Ich will euch heute von zwei Dingen erzählen, die nicht sein können/ dürfen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber auf der Jagd ist nichts unmöglich. Sachen gibt´s....
Eigentlich wollte ich eine Sau schießen. So zumindest der Plan. Am Ende hatte die Sau Hörner. Kommt vor.
Was geschah? Wie und warum?
Gegen halb 8 richte ich mich ein. Auf diesem Sitz war seit ewigen Zeiten niemand, ein Baum hatte den Zuweg versperrt. Den Baum hab ich letzte Woche zerkleinert und bin heute guten Mutes los.
Die Geschichte mit dem Einrichten und Warten und die wortreichen blumigen Beschreibungen dafür, daß nix passiert kennen wir alle, können sie also überspringen.
Gegen viertel nach 9 sehe ich eine Bewegung im hohen Gras. Ein Reh. Nichts genaues sehe ich nicht, das Reh verschwindet hinter der Baumkrone, die noch auf der Wiese liegt. Ich nutze die Deckung und greife zum Peletor unnd zum Glas. DUrch das lichte Laub in der Baumkrone sehe ich zwei nicht all zu hohe Spieße.
Glas weg, in den Anschlag gehen und warte am Ende der Baumkrone auf das Reh, das sich inzwischen als Bock herausgestellt hat.
Bock kommt hinter der Krone raus. Ich entscheide mich auf´s Blatt zu schießen, weil ich ihn am Platz wissen will, weil ich gerne noch ne Stunde sitzen und auf die Sauen warten will.
Das Abssehen ruht auf dem Blatt, einstechen, päng, nix. Absolut keine Reaktion, außer daß er sich umgedreht hat und weggerannt ist. Zurück in den Wald. 7x64 auf´s Blatt mit S&B. Bis zur 80 Kilo-Sau fällt da alles um. Ich verstehe es nicht.
Das war Teil eins der Geschichte von Dingen, die nicht sein können, weil sie nicht sein dürfen.
Ich hirne was jetzt gerade passiert ist und verwerfe sofort meinen Plan mit den Sauen. Zusammenpacken, mühsam 10 Minuten gewartet und auf zum Anschuß. Nichts. Kein Schweiß. Zumindest da, wo ich der Meinung war, daß dort der Anschuß ist. Ich bin noch ein paar Schritte der Fluchtfährt nach, kein Schweiß. 0,00000 nix.
Plan B. Die Wunderwaffe kommt zum Einsatz. Und diese Wunderwaffe ist die zweite Sache, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf. Zumindest wenn ich Deustchalnds größtem Forum für Klugscheißerei, maximaltheoretische Jagdangelegenheiten und immer wieder erhellenden Kaliberdiskussionen glauben darf. Der geneigte Leser weiß, wellches Forum ich meine.
Nun also zur Wunderwaffe. Eine braune Labradorin, 3 Jahre alt. Labradore können nämlich keine Nachsuchen. Sagt das große Fachforum. Nur gut, daß ich das meiner noch nicht gesagt hab.
Ich hole also den Hund aus dem Auto und wir gehen in Richtung Anschuß. Noch besser, wenn man(n) seinen Hund lesen kann. 10 Meter vor dem Anschuß geht die Nase in den Wind und kräuselt sich leicht. Freudige Erregung beim Hund, grenzenlose Erleichterung beim Musher. Ein eindeutiges Zeichen. Dann gehe ich mit ihr an den vermeintlichen Anschuß. Hund sagt mir, das ist nicht der Anschuß, ein Meter weiter isser. Sagt der Hund. Und siehe da, Schweiß. Gießkannenartig.
Der Fluchtfährte nach, im Gras nichts, kein Schweiß. In den Wald rein, alle 4-5 Meter ein dicker Tropfen. Hundine arbeitet in ihrer herrlich unaufgeregten Art die Fährt aus, mal zwei Schitte nach links, drei nach rechts, zurück, weiter nach vorne.
Wir steigen durch die Buchenrauscher, und plötzlich bleibt sie stehen. So nach geschätzten 50-60 Metern. Auf einem Sandstein und rührt sich nicht mehr. Ich will sie antreiben, die rührt sich nicht. Dann freudiges Gekläff und die ersten Bockhaare fliegen. Ein Satz in die keine Senke und dem Bock an den Hals. So wie ich es ihr beigebracht hab.
Der Bock war natürlich längst tot.....
Ich bin ja lernfähig. Ich hab den Bock gelassen wo er ist, Hund, Gepäck und Gewehr ans Auto und dann zum Bergen zurück. Weil, Gewehr, Messer, Hund und Bock zusammen, das klappt nicht und führt regelmäßig dazu, daß ich auf die F****e fliege und im Dreck lande. Keinen Bock drauf. Wildmarke dran und dann die 300 Meter ans Auto ziehen.
Beim Aufbrechen kam des Rätsels Lösung:
Lehrbuchmäßiger Einschuß. Der Bock hat minimal schräg gestanden, deswegen Ausschuß hinter dem Blatt, aber deutlich vor dem Zwerchfell. Der Schuß hat im oberen Teil das Herz minimal perforiert und gleichzeitig hat wohl irgendwas von innen den Ausschuß, der ewa so groß war, wie eine 2 Euro Münze verschlossen. Ausschuß auch zwischen 2 Rippen.
Das war die Geschichte von den zwei Dingen, die nicht sein können, weil sie nicht sein dürfen.
Am Auto angekommen war inzwischen auch vom Nachbarsitz der Jagdkolege angekommen, der mir beim Aufbrechen geholfen hat.
Gegen 11 waren wir daheim, der Bock in der Kühlung. Und unzuglaube - in der Kühlung - da steht dann doch tatsächlich ein eiskalter Kasten Sauerkrautsaft.

Es gab noch zwei Erlegersauerkrautsäfte, dann bin ich heim, und hab mit zwei weiteren Erlegersauerkrautsäften eine kleine spontane Trauerfeier für den Bock abgehalten.