Aber um mal von „Rezeptsammlungen oder nicht“ wieder zum eigentlichen Thema zurück zu kommen: der Titel des Freds ist weise gewählt.
Murphy sagt: „Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht,
dann wird es jemand genau so machen.“
@WolfsFac3: ja, ich fürchte, du hast in deinem Test alle Parameter so gesetzt, dass ausgerechnet du der jemand warst.
Da der Titel vor dem Versuch gewählt wurde spricht er dann doch von großer Weitsicht (oder ist es nur eine Self-fulfilling prophecy?).
Ich bleibe bei: weiter so
Und um mir selbst treu zu bleiben, antworte ich mit einem kleinen Bericht.

Auch wenn das mit den demontierten Inlinerbremsen nicht unbedingt danach klingt: Als Junge war ich eher der, der auf Nummer Sicher geht und möglichst alles minutiös akribisch vorbereitet, wenn er etwas tut. Ich hätte auch zum Beispiel diese Bremsen nie demontiert, wenn ich nicht im Fahren folgendes bemerkt hätte: Mit den blöden Dingern stolperte ich deutlich häufiger, und zum Bremsen nutzte ich eh das quer nachgezogene rechte oder linke Bein.
Dazu kommt: Während die anderen ihre Kapriolen voreinander vollzogen, um sich zu profilieren, habe ich darauf immer verzichtet. Gewartet bis ich allein war, und dann nur vor mir und für mich selbst kapriolt.
Ich werde nie vergessen, wie ich einmal im Wald war, und parallel zu einem Abhang den Weg fuhr, und folgende Überlegung in meinem Gehirn auftauchte: Was, wenn Du jetzt nach rechts über den Wall lenkst? Und mir war sofort klar, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, dass das schief geht. Vielleicht sogar richtig schief. Vielleicht war ich gerade einfach etwas übermütig, vielleicht war es die scheinende Sonne, ich werde mich daran wahrscheinlich nie erinnern. Was ich aber genau weiß, ist was folgte. Ich erinnere mich an jede Lenkbewegung. An jeden Baumstumpf. An die Stelle, wo ich im lockeren Sand die Balance verloren hab. Dass ich im folgenden Sturz im Fallen merkte, wie mein Bein zwischen den rotierenden Rahmen geriet, und ich wusste, gleich macht's knack. Wie ich es geschafft habe mich abzurollen weiß ich bis heute nicht. Dass die Landung meines dicken Hinterns die Federgabel brechen ließ ist unzweifelhaft. Den Rückweg von 6,4 Km heraus aus der Senke und dem Wald und bis nach Hause mit dem nicht mehr fahrbereiten Vehikel, jetzt während ich es schreibe weiß ich sogar wieder wie die Luft damals gerochen hat.
Es hätte ja auch gut gehen können. Egal wie unwahrscheinlich das war. Jetzt könnte ich noch den Bogen anders schlagen und parallelisieren, aber um es etwas übersichtlicher zu halten kürze ich mal ab zum thematisierten Ereignis. Vielleicht mal chronologisch, und der Diskretion halber fokussiere ich mehr auf mich:
Bestellt hab ich den Ofen Anfang April, mit einer derart langen Lieferzeit hab ich nie gerechnet. Vor 14 Tagen dann ergab es sich, dass sich für ein anderes zu lange ignoriertes Problem eine Lösung ergab: So kam es, dass für gestern der Steiger angemietet wurde. Grundsätzlich bin ich niemand, der erst "ja" sagt, und später einen Rückzieher macht. Das hat mich schon häufiger vor Situationen gestellt, denen ich lieber ausgewichen wäre, aber für mich ist das richtig so. Dann meldete sich am Donnerstag früh um 0524 Dachser mit der Anfrage, mir einen Liefertermin zu wählen. In dem Moment war ich wieder mit meinem Fahrrad im Wald: Hätte ich mir die Zeit genommen bei einem Käffchen in Ruhe darüber nachzudenken, innerhalb weniger Momente wäre klar gewesen wohin das sehr wahrscheinlich führen wird. Hab ich aber nicht, stattdessen habe ich auf meine Ungeduld gehört und dem Habenwill-Gen Raum gegeben. Selbst wenn alles glatt gelaufen wäre (wovon ich wirklich nicht ausgehen durfte, was ich ignoranterweise aber getan hab), wär's ne knappe Nummer geblieben. Dann entwickelte sich noch das Wetter anders als angekündigt, was ich auch nicht ausreichend im Blick hatte. Allein die Temperaturen und die Sonne hätten mich dazu bringen sollen den Steiger abzusagen, denn mit Sonne kann ich wirklich nicht so gut. Hab ich aber nicht getan. Selbst wenn ich in der Teigführung weniger risikofreudig vorgegangen wäre, wär noch genug Katastrophenpotential übrig geblieben. Aber die Option gab es nicht... Und so fügte sich langsam aber sicher eins ins andere, der Rest wurde hier bereits berichtet.
