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[Jagd] Der Jagdthread

Hier ist es, und bleibt, unpolitisch. Zumindest von meiner Seite.
 
Bockkitz tot. Nein, nicht daß es mich mit besonderer waidmännischer Freude erfüllen würde.

Was ist geschehen?

Gehen halb 8 fahre ich über die riesige Wiese in die Talsenke zu dem Sitz, an dem ich letztens 12 Rehe gesehen hab.
Erlegen wollte ich heute eigentlich gar nix, ich wollte den Sonnenuntergang genießen und mir das Gelände im Hellen mal genauer anssehen, weil ich mich dort heute abend auf Sauen hinsetzen will.

100 Meter vor dem Sitz geht ein Zaun quer über die Wiese. Ich bin im Begriff zu parken und erkenne hinter dem Zaun was rehfarbenes im Gras liegen. Seltsam. Das Reh "sichert" in meine Richtung, ohne allerdings aufzustehen. Sehr seltsam. Glas greifen, ich meine ein Kitz zu erkennen, das sehr seltsam mehr oder weiniger mitten in der Wiese liegt. 50 Meter oberhalb ist eine Schnellstraße.

Mich beschleicht ein sehr ungutes Gefühl. Der Arm geht auf die Rückbank, Waffe aus dem Futteral fummeln, drei Patronen ins Magazin, leise aussteigen, Waffe fertig laden.

In dem Moment steht das Kitz - als solches war es jetzt deutlich zu erkennen - auf und versucht zu flüchten. Kein schönes Bild, Vorderlauf gebrochen. Kann ja nur an der Straße gewesen sein.

Nun gut, ihr könnt euch denken, was jetzt kommt, an der Autotür angestrichen, eingestochen, ein Pfiff, Kitz bleibt benommen stehen. Ende.

Und wieder bestätigt sich das Mantra eines alten Jagdkollegen - nienieniemals ohne Waffe ins Revier.

Bockkitz, nicht gewogen, aber ich schätze 11 oder 12 Kilo. Nachher mache ich mich ans Abziehen, mal sehen, wie genau es aussieht, ein bissi Hundefutter gibt´s auf jeden Fall noch her.
 
So, und jetzt spannen wir mal den Bogen zurück zum Thema Verkehrsunfall!

Stell Dir mal einen Anruf 2 Tage vor Deinem Erlebnis vor, nach dem Motto: "Hallo Herr erwinelch, hier die Polizei XYZ. An Stelle XY war ein Wildunfall mit einem Reh. Der Fahrer hat das Reh erwischt, weiß aber nicht genau ob und wo es liegt. Du mit Deiner hier mit Nachdruck dokumentierten "Leckt mich am Arsch" Einstellung gehst nicht nachschauen, Wildunfälle gehen mich ja nichts an.

Trotzdem natürlich Waidmannsheil zum aus meiner Sicht Hegeabschuss.
 
So, und jetzt spannen wir mal den Bogen zurück zum Thema Verkehrsunfall!

Stell Dir mal einen Anruf 2 Tage vor Deinem Erlebnis vor, nach dem Motto: "Hallo Herr erwinelch, hier die Polizei XYZ. An Stelle XY war ein Wildunfall mit einem Reh. Der Fahrer hat das Reh erwischt, weiß aber nicht genau ob und wo es liegt. Du mit Deiner hier mit Nachdruck dokumentierten "Leckt mich am Arsch" Einstellung gehst nicht nachschauen, Wildunfälle gehen mich ja nichts an.

Trotzdem natürlich Waidmannsheil zum aus meiner Sicht Hegeabschuss.


Das kannst du nicht vergleichen. Der gebildete Herr sprach von etwas ganz anderem, als das was hier Thema war. In seiner Deklamation und im Narzismus hat er nur seine Sicht diskutiert, welche nebenbei überhaupt nicht zur Fragestellung passte. Er hat recht damit, wenn er als fremder Jäger im fremden Revier den Fangschuss kritisch sieht.


Soll heißen: während wir über Äpfel sprach, biss Erwin in eine Gurke und behauptete "Das ist auch ein Apfel"
 
Das kannst du nicht vergleichen. Der gebildete Herr sprach von etwas ganz anderem, als das was hier Thema war. In seiner Deklamation und im Narzismus hat er nur seine Sicht diskutiert, welche nebenbei überhaupt nicht zur Fragestellung passte. Er hat recht damit, wenn er als fremder Jäger im fremden Revier den Fangschuss kritisch sieht.


