Outing....
Moin,
ich oute mich mal als einer dieser "bösen" Massentierhalter.
Ich bin ein Landwirt aus der Weser-Ems-Regionm und halte 1.000 Mastschweine und 180.000 Broiler (Nein, ich habe mich nicht verschrieben...).
Sorry aber einiges in diesem Thread ist doch an der Realität vorbei:
- dieses ständige Gerede von "Antibiotika-Schweinen bzw. -Hähnchen":
Ja, wenn die Tiere krank sind bekommen sie Medikamente, allerdings nur so viel wie nötig, denn jedes Medikament kostet viel Geld, was wiederum meinen Gewinn schmälert, von dem ich nun mal lebe.
Bevor ich warte, dass das Tier krank wird, versuche ich mit Vitaminen und Mineralstoffen (welche nur einen Bruchteil der Antibiotika kosten) den Organismus der Tiere von Anfang an so zu stärken, dass ich ohne Medikamente auskomme. Dieses tue ich um die Tierarztkosten niedrig zu halten und natürlich auch um meinen Gewinn zu maximieren.
- das angebliche Billigfleisch:
Ja, es gibt qualitativ besseres Fleisch! Ich selber bin auch kein Fan von diesem absolut trockenen Schnitzel aus der Fleischtheke, da ich weiss, dass Fett ein hervorragender Geschmacksträger ist. Allerdings ist es so, dass der Schlachthof bestimmt, wieviel Geld ich für mein Fleisch bekomme, und dieser verlangt "trockene" d.H. fleischreiche und magere Mastschweine mit einem Gewicht von 85 - 105 kg Schlachtgewicht. Wenn meine Schweine nicht in dessen Maske passen, bekomme ich sofort Abzüge, die die Mast unrentabel machen.
Versucht mal ein Schwein der Rasse Bunte Bentheimer bei Tönnies zu verkaufen: er wird es euch nicht abkaufen, weil zu Fett (ja ich habs schon gegessen, es ist wirklich sehr schmackhaft, gerade wegen des Fettes).
- die "Turboschweine":
Natürlich läuft die Mast heute anders als vor sagen wir mal 30 Jahren:
1. Die Züchtung schläft nicht (auch eure Hunde sind gezüchtet, oder habt ihr schonmal einen Collie oder Labrador in freier Wildbahn gesehen??) d.H. auch ohne Medikamente sind die Schweine bei einer dem Tier angepassten Fütterung in der Lage in 180 Tagen bis zur Schlachtreife heranzuwachsen!
2. Durch zig Fütterungsversuche ist die Futtermittelindustrie in der Lage, Futter herzustellen, dass auch ohne die bis vor zehn Jahren eingesetzten antibiotischen Leistungsförderer (die heute in Deutschland generell verboten sind, wenn der Landwirt nach QS zertifiziert ist), ein sehr hohes Leistungsniveau in der Mast möglich macht.
- Dioxin:
Kein Landwirt konnte wissen, was einige Futtermittelhersteller in ihr Futter rühren, wobei diese häufig selbst nicht wussten, was der Fetthersteller Harles &Jentzsch für ne Scheiße gebaut hat.
Das fällt in die Rubrik vorsetzliche Täuschung und gegen Verbrechen ist kaum eine Branche immun.
Ich will auch gar nicht, dass ihr jetzt alle wieder das billige Fleisch aus den Angeboten kauft, denn wenn sich die Nachfrage für qualitativ hochwertiges Fleisch vergrössert, wird auch ein entsprechender Markt entstehen.
Und wenn dann mehr Leute darauf aufmerksam werden, geschieht vielleicht ein umdenken in der Gesellschaft, so dass ich auch die Schweine mästen kann die ich selber gerne esse (z.B. Bunte Bentheimer).
Ich weiss, dass ich jetzt etwas off Topic war, da es hauptsächlich um US-Beef ging, aber nach den letzten 13 Seiten konnte ich es mir nicht verkneifen.
Eine Sache noch zu deutschem Rindfleisch: Auch hier gibt es grosse Unterschiede die vor allem die Rassen betrifft: Das Fleisch von Schwarzbunten Bullen ist weit weniger für den Grill geeignet als z.B. Hereford oder auch normales Fleckvieh. Aber es ist billiger.....
Und zu den Texten in denen steht, dass die deutschen Bullen auch nur mit Medikamenten hochgepäppelt werden: Ich kenne einige Bullenmäster und keiner von denen braucht im Schnitt mehr als 10€ pro Tier für Medikamente (wohlgemerkt für die Mastdauer von ca. 14 Monaten...). Rechnet mal aus, was ihr im Jahr alleine für Kopfschmerztabletten ausgebt
Als Zusammenfassung dieses Textes kann ich euch folgendes mitgeben:
Jeder Landwirt muss und will Geld verdienen! Dieses erreicht er am besten mit gesunden Tieren und geringen Tierarztkosten! Medikamente werden nur dann eingesetzt wenns nicht ohne geht, da es sonst zu teuer werden würde.
Als letztes noch: Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe. In Deutschland gibt es ca. 300.000 Landwirte und wenn einer mal scheisse baut sind alle Landwirte genauso schuld.........
Alles was ich geschrieben habe meine ich auch so!!
Und gilt nicht für Puten....
MFG Chiggn
dem jetzt die Finger weh tun vom schreiben. (also erstmal ein Bier und danach ne Aspirin)