Tatsächlich finde ich, wenn man im Bewusstsein der Risiken für sich eine Chance sieht, dass etwas Gutes dabei herauskommen kann, sollte man handeln. Manchmal scheint diese Chance verschwindend gering, aber sie ist meistens da. Und tatsächlich waren bei allem Frust der letzten doch sehr intensiven 48 Stunden eine Menge guter Erfahrungen, für mich und andere. Je länger man lebt, desto mehr fokussiert man auf den Frust, und verlernt irgendwann, den Schatten guter Dinge zu erkennen. Zumindest bei mir hab ich das festgestellt, und ich wette ich bin da nicht allein. Das ist so für mich einfach inakzeptabel. Wie Training: Wenn Du merkst, Dein linkes Bein gibt früher auf, trainierst Du es härter. Damit Du Dich irgendwann besser darauf verlassen kannst.
Warum ich das kommuniziere? Berechtigte Frage, denn korrekterweise hätte ich das ja, im Geiste meiner früheren Haltung, für mich behalten müssen. Aber ich habe seit damals etwas dazugelernt: Du kannst nicht immer verhindern, gesehen zu werden. Und wenn ich schon die Bühne betreten muss, dann nicht freiwillig als Opfer. Dann übernehme ich die Show, zumindest ein Stück weit. So nach dem Motto: Ihr wolltet mich, dann kriegt Ihr mich auch, Bitteschön. Außerdem gibt es immer jene auf der Suche nach Inspiration. Ich bin auch selbst so jemand. Da wäre es höchst unfair von mir, anderen, die sich vielleicht ermutigt fühlen könnten, das vorzuenthalten.
In dem Zusammenhang erinnere ich mich an einen anderen kleinen Bericht:
Zu einer Zeit, als die Menschen noch alle dieselbe Sprache hatten, entschlossen sie sich, eine Stadt zu bauen mit einem Turm bis in die Himmel, um sich ein Denkmal zu setzen. Gott gefiel dieser hochmütige Plan nicht, und er entschloss sich zu Gegenmaßnahmen. Weder pulverisierte er die Stadt, noch den Turm, noch vergiftete er ihre Vorräte oder sandte Feuer vom Himmel - er nahm ihnen nur die Gemeinsame Sprache. Fortan gab es verschiedene Sprachen, der eine verstand den anderen nicht mehr, und damit hatte die Sache sich quasi gewaltfrei von selbst erledigt. Ich will damit hier jetzt nicht religiös werden, aber neben allem anderen zeigt mir dieser Bericht vor allem eines: Wie mächtig die Kommunikation ist. Und bei allem was ich nicht kann, aber kommunizieren kann ich. Wenn man nicht lebt um anderen zu helfen wo man kann, braucht man nicht leben. Meine Meinung. Also kommuniziere ich. Ich werde vermutlich nie erfahren, wem ich allein durch diese Publizierung helfen konnte. Wem ich Ansporn war. Ermutigung. "Kuck mal bei dem, so fies isses bei uns doch gar nicht gelaufen"

Und ja, ich glaube jeder hat so Wegwerfmomente. Einen hatte ich gestern Abend. Da habt ihr mir durch geholfen. Wer von Euch hätte das geahnt, bevor es passiert ist? Das sind meine Lieblingsmenschen: Chancen erkennen und nutzen, sich gegenseitig helfen. Ein sehr sympathischer Zeitgenosse sagt hin und wieder gern: "Wem spricht, kann geholfen werden", und das ist wahr. Interessanterweise habe ich bei mir festgestellt, dass wenn mein Sprachzentrum versagt und meine Zunge buchstäblich gelähmt ist, und das kommt selten vor, mein Gehirn und die Finger immer noch funktionieren. Zum Beispiel gestern: Zu der Zeit meines Berichts war ich nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Laut von mir zu geben. Für mehrere Stunden nicht. Besonders dankbar bin ich daher für die digitale Technik und die Möglichkeit, Texte zu verfassen. Das versuche ich tatsächlich auch als nutzbringendes Element in meine Ehe zu implementieren.
Abschließend sehe ich es so wie Du @cripo und andere, die in dieselbe Richtung argumentiert haben:
Ich bleibe bei: weiter so
Die dem vorangegangene Frage kann ich selbst nicht abschließend beantworten. Ich denke, es gibt gute Argumente für beide Seiten.