Soll heißen: während wir über Äpfel sprach, biss Erwin in eine Gurke und behauptete "Das ist auch ein Apfel"

Jetzt is aber dich auch mal gut, wir sind hier doch nicht im Forum der wilden Hunde.... >:(
 
Das kannst du nicht vergleichen. Der gebildete Herr sprach von etwas ganz anderem, als das was hier Thema war. In seiner Deklamation und im Narzismus hat er nur seine Sicht diskutiert, welche nebenbei überhaupt nicht zur Fragestellung passte. Er hat recht damit, wenn er als fremder Jäger im fremden Revier den Fangschuss kritisch sieht.


Soll heißen: während wir über Äpfel sprach, biss Erwin in eine Gurke und behauptete "Das ist auch ein Apfel"

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Ganz erkenntnisressistent scheinst du ja offensichtlich nicht zu sein.
 
Der Eine versteht nicht ganz, dass er sich lächerlich macht, der andere liked einen ketzerischen Beitrag, obwohl er zuvor zur Ruhe ermahnte (was für sich alleine gesehen respektabel war)...

Naja horcht ihr mal weiter den theatralischen Deklamationen von Erwin, welcher sich anscheinend der Wilderei strafbar gemacht hat und die Schuld bei anderen suchte ;-) und nun rechtlich berät....

Ich bin hier weg :-D
 
sodele, Sau tot. Ziemlich unspektakulär.
Ein Mitjäger hat mich in sein eigenes Revier eingeladen. Die Sauen sind an den Kirrungen mitten im Wald sehr aktiv, die Sauendichte ist hoch, die Nervosität steigt.

Wir treffen uns um 8 Uhr am Rande des Industriegebiets. Kurze Besprechung, wer was wo wie und warum, dann nehme ich die Waffe in Empfang.
Eine Remington .243 mit einem Thermic-Vorsatz. Geile Meile, ich sag´s euch.
Halb 9 sitze ich, spiele noch ein bissi an dem Vorsatzteil rum, will wissen, auf welchen Knopf ich im entscheidenden Moment drücken muß.
Dunkel ist es inzwischen. Wie im Bärenarsch. Ich seh nix. Nullkommanull.
Gegen 10 tauchen von irgendwo aus dem Nichts die Sauen auf. Ich nehme erstmal meinen IR-Handkuck um mir einen Überblick zu verschaffen. Allerdings erst nach so 10 Minuten. Ich zähle eine Kompanie von 15 Sauen, eine Cheffin, Modell Schrank, die anderen alle miteinander so zwischen geschätzten 30 und 60 Kilo. Zwerge sind keine zu sehen.

Ich schalte den Nachtkuck aus, die Waffe liegt eh schon auf der Brüstung. Peltor klemmt auf dem Knie. Vorsichtig wandern die Hände zum Knie, das Teil - also den Gehörschutz - greifen, eingeschaltet war er schon die ganze Zeit. Vorsichtig aufsetzen, die Hand wandert zum Einschaltknopf am ZF.

Das Teil bootet sich, scheint soweit einsatzbereit. Ruhig Brauner. Gaaaanz ruuuuuhig. Ansprechen. Ein ziemliches Gewusel. Eine Sau steht etwas am Rand, mittlere Größe. Der Zielpunkt wandert auf der Rückenlinie entlang, am Nacken vorbei. Teller. Jetzt noch ein klitzekleines Stück nach unten, entsichert ist.
Durchatmen, langsam den Druck am Finger erhöhen, päng, die Sau sackt in sich zusammen und rührt sich nicht mehr. Großes Chaos, es gelingt mir tatsächlich noch eine zweite Sau anständig ins Absehen zu bekommen, Druck am Finger erhöhen. Ich warte auf´s Päng. Nix passiert. Ich Depp hab nicht repetiert.

Dafür höre ich es in dem Moment am Sitz hinter mir krachen. "Ich hab sie von dir kommen sehen und konnte eine strecken".

Um 11 war alles erledigt, Sauen verladen. Wir haben uns bei meiner auf 50 Kilo geeinigt. Die Wanne am Wildträger war echt richtig stramm voll, mußte sogar festbinden. Sauen, die die Wanne am Wildträger gut ausfüllen, haben 40 Kilo, die hatte einiges mehr.

Sau in die Kühlung schaffen, den Jäger im Keller nordürftig versorgen, also am Waschbecken und mit kühlem Sauerkrautsaft. Mitternacht im Bett. Schon ziemlich unaufregend aufregend. Hat bis halb 3 gedauert, bis ich eingeschlafen bin. Halb 6 kräht der Hahn.
 
