ein anstrengendes WE liegt hinter mir, 2 Tage jagen, 4 Treiben, keinen Schuß abgegeben, gute 20 KM Schlammschlacht.
Samstag:
nicht weit von daheim, im Revier eines ehemaligen Mitjägers. Knapp 20 Schützen, 5 Treiber und etwa 10 Hunde. Beinahe wäre es am Ende einer weniger gewesen.
Im ersten Treiben stehe ich im Wald. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir stellen ein Waldstück ab, ich gehöre zu der fußgesunden Gruppe, die den längeren Anmarsch durch die Schlammwüste vor sich hat. Ich hatte sowas geahnt und das wirklich ganz derbe Schuhwerk gewählt. Zum Glück. Am Anfang bleibt die Gruppe dicht beieinander, der Ansteller, ein Herr kurz vor 70, schleppt ein riesiges Warnschild mit sich. Ich will höflich sein und biete ihm einen Tausch an. Er trägt meinen Sitzstock und ich nehme das Schild. Denn kommen wir an den Berg. Üble Sache, steil wie die Wutz und matschig, daß du dir wünschst, daheim geblieben zu sein.
Aber was soll´s, Bauch rein, Brust raus, der toitsche Waidmann jammert nicht. Also zumindest vorerst. Methusalix legt einen Schritt vor, daß ich kaum nachkomme ohne zu pumpen wie ein Maikäfer. Die Blöße wollte ich mir nämlich nicht geben. Oben angekommen verrät der Alte mir, daß er vor 14 Tagen noch einen Halbmarathon gelaufen ist. In einer - meiner Beurteilung nach - respektablen Zeit. Ich war kurz versucht, ihm das Schild überzuziehen.
Ich stehe auf einem langen Waldweg, links neben mir niemand, nach rechts etwa 100 Meter weiter der nächste Schütze. Das Treiben geht los, in der Ferne vom Waldrand sind vereinzelte Schüsse zu hören und ich sehe insgesamt 8 Air-France-Rehe. Air-France-Rehe sind für mich Flugrehe. Hin und wieder, eher selten, ein Bein am Boden.
An Schießen nicht zu denken. Im ersten Treiben liegen zwei Frischlinge, einen davon haben die Hunde gestellt, und 1 Reh.
Zweiter Trieb. Das waren eigentlich zwei parallele Treiben im Feld, jeweils links und rechts der Straße.
Ich stehe kurz hinter der Straße an einer Hecke. Hinter mir postieren sich die Treiber. Vor mir zwei riesige Maisfelder. Hab ich so noch nie gesehen, kniehoher Mais, der in voller Frucht steht. Und das im November. Vllt. liest ja ein Landwirt mir, der sich darauf einen Reim machen und mich erhellen kann.
Im Angehen der anderen Jäger springen aus dem Maisbuffet etwa 15 Rehe ab, ohne daß an einen Schuß zu denken war, alles viel zu weit.
Plötzlich klingelt mein Telefon, einer der Treiber. "Hast du gut geladen?". Ich sage, gesoffen wird nach der Jagd. Nein du Blödmann, in der Hecke neben dir steht eine Compagnie Sauen, da gehen wir gleich rein.
Die Sauen haben anscheinend mitgehört und verdrücken sich unbeschossen. Das Treiben geht los und plötzlich wird es laut. Überall schießt es. Die Rotte kam zurück und ist genau an der Linie entlang. 3 Frischlinge und ein junger Keiler liegen. Der Keiler liegt etwa 50 Meter vor mir im Mais und macht Anstalten nochmal aufzustehen. Ich verständige mich mit dem Nachbarschützen und gehe in den Mais. Nochmal - bevor jemand auf falsche Gedanken kommt, der Mais ist 40 cm hoch oder so. Also, ich gehe in Richtung Keiler und setze der Sache ein Ende.
Von der anderen Straßenseite sind auch vereinzelte Schüsse zu hören, dort ein Reh und ein beschossener Keiler. Der flüchtet in den nahen Wald und ein Hund hinterher.
Der Keiler wollte offensichtlich nicht so schnell aufgeben. Mal wieder ein Hund ohne Schutzweste. Ich versteh es nicht. Mit viel Glück ist er durchgekommen, Rute mußte amputiert werden und an der Hinterkeule - 2 cm neben einem großen Gefäß. Das hätte böse enden können und hat natürlich auf die Stimmung gedrückt.
Am nächsten Morgen ins "alte" Revier, mittlerweile unter neuer Regie. Die Sache läuft deutlich straffer, zb. 8 Uhr antreten, Startgeld abgeben, unterschreiben, fünf vor halb 9 Ansprache, halb 9 abrücken. Kein stundenlanges Geschwätz mit unnützem dynamischen Rumstehen und Gesprächen von der 6-Zentner-Sau, die der xyz vor 56 Jahren nur mit Taschenmesser und Zahnstocher bewaffnet erlegt hat. Zum Glück. Geht auch ohne. Hab ich schon mal erwähnt, daß ich es sehr nervig finde, für 3 Stunden Jagen 4 Stunden rumzustehen? Also zwei vorher und zwei nachher?
Im ersten Treiben gehe ich mit einer Gruppe von 7 Jägern, unter ihnen der ehemalige Pächter. Wir stehen in einem Tal, das nach hinten hin boshaft ansteigt. In der Mitte ein Bach, der sich allerdings etwa 2-3 Meter tief ins Gelände eingegraben hat. Letztes Jahr habe ich mal auf der anderen Seite im Hang ein Reh geborgen, das war Schwerstarbeit. Deswegen habe ich mir geschworen, außer auf ein Hirschkalb schieße ich auf der Seite auf nix. Aber war eh nur Theorie. Keine Hürsche, dafür aber reichlich Rehe. Ich stehe am Ende des Tals, ganz oben kurz vor der Höhe, links neben mir ein riesiges Farnfeld, kurz davor der Waldrand. Normalerweise der Stand mit Garantie. Außer, wenn ich da stehe.
Kurz vor Ende des Treibens kommt ein verirrter Frischling, schlängelt durch die Brombeeren und den Farn. Ich hab nicht geschossen.
Danach dann noch ein kurzes letztes Treiben im Feld, wir stellen weiträumig die Hecken ab und die gesamte Hunde - und Treiberwehr geben ein letztes Mal alles. Dabei kamen noch 3 Frischlinge und 2 Rehe zum Liegen.
In Summe ein sehr schönes, wenngleich recht anstrengendes Wochenende. Gestern, Montag, ich muß sagen, ich war ein bissi platt und hab auch noch die Nacht zu heute - Dienstag - ausgesprochen gut geschlafen.
Ich hatte einen Freund mit seinem jungen Terrier dabei, die waren als Treiber unterwegs. Der hat einen der Frischlinge geschenkt bekommen, den zerlege ich ihm morgen noch.