 haben die Geschrei veranstatet. Und das richtig.

Hin und wieder sind die beiden bekannten Schmalrehe aufgetaucht, aber die sind ja zu..... Und insbesondere jedesmal ab, wenn die drei Kerle wieder angefangen haben..... Ein wirklich eindrucksvolles Spektakel. Naturverjüngung. Fluch und Segen gleichermaßen. Rehe reichlich, die sich aber nicht immer so zeigen.

Und von wegen Stecher und überflüssig. Ich hab dem Erblasser drei Tage vor seinem Tode das Versprechen geben müssen, an der Waffe - außer einem neuen Glas - nichts zu verändern. Und daran halte ich mich. Und... Es ist ein frz. Stecher, also das reduziert die Fehelerquote natürlich schon....
 
Ok, das Böckla kommt schon wieder: Aber: Hättest nicht einstechen müssen, gäb's heute gebackene Rehleber.
Ein weiterer triftiger Grund, die veraltete, höchst überflüssige und zudem nachgewiesenermaßen unfallverursachende Technik des Stechers hinter sich zu lassen..

Stimmt. Gestern abend kam er wieder. Das scheint ein AWUE-ner Vertreter seiner Art zu sein. Methusalix. Mit dem Alter schlau.
Sonst wäre er wohl nicht so alt geworden. Und nun wird er noch älter. Ich habe gestern das Geschehen den ganzen Abend beobachtet, dabei ein paar Akten gelesen. Die Dämmerung setzt ein, lesen ging eh nicht mehr, ich fixiere die Salzlecke. Kein Bock. Viertel vor 10, schon mächtig duster im Wald, sehe ich in einer kleinen Senke, 30 Meter vor dem Sitz, ein Reh. Ich habe intensiv angesprochen und er war es. Er kam aus einer Richtung, wo ich ihn nicht vermutet hätte, aber das interessiert außer mir niemanden. Ich beobachte ihn noch so etwa 10 Minuten, versuche ihn im ZF zu fassen, aber im Wirrwar aus Kronenholz und Aufwuchs in Verbindung von sich intensivierender Dunkelheit war an nix zu denken..... Wir sehen uns wieder. Mal sehen, Sonntag. Sonnenaufgang. Mal was anders....
 
@erwinelch: Vergeß den schlauen Gasset-Spruch nicht: Wir töten um gejagt zu haben..

(Und mein schlauer Spruch zum Thema: Lesen und daddeln soll man zuhause. Die Jagdzeit ist viel zu schade dafür).
 
Tja, das beste Kaliber der Welt nutzt nix, wenn man den richtigen Moment verpennt. Und nachdem es mir mit den alten heimlichen Böcken ganz ähnlich ging wie dir, habe ich die Strategie geändert: Morgens ansitzen. Denn in aller Regel gehen die davon aus, dass da noch nix los ist - Spaziergänger kommen kaum vor halb 6, und da ist das Licht schon gut.

Brachte mir am WE 2 "Alte" ein.
 
@erwinelch: Vergeß den schlauen Gasset-Spruch nicht: Wir töten um gejagt zu haben..

(Und mein schlauer Spruch zum Thema: Lesen und daddeln soll man zuhause. Die Jagdzeit ist viel zu schade dafür).

Tja, Jagdzeit.... Wenn die Alternative heißt, daheim am Schreibtisch zu sitzen, geht das schon mit dem Lesen auf dem Hochsitz.
Der erwähnte Gasset-Spruch überfordert mich gerade, was soll der mir sagen?
 
@McFred dieser Strategie werde ich demnächst folgen, ich hoffe nur dass ich da auch aus den Federn komme. Wenngleich ich mir als blutiger Anfänger einfach sicherer bin wenn ich auf die erfahrenen Mitjäger adhoc zurückgreifen kann wenn diese auch im Revier sind.

Bin am Wochenende nach einer üblen Nachtschicht noch eine kleine Runde im Revier gewesen, einfach zum durchatmen, kurz nach 6 Uhr morgens. Kein vergleich zum Abend, ich hab mir die Ecke im Revier mit zwei Hasen und einem abspringenden Bock in einiger Entfernung geteilt. Und der Geruch erst....
 
@McFred dieser Strategie werde ich demnächst folgen, ich hoffe nur dass ich da auch aus den Federn komme. Wenngleich ich mir als blutiger Anfänger einfach sicherer bin wenn ich auf die erfahrenen Mitjäger adhoc zurückgreifen kann wenn diese auch im Revier sind.

4.30 Uhr reicht bei mir, früher muss es gar nicht sein. So gegen 5.30 geht's los. Das Wild pennt offenbar auch gern.
 
Macht nix.
Der renommierte Philosoph Ortega y Gasset schrieb vor 80 Jahren in "Meditationen über die Jagd" über die Beweggründe des Jägers..

ah, nun kommen wir in der Sache weiter. Philosophische Gedankenspiele. Sollen wir? :-)
Heißt das, daß nur der Jäger ist, der auch tötet?
Wenn das so ist, wie ist das im zeitlichen Kontext zu sehen?
Bin ich nur im Moment des Erlegens Jäger und bei einem vegetarisch ausgegangenen Ansitz nicht?
Bin ich Jäger, weil ich töten will? Und wann bin ich überhaupt Jäger?
1938275


Soll ich weiter machen? :cop::rolleyes::sun:
 
Mach weiter, bitte gerne.
Grundlage: Der gesamte Ortega y Gasset Satz lautet übrigens sinngemäß:

"Wir jagen nicht um zu töten,
Sondern wir töten um gejagt zu haben.."

Soviel auch zum zeitlichen Kontext.
 
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