WmH

Hatte gerade eine Kronenhirsch vor der am fegen war...
Freigabe geht leider nur bis zum 6er Spießer
Und soviel Absägen das es passt ...........
 
So, weiter geht es. Ich hab so langsam das Gefühl, als wäre ich Freiluftzoo.

Heute morgen, halb 6, ich zerre mich aus dem Bett. Widerwillig kann ich nicht sagen, ich freue mich seit Tagen auf den morgendlichen Jagdausflug.
Die äußeren Bedingungen passen ganz gut, der Wind hat nachgelassen, allein diese Kälte. Das Thermometer sagt 11 Grad beim Einsteigen ins Auto.

Egal. Ich mache mich auf den Weg, eine Viertelstunde später nähere ich mich dem Sitz, Auto 200 Meter vorher auf der Wiese abgestellt und zum Sitz gewandert.

Ich genieße den Übergang von der Dämmerung in den Tag, freue mich an den beiden Hasen, die vor mir im Feld sitzen.

Am anderen Ende der Wiese, so in 300 Metern Entfernung sehe ich gegen halb 7 das erste Reh, das läßt hoffen.
Ich döse noch ein bissi, dann inspiziere ich den jungen Raps und frage mich, wo der Bauer den schrecklichen Schaden hat, von dem er gesprochen hat. Egal.

Viertel vor 7, die ersten Rehe kommen auf´s Feld. Alles auffällig schwache Geisen mit entsprechend schwachen Kitzen.
Das geht bis viertel nach 7, dann habe ich insgesam 4 Geisen mit 4 Kitzen vor mir. Dann Nummer 5. Kommt alleine, bzw in Gefolgschaft von einem kleinen Bock. Jetzt wird es langsam interessant. Ich beschließe noch etwas zu warten und mit die Sache dann genauer anzusehen. Ich beobachte die beiden etwa 20 Minuten, insbesondere durch die "Ist das ein Schmalreh-Brille". Normalerweise sage ich ja, wenn ich darüber nachdenke, ob es ein Schmalreh ist, dann ist es keins. Ich war mir von Anfang an ziemlich sicher und mein Eindruck verfestigt sich. Die Entscheidung ist gefallen. Die beiden tun mir sogar den Gefallen, vom Waldrand weg auf den Acker zu ziehen, bei gemessenen 65 Metern bricht der Schuß. Kurzes Zeichnen, dann bleibt es einfach stehen und nichts tut sich.
Naja, nicht allzulange. Das Böckchen bleibt gänzlich ungerührt daneben stehen, die Versuchung war da, aber ich hab´s gelassen. Was passiert, wenn jahrelang nur Böcke geschossen werden, ist ja eindrucksvoll zu sehen.

Alles gut, aufbrechen, Wildmarke dran, in die Bäckerei, dann in die Wildkammer, dann heim. Beim Heimkommen fängt mich die Nachbarin ab, "du hast die Wanne nicht auf dem Wildträger, haste Erfolg gehabt, meine Schwester will zwei Rehkeulen."

Was will man(n) mehr. 13 Kilo. Nicht berauschend.....

Auf der Heimfahrt haben dann am anderen Ende vom Wald auf den Maisstoppeln 5 Rehe gestanden. Is doch nicht normal.....
 
Waidmannsheil, aber was ist daran so schlimm bzw nicht normal? Gerade Maisstoppeln bieten aktuell mit die beste Äsung. Was schießt ihr denn im Schnitt an Rehen pro 100 Hektar und wie hoch ist der waldanteil?
 
Waidmannsheil, aber was ist daran so schlimm bzw nicht normal? Gerade Maisstoppeln bieten aktuell mit die beste Äsung. Was schießt ihr denn im Schnitt an Rehen pro 100 Hektar und wie hoch ist der waldanteil?
nun, es ist wie im Zoo, viel zu viele Rehe. Allesamt ziemlich schwach. Ich hab dieses Jahr dort noch keines gewogen, das über 15 Kilo gehabt hätte.

Es sind 850 Hektar, etwa halbe/halbe. Vorgabe sind glaube ich 55, 30 weiblich, 25 Böcke. Bin erst seit diesem Jahr dort, so wie ich gehört habe, sind letztes Jahr mühsam die Hälfte geschossen worden.... Und ganz überwiegend Böcke.
 
Ok, verstehe. Kommt mir ein Stück weit bekannt vor. Lösung ist meines Erachtens, ganz konsequent komplette Familien zu entnehmen. Hier natürlich immer jung vor alt. Der Schlüssel sind hier erst mal nicht die Schmalrehe, sondern vor allem die "alten Tanten". Die bringen mehr Unruhe rein als jeder junge oder alte Bock.
 
Ok, verstehe. Kommt mir ein Stück weit bekannt vor. Lösung ist meines Erachtens, ganz konsequent komplette Familien zu entnehmen. Hier natürlich immer jung vor alt. Der Schlüssel sind hier erst mal nicht die Schmalrehe, sondern vor allem die "alten Tanten". Die bringen mehr Unruhe rein als jeder junge oder alte Bock.

schön und gut. Das Problem ist... andere Länder, andere Sitten. "Hier" zählen halt nur Böcke und Keiler. Und Keiler eigentlich noch viel mehr alzwie die Böcke. Schmalreh deswegen, weil es im Moment ja doch noch arg früh ist, um die Kitze zu schießen, ist ja nix dran. Hatte letztens ein Verkehrsopferkitz, ganz mühsam 10 Kilo. In 2 Monaten sieht das vllt. ein bissi anders aus, aber im Moment bleibt mir halt außer einem SR nix, wenn ich keinen Bock schießen will.

Das könnte mir ja eigentlich egal sein, aber.... Ich bin Neuling in dem Revier. Und wenn über Jahre kultiviert wurde, bestenfalls außer Böcken Kitze zu schießen, dann ist das mglw. ein bissi schwierig, wenn ich da nu ankomme und erkläre, wie Rehwild zu bejagen ist. Besser nicht machen. Ich versuche einen anderen Ansatz. Ich propagiere endlich mehr Rehwild zu schießen. Wenn ich ein Stück gestreckt habe, also es liegt noch nicht richtig, da verkünde ich schon, daß es verkauft ist. Ein Reh bringt in der Kasse ungefähr ähnlich viel wie ein 60-70 Kilo-Keiler. (6 Euro Reh, 1,50 Sau).

Wenn du 55 Rehe zu schießen hast und bist mit 5 oder 6 Jägern und willst noch ein paar Rehe auf den DJ schießen, wird es halt irgendwann ein Kontingent-Problem, wenn ich 10 oder mehr Rehe schießen will. Wie gesagt, nicht nur Vorgabe mit 55, sondern auch 55 Wildmarken. Keine Marke, kein Reh.

Ist halt schon komisch, wenn du dich an den Waldrand setzt und es keine halbe Stunde dauert und du dir dann großzügig aussuchen kannst, was du erlegen möchtest. Hat mit meinem Verständnis von Jagd nicht SO viel zu tun....
 
Naja, alles relativ. Wenn es grundsätzlich von der Struktur her passt ist es ja erstmal kein Problem wenn auch ein paar Rehe mehr auf die Fläche treten. Wie gesagt, kommt auch start auf die Jahreszeit, Äsung etc. an. Es gibt Phasen bei mir im Revier, da könnte man meinen es gäbe ja gar keine Rehe mehr. Dann gibt es wieder Zeiten und Abend, wo man mit der Wärmebildkamera 40-50 Stück zählen kann. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck im Zoo zu jagen, im Gegenteil.

Zum Verkehrsopferkitz: Mit 10 KG war das top beinander, ist ein super Gewicht für die Zeit. Meine Erfahrung ist, dass die Kitze bis Dezember nicht mehr so gigantisch viel zulegen. Hinzu kommt, dass die Winterdecke nochmal deutlich mehr wiegt als die Sommerdecke.
 
Moin Männers,

heute mal keine der kurzweiligen Reh-tot-Geschichten. Aber fast. Einer von uns beiden hatte Glück, der andere Pech. Der Bock kam einfach eine halbe Minute zu früh oder zu spät um die Ecke und hat halt in dem Moment mitbekommen, wie ich gerade die Decke aus den Rucksack gefummelt hab. Kommt vor. Aber um den Bock geht es mir einklich gerade nicht.

Ich will das Erleben von Ruhe und Entschleunigung auf dem Ansitz beschreiben.
Gestern war ein stressiger Tag, das Telefon terrorisiert mich den ganzen Tag, keiner macht was er soll, dafür aber jeder das, was er will.
Dann kommt Frau von der Arbeit heim, dort war es auch nicht anders. Egal. Ich freue mich schon seit dem Wochenende auf diesen Ansitz, der letzte wirklich schön warme Abend. Ich schaffe es tatsächlich gegen halb 7 mich auf den Weg zu machen. Ich hasse es nämlich wie die Pest, wenn ich zu spät los komme. Gehetzt auf der Jagd ankommen ist einfach SCHEIßE. Ich hänge ja dem Aberglauben an, bin ich auf dem Ansitz nicht innerlich halbwegs ausgeglichen, überträgt sich das in meine Umwelt und NICHTS um mich herum zeigt sich. Ich rede jetzt nicht davon, daß die Sau mit der Zielscheibe auf der Seite vor dir auf und ab läuft oder so, nein, es tut sich in solchen Momenten einfach NICHTS. Nullkommanullundnullziggarnichts. Ein lieber alter Jagdfreund hat ganz am Anfang mal zu mir gesagt, gehst du in den Wald, dann mach die Tür hinter dir zu. Der Mann war damals 85. Ich hab alle seine 65 Jagdscheine gesehen.

Also - ich komme also rechtzeitig an, rückseitig eines großen Waldstücks, viele Hecken, weiter hinten ein versumpfter Bachlauf. Besser geht also nicht.
Ich hatte die Vorstellung, daß es um halb 9 eh schon stockdunkel ist und daß ich um 9 daheim bin.

Ich steige also auf den offenen Sitz unter der großen Eiche, habe im Angehen gesehen, daß die Sauen in der Wiese gebrochen haben, denke darüber nach, daß ich seit Monaten auf der dem Sitz gegenüber gelegenen Seite einen Baum umsägen will um einen Salzstock einzurichten.

Ich steige hoch, freue mich, daß mein Armauflagebrett lang genug ist und daß nu eine wirklich gute Auflage für einen sicheren Schuß da ist.
Ich fummele mir einen kühlen Sauerkrautsaft aus dem Rucksack und komme an. Es dauert etwa 20 Minuten, bis mir auffällt, daß ich meine innere Ruhe daheim vergessen hab. Ich bin mir fast selber auf die Nerven gegangen. Kennt ihr das? Nix von Hakuna Matata, einfach nur die dümmiche Erwartung, daß gleich ein schwacher Bock oder ein Schmalreh auf der Hecke kommt? Einfach, weil da immer Rehe rauskommen? Diana hat mir einfach mal schön den Finger gezeigt. "Kommst du auf den Ansitz mein Freund - erwarte nichts. Und sei entspannt". Sonst wird das hier nix. So war es auch.

Aber.... Ich hab es irgendwann aufgegeben den Waldsaum abzusuchen, es war mir egal. Das Reh kommt nicht schneller, wenn ich mich verrückt mache.
Und dann kam sie so langsam. Die innere Ruhe. Es war inzwischen halb 9, langsam wurde es kühl und als bekennende Frostbeule fische ich die Decke aus dem Rucksack. Genau in dem Moment, wo ich fertig war mit dem Einwickeln, ist rechts im Halbdunkel die schemenhaft Silouette eines Rehs zu erkennen.
Anstatt daß ich Depp stillhalte und abwarte, greife ich sofort das Glas und sehe den Bock entschwinden. Selber schuld. Egal.

Unerwartet kommt langsam der Mond um die Ecke, leichte Bewölkung. Von jetzt auf gleich eine ganz andere Atmosphäre. Iwi melancholisch, das diffuse Licht, daß auf der trockenen Wiese für einen wunderbaren Kontrast sorgt. Eine fast mysthische Stimmung macht sich breit. Ein Traum. Entschleunigung und Naturerlebnis pur. In Worten sehr schwer zu beschreiben, aber einfach traumhaft.

Es ist immer noch früh am Abend, gerade mal 9 Uhr, ich beschließe noch ein bissi zu bleiben. Es passiert zwar nix mehr, also kein Reh, keine Sau, dafür am Waldrand ein Dachs, aber ich bin mit mir im Reinen, ausgelichen und ich habe das Gefühl, "Eins" zu sein, mit dem Geschehen. Geschehen heißt ja nicht unbedingt, daß großartig Aktion entsteht, aber egal jetzt. Es war schön. Wunderschön und das gehört dazu. Hinsetzen, eine halbe Stunde warten, schießen, Reh einsammeln kommt auch vor, aber es sind diese Momente, die den besonderen Reiz ausmachen....

So, genug Poesie am frühen Morgen.....
 
